Zum Inhalt springen

Adelholzener Alpenquellen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Adelholzener Alpenquellen GmbH

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Bad Adelholzener Logo.png
Rechtsform GmbH
Gründung 1849<ref>Adelholzener. In: Adelholzener. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. März 2020; abgerufen am 27. März 2020.</ref>
Sitz Bad Adelholzen, Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl ca. 750 (2026)<ref>Karriere bei Adelholzener | Adelholzener.de. In: Adelholzener. Abgerufen am 28. Januar 2026.</ref>
Umsatz 215,6 Mio (2024)<ref name="eban">Jahresabschluss zum 31. Dezember 2024 im Unternehmensregister</ref>
Branche Lebensmittel
Website adelholzener.de

Die Adelholzener Alpenquellen GmbH ist ein deutscher Mineralbrunnen mit Sitz in Bad Adelholzen, einem Ortsteil der Gemeinde Siegsdorf (Landkreis Traunstein, Bayern). Das Unternehmen ist der größte Mineralbrunnen Bayerns und gehört zu 100 % der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in München.<ref>Adelholzener. In: Adelholzener. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. Februar 2020; abgerufen am 5. Februar 2020.</ref> 2024 erwirtschaftete Adelholzener einen Umsatz von 215,6 Mio. € und beschäftigt rund 750 Mitarbeitende (Stand 2026). Pro Jahr werden etwa 709 Millionen Flaschen Mineralwasser und Erfrischungsgetränke abgefüllt, womit Adelholzener zu den größten Mineralwassermarken Deutschlands zählt.

Geschichte

Adelholzen gilt als eines der ältesten Heilbäder Bayerns. Die Idee zum überörtlichen Vertrieb des Heilquellwassers in Flaschen hatte Georg Mayer 1849. 1907 erwarb das Münchener Mutterhaus der Kongregation der Barmherzigen Schwestern Bad Adelholzen und errichtete dort ein Schwesternheim. Das Quell- und Heilwasser wurde von den Schwestern anfangs mit einfachsten Mitteln zur Verfügung gestellt, 1919 wurde die erste elektrische Abfüllanlage errichtet. 1939 wurde die Primusquelle staatlich anerkannte Heilquelle, 1946 erfolgte auch die amtliche Anerkennung als „Bad“. 1994 wurde aus der Adelholzener Primusquelle die Adelholzener Alpenquellen GmbH.<ref>Bad Adelholzen, Kloster der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul. Abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref>

Vorgeschichte

Um das Jahr 280 n. Chr. wurde der Legende nach die Heilquelle von Bad Adelholzen durch den römischen Glaubensprediger St. Primus entdeckt.<ref>Startseite – Barmherzige Schwestern München. Abgerufen am 18. April 2020.</ref>

Die Heilquelle kam im 10. Jahrhundert in den Besitz der Erzbischöfe von Salzburg und wurde bereits im Jahr 959 erstmals urkundlich als „diß Wiltbad“ erwähnt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Schwestern kommen nach Adelholzen (Memento vom 27. Mai 2011 im Internet Archive), aufgerufen am 22. Mai 2012 (PDF; 2,3 MB)</ref> Bereits im Mittelalter wurde sie intensiv seit „vil hundert Jahren“ als Badeort genutzt.

Im 17. Jahrhundert wurde der Ort zu einem mondänen Kurort ausgebaut und eine erste Beschreibung des Mineralwassers von Georgius Bopp erschien im Jahr 1629: „Wir haben erstlich das Wasser gekostet, und bemerket: dass es eine annehmliche Süße auf der Zunge und dem Gaumen hinterlässt. So ist das Wasser auch nicht schwer, noch matt, noch zu frisch, oder hart; sondern mild, lieblich, gelind und gut zu trinken; verursachet nicht leicht eine Blähung, und geht bald wieder durch“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Schwestern kommen nach Adelholzen (Memento vom 27. Mai 2011 im Internet Archive), S. 25, aufgerufen am 22. Mai 2012.</ref> Man begann, Wasser für Hauskuren in Tonflaschen abzufüllen.

Unternehmensgeschichte

Georg Mayer (1795–1870), aus einfachsten Verhältnissen stammend, der schon die „Kaltwasserheilanstalt“ Bad Brunnthal im heutigen Münchner Stadtteil Haidhausen erfolgreich geführt hatte, gelang es noch einmal, „Adelholzen aus dem Schutt“ zu erheben. Er hatte 1849 die Idee, das Heilwasser nicht nur vor Ort zu nutzen, sondern er bot seinen Gästen auch an, „sich ein Fässchen […] zur Fortsetzung der Trinkcur mit nach Hause zu nehmen“. Sein Sohn Wilhelm griff 1895 diesen Gedanken auf und begann, das Wasser der Adelholzener Quellen in Flaschen zu versenden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Berühmtes Wildbad aus dem Mittelalter (Memento vom 27. Mai 2011 im Internet Archive)</ref>

Im Jahr 1875 kam das Adelholzener Heilwasser in den Handel.<ref>Tradition und Geschichte. Adelholzener Alpenquellen, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 31. Juli 2017; abgerufen am 31. Juli 2017.</ref> 1895 wurde das Mineralwasser erstmals überregional versandt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Schwestern kommen nach Adelholzen (Memento vom 27. Mai 2011 im Internet Archive), S. 37, aufgerufen am 22. Mai 2012.</ref> Anfang des 20. Jahrhunderts ging der Kur- und Badebetrieb in Bad Adelholzen in Konkurs und die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, Mutterhaus München, erwarb 1907 die Kur- und Abfüllanlagen in Bad Adelholzen (Schwesternheim Bad Adelholzen). In den folgenden Jahren wurde der Produktions- und Verwaltungsbetrieb modernisiert und erweitert. Im Jahr 1919 wurde nach Einführung des elektrischen Stroms die erste elektrische Abfüllanlage eingeweiht.

Die Anerkennung als staatlich anerkannte Heilquelle erhielt die Primusquelle im Jahr 1939.<ref name="Tagblatt">Abriss der Geschichte der Adelholzener Heilquelle. In: Traunsteiner Tagblatt. Nr. 48/2004. Traunstein 27. November 2004 (Onlinetext [abgerufen am 31. Juli 2017]).</ref> Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dem Ort 1946 die amtliche Anerkennung als Heilbad durch das Bayerische Staatsministerium des Inneren verliehen.<ref>Georg Schwedt: Zur Geschichte und Chemie der Mineralwässer: Erdig – alkalisch – muriatisch – salinisch. Books on Demand, 2018, ISBN 978-3-7528-9096-9 (google.de [abgerufen am 21. Dezember 2023]).</ref>

Im Jahr 1994 erfolgte eine Umbenennung der Adelholzener Primusquelle in Adelholzener Alpenquellen.<ref>Ein Gewinn für die Gemeinschaft. Süddeutsche Zeitung, 6. Oktober 2015, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> Die erste Zertifizierung nach der EMAS-Verordnung (EG-Öko-Audit) erhielt der Betrieb im Jahr 1997. 2001 wurde das „Sauerstoffwasser“ Active O2 eingeführt.<ref>Von Thiemo Heeg: Kultgetränk: Die Barmherzigen Schwestern und ihr „Powerstoff“. In: FAZ.NET. 13. Mai 2005, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 21. Dezember 2023]).</ref>

Die Erträge aus dem Mineralwasserbetrieb kommen abzüglich der Investitionen zur langfristigen Sicherung der Arbeitsplätze karitativen und sozialen Einrichtungen zugute.<ref>Matthaes Verlag: Adelholzener Alpenquellen steigert Absatz. Abgerufen am 18. April 2020.</ref>

Bis 2040 plant das Unternehmen durch ein neues Werkskonzept seine Absatzmenge beinahe verdoppeln zu können.<ref>Traunsteiner Tagblatt: Adelholzener Alpenquellen wollen Standort in großem Stil erweitern. Abgerufen am 4. August 2022.</ref>

Soziales Engagement

Alle Gewinne des Unternehmens fließen, nach Abzug der Investitionen zum langfristigen Erhalt der Arbeitsplätze, in die sozialen Einrichtungen des Ordens. Der Orden betreibt in Eigenregie das Krankenhaus Neuwittelsbach, eine Fachklinik für innere Medizin, sowie die chirurgische Maria-Theresia Fachklinik in München. In sechs Alten- und Pflegeheimen, davon drei im Chiemgau und drei im Großraum München, verbringen insgesamt 640 Personen ihren Lebensabend. Weitere soziale Einrichtungen wie die Obdachlosenbetreuung werden unterstützt.

Galerie

Naturschutz

Als einer der Vorreiter der Branche legte der Mineralbrunnen bereits 1997 seine erste Umwelterklärung nach dem EG-Öko-Audit vor, die 2004 zum dritten Mal zertifiziert wurde. Das Unternehmen betreibt zur Energiegewinnung eine Solaranlage auf den Fabrikhallen. Die beiden landwirtschaftlichen Betriebe, die ebenfalls zur Kongregation gehören und die Verpflegung der Betriebskantine liefern, sind Bioland-zertifiziert. Neben den traditionellen Glasflaschen führte Adelholzener als erstes Brunnenunternehmen Bayerns 1998 auch PET-Mehrwegflaschen ein, die 25 Umläufe erreichen und danach zu 100 Prozent recycelt werden können.

Im Zusammenhang mit dem wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren zur Grundwasserentnahme im Brunnengebiet am Bergener Moos kam es in den 2020er-Jahren zu einer intensiven öffentlichen Debatte über die Nachhaltigkeit der Wasserförderung durch die Adelholzener Alpenquellen GmbH. Das Unternehmen stellte beim Landratsamt Traunstein einen Antrag auf Verlängerung der bestehenden wasserrechtlichen Erlaubnisse zur Entnahme von Grundwasser in den bisherigen Mengen von bis zu 1,59 Millionen m³ pro Jahr für den Zeitraum bis Ende 2035 und 1,29 Millionen m³ pro Jahr für den Zeitraum von 2036 bis 2050. Gleichzeitig soll der 2024 errichtete sechste Brunnen im Gebiet mitgenutzt werden. Die Unterlagen wurden den betroffenen Gemeinden und der Öffentlichkeit zur Einsicht und Stellungnahme vorgelegt.<ref>Landratsamt betont „Tragweite“: Schon etliche Stellungnahmen zum Adelholzener-Antrag. 31. Januar 2026, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref>

Im Rahmen des Verfahrens bildeten sich Bürgerinitiativen, die unter dem Namen „Unser Bergener Wasser“ Forderungen zu Änderungen am Antrag stellten. Diese Initiative argumentiert, dass die beantragten Entnahmemengen höher seien, als es die natürliche Neubildung des Grundwassers zulasse, und fordert eine Reduzierung der jährlichen Entnahmemenge auf maximal 750 000 m³ sowie strikte Begrenzungen pro Brunnen und ein unabhängiges, regelmäßiges Monitoring.<ref>Unser Bergener Wasser – Bürgerinitiative. Abgerufen am 4. Februar 2026.</ref><ref>Unsere Forderungen – NEU – Unser Bergener Wasser. Abgerufen am 4. Februar 2026.</ref> Auch die Gemeinde Bergen äußerte in einer ausführlichen Stellungnahme Bedenken hinsichtlich eines „Grundwasserstress“, verwies auf eine rückläufige Grundwasserneubildung und verlangte ein mehrstufiges Überwachungs- und Berichtssystem, um mögliche negative Auswirkungen besser bewerten zu können.<ref>„Grundwasserstress“? Bergen warnt vor zu viel Wasserentnahme durch Adelholzener. 28. Januar 2026, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref>

Adelholzener selbst stellt sich diesen Forderungen entgegen und betont die Nachhaltigkeit der eigenen Wasserentnahme. Das Unternehmen erklärt, dass die Entnahme ausschließlich aus einem tiefer liegenden Grundwasserstockwerk erfolge, das durch natürliche geologische Schutzschichten von den oberflächennahen Trinkwasserspeichern getrennt sei. Nach Ansicht des Unternehmens bestünden keine negativen Auswirkungen auf die regionalen Trinkwasserversorgungen, da die derzeitigen Wasserstände und Messdaten zeigten, dass „dauerhaft mehr Wasser neu gebildet werde, als entnommen werde“. Dieses Monitoring erfolge seit Jahrzehnten kontinuierlich und sei den zuständigen Fachbehörden zugänglich.<ref>Jetzt stellt Bergener Bürgerinitiative klare Forderungen auf – und Adelholzener reagiert sofort. 19. Dezember 2025, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref>

In öffentlichen Reaktionen wandte sich Geschäftsführer Peter Lachenmair gegen mehrere unzutreffende Darstellungen und Missverständnisse in der Debatte. So stellte er klar, dass die Brunnen ausschließlich im Bergener Moos liegen und keine Wasserentnahme im Weißachental stattfinde, wie vereinzelt in Gemeinderatssitzungen behauptet worden war. Die geologische Trennung der genutzten Grundwasserschichten und die daraus folgenden Messdaten würden zeigen, dass die Fördermengen weit unter den natürlichen Neubildungsraten lägen. Zudem wies Lachenmair Spekulationen über einen möglichen Verkauf des Unternehmens an multinationale Konzerne als unbegründet zurück.<ref>Paukenschlag! Bergen schmettert Adelholzener-Plan ab - so „entsetzt“ reagiert der Getränke-Gigant. 15. Juli 2025, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref>

Die Stellungnahmen des Unternehmens unterscheiden zwischen bereits bestehenden Monitoring- und Berichtspflichten, die laut Adelholzener erfüllt seien, und zusätzlichen Forderungen der Bürgerinitiative, die es als nicht sachgerecht oder ökonomisch nicht tragbar einschätzt. So wurde etwa die Forderung, die Gesamtentnahme um mehr als die Hälfte zu reduzieren, als „illusorisch und nicht leistbar“ bewertet, weil dies den Betriebsfortbestand und Arbeitsplätze gefährden würde.<ref>Jetzt stellt Bergener Bürgerinitiative klare Forderungen auf – und Adelholzener reagiert sofort. 19. Dezember 2025, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref>

Die fachliche Bewertung der wasserwirtschaftlichen Auswirkungen sowie etwaiger abwasser- oder naturschutzrechtlicher Aspekte bleibt Aufgabe der zuständigen Behörden im Genehmigungsverfahren. Die Debatte verdeutlicht die komplexen Spannungsfelder zwischen regionaler Grundwassernutzung, Nachhaltigkeitsanforderungen und wirtschaftlichen Interessen in wasserreichen wie wasserarmen Abschnitten Süddeutschlands.

Produkte

Weblinks

Commons: Adelholzener Alpenquellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 47° 48′ 44,1″ N, 12° 36′ 54,7″ O

 {{#coordinates:47,812258|12,615202|primary
   |dim=250
   |globe=
   |name=
   |region=DE-BY
   |type=building
  }}

Vorlage:Hinweisbaustein