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11. Arrondissement (Paris)

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(Weitergeleitet von 11. Pariser Arrondissement)
Wappen des Pariser Arrondissements
Wappen des Pariser Arrondissements
11. Arrondissement (Popincourt)
Arrondissement municipal von Paris
<imagemap>

Datei:Paris 11e arr jms.gif|300x375px|center|Karte der Pariser Arrondissements

poly 377 323 397 285 402 284 407 291 496 325 472 378 444 354 1. Arrondissement poly 407 281 453 269 511 287 496 320 414 290 2. Arrondissement poly 516 286 552 298 565 327 571 371 538 360 527 346 499 332 3. Arrondissement poly 497 336 521 346 536 361 571 375 572 388 562 425 555 432 531 411 476 382 4. Arrondissement poly 475 385 521 407 559 443 544 473 502 493 441 475 5. Arrondissement poly 471 383 437 472 357 431 399 403 406 400 427 354 444 360 6. Arrondissement poly 243 356 272 327 361 321 419 350 418 357 423 361 403 397 392 399 343 434 328 420 315 424 7. Arrondissement poly 297 319 293 312 286 308 266 256 280 229 398 196 398 256 392 283 371 322 363 319 8. Arrondissement poly 403 194 412 191 453 204 493 195 494 210 488 239 486 276 453 267 396 280 402 257 400 235 9. Arrondissement poly 497 194 571 191 579 200 579 230 607 270 555 295 489 276 492 248 10. Arrondissement poly 559 298 611 273 653 329 661 358 678 370 702 423 638 407 618 404 577 389 11. Arrondissement poly 557 434 565 431 578 392 620 410 633 409 690 425 769 436 762 475 759 478 755 516 769 518 799 504 802 502 792 461 801 454 810 466 846 471 846 591 818 574 757 570 736 557 715 539 680 553 664 563 12. Arrondissement poly 464 486 502 497 549 476 560 446 661 565 619 592 556 623 521 623 509 615 495 616 482 625 472 625 474 601 461 580 461 528 13. Arrondissement poly 386 453 458 485 458 584 468 602 467 625 423 620 423 613 287 567 371 468 14. Arrondissement poly 128 509 241 358 314 430 327 424 340 438 354 434 383 452 375 462 370 465 285 566 193 520 165 549 146 550 145 528 158 516 145 507 15. Arrondissement poly 124 509 96 504 81 480 79 455 84 438 41 421 27 406 2 397 2 280 32 267 54 239 95 256 111 215 188 229 198 227 264 257 283 311 230 365 177 423 16. Arrondissement poly 202 223 205 196 223 175 267 149 314 114 371 83 411 82 392 168 399 193 276 227 265 253 17. Arrondissement poly 413 82 583 77 580 110 585 119 580 125 565 174 557 188 453 203 412 188 402 190 395 167 18. Arrondissement poly 564 187 569 177 585 127 592 118 586 106 586 77 643 76 666 84 685 98 696 126 704 166 701 186 717 208 744 221 750 229 705 245 664 245 653 251 611 267 583 230 583 198 573 189 19. Arrondissement poly 613 272 660 255 664 250 705 250 752 234 758 243 766 298 762 308 766 350 772 416 769 432 704 424 699 399 682 368 663 356 654 325 20. Arrondissement </imagemap>

Koordinaten 48° 51′ 27″ N, 2° 22′ 43″ OKoordinaten: 48° 51′ 27″ N, 2° 22′ 43″ O
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Höhe 35 m (33–59 m)
Fläche 3,67 km²
Einwohner 138.170 (1. Jan. 2023)
Bevölkerungsdichte 37.649 Einwohner/km²
INSEE-Code 75111
Postleitzahl 75011
Website mairie11.paris.fr
Gliederung
Quartiers
  • Folie-Méricourt
  • Saint-Ambroise
  • Roquette
  • Sainte-Marguerite
Datei:Logo Arrondissement de Paris - Mairie 11 - Popincourt.svg
Logo der mairie des 11. Arrondissements
Datei:Map of the 11th arrondissement of Paris (Wikitravel).png
Plan des 11. Arrondissements
Datei:Jielbeaumadier mairie 11e arr paris 2006.jpg
Rathaus des 11. Arrondissements
Datei:Paris 11e arrondissement - Quartiers.svg
Viertel im 11. Arrondissement

Das 11. Pariser Arrondissement, das Arrondissement de Popincourt, ist eines von 20 Pariser Arrondissements. Es liegt – angrenzend an das alte historische Zentrum – auf der rechten Seine-Seite im Osten der Stadt. Die Zusatzbezeichnung Popincourt bezieht sich auf ein Dorf, das früher auf seinem Territorium lag und im Zug der Stadt-Expansion im 19. Jahrhundert eingemeindet wurde. Der Bezirk ist der am dichtesten besiedelte, galt lange als traditionelles Arbeiterviertel und ist heute von unterschiedlichen Gentrifizierungs-Auswirkungen geprägt.

Geographische Lage

Das 11. Arrondissement liegt auf dem rechten Seineufer. Es grenzt im Osten an das 20., im Westen an das 10. und 3., im Norden an das 19. und im Süden an das 12. Arrondissement. Ausgehend vom Place de la Bastille in seiner Südwestecke, wird es im Westen begrenzt von den Boulevards Beaumarchais, des Filles du Calvaire und du Temple, im Norden von der Rue du Faubourg du Temple, im Osten von Boulevard de Belleville, Boulevard de Menilmontant und Boulevard de Charonne und im Süden von der Rue du Faubourg Saint-Antoine.<ref name="gm">Siehe Umriss des Arrondissements bei Google Maps; aufgerufen am 17. Februar 2025</ref>

Markante Punkte des Arrondissements sind vor allem die drei Plätze Place de la Bastille (im Südwesten), Place de la République (im Nordwesten) und Place de la Nation (im Südosten). Alle drei liegen an den Bezirksgrenzen, so dass es sich deren Fläche mit den jeweils benachbarten Arrondissements teilt. Ein weiterer markanter Punkt ist der bekannte Friedhof Père-Lachaise. Er liegt im 20. Arrondissement, grenzt allerdings in Teilen – am Boulevard de Menilmontant – direkt an das 11. Arrondissement an. Zentrale Durchgangsstraße ist der Boulevard Voltaire. Vom Place de la Republique verläuft er diagonal in südöstlicher Richtung und stößt dort auf den Place de la Nation. Zusammen mit den aufgeführten Begrenzungsstraßen im Süden und Osten verbindet er die drei für das Selbstverständnis der französischen Hauptstadt wichtigen Plätze in Form eines flachen Dreiecks.<ref name="gm" />

Eine wichtige Schneise in Süd-Nord-Richtung ist der – vom Place de la Bastille ausgehende – Boulevard Richard-Lenoir. Er folgt dem Verlauf des (im Bereich des 11. Arrondissements überbauten) Canal Saint-Martin und wird durch den Boulevard Jules Ferry fortgesetzt. Wichtige Straßen in West-Ost-Richtung sind die Rue Oberkampf im nördlichen Abschnitt und die Rue de la Roquette im südlichen Abschnitt. Die Bebauung ist großteils von engen, vergleichsweise dicht bewohnten Altstadtquartieren geprägt (siehe auch Abschnitt „Demografie“). Die Topografie ist im Wesentlichen flach, vor allem im Nordosten – in Richtung 20. Arrondissement bzw. Belleville – jedoch auch von leicht ansteigendem Terrain gekennzeichnet.<ref name="gm" />

Geografisch wie soziografisch zählt das 11. Arrondissement zu den östlichen, stärker proletarisch geprägten Pariser Bezirken; von seiner Lage her ist es Teil der Übergangszone zwischen dem historischen Zentrum und den am östlichen Stadtrand gelegenen Quartieren im 19. und 20. Arrondissement. Der Bezirk ist – wie alle Pariser Bezirke – in vier Quartiere unterteilt. Ein historisches Quartier, dass wegen seiner Arrondissement-übergreifenden Lage bei der Aufteilung in die heutigen Quartiere keine Berücksichtigung gefunden hat, ist das Faubourg de Saint-Antoine nördlich der gleichnamigen Straße. Diese Vorstadt (= Faubourg) kennzeichnete früher das Viertel der Möbelpolsterer und spielte in den revolutionären Erhebungen Ende des 18. und im 19. Jahrhundert eine prominente Rolle.<ref name = "historique-4">Le faubourg Saint-Antoine, Michel Huard, paris-atlas-historique.fr, 2010, aufgerufen am 17. Februar 2025 (französisch)</ref>

Im Unterschied zum Gros der zwanzig Pariser Arrondissements wartet der von Migranten sowie einer Kleine-Leute-Bewohnerschaft geprägte Bezirk kaum mit überragenden Sehenswürdigkeiten auf. Geprägt wird der Charakter des Bezirks eher von Einrichtungen wie dem international renommierten Musikclub Bataclan sowie kleineren Parks wie Maurice Gardette, de la Roquette und Emile Gallé.<ref name="gm" />

Geschichte

Das östlich-nordöstlich des Marais gelegene Gebiet war bis ins Mittelalter hinein ungenutztes, zum Teil von Baumbeständen geprägtes Brachland. Eine strukturelle Veränderung stellte sich erst ab dem Hochmittelalter ein, als zu den bereits etablierten Handelsrouten in Richtung Norden (vor allem der Rue Saint-Denis und ihrer später angelegten Fortsetzung, der Rue du Faubourg Saint-Denis) weitere Routen in Richtung Ost und Nordost hinzukamen. Flankierend zu der Erschließung des Marais sowie dem Gebiet der Templersiedlung (3. und 4. Arrondissement) entstanden im Umfeld der expandierenden Stadt neue Vorstädte und Dörfer.<ref name = "historique-2">Siehe Besiedlungsstand auf Paris en 1600, Michel Huard, paris-atlas-historique.fr, 2010, aufgerufen am 17. Februar 2025 (PDF, französisch)</ref>

Prägend für das Gebiet des 11. Arrondissements waren vor allem drei davon: der Faubourg du Temple im Nordbereich des heutigen Bezirks, der Faubourg Saint-Antoine an seinem südlichen Ende sowie eine Ansiedlung mit dem Namen Popincourt in der Mitte.<ref name = "historique-2" /> Der Faubourg du Temple entwickelte sich entlang der alten Straße zum „Temple“, also zur Kommende der Tempelritter im heutigen 3. Arrondissement. Die Besiedlung dieses Terrains setzte im 16. Jahrhundert ein. Die an der Grenze zwischen 10. und 11. Arrondissement gelegene Vorstadt profitierte vom Handel längs der nahen Nordroute und entwickelte sich zu einem – teils mit etwas anrüchigen Ruf behafteten – Arbeiter- und Kleine-Leute-Viertel.

Das Dorf Popincourt, gelegen ungefähr in der heutigen Bezirksmitte, entstand im 14. oder 15. Jahrhundert. Im Gegensatz zu den beiden Faubourgs war es eine ländliche, von Gärten und Feldern bestimmte Ansiedlung, die wenig historische Beschreibungen hinterlassen hat.<ref name = "popincourt">L’histoire du village Popincourt, en plein coeur du 11ème, vivreparis.fr, 17. Februar 2022, aufgerufen am 14. Februar 2025 (französisch)</ref> Die Entwicklung der zeitlich gesehen frühesten Ansiedlung – des Faubourg Saint-Antoine im Südteil des Bezirks – geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Sie konstituierte sich, als sich entlang der Straße nach Vincennes, der späteren Rue du Faubourg Saint-Antoine, Handwerker niederließen – vor allem Tischler, Schreiner sowie sonstige Möbelwerker.<ref name = "historique-4" /> Begünstigt wurde die Entwicklung dieser Vorstadt durch die Errichtung der Bastille. Ursprünglich ein der Verteidigung dienendes Stadttor, avancierte die 1383 fertiggestellte Anlage zunächst zur Festung und – während des Absolutismus – zum Gefängnis, in dem unter anderem in Misskredit geratene Prominente wie Voltaire sowie der Marquis de Sade einsaßen.

Weitere Ortschaften, die im Zug der Urbanisierung des Gebiets eine Rolle spielten, waren die Quartiere de la Roquette und Sainte-Marguerite sowie das Dorf Charonne. Eher fließend als statisch waren die Abgrenzungen zu den östlich gelegenen Ortschaften Belleville und Ménilmontant.<ref name = "historique-3">Belleville et Charonne, Michel Huard, paris-atlas-historique.fr, 2010, aufgerufen am 17. Februar 2025 (französisch)</ref> Für die tiefer gelegenen Bereiche von Belleville waren etwa Begriffe wie Bas-Belleville gebräuchlich, und auch das südlich davon gelegene Ménilmontant (wie Belleville heute zum 20. Arrondissement gehörend) war eher durch eine landschaftliche Höhenscheide markiert als durch eine klare Grenzziehung.

Datei:La Bastille 20060809.jpg
Bastille. Gravur aus dem 19. Jahrhundert
Datei:La barrière de Ménilmontant en 1830, sur le chemin de ronde devenu l'actuel boulevard Menilmontant, actuel 20ème arrondi, D.408.jpg
Die Barriere von Ménilmontant. Zeichnung, circa 1830

Im Lauf der städtischen Expansion wurde das aktuelle Arrondissement-Gebiet ein Teil der Stadt. Markiert wurde dieser Status durch die – kurz vor dem Ausbruch der Französischen Revolution fertiggestellte – Mauer der Generalpächter.<ref name = "historique-5">Siehe Karte Paris en 1790, Michel Huard, paris-atlas-historique.fr, 2010, aufgerufen am 17. Februar 2025 (PDF, französisch)</ref> Ungeachtet der neuen Rolle als integrale Bestandteile von Paris avancierten die östlichen Stadtteile zu einem chronischen Ort der Unruhe und Aufstandsbereitschaft. Die – am 14. Juli erstürmte und in den Folgejahren abgerissene – Bastille galt nicht nur als ein Symbol des absolutistischen Staats. Auch stadtgeografisch fungierte die Feste als eine Art Barriere, welche die Stadtteile im Zentrum von denen im Osten, speziell dem Faubourg Saint-Antoine, trennte.<ref name = "bastille">Bastille-Sturm 1789: Vier Fälscher, zwei Irre und ein gefangener Graf, Anna Valeska Strugalla, welt.de, 14. Juli 2014, aufgerufen am 17. Februar 2025</ref>

Das sich rapide in Richtung geschlossene Stadtlandschaft entwickelnde Bezirksgebiet wurde von den sozialen Umbrüchen des 19. Jahrhunderts in überdurchschnittlichem Ausmaß geprägt. Die industrielle Entwicklung in den umliegenden Gebieten zog Arbeiter an, die in den Fabriken und Werkstätten der Region tätig waren. Gleichzeitig wuchs die politische Bedeutung des Arrondissements, das immer wieder ein Zentrum für soziale und politische Kämpfe wurde. In der Rue de Meur entstanden die beiden ersten Daguerreotypien, welche eine Barrikade abbildeten. Fotografiert wurden sie während der Niederschlagung des Aufstands im Juni 1848.<ref name = "fotos">1848: Erste Fotos historischer Ereignisse in Europa – Barrikaden des Juniaufstandes in Paris, Christoph Pallaske, historischdenken.hypotheses.org, 25. Januar 2016, aufgerufen am 14. Februar 2025</ref> Als Stadtbezirk in seiner heutigen Form konstituiert wurde das elfte 1860 – im Zug der (bislang letzten) Stadterweiterung, bei der eine Reihe vormals selbständiger Ortschaften wie Les Batignolles, Montmartre, Belleville und andere in das Gefüge der Stadt eingemeindet wurden.

Datei:Image appert ernest charles photomontage mettant en scene lexecution des otages de la commune avant leur e 649456 (cropped).jpg
Fotomontage: Exekution der Geiseln der Kommune
Datei:Apachesvspolicebastille.jpg
Straßenkrawalle zwischen „Apachen“ und Gendarmerie. Illustration aus Le Petit Journal, 1904
Datei:Anne Hidalgo, François Hollande and Barack Obama in front of le Bataclan, Paris 29 November 2015.jpg
29. November 2015: Anne Hidalgo, François Hollande und Barack Obama vor dem Bataclan

Eine prononcierte Rolle nahm das 11. Arrondissement während der Pariser Kommune 1871 ein.<ref name = "kommune">Siehe hierzu Der Bürgerkrieg in Frankreich 1871: Ein Rundgang auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris auf den Spuren der Commune, paris-blog.org, 13. August 2016, aufgerufen am 14. Februar 2025</ref> Deren letzter Kriegsdeputierter, Charles Delescluze, fiel während der blutigen Maiwoche in der Nähe einer Barrikade auf dem Boulevard Voltaire. Bereits am Tag zuvor, am 24. Mai, hatte der Rat der Kommune sein Entscheidungszentrum in das 11. Arrondissement verlegt.<ref name="72tage-1">Thankmar von Münchhausen: 72 Tage. Die Pariser Kommune 1871 – die erste »Diktatur des Proletariats«. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2015, ISBN 978-3-421-04440-2, S. 367 ff.; S. 382–385</ref> Das spektakulärste der Kommune zur Last gelegte Verbrechen, die im Zug der Stadtrückeroberung erfolgten Geiselerschießungen, dokumentierte durch seinen improvisierten Ablauf die Erbitterung der Kämpfe. Die Exekution des Pariser Erzbischofs sowie rund 70 weiterer Geiseln in der Grande Roquette sowie der Rue Haxo geriet zu einer dezentralen, improvisiert verlaufenden Abfolge von Erschießungen. Maßgebliche Akteure dabei: Nationalgarde-Verbände, die während des Rückzugs vor den vorrückenden Regierungstruppen stark dezimiert worden waren.<ref name = "72tage-2">Thankmar von Münchhausen: 72 Tage S. 374 ff.</ref>

Die beiden Gefängnisse in der Rue de la Roquette – die Petite Roquette und die Grande Roquette – zogen bis zu ihrer Schließung sowie anschließendem Abriss anhaltende Kritik auf sich. Auf dem Bürgersteig vor der Grande Roquette wurden bis ins Jahr 1900 öffentliche Hinrichtungen durchgeführt; die Justierplatten für die (mobile) Guillotine sind bis heute im Straßenpflaster erkennbar.<ref name = "roquette-1">Wohnen, wo einmal die Guillotine stand: La Grande et la Petite Roquette, paris-blog.org, 14. Juni 2016, aufgerufen am 17. Februar 2025</ref> Unter den letzten öffentlich Hingerichteten befanden sich die beiden anarchistischen Attentäter Émile Henry und Auguste Vaillant. Aufgrund zunehmender Kritik veranlasste die französische Regierung unter Félix Faure schließlich das Ende dieser Praxis. Die Grande Roquette wurde 1900 geschlossen, die Insassen großteils in das Gefängnis La Santé überführt.<ref name = "roquette-3">3e chronique sur les prisons disparues de Paris, nautesdeparis.fr, August 2016, nautesdeparis.fr, aufgerufen am 17. Februar 2025 (französisch)</ref> Die – für leichtere Straftaten „zuständige“ und zeitweilig auch als Frauengefängnis genutzte – Petite Roquette wurde bis 1974 weiterbetrieben und dann ebenfalls geschlossen. Im Anschluss wurde die Anlage – bis auf ein ehemaliges Pförtnerhäuschen – abgerissen und zum Nachbarschaftspark umgestaltet.<ref name = "roquette-2">Paris 11°, Prison La Petite Roquette, gedenkorte-europa.eu, 2022, aufgerufen am 17. Februar 2025</ref>

Eine Hochburg im gesamten Pariser Osten – und so auch im 11. Arrondissement – hatten während der Belle Epoque die Apachen – eine Gang- und Kriminellen-Subkultur, welche sich auch optisch mit eigenen Codes wie Schiebermützen, Halstüchern sowie modifizierten Waffen in Szene setzte. Tageszeitungen wie Le Petit Journal und andere berichteten kontinuierlich und mit teils reißerischen Aufmachern über die Aktivitäten dieser Gruppen und verstärkten so das Image, dass diese vor allem bei dem sich der „Bourgeoisie“ zugehörig fühlenden Teilen der Leserschaft genossen.<ref name = "apachen">„Mit Rose & Revolver“: Die „Mobilen Brigaden“ und die Kriminalität in der „Belle Epoque“, blofelds-krimiwelt.de, aufgerufen am 17. Februar 2025</ref> Mit den Apachen in Verbindung gebracht wurde auch die wohl spektakulärste Bande der Vorkriegsära – die mitunter mit dem Schlagwort „Automobil-Apachen“ charakterisierte Bonnot-Gruppe.<ref name = "zigzag">Qui était vraiment la bande à Bonnot qui semait la terreur dans Paris au début du XXe siècle?, pariszigzag.fr, aufgerufen am 17. Februar 2025 (französisch)</ref>

Am 10. August 1903 ereignete sich in der Station Couronnes ein verheerender Brand, als ein Zug Feuer fing. Durch schlechte Notausgänge und fehlende Sicherheitsvorkehrungen starben 84 Menschen – die erste große Tragödie der Pariser Métro.<ref name="couronnes">Couronnes Métro Disaster 1903, Soundlandscapes' Blog, 3. November 2012 (englisch) und U-Bahn-Unfall vom 10. August 1903 in Paris, loquis.com; beide aufgerufen am 17. Februar 2025</ref> Während des Zweiten Weltkriegs war das 11. Arrondissement ein Schauplatz der Besatzung durch die Deutschen und der französischen Résistance. Es gab wiederholt bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Résistance-Gruppen und den deutschen Besatzungstruppen.<ref name = "deutschebesatzung">Erinnerungsorte an den Holocaust in Paris und Umgebung (1): Einführung, paris-blog.org, 1. Dezember 2020, aufgerufen am 17. Februar 2025</ref> Wie die meisten östlichen Stadtteile behauptete der Bezirk auch in den Nachkriegsjahrzehnten seine parteipolitisch linke Ausrichtung. Am 8. Februar 1962 wurden bei einer Demonstration gegen den Algerienkrieg an der Métro-Station Charonne neun Menschen Opfer von Polizeigewalt sowie der durch diese ausgelösten Massenpanik.<ref name = "charonne">Nach 60 Jahren noch immer eine offene Wunde: Die Erinnerung an die Niederschlagung der Demonstrationen vom 17. Oktober 1961 (Ici on noie les Algériens) und vom 8. Februar 1962 (Charonne), paris-blog.org, 2. März 2022, aufgerufen am 17. Februar 2025</ref>

In den letzten Jahrzehnten machte der Bezirk verstärkt aufgrund von Gentrifizierungstendenzen von sich reden. Zu der langansässigen Bewohnerschaft aus Arbeitern und kleinen Gewerbetreibenden kamen einerseits Migranten, vor allem aus Nordafrika sowie dem Nahen Osten, andererseits eine intellektuelle und künstlerische Bohème, deren Angehörige vor allem an preisgünstigem Wohnraum sowie Altbauquartieren mit intakten Nachbarschaften interessiert waren. Zu einer Hochburg der zweiten Gruppe gerieten die Straßenzüge rund um die Rue Oberkampf, welche sich hin zu einer Trendmeile für Bars und Clubs entwickelte. Eine ähnliche, noch stärker auf den Faktor Tourismus abgestellte Entwicklung war im Bastille-Viertel im südlichen Teil des Arrondissements zu verzeichnen. Das Magazin Spiegel charakterisierte die so entstandene Bezirks-Charakteristik als einen „Mix aus Schanzenviertel, Kreuzberg und Schwabing“.<ref name = "spon">Die Attentäter trafen das 11. Arrondissement, das junge Paris. Eine Stadtführung, spiegel.de, 17. November 2015, aufgerufen am 17. Februar 2025</ref>

Ein einschneidendes Ereignis mit sowohl nationaler als auch internationaler Bedeutung waren die Terroranschläge vom 13. November 2015. Mit Abstand die meisten Opfer (130 Tote und 637 Verletzte) forderten das Massaker im Musikclub Bataclan in der Rue Voltaire sowie die Angriffe auf Passanten sowie Bar-Besucher rund um die Rue Oberkampf.<ref name = "lemonde">Attentat du 13-Novembre: deux ans après, les révélations de l’enquête, Elise Vincent, lemonde.fr, 11. November 2017, aufgerufen am 17. Februar 2025 (Paywall; französisch)</ref> Zum Problem avancierten zudem Gewalt- und Tötungsdelikte mit mutmaßlich antisemitischem Hintergrund. Breitere Medienberichterstattung nach sich zogen insbesondere die beiden Morde an Sarah Halimi (2017) sowie Mireille Knoll (2018). Beide fanden im 11. Arrondissement statt, und beide Fälle beförderten die Diskussion um die Blindheit polizeilicher Ermittlungsbehörden gegenüber antisemitischen Tatmotiven.<ref name = "mordfälle">Antisemitismus in Frankreich: Kampf um Solidarität mit dem Fall Sarah Halimi, Christiane Kaess, deutschlandfunk.de, 25. Mai 2021, und Paris: 85-jährige Holocaust-Überlebende ermordet, spiegel.de, 27. März 2018; beide aufgerufen am 17. Februar 2025</ref>

Viertel im 11. Arrondissement

Das Arrondissement besteht aus den folgenden vier Stadtvierteln:

Nach der offiziellen Zählung der Pariser Stadtviertel handelt es sich dabei um die Quartiers 41 bis 44.

Demografische Entwicklung

Den Zahlen des Statistik-Portals citypopulation.de von 2021 zufolge leben in dem 3,67 Quadratkilometer großen Arrondissement 142.583 Einwohner. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 38.851 Personen pro Quadratkilometer. Gefolgt vom 20. und 18. Arrondissement (Ménilmontant und Montmartre), ist die Bevölkerungsdichte die höchste unter allen Pariser Arrondissements; in Sachen absolute Bevölkerungszahl rangiert das 11. vor dem 15. Arrondissement (Vaugirard) auf Platz zwei. Die Bevölkerungsabnahme zwischen 2015 und 2022 lag mit −0,82 % im für Paris eher unterdurchschnittlichen Bereich. 67.810 der aufgeführten Bewohner waren männlich, 74.773 weiblich, 19.116 jünger als 18 Jahre, 100.578 zwischen 18 und 65 und 22.443 über 65 Jahre. Die französische Staatsbürgerschaft besaßen 123.756, eine andere 18.827. Als Nichtimmigranten führte die Statistik 116.288 Bewohner auf, als Immigranten 26.295.<ref name="population">Paris 11e arrondissement, citypopulation.de, aufgerufen am 17. Februar 2025</ref>

Die Einwohneranzahl stieg – ausgehend von der ersten Zählung nach Konstituierung der aktuellen Arrondissements im Jahr 1861 – stetig an und erreichte vor Beginn des Ersten Weltkriegs mit fast einer Viertel Million Bewohner ihren Zenit. Das Absinken bis auf einen Wert von rund 200.000 in den 1950er Jahren erfolgte zunächst kontinuierlich. Seit den 1960ern fielen die in den Erhebungen dokumentierten Einwohnerverluste deutlicher aus – ein Trend, dem die meisten Pariser Arrondissements unterworfen sind. Stichwerte, welche den beschriebenen Trend veranschaulichen: 125.718 im Jahr 1861, 209.246 im Jahr 1881, 242.295 im Jahr 1911, 219.471 im Jahr 1931, 200.440 im Jahr 1954, 179.727 im Jahr 1968 und 149.102 im Jahr 1999.<ref name="demographia">Paris Arrondissements: Post 1860 Population & Population Density, demographia.com, aufgerufen am 17. Februar 2025 (englisch)</ref>

Bei der Bevölkerungsverteilung rangieren die drei der vier Quartiere des Arrondissements grob gleichwertig. Das – relativ – einwohnerschwächste ist Folie-Méricourt mit 30.347 Einwohnern. Es folgen Saint-Ambroise mit 31.003 und Sainte-Marguerite mit 35.787. Deutlich über vierzigtausend – genau: 45.348 – Einwohner hat das in der südlichen Mitte gelegene Quartier de la Roquette. Die Quartierszahlen im Überblick:<ref name="population" />

  • Folie-Méricourt: 30.347 Einwohner
  • Saint-Ambroise: 31.003 Einwohner
  • Roquette: 45.348 Einwohner
  • Sainte-Marguerite: 35.787 Einwohner

Rathaus

Das Rathaus des 11. Arrondissements befindet sich an der Place Léon Blum, 75536 Paris Cedex 11.

Politik

Das 11. Arrondissement ist eine Hochburg der französischen Linken, besonders des Parti socialiste und der Grünen.

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François Vauglin

Liste der Bürgermeister:

  • 1995–2008 Georges Sarre, MRC
  • 2008–2014 Patrick Bloche, PS
  • seit 2014 François Vauglin, PS

Sehenswürdigkeiten

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Wichtige Straßen und Plätze

Weblinks

Commons: Paris 11e arrondissement – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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