Aconitin
Aconitin oder Akonitin ist ein Diterpen-Alkaloid, das sich vom Aconan ableitet. Aconitin kann zu Benzoylaconin und Aconin hydrolysiert werden.
Vorkommen
Aconitin ist das Hauptalkaloid in allen Aconitum-Arten, so auch im Blauen Eisenhut. Aconitin ist in allen Pflanzenteilen enthalten. Die Entdeckung und erstmalige Isolierung wird dem Heidelberger Pharmazeuten Philipp Lorenz Geiger zugeschrieben.<ref name="Geiger">Geiger, Philipp Lorenz. In: Edward Kremers, George Urdang, Glenn Sonnedecker: Kremers and Urdang’s History of Pharmacy. American Institute of the History of Pharmacy, Madison WI 1986, ISBN 0-931292-17-4, S. 459.</ref>
Analytik
Die spezifische Drehung beträgt [α]D +17,3°, wenn es in Chloroform gelöst wurde. Der Nachweis erfolgt über Dragendorff-Reagenz, bei der eine Farbreaktion nach Orange zu beobachten ist.
Die zuverlässige qualitative und quantitative Bestimmung von Aconitin gelingt nach adäquater Probenvorbereitung durch Einsatz der Kopplung der HPLC mit der Massenspektrometrie.<ref>S. W. Ng, C. K. Ching, A. Y. Chan, T. W. Mak: Simultaneous detection of 22 toxic plant alkaloids (aconitum alkaloids, solanaceous tropane alkaloids, sophora alkaloids, strychnos alkaloids and colchicine) in human urine and herbal samples using liquid chromatography-tandem mass spectrometry. In: J Chromatogr B Analyt Technol Biomed Life Sci. 942–943, 30. Dez 2013, S. 63–69. PMID 24216273.</ref><ref>J. Carlier, J. Guitton, L. Romeuf, F. Bévalot, B. Boyer, L. Fanton, Y. Gaillard: Screening approach by ultra-high performance liquid chromatography-tandem mass spectrometry for the blood quantification of thirty-four toxic principles of plant origin. Application to forensic toxicology. In: J Chromatogr B Analyt Technol Biomed Life Sci. 975, 15 Jan 2015, S. 65–76. PMID 25438245.</ref><ref>B. Fan, S. Xu, J. Bi, S. Huang, Z. Zu, C. Qian: Simultaneous Determination of Six Alkaloids in Rat Plasma by SPE-HPLC-MS/MS and Their Pharmacokinetics after Oral Administration of Radix aconiti Preparata Extract. In: ACS Pharmacol Transl Sci. Band 4, Nr. 1, 6. Dez 2020, S. 118–127. doi:10.1021/acsptsci.0c00133. PMID 33615166.</ref>
Wirkung
Aconitin gilt als eines der stärksten Pflanzengifte überhaupt, es ist wirksamer als Strychnin. Aconitin und verwandte Alkaloide werden sehr schnell intestinal, aber auch über intakte Haut und Schleimhäute resorbiert. Aconitin verlangsamt die Inaktivierung des spannungsabhängigen Natriumkanals und verlängert dadurch den Einstrom von Natriumionen während des Aktionspotenzials. Es wirkt peripher wie zentral auf motorische wie sensible Nerven zunächst erregend, gefolgt von einer Lähmung. Kardiale Auswirkungen sind vor allem Arrhythmien sowie eine Bradykardie, die bei letaler Dosis zum diastolischen Herzstillstand führt.
Die tödliche Dosis Aconitin liegt für einen Erwachsenen bei circa 2 Milligramm.<ref name="PMID19514874">T. Y. Chan: Aconite poisoning. In: Clinical toxicology. Band 47, Nummer 4, April 2009, S. 279–285, Vorlage:DOI, PMID 19514874.</ref> Deshalb wurde es – in Form des Blauen Eisenhutes – früher als Pfeil-, Köder- und Mordgift verwendet.
Aconitin ist verschreibungspflichtig. Es sind homöopathische Präparate auf dem Markt. Erst ab Potenz D4 (was einer Verdünnung von 1:10.000 entspricht) ist Aconitin rezeptfrei erhältlich.
Trivia
Am 7. November 2025 gab es in Velbert einen Vergiftungsfall mit Aconitin. Das Opfer überlebte nach einem künstlichen Koma, zwei Tatverdächtige wurden drei Wochen später inhaftiert.<ref>https://supertipp-online.de/top/bohnen-mit-speck-und-gift-wollte-eine-velberterin-ihren-mann-toeten-id538794</ref>
Einzelnachweise
<references />
- Seiten, in denen die maximale Größe eingebundener Vorlagen überschritten ist
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- Alkaloid
- Pflanzliches Gift
- Essigsäureester
- Cycloheptan
- Cyclohexan
- Cyclopentan
- Methoxyverbindung
- Triol
- Stickstoffhaltiger gesättigter Heterocyclus
- Terpenoid
- Beschränkter Stoff nach REACH-Anhang XVII, Eintrag 75
- Benzoesäureester