Zum Inhalt springen

Hälvertalbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Weiterleitung

Weiterleitung nach:

Kleinbahn, die im Märkischen Sauerland die beiden Orte Halver und Schalksmühle miteinander verband, ehe eine entsprechende Infrastruktur im Nahverkehrsbereich existierte. Sie diente zum Transport von heimischen Eisen- und Elektrowaren und der Beförderung von Personen. Meist waren an einen Personenwagen, der unmittelbar hinter der Lok hing, drei bis vier Güterwaggons angehängt. Diese Kleinbahn, die zunächst durch das idyllische Hälvertal fuhr, von einer hörbar dampfenden Lok 25 von Hohenzollern gezogen, und auf dem Platz gegenüber der Staatsbahn und der evangelischen Kirche startete, wurde im Frühjahr nach knapp zweijähriger Bauzeit eingeweiht und bestand bis Ende 1949 für den Personenverkehr und bis Sommer 1952 für den Güterverkehr. Der ursprüngliche Einweihungstag am 23. Februar 1888 fiel jedoch buchstäblich ins Wasser, weil sich ein Schneetreiben in heftige Regenfälle verwandelte und die Geleise zu unterspülen drohte. Am 8. März war zwar erneut schlechtes Wetter, aber die Einweihung konnte diesmal stattfinden.

Im Volksmund wurde diese Kleinbahn verniedlichend die "Schnurre" genannt. Der Platz in Schalksmühle, auf dem später die alljährliche Kirmes zum Teil stattfand und der heute als Parkplatz dient, heißt "Schnurrenplatz" und der Weg, der von der evangelischen Kirche aus startet und heute ein beliebter Wanderweg ist, heißt der "Schnurrenweg". Das Ende dieses Weges nach etwa 900 Metern bildet eine Brücke über die Hälver. Von dort aus verlaufen die Geleise entlang der Straße im Hälvertal über Hälver, Carthausen und Öckinghausen, wo für die Bahn erneut ein eigenes Terrain bis Halver Eichholz gebaut wurde.

Bis in die 1960er Jahre waren Reste der Schienenschwellen auf dem Schnurrenweg sichtbar. Der Schnurrenweg führt auf der linken Seite weiter über einen kleinen Waldsteig in ein kleines Bachtal, den Reuelsiepen, und von dort zum Wippekühl, wo heute der Friedhof und wo ein uraltes Bauernhaus befindet, zur Worth unterhalb des Worthberges oder zu der Bauernsiedlung Halverscheid.

Die Schnurre fuhr anfangs viermal bzw. insgesamt achtmal und brauchte für eine Fahrt mindestens 30 Minuten. Es waren drei gemischte Züge,. die der Personen- und der Güterbeförderung dienten und nach Bedarf ein reiner Güterzug. Er durfte normalerweise nicht schneller als 15 km/h fahren, an unübersichtlichen Stellen wie Straßeneinmündungen nur 6 km/h. Die erste Bahn startete um 7:15 Uhr in Halver am Kleinbahnhof und erreichte den Schnurrenplatz in Schalksmühle um 7:45 Uhr (oder einige Minuten später). Der rückwärtige Zug fuhr nach Halver zurück und kam dort fahrplanmäßig um 9:15 Uhr an. Ein letzter Zug startete am späten Nachmittag von Halver um 17:30 Uhr, erreichte Schalksmühle um 18:00 Uhr, fuhr gegen 19:00 zurück und kam in Halver um 19:30 Uhr an. Insgesamt gab es 7 Haltemöglichkeiten: Schalksmühle Bahnhof, Schalksmühle Hälver, Steinbach, Carthausen, Öckinghausen, Halver Eichholz, Halver Kleinbahnhof der KAE.

Betriebsstilllegungen gab es 1914 und 1922. Das erste Mal war der Kriegsbeginn am 1. August der Grund; die Bahn musste jedoch wegen öffentlichen Protestes vier Wochen später, am 28. August, wieder fahren. Wegen finanzieller Engpässe wurde der Verkehr erneut am 1. Februar 1922 eingestellt, doch musste diesmal der Güterverkehr schon bald wieder aufgenommen werden. Da einige Streckenwartungsarbeiten nötig waren, aber der Gesellschaft der Kreis Altenaer Eisenbahn (KAE) das nötige Geld fehlte, gewährte das Amt Halver ein Darlehen in Höhe von 150.000 Reichsmark, sodass ab 1925 der Personen- und der Güterverkehr wieder fahren konnte. Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg führten nur zu geringen Schäden. Ein drittes Mal stillgelegt wurde die Schnurre beim Einmarsch der alliierten amerikanischen Truppen am 12. April 1945; der Betrieb konnte aber zum Jahresende wiederaufgenommen werden.

Im Personenverkehr erreichte er seine größte Blüte, als von 1946 bis 1949 zwischen 125.000 und 1949, dem letzten Betriebsjahr, sogar 159.914 Personen dieses Verkehrsmittel nutzten, um auf sog. Hamsterfahrten sich in den umliegenden Landschaften zu versorgen. Dennoch musste die Bahn wegen Brückenschäden stillgelegt werden und weil inzwischen Busse der KAE eingesetzt wurden, anfangs an Wochenenden sogar mit einem Hänger.

Literatur:

Kenning, Ludger/Moll, Gerhard/Groote, Wolf Dietrich: Die Kreis Altenaer Eisenbahn, Nordhorn: Kennin-Verlag 1996, 84.

Peter, Gerhard/Rittig, Franz: "Vergessene Hälvertalbahn. Halver: Schmalspuriger Endbahnhof im Sauerland". In: Rittig, Franz/Peter, Gerhard: Endbahnhöfe planen + bauen. Kompakte Gleispläne und Anlagenprojekte für Modellbahner. Nürnberg: Miba-Verlag 2007, 104ff.

Zeno Pillmann, Zeno, "Auf und ab im Hälvertal". In: Lokmagazin 3, 2003, 82–85.

Wolff, Gerd/Riedel, Lothar: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 5: Nordrhein-Westfalen nordwestlicher Teil,. Freiburg: EK-VGerlag 1998, 51.