<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Waldglas</id>
	<title>Waldglas - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Waldglas"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Waldglas&amp;action=history"/>
	<updated>2026-06-08T20:51:13Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Waldglas&amp;diff=545557&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Acky69: /* Hüttenvolk */ zus. Links</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Waldglas&amp;diff=545557&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2025-10-30T22:21:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Hüttenvolk: &lt;/span&gt; zus. Links&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Roemer Waldglas.jpg|mini|hochkant=0.6|[[Römer (Glas)|Römer]] aus Waldglas mit Beeren[[Noppe|nuppe]]n; Deutschland oder Niederlande, 17.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Waldglas&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet man durch [[Eisen(II)-oxid|Eisenoxide]] [[grün]]lich gefärbtes [[Holzasche]][[glas]], das vom [[Hochmittelalter]] bis zur [[Frühe Neuzeit|frühen Neuzeit]] (etwa vom&amp;amp;nbsp;12. bis zum&amp;amp;nbsp;17.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert) nördlich der [[Alpen]] in &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Wald[[glashütte]]n&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; hergestellt wurde. &amp;#039;&amp;#039;Waldglas&amp;#039;&amp;#039; benennt auch die entsprechende Epoche der Glasgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Waldglasherstellung fand mit dem Ansteigen der [[Holz]]&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;preise im&amp;amp;nbsp;19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert ihr Ende. Grund dafür war der Rückgang an [[Waldfläche]]n und der dadurch entstandene Mangel an [[Brennmaterial]] zum Betreiben der [[Schmelzofen|Schmelzöfen]].&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Waldglas in Mecklenburg.&amp;#039;&amp;#039; 2010, S. 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Öfen waren als [[Hafenofen]] ausgeführt, welcher die [[handwerk]]liche Herstellung von Glasartikeln erlaubte. Im Wald  als Standort der Waldglashütten waren auch  entsprechende Bäume und andere Pflanzen zum Erzeugen von [[Pottasche]] vorhanden, die als [[Netzwerkwandler|Glaswandler]] und Mittel zum Senken der [[Schmelztemperatur]] benutzt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glasherstellung ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Agricola-4.png|mini|Frühe Glasherstellung]]&lt;br /&gt;
Als [[Netzwerkbildner|Glasbildner]] wurde ein geeigneter [[Quarzsand]] angewendet, der möglichst in der Nähe der Hütte [[Abbau (Bergbau)|abgebaut]] werden konnte, z.&amp;amp;nbsp;B. in [[Bachbett]]en [[Anschwemmung|angeschwemmter]] [[Verwitterung|verwittert]]er [[Taunusquarzit]]. Im Gegensatz zu [[Republik Venedig|Venedig]], wo speziell weißer Sand für das „[[Kristallglas|cristallo]]“ verwendet wurde, war es in den Waldhütten nötig, Quarzsand mit möglichst geringem Anteil von [[Schluff]] zu benutzen, der leicht zu [[schmelzen]] war. Mit dem Taunusquarzit kamen Eisenoxide ins [[Gemenge]], welche das Glas selbst in Mengen von weniger als&amp;amp;nbsp;0,1&amp;amp;nbsp;Prozent grün färben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Glaswandler und Mittel zum Senken der Schmelztemperatur verwendete man aus [[Pflanzenasche]] in [[Aschenhaus|Aschenhäusern]] gewonnenes [[Kaliumcarbonat]] („Pottasche“). [[Georgius Agricola]] nennt [[Eiche]], [[Buche]] oder [[Gemeine Fichte|Fichte]] als ideale Pottascheträger, jedoch wurden auch [[Farnkraut]], [[Melasse]] oder [[Wollwachs]] verwendet. Die verarbeitete Asche war dabei noch keine Pottasche im eigentlichen Sinn, sondern reine Verbrennungsasche mit allen Verunreinigungen. Die Pflanzenasche lieferte auch einen Teil des [[Calcit|Kalks]], der für die Herstellung guten Glases nötig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schmelze lief in zwei Schritten ab:&lt;br /&gt;
* zuerst mischte der [[Schmelzer (Beruf)|Schmelzer]] die [[Rohstoff]]e (zwei [[Gewichtsanteil]]e Asche, ein Teil Quarzsand) zu einem Gemenge. Dann wurde das Gemenge im Fritteofen bei ca.&amp;amp;nbsp;750&amp;amp;nbsp;°C in einem Tag und einer Nacht zur [[Fritte (Werkstoff)|Fritte]] „gekocht“. Die Fritte muss gerührt werden, sobald sie heiß wird, damit sie nicht in der Hitze des Feuers schmelzflüssig wird und zusammenbackt.&lt;br /&gt;
* Dieses Asche-Sand-Gemisch kam als neues Gemenge für fünf Stunden in den [[Hafenofen|Schmelzofen]], in dem nun das Glas entstand. Der Ofen wurde hochgefahren, das Gemenge eingelegt, geschmolzen und [[Läuterung (Glas)|geläutert]], von der Schmelztemperatur bei etwa&amp;amp;nbsp;1200&amp;amp;nbsp;°C auf Verarbeitungstemperatur „abstehen“ gelassen und sodann entnommen. Dieser Zyklus dauerte ungefähr&amp;amp;nbsp;18&amp;amp;nbsp;Stunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der [[Schüren (Feuer)|Schürer]] den [[Ofen]] auf Schmelztemperatur gebracht hatte, legte der [[Schmelzer (Beruf)|Schmelzer]] die erste Einlage in die &amp;#039;&amp;#039;[[Hafenofen|Häfen]]&amp;#039;&amp;#039; ([[Tiegel (Gefäß)|Tiegel]]) ein, die nun solange köcheln musste, bis die Gemengeportion klargeschmolzen war. Die regelmäßig gezogenen Proben zeigten, wann im Glas keine Sandteile mehr sichtbar waren&amp;amp;nbsp;– das Gemenge war &amp;#039;&amp;#039;„aus dem Sande“&amp;#039;&amp;#039;. Die folgenden Einlagen in denselben Hafen wurden in der gleichen Weise vorgenommen, bis er voll geschmolzen war. Die &amp;#039;&amp;#039;Glasgalle&amp;#039;&amp;#039;&amp;amp;nbsp;– auf der Oberfläche schwimmende, ungeschmolzene, hauptsächlich aus [[Alkalimetalle|Alkali]][[sulfate]]n&amp;lt;ref&amp;gt;Irmgard Müller: &amp;#039;&amp;#039;Eine unbeachtete Speyerer Arzneitaxe des 16. Jahrhunderts.&amp;#039;&amp;#039; In: Werner Dressendörfer, Wolf-Dieter Müller-Jahncke (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Orbis pictus. Kultur- und pharmaziehistorische Studien.&amp;#039;&amp;#039; Frankfurt am Main 1985, S. 187–215; hier: S. 190 und 212.&amp;lt;/ref&amp;gt; bestehende Verunreinigungen&amp;amp;nbsp;– wurde vom Schmelzer „abgefeimt“, also abgeschöpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schürer fuhr den Ofen jetzt auf die maximale Temperatur, um die Läuterung zu beginnen. Die Läuterung wurde dann unterstützt durch das &amp;#039;&amp;#039;Bülwern&amp;#039;&amp;#039;: je nach Erfahrungsschatz und Maßgabe des Schmelzers wurde dazu ein nasser Holzkeil oder auch mal eine [[Zuckerrübe]] in das Glas gegeben. Die entstehenden relativ großen [[Wasserdampf]]&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;blasen vereinigen sich mit im noch nicht geläuterten Glas vorhandenen kleinen [[Gasblase]]n. Diese werden so an die Oberfläche gebracht, wo sie dann in die Ofenatmosphäre entweichen können. Dadurch ergibt sich eine Reinigung des Glases von kleinen Blasen, welche ansonsten im Glas als [[Inklusion (Mineralogie)|Einschlüsse]] verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergab die anschließende Fadenprobe, dass die Schmelze völlig klar war, musste das Glas auf Verarbeitungstemperatur „abstehen“&amp;amp;nbsp;– das Glas war fertig und der Schürer ging zum „Klopfen“, d.&amp;amp;nbsp;h. er weckte die [[Glasmacher]] auf, was zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich war. Zur Glasformung wurde die Ofentemperatur konstant gehalten. Das „Ausarbeiten“ dauerte zehn bis zwölf Stunden, bis das erschmolzene Glas zu den verschiedenen Produkten geformt worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Flachglas ===&lt;br /&gt;
Ein Haupterzeugnis der Waldglashütten waren die [[Butzenscheibe]]n, kleine runde [[Glasscheibe]]n mit&amp;amp;nbsp;10 bis&amp;amp;nbsp;15&amp;amp;nbsp;cm Durchmesser, die mittig dicker sind. Diese Verdickung, die zum Umheften benötigt wird, heißt &amp;#039;&amp;#039;Butze&amp;#039;&amp;#039;. Diese auch Mondglastechnik genannte Technik kam aus Frankreich, genauer aus der [[Normandie]]. Der [[Glasmacher]] blies eine kleine Kugel, die umgeheftet, von der Pfeife abgeschlagen und erneut erhitzt wurde. War das Glas durch die Hitze erweicht, so wurde das [[Hefteisen]] in der Hand gerollt. Durch die [[Fliehkraft]] öffnete sich die Glaskugel zu einer [[Scheibe]]. Die Butzenscheiben wurden in den Städten von den [[Glaser]]n mit [[Bleirute]]n zu Fenstern zusammengefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hohlglas ===&lt;br /&gt;
[[Datei:WaldglasWeinflascheVor1900.jpg|mini|hochkant|Weinflasche, Frankreich um&amp;amp;nbsp;1850]]&lt;br /&gt;
Ab dem&amp;amp;nbsp;13.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert stellten die Glashütten &amp;#039;&amp;#039;[[Nuppenbecher]]&amp;#039;&amp;#039; her. Diese Form stammte aus dem [[Orient]] und ist wohl über Venedig in den Norden gelangt. Es gab verbreitet [[Spätrömische Nuppengläser|spätrömische Vorläufer]] von teilweise hoher Qualität. Nuppengläser sind runde [[Becher]] mit gerader Wandung und leicht ausladendem Lippenrand. Sie sind mit vielen kleinen, auf die Wandung aufgesetzten Glas[[Noppe|nuppe]]n verziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Anfang des&amp;amp;nbsp;15.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts verdrängte der &amp;#039;&amp;#039;[[Krautstrunk]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;amp;nbsp;– ein kleiner, leicht bauchiger Becher mit wenigen dicken Glasnuppen&amp;amp;nbsp;– den Nuppenbecher. Die Krautstrünke konnten mit geringerem Aufwand gefertigt werden und waren eine künstlerische Antwort auf die gestiegene [[Nachfrage]] an [[Glasgefäß]]en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach&amp;amp;nbsp;1500 entwickelte sich der Krautstrunk langsam zum &amp;#039;&amp;#039;[[Berkemeyer]]&amp;#039;&amp;#039; weiter, einem leicht [[konisch]]en Becher, der mittig mit einem Faden verziert ist. Der Faden bildet die Trennlinie zwischen dem geraden, mit Nuppen besetzten Unterteil und dem glatten und konisch ausladenden Oberteil. Meistens ist der Fuß mit einem gezupften leicht welligen Fußring versehen. Ab Mitte des&amp;amp;nbsp;16.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts stellten die Glasarbeiter Berkemeyer auch mit gesponnenem, durchstochenem Fuß her, später auch mit ausschließlich gesponnenem Fuß. Der Berkemeyer ist eine elegantere Erscheinung als der Krautstrunk; seine Entwicklung verlief zeitgleich mit dem Einzug der [[Renaissance]] im transalpinen Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Römer (Glas)|Römer]] sind keine mittelalterlichen Gläser mehr, zählen aber noch zum Waldglas. Sie haben einen gesponnenen, konischen Fuß, einen [[Zylinder (Geometrie)|zylindrischen]] Schaft und eine [[kugel]]&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;förmige [[Kuppa]]. Der Schaft war meist mit Nuppen verziert, ab&amp;amp;nbsp;1630 auch mit [[Beere]]n&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;nuppen. Zur Herstellung eines Römers brauchte es zwar höheres [[handwerk]]liches Können, aber ab dem&amp;amp;nbsp;17.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert stellte das Waldglas nicht mehr die Spitze der [[Glaskunst]] dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Bechern mit angesetzten Glasverzierungen gibt es auch optisch geblasene Gläser. Deren Rippenverzierung wird hergestellt, indem das heiße Glas in einen mit Rippen versehenen [[Tonminerale|Ton]][[Model (Form)|model]] als Negativform ausgeblasen wird; ein zweiter Arbeitsschritt zur Anbringung der Verzierung entfällt. [[Rippenbecher]] wurden ab dem&amp;amp;nbsp;15.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert gefertigt, im&amp;amp;nbsp;16.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert auch mit Fuß. Eine technische Verfeinerung sind [[Kreuzrippe]]n&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;becher. Ein typischer Kreuzrippenbecher ist das &amp;#039;&amp;#039;[[Maigelein]]&amp;#039;&amp;#039;, ein niedriger, bauchiger Becher mit eingestochenem Boden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Gefäßformen sind:&lt;br /&gt;
* die hohen, dünnen und nach oben konisch öffnenden [[Stangenglas|Stangengläser]]&lt;br /&gt;
* der bis zu zwei [[Liter]] fassende zylindrische [[Humpen]]&lt;br /&gt;
* das hohe Keulenglas, dessen Wandung im oberen Bereich [[keule]]n&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;förmig gebaucht ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Waldglas gibt es Formen, die unter dem Namen &amp;#039;&amp;#039;[[Kuttrolf]]&amp;#039;&amp;#039; auftreten, was sich von &amp;#039;&amp;#039;Gutter&amp;#039;&amp;#039; (die [[Kehle (Anatomie)|Kehle]]) ableitet&amp;amp;nbsp;– im Wörterbuch der [[Brüder Grimm]] heißt es: „Gutter ist eine Flasche mit weitem Bauch und langem, engem Halse, die sich zu einer Trink[[Schale (Gefäß)|schale]] erweitert; eine aus [[spätantike]]r Kultur stammende Gefässform.“ Diese Flaschen sind in Museen selten, aber aus [[Holzstich]]en von [[Leonhard Beck]]&amp;amp;nbsp;(1523) und dem [[Albrecht Dürer|Dürer]]-Schüler [[Hans Weiditz]]&amp;amp;nbsp;(1521) bekannt. Der Bauch hat einen eingestochenen Boden, und der Hals formt einen Bogen von&amp;amp;nbsp;45&amp;amp;nbsp;°, sodass sie unter den [[Gürtel]] geschoben werden konnten und damit immer dabei waren. Die Ausgussschale hat die Form eines [[Klee]]blattes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Angster (Glas)|Angster]] ist eine mit unüblicher Saug-Blas-Technik hergestellte Flasche oder Trinkschale mit Behälter, deren Besonderheit darin liegt, dass sie einen aus drei bis fünf Röhren bestehenden Hals besitzt. Die Technik gab es schon im [[Köln]] des&amp;amp;nbsp;3. und&amp;amp;nbsp;4.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts, und mehrröhrige Flaschen sind durchgehend bis ins Mittelalter belegt. Beim typischen Angster sind die Halsröhren vertikal und&amp;amp;nbsp;90&amp;amp;nbsp;° tordiert. Beim Trinken aus einem Angster ist ein lautes [[Gurgeln]] und Glucksen zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Form ist die &amp;#039;&amp;#039;Doppelkonische Flasche&amp;#039;&amp;#039;. Diese hat einen flachen Boden, einen zylindrischen Körper und einen konischen Hals mit umgelegter Mündung. Die Besonderheit besteht darin, dass zwischen Hals und Körper ein Ring eingefaltet ist, dessen Zweck sich aber nicht erkennen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonderformen von Glasprodukten waren z.&amp;amp;nbsp;B. [[Sanduhr|Stundengläser]], [[Scheuer (Gefäß)|Scheuern]] und [[Pilgerflasche (Deutschland)|Pilgerflaschen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Handel ==&lt;br /&gt;
Seit dem&amp;amp;nbsp;13.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert nahm der Gebrauch von Glas allmählich zu. Verglaste [[Fenster]] stellten bis weit in das Mittelalter einen großen Luxus dar und wurden erst im&amp;amp;nbsp;16.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert allgemein üblich. Ähnlich verhält es sich mit dem Gebrauch von gläsernen [[Trinkgefäß]]en&amp;amp;nbsp;– Glas galt als ausgesprochen kostbar und fand sich nur in den Haushalten der [[Adel]]igen oder der reich gewordenen Stadt[[bürger]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Glasprodukte wurden von den &amp;#039;&amp;#039;Fasserinnen&amp;#039;&amp;#039;, oft die Frauen und Töchter der [[Glasmacher]], in [[Stroh]] verpackt, das feucht gehalten wurde, damit es biegsam blieb, und in Buckel[[kraxe]]n (im Norden &amp;#039;&amp;#039;[[Kiepe]]n&amp;#039;&amp;#039; genannt) geladen. Der [[Glasträger (Schwarzwaldglas)|Glasträger]], &amp;#039;&amp;#039;Kraxenträger&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Reff (Rückentrage)|Reff]]&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;träger&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;[[Kiepenkerl]]&amp;#039;&amp;#039; trug das Glas mit der Kraxe auf dem Rücken über die altbekannten [[Handelsweg]]e in die Städte zu den Glas[[händler]]n („ufftragen“). Der größte Teil der Produktion wurde beim [[Lehnsherr]]en als [[Steuer]]n abgegeben. Die [[kurfürst]]lichen Handelswege wurden „[[Goldener Steig]]“ genannt und verbanden z.&amp;amp;nbsp;B. [[Prag]] mit der Fuggerstadt [[Augsburg]] oder gingen über [[Paderborn]] nach [[Hameln]] durch den [[Teutoburger Wald]] Richtung [[Berlin]]. Die Händler sammelten auch zerbrochenes Glas wieder ein, das der Träger mit zurück in die Hütte nahm, wo es wieder eingeschmolzen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Mecklenburg]]isches Waldglas wurde seit dem&amp;amp;nbsp;17.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert vor allem nach [[Holland]] und [[Hamburg]] [[export]]iert. Der Transport der Ware nach Hamburg erfolgte entweder von [[Boizenburg]] über die [[Elbe]] abwärts oder auf dem [[Seeweg]] nach [[Lübeck]]; bedeutender als Lübeck war [[Rostock]] als [[Umschlagplatz]], etwa gleichrangig mit Lübeck ist [[Wismar]] zu sehen. Von Lübeck und Wismar wurde auch viel Glas nach [[Skandinavien]] ausgeführt. Im&amp;amp;nbsp;18.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert war auch der [[Absatzvolumen|Absatz]] nach [[Dänemark]], [[Riga]], [[St. Petersburg]] und sogar [[Nordamerika]] von Bedeutung, letzteres insbesondere für vierkantige [[Flasche]]n mit sehr [[Wandstärke|starkem]] Glas.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Waldglas in Mecklenburg.&amp;#039;&amp;#039; 2010, S. 10–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Waldglashütte ==&lt;br /&gt;
Waldglas- oder auch Wanderglashütten waren während des Mittelalters bis in die [[Frühe Neuzeit]] eine spezifische [[Betriebsform]] zur Erzeugung von Glas in [[Mitteleuropa]]. Im Mittelalter gab es neben den sesshaften [[Kloster]]&amp;amp;nbsp;hütten, die auf die Herstellung von [[Farbe|farbigem]] Flachglas für [[Bleiglasfenster|Kirchenfenster]] beschränkt waren, auch „weltliche“ Wanderhütten. Nach dem Zusammenbruch des Orienthandels im frühen Mittelalter musste die zur Glasherstellung notwendige [[Soda (Mineral)|Soda]] von der [[Levante]]küste und aus [[Ägypten]] aufgrund der Versorgungsschwierigkeiten durch örtlich hergestellte Pottasche ersetzt werden. Wegen des hohen Holzbedarfs wurden die Glashütten in den Wäldern angesiedelt, meist in einer siedlungsärmeren Gegend; so im [[Thüringer Wald]], [[Weserbergland]], [[Kaufunger Wald]], [[Böhmerwald]], im südlichen [[Erzgebirge]], im [[Fichtelgebirge]], [[Spessart]], [[Schwarzwald]], in [[Lothringen]], dem [[Elsass]], den [[Ardennen]], [[Mecklenburg]] und auch in [[Holland]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl es schon vorher Glasherstellung gab, war Kaiser [[Karl IV. (HRR)|Karl&amp;amp;nbsp;IV.]], der mit anderen Handwerkern auch Glasmacher aus [[Italien]] und [[Frankreich]] nach [[Prag]] holte, für die Entwicklung des Waldglases besonders wichtig. Von [[Böhmen]] aus wanderten die Glasmacher[[sippe]]n immer weiter nach Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den [[Lehnsherr]]n war die Glashütte nicht nur ein Glasproduzent, der erhebliche [[Steuer]]n einbrachte. Wegen ihres hohen Holzverbrauchs kamen ihnen auch wesentliche Aufgaben beim [[Landesausbau]] und der [[Forstwirtschaft|Waldwirtschaft]] zu. Die Waldglashütten wanderten, wenn der Wald geschlagen war, in immer entferntere, unbesiedelte Gebiete bis hinauf in die [[Hochtal|Hochtäler]], und mit ihnen zog das ganze [[Gefolge]], das durch sie Beschäftigung erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Herstellung von&amp;amp;nbsp;1&amp;amp;nbsp;kg Glas wurde damals ca.&amp;amp;nbsp;1&amp;amp;nbsp;[[Raummeter]] [[Holz]] benötigt. Der Holzbedarf einer einzigen Glashütte zur Herstellung von Pottasche und zum Heizen der Glasöfen betrug jährlich&amp;amp;nbsp;2000 bis&amp;amp;nbsp;3000&amp;amp;nbsp;[[Festmeter]] Holz, was etwa&amp;amp;nbsp;3000 bis&amp;amp;nbsp;5000&amp;amp;nbsp;Raummetern entspricht. Für eine Glashütte wurde somit jährlich der Holzvorrat von etwa&amp;amp;nbsp;20 bis&amp;amp;nbsp;30&amp;amp;nbsp;[[Hektar|ha]] Wald benötigt. 80 bis&amp;amp;nbsp;85&amp;amp;nbsp;% des Holzes wurde dabei für die Pottaschegewinnung veräschert. Schon im&amp;amp;nbsp;14.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert wurden Klagen über die Waldverwüstung durch die Glashütten laut; beispielsweise waren im Spessart nie mehr als 10&amp;amp;nbsp;Waldglashütten gleichzeitig in Betrieb. Für den Landherrn jedoch war eine Glashütte die lukrativste Art und Weise, seinen Wald zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den verlassenen Wohnstätten konnten [[Ackerbauer]]n und [[Viehzucht|Viehzüchter]] angesiedelt werden, die auf den [[Bauernhof|abgeholzten]] Flächen wiederum Nahrung produzierten und das Wachstum so weiter förderten. So konnte eine Wanderglashütte ganze [[Wald|Wälder]] für die [[Besiedelung]] vorbereiten, es entstanden [[Bauernhof|Hof]] um Hof, [[Siedlung]] um Siedlung. In einigen Gegenden wurde das Befeuern der Glasöfen mit Holz schon im&amp;amp;nbsp;17.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert verboten (so in [[England]]&amp;amp;nbsp;1615 und in Böhmen&amp;amp;nbsp;1650), womit das Ende der Waldglashütten eingeleitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hüttengebäude ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Glashütten Glashütte.JPG|mini|Ofenreste der [[Glashütte an der Emsbachschlucht]]]]&lt;br /&gt;
Für eine Waldglashütte mussten erst alle baulichen Anlagen für den Hüttenbetrieb erstellt werden. In einer Waldglashütte lebten oft mehr als zehn Familien zusammen, was eine nicht unerhebliche [[Infrastruktur]] erforderte. Da die Glashütten nur für einen begrenzten Zeitraum betrieben wurden, waren die meisten Gebäude nicht sehr massiv gebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentrales Gebäude war das Hüttengebäude, in dem der Schmelzofen mit Kühlofen stand. Der Hüttenboden bestand aus [[Lehm]]. Das Gebäude war ein aus Holz [[Zimmerer|gezimmerter]] Lang[[Schuppen (Gebäude)|schuppen]] mit einem für Glashütten typischen Rauchdach, durch das der aus dem Ofen emporsteigende [[Rauch]] aus der Hütte zog. Um den Ofen gab es eine hölzerne [[Arbeitsbühne]], auf der die Glasmacher während der Arbeit standen. Im Hüttengebäude konnte auch [[Brennholz]], Pottasche und Sand trocken [[Lagern|gelagert]] werden. Des Weiteren wurden fertige Glaswaren für den Versand vorbereitet. Wenn die Glashütte an einem [[Bach]] lag, konnte auch eine [[Mühle]] mit [[Pochwerk]] erbaut werden, welche die Arbeit wesentlich erleichterte.&amp;lt;!-- bitte konkreter: was genau wird leichter durch Mühle / Pochwerk? --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Wohnung]] des Hüttenmeisters waren etwas besser gebaute [[Haus|Häuser]], in denen auch die Glasmacher[[geselle]]n mit ihren Familien wohnten. Die übrigen [[Arbeiter]] wohnten in kleinen [[Kate (Hütte)|Katen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit zunehmendem [[Wohlstand]] wurden [[Stall|Ställe]] und [[Scheune]]n für die [[Landwirtschaft]] errichtet. Umliegende Flächen wurden im [[Waldfeldbau]] zur [[Eigenversorgung]] des Hüttenpersonals landwirtschaftlich genutzt. War die [[Boden (Bodenkunde)|Boden]]&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;kraft erschöpft, so überließ man die Felder dem [[Weide (Tierhaltung)|Weide]][[vieh]], bis sich der Boden wieder erholte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ofen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Agricola-2.png|mini|links|Der Fritteofen]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Agricola-1.png|mini|Schmelz- und Kühlofen]]&lt;br /&gt;
Die Glasschmelzöfen der Waldglashütten waren nach bildlichen Quellen in der Regel dreistöckige Rundöfen. Sie waren [[Hühnerei|ei]]&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;förmige Konstruktionen mit&amp;amp;nbsp;3&amp;amp;nbsp;m Durchmesser und bis zu 3&amp;amp;nbsp;m Höhe, aus [[Lehmziegel]]n [[Mauerwerk|gemauert]] und mit [[Keramik #Der_Brennprozess|gebrannter]] [[Schamotte]] versetzt. Im unteren Stock lag der Befeuerungsraum mit ein oder zwei halbrunden Öffnungen für den Holzeinwurf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte schlugen die [[Flamme]]n durch eine große runde Öffnung in den zweiten Stock, in dem die [[Hafenofen|Hafenöfen]] standen. Dieser etwa&amp;amp;nbsp;1,20&amp;amp;nbsp;m hohe Raum war rundum mit 20&amp;amp;nbsp;× 20&amp;amp;nbsp;cm großen Ofentoren versehen, durch die das Gemenge eingelegt und das Glas entnommen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Obergeschoss, das durch eine kleine Öffnung mit dem Schmelzraum verbunden war, lag der [[Kühlofen]], der nur 400&amp;amp;nbsp;°C heiß war. Der Kühlofen war mit einer kleinen Öffnung versehen, durch die fertige [[Werkstück]]e eingetragen wurden. Am Abend wurde das Loch zwischen Schmelzraum und Kühlraum mit einem Stein verschlossen, sodass das Glas über Nacht langsam abkühlen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Archäologisch]]e [[Ausgrabung]]en in mittelalterlichen und [[frühneuzeitlich]]en Glashütten zeigen oft ein anderes Bild. Demnach handelt es sich eher um [[Liegender Ofen|liegende Öfen]], die funktional geteilt waren. Dieses Schema findet sich auch noch in [[neuzeit]]lichen Hütten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Werkzeuge ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Drawing3.gif|mini|[[Werkzeug]]e des [[Glasmacher]]s]]&lt;br /&gt;
* Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;[[Glasmacherpfeife]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;amp;nbsp;(A) ist ein etwa&amp;amp;nbsp;1,20&amp;amp;nbsp;m langes [[Rohr (Technik)|Rohr]], das zur Hälfte aus [[Eisen]] und zur anderen Hälfte aus Holz bestand. Das eiserne Ende wurde ins Glasbad getaucht. Durch Drehen wurde eine bestimmte Glasmenge aufgenommen und durch Blasen ins hölzerne Ende zur Kugel geformt.&lt;br /&gt;
* Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;[[Hefteisen]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;amp;nbsp;(B) war ein 1,20&amp;amp;nbsp;m langer [[Stab (Gegenstand)|Stab]], der ebenfalls halb aus Holz und halb aus Eisen gefertigt war. Mit ihm wurde eine kleine Menge Glas aufgenommen und am Boden des Bechers angeklebt, oder Nuppen und Fäden angefügt.&lt;br /&gt;
* Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;[[Auftreibschere]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;amp;nbsp;(D) besteht aus zwei [[messer]]&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;förmigen Spitzen, die mit einem [[Feder (Technik)|Feder]]&amp;amp;nbsp;bügel verbunden sind. Mit ihr wird Glas eingeschnitten oder aufgetrieben.&lt;br /&gt;
* Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Schnabelschere&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;amp;nbsp;(C) ist eine [[Schere]] mit kleinen [[Klinge]]n und langem [[Griff (Vorrichtung)|Griff]], mit der das Glas geschnitten wird.&lt;br /&gt;
* Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;[[Zwackeisen]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;amp;nbsp;(E) ist eine Art [[Pinzette]] mit breitem Bügel und spitzen oder flachen Enden.&lt;br /&gt;
* Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Optikformen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (rechts unten) sind [[Hohlform]]en aus Ton, die rund, drei- oder viereckig sein können und flache oder gezackte Innenwände besitzen. Mit ihnen werden die Rippen ins Glas gepresst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hüttenvolk ===&lt;br /&gt;
Bis ins&amp;amp;nbsp;18.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert waren die Hüttenherren freie [[Unternehmer]]. Sie schlossen mit einem [[Grundherr]]n einen befristeten Vertrag über die Nutzung und Abholzung eines Waldstücks, die [[Tierhaltung|Haltung von Ziegen, Schweinen und Kühen]], die auch im Wald weiden durften und so fort. Innerhalb ihres Glashüttengutes waren sie die absoluten Alleinherrscher. Zugleich waren die Hüttenherren Glasmeister und seit&amp;amp;nbsp;1406 ([[Zunftordnung]] aus dem Spessart) [[Zunft|zünftig]] verbunden. Der Erfolg eines Hüttenbetriebes hing wesentlich von der [[Kunstfertigkeit]] des Glasmeisters ab, aber auch von seiner Geschäftstüchtigkeit. In einer Waldglashütte wurde [[24/7|rund um die Uhr]] im [[Schichtarbeit|Schichtbetrieb]] gearbeitet. Die jährliche Produktionsdauer war laut einer Glasmachervorschrift von [[Ostern]] bis zum [[Martinstag]] im November befristet. Im Winter wurden die Öfen repariert und Brennmaterial für das nächste Jahr besorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Werkplatz bestand aus &amp;#039;&amp;#039;Meister&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Einbläser&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Anfänger&amp;#039;&amp;#039; und dem &amp;#039;&amp;#039;Einträger&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einbläser holte einen Batzen Glas mit der Pfeife aus dem Ofen und blies den Glasposten je nach Werkstück in einer Tonform oder auch freihändig zur Vorform. Dann reichte er die Pfeife weiter zum Meister, der das Glas fertig machte. Dazu ließ er sich vom Anfänger Glasbatzen bringen, die er an der Kuppa anbrachte und zu Nuppen und Fäden formte oder zum Umheften benutzte. War das Glas umgeheftet, so wurde es vom Meister geöffnet. Der Einträger brachte das fertig geformte Glas in den Kühlofen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es herrschte eine strenge [[hierarchisch]]e Ordnung&amp;amp;nbsp;– der Aufstieg von einem Posten zum nächsten konnte Jahre dauern. So durfte sich der Einträger nur in den Pausen am Glasholen üben („Glasschinden“). Hatte er mit der Zeit das Glasholen gelernt, so wurde er zum Anfänger, er kam „auf den Ofen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;[[Schmelzer (Beruf)|Schmelzer]]&amp;#039;&amp;#039; kannte die geheimen Glas[[Rezeptur|rezept]]e und die Rohstoffe, die dafür benötigt wurden. Er mischte die Rohstoffe zum Gemenge, füllte es in die Häfen und war für das Gelingen der Schmelze verantwortlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;Strecker&amp;#039;&amp;#039; war ein [[Experte|Fachmann]] für die Herstellung von [[Flachglas]] (Fensterglas).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;Hafenmacher&amp;#039;&amp;#039; baute den Ofen, schlug und wechselte die Häfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;Schürer&amp;#039;&amp;#039; war für die Beheizung der Öfen zuständig. Es gab einen Tag- und einen Nachtschürer, welche die gewünschte Temperatur in die Öfen brachten. Die Temperatur wurde an der Farbe oder nach Gefühl gemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;[[Aschenbrenner|Pottaschesieder]]&amp;#039;&amp;#039; brannte das Holz zu Asche und verarbeitete diese zu Pottasche, die als [[Flussmittel (Glasschmelzen)|Flussmittel]] für die Glasschmelze diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;Glasmüller&amp;#039;&amp;#039; zerkleinerte das [[Quarzgestein]] und die [[Fritte (Werkstoff)|Fritte]] im Pochwerk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;#039;&amp;#039;[[Holzfäller]]&amp;#039;&amp;#039; schlugen das Holz, brachten es zum Ofen, zerkleinerten es und lagerten es zur [[Trocknung]]. Die Ofenwärme sorgte für eine schnelle Trocknung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen wichtigen geographischen Bereich ist die [[Personengeschichte]] dieser Glasmacher von&amp;amp;nbsp;1409 bis&amp;amp;nbsp;1820 dokumentiert und publiziert im Glasmacher-[[Sippenbuch]] [[Werra]]-[[Weserbergland|Weser-Bergland]].&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kunze: [http://www.klauskunze.com/heikun/glasmacher/glasmacher-sippenbuch.html &amp;#039;&amp;#039;Glasmacher-Sippenbuch Werra-Weser-Bergland von der frühen Neuzeit bis zum Beginn der Industrialisierung um 1820.&amp;#039;&amp;#039;] HeiKun, Heimatkundlicher Verlag, Uslar 2000, ISBN 3-933334-10-1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beispiele ===&lt;br /&gt;
* [[Tscherniheim|Waldglashüttendorf Tscherniheim]]&lt;br /&gt;
* [[Waldglashütte an der Holzminde]]&lt;br /&gt;
* [[Waldglashütte im Reiherbachtal]]&lt;br /&gt;
* [[Waldglashütte im Kreickgrund]]&lt;br /&gt;
* [[Waldglashütte am Lakenborn]]&lt;br /&gt;
* [[Waldglashütte unter dem Hilsborn]]&lt;br /&gt;
* [[Glashütte (Lamspringe)#Geschichte|Waldglashütte bei Glashütte (Lamspringe)]]&lt;br /&gt;
* [[Glashütte an der Emsbachschlucht]]&lt;br /&gt;
* [[Glashütte unterhalb Dornsweg]]&lt;br /&gt;
* [[Glashütte am Buchholzweg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Quellen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
* [[Erhard Brepohl]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Theophilus Presbyter]] und das mittelalterliche Kunsthandwerk.&amp;#039;&amp;#039; Band 1: &amp;#039;&amp;#039;Malerei und Glas.&amp;#039;&amp;#039; Böhlau, Köln u. a. 1999, ISBN 3-412-08498-0.&lt;br /&gt;
* [[Georgius Agricola]]: &amp;#039;&amp;#039;Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen.&amp;#039;&amp;#039; Übersetzt von [[Carl Schiffner]]. VDI-Verlag u. a., Berlin u. a. 1928, S. 500 ff. [http://www.digitalis.uni-koeln.de/Agricola/agricola_index.html (online)]&lt;br /&gt;
* [[Johannes Kunckel]]: &amp;#039;&amp;#039;Ars Vitraria Experimentalis, oder, Vollkommene Glasmacher-Kunst.&amp;#039;&amp;#039; Leipzig 1679.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Literatur&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
* [[Georg Landau]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Glashütten in Hessen.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde.&amp;#039;&amp;#039; Band 3, 1843, S. 280–352. (1. Faksimile-Nachdruck in: Georg Landau: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Glashütten in Hessen und andere Beiträge.&amp;#039;&amp;#039; Herausgegeben von Dieter Carl. Historische Edition Carl, Vellmar 2001, ISBN 3-9806580-7-4) [http://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN189786167_3/322/LOG_0027/ (Digitalisat der Originalausgabe)]&lt;br /&gt;
* Hans Löber: &amp;#039;&amp;#039;Guttrolfe, Formgebung und Herstellungstechnik.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Glastechnische Berichte.&amp;#039;&amp;#039; Band 39, H. 12, 1966, {{ISSN|0017-1085}}, S. 539–548.&lt;br /&gt;
* [[Claus Grimm (Kunsthistoriker)|Claus Grimm (Hrsg.)]]: &amp;#039;&amp;#039;Glück und Glas. Zur Kulturgeschichte des Spessartglases&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur.&amp;#039;&amp;#039; Band 2). Verlag Kunst &amp;amp; Antiquitäten, München 1984, ISBN 3-921811-34-1.&lt;br /&gt;
* [[Werner Loibl]]: &amp;#039;&amp;#039;Die [[kurmainzische Spiegelmanufaktur]] Lohr am Main (1698–1806) und die Nachfolgebetriebe im Spessart.&amp;#039;&amp;#039; 3 Bände. Geschichts- und Kunstverein Aschaffenburg, Aschaffenburg 2012, ISBN 978-3-87965-116-0, ISBN 978-3-87965-117-7, ISBN 978-3-87965-118-4.&lt;br /&gt;
* Erwin Baumgartner: &amp;#039;&amp;#039;Glas des späten Mittelalters. Die Sammlung Karl Amendt.&amp;#039;&amp;#039; Kunstmuseum Düsseldorf, Düsseldorf 1987, {{DNB|880766794}}&lt;br /&gt;
* Erwin Baumgartner, Ingeborg Krüger: &amp;#039;&amp;#039;Phönix aus Sand und Asche. Glas des Mittelalters.&amp;#039;&amp;#039; Klinkhardt u. Biermann, München 1988, ISBN 3-7814-0280-0.&lt;br /&gt;
* [[Axel von Saldern]]: &amp;#039;&amp;#039;Glas. Antike bis Jugendstil. Die Sammlung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.&amp;#039;&amp;#039; Arnold, Stuttgart 1995, ISBN 3-925369-42-2.&lt;br /&gt;
* [[Barbara Scholkmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Glasproduktion in Zentraleuropa im Mittelalter. Fragestellungen und Ergebnisse der archäologischen Forschung.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Sönke Lorenz]], [[Michael Matzke]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Siedlungsgeschichte und Waldnutzungsformen&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Freudenstädter Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde zwischen Neckar, Murg und Kinzig.&amp;#039;&amp;#039; Nr. 10, {{ZDB|353838-2}} = &amp;#039;&amp;#039;Veröffentlichung des Alemannischen Instituts.&amp;#039;&amp;#039; Nr. 64). Heimat- und Museumsverein für Stadt und Kreis Freudenstadt, Freudenstadt 1997, S. 113–136.&lt;br /&gt;
* Danièle Foy: &amp;#039;&amp;#039;Le verre médiéval et son artisanat en France méditerranéenne.&amp;#039;&amp;#039; CNRS Editions, Paris 2001, ISBN 2-271-05989-5.&lt;br /&gt;
* Walter Lang: &amp;#039;&amp;#039;Spätmittelalterliche Glasproduktion im Nassachtal, Uhingen, Kreis Göppingen&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg.&amp;#039;&amp;#039; H. 59). Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1569-3.&lt;br /&gt;
* Hermann Junghans, Jürgen Lewerenz, Volker Janke: &amp;#039;&amp;#039;Waldglas in Mecklenburg.&amp;#039;&amp;#039; [[Thomas Helms Verlag]], Schwerin 2010, ISBN 978-3-940207-61-6.&lt;br /&gt;
* Verena Kaufmann: [http://glaserwerkstatt-mittelalter.de/wissenswertes.html &amp;#039;&amp;#039;Archäologische Funde einer spätmittelalterlichen Glaserwerkstatt in Bad Windsheim&amp;#039;&amp;#039;] (= &amp;#039;&amp;#039;Schriften und Kataloge des Fränkischen Freilandmuseums.&amp;#039;&amp;#039; Band 59; = &amp;#039;&amp;#039;Quellen und Materialien zur Hausforschung in Bayern.&amp;#039;&amp;#039; Band 14). Fränkisches Freilandmuseum, Bad Windsheim 2010, ISBN 978-3-926834-74-4. (Dissertation Universität Bamberg 2010)&lt;br /&gt;
* Ralf Wendt: &amp;#039;&amp;#039;Glashütten in Mecklenburg. Beitrag zur Sozialgeschichte und Volkskunde eines ländlichen Gewerbezweiges (1. Hälfte 17. bis Ende 19. Jahrhundert).&amp;#039;&amp;#039; Berlin 1968, {{DNB|481495681}}. (Dissertation an der Humboldt-Universität Berlin 30. September 1968)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Forest glass|Waldglas}}&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|4676577-3}}&lt;br /&gt;
* [http://www.waldglashuette.de/waldglas.htm Beschreibung der Waldglasherstellung]&lt;br /&gt;
* [http://www.waldglas.com/suedschwarzwald.html Waldglashütten im Südschwarzwald]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesenswert|9. Oktober 2006|22384279}}&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4676577-3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kunstglas]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte des Glases]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte der Waldnutzung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Acky69</name></author>
	</entry>
</feed>