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Adolf Otto Jäger

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Adolf Otto Jäger (* 25. Juni 1920 in Usseln; † 7. Juni 2002) war ein deutscher Psychologe und Lehrstuhlinhaber an der Freien Universität Berlin.

Leben

Adolf Otto Jäger wurde in Usseln in Waldeck als Sohn von Addy Jäger, geborene Winckler, und des evangelischen Pastors Karl Jäger geboren. Er besuchte das Gymnasium in Korbach im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Am 1. Mai 1933 trat er der Hitlerjugend bei und 1938 der NSDAP. Nach dem Abitur absolvierte er den Reichsarbeitsdienst und danach die Wehrausbildung. Danach wurde er im Zuge der Frankreichoffensive an die Front berufen. Dort erlitt er eine Kriegsverletzung (Trümmerfraktur des rechten Oberarms), an der lebenslang zu leiden hatte. Vor Weihnachten 1940 wurde er aus dem Lazarett und 1941, nachdem er zum Leutnant befördert worden war, aus der Armee wegen Dienstunfähigkeit entlassen. 1941 schrieb er sich an der Universität Marburg ein, um Rechtswissenschaft zu studieren, wechselte jedoch im Oktober 1941 zum Studienfach Psychologie. Im Mai 1943 exmatrikulierte er sich, um als „hauptamtlicher HJ-Führer“ an der Gauführerschule Walkemühle in Melsungen im Rang eines HJ-Stammführeres Dienst zu leisten.

Nach Kriegsende gelangte er in den Harz nach Thale bzw. nach Blankenburg. Im ersten Halbjahr 1946 absolvierte er eine Fachschulausbildung zum Englisch-Dolmetscher in Bielefeld und war danach kurzfristig als selbständiger Sprachlehrer tätig, bevor er ab Oktober 1946 eine kaufmännische Ausbildung bei der Technisch-wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Dr. Ing. Borchart in Herford begann und nach einem Jahr abschloss. 1947 wurde er dort als Angestellter übernommen und erreichte die Stellung eines Prokuristen.

Ab 1950 setzte er sein Psychologiestudiem an der Georg-August-Universität Göttingen fort und schloss das Studium 1954 als Diplom-Psychologe ab. Danach arbeitete er an der Beratungs- und Betreuungsstelle des Psychologischen Instituts unter Erna Duhm. 1955 wechselte er zur Promotion auf eine Mitarbeiterstelle bei Kurt Wilde, die er gegen Jahresende für eine Position als Leitender Psychologe bei der DGP aufgab. 1958 wurde er in Göttingen zum Dr. rer. nat. promoviert und 1965 habilitierte er sich in Gießen. Von 1955 bis 1965 war er Leitender Psychologe der Deutschen Gesellschaft für Personalwesen (DGP), deren Vorstand er von 1955 bis in die 1980er Jahre angehörte. Von 1965 bis 1968 wurde er als Wissenschaftlicher Rat und Professor Leiter der Abteilung für Arbeits- und Betriebspsychologie der Universität Gießen. Ab 1958 war er Mitglied des Testkuratoriums des Berufsverbandes deutscher Psychologen sowie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

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Grabstätte (Feld 006-75)

Im Jahr 1968 wurde er ordentlicher Professor für Psychologie an der Freien Universität Berlin, wo er das Institut für Psychologie im Fachbereich Erziehungswissenschaft gründete. Spätere Rufe an die Universität Mannheim 1971 und die Universität Augsburg 1973 lehnte er ab. 1987 wurde er mit 67 Jahren emeritiert.

Er war ab 1947 mit Ingeborg Jäger, geborene Deutsch, verheiratet und hatte drei Töchter (Renate, Sabine und Katrin).

Adolf Otto Jäger starb 2002 im Alter von 81 Jahren im Seniorenstift Augustinum in Kleinmachnow. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Dahlem in Berlin.<ref>Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 570.</ref>

Werk

Im Rahmen seiner Dissertation von 1958 untersuchte er Gedächtnisleistungen, der Titel seiner Arbeit lautete Einige emotionale, conative und zeitliche Bedingungen des Erinnerns. Diese Forschungsrichtung setzte er aber nicht fort, sondern widmete sich Arbeiten im Bereich der Personalauslese sowie der Anforderungsanalyse und entwickelte grundlegende Fragestellungen im Bereich der Psychologischen Diagnostik.

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Berliner Intelligenzstrukturmodell

Nach dem frühen Tod seines Mentors Kurt Wilde setzte er dessen Arbeit zu dem sog. Wilde Intelligenztest (WIT) fort und brachte das Verfahren bei der DGP zum Einsatz. In den nachfolgenden Jahren formulierte er das Berliner Intelligenzstrukturmodell; dieses ist eine mehrfaktorielle Theorie der Intelligenztheorien. Darauf aufbauend entwickelte er mit Heinz-Martin Süß und André Beauducel den Berliner Intelligenzstruktur-Test (BIS-Test; Version 4), der noch heute eingesetzt wird. In seinem Forschungsprojekt „Produktives Denken/Intelligentes Verarbeiten“ wollte er die verschiedenen konkurrierenden Theorien vereinen; auch eine faktorenanalytische Bestätigung für einen g-Faktor der Intelligenz hat er vorgelegt.

Ehrungen/Positionen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monografien
  • Mit Klaus Holzkamp und Ferdinand Merz: Prognose und Bewährung in der psychologischen Diagnostik. Verl. f. Psychologie Hogrefe, Göttingen 1966.
  • Dimensionen der Intelligenz. Verl. für Psychologie Hogrefe, Göttingen 1967; 3. Auflage ebenda 1973.
  • mit Dietmar Kleine: Kriteriumsvalidität eines neuartigen Tests zum Berliner Intelligenzstrukturmodell. Inst. für Psychologie, Berlin 1987.
  • mit H.-M. Süß und A. Beauducel: Berliner Intelligenzstruktur-Test. Form 4. Hogrefe, Göttingen 1997.
  • mit Heinz Holling, Franzis Preckel, Ralf Schulze, Miriam Vock, Heinz-Martin Süß und André Beauducel: Berliner Intelligenzstrukturtest für Jugendliche: Begabungs- und Hochbegabungsdiagnostik. Hogrefe, Göttingen 2006.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Zum prognostischen Wert psychologischer Eignungsuntersuchungen. In: Psychologische Rundschau, 1960, 11, S. 160–178.
  • Methoden der Dienstpostenbewertung. In: DGF-Informationen, 1962, 1, S. 1–22.
  • Der Wilde-Test, ein neues Intelligenzdiagnostikum. In: Zeitschrift für Experimentelle und Angewandte Psychologie, 1963, 10, S. 200–278.
  • Mehrmodale Klassifikation von Intelligenzleistungen: Experimentell kontrollierte Weiterentwicklung eines deskriptiven Intelligenzstrukturmodells. In: Diagnostica, 1982, 28, S. 195–225.
  • Intelligenzstrukturforschung: Konkurrierende Modelle, neue Entwicklungen, Perspektiven. [Structural research on intelligence: Competing models, new developments, perspectives]. In: Psychologische Rundschau, 1984, 35 (1), S. 21–35.
  • Mit W. Sperber, S. Wörpel und R. Pfister: Praktische Intelligenz: Untersuchungsbericht und erste Ergebnisse. Institut für Psychologie im Fachbereich Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften der Freien Universität Berlin, Berlin 1985.
  • Validität von Intelligenztests. In: Diagnostica, 1986, 32 (4), S. 272–289.

Literatur

  • Jäger, Adolf Otto. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 573.
  • Eva Stumpf; Tanja Gabriele Baudson: Adolf Otto Jäger (1920–2002) – Leben und Werk. In: Psychologische Rundschau, 2026, 77 (1), S. 18–29.

Weblinks

Einzelnachweise

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