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Afrikanisches Viertel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wohnanlage am Manga-Bell-Platz

Das Afrikanische Viertel ist eine Ortslage im Berliner Ortsteil Wedding (Bezirk Mitte). Es wird durch die Müller- und Seestraße sowie den Volkspark Rehberge (mit Goethepark) und die Bezirksgrenze zum Bezirk Reinickendorf eingegrenzt.

Folgende Straßen liegen im Viertel:

Namensgebung

Überblick

Carl Hagenbeck plante vor dem Ersten Weltkrieg für den heutigen Volkspark Rehberge eine – seinem Hamburger Tierpark ähnliche – Anlage, in der er unter anderem Tiere und Menschen<ref>Blues in Schwarz-Weiß — Recherche. Abgerufen am 24. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> aus den damaligen deutschen Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent präsentieren wollte. Der Krieg verhinderte diese Pläne, aber die Straßennamen waren bereits vergeben, sodass sie bis heute existieren.

Tatsächlich sind seit den späten 1990er Jahren rund 1000 afrikanische Staatsbürger ins Viertel zugezogen (vor allem aus Ghana, Kamerun und Nigeria), sodass aktuell insgesamt rund 2500 Afrikaner offiziell in dem Quartier gemeldet sind. Hinzu kommen zahlreiche Eingebürgerte und in Deutschland geborene Kinder afrikanischer Herkunft, die nicht als solche erfasst werden.<ref>Jenseits von Wedding. In: Tagesspiegel. 14. April 2009 (archive.org).</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zweites Afrika-Magazin „Afrikanisches Viertel“ erschienen – Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke ist Schirmherr. (Memento vom 21. Oktober 2014 im Internet Archive) Bei: berlin.de, BA Mitte</ref>

Kritik an Namensgebung

Datei:Lüderitzstrasse Berlin 2015.jpg
Straßenschild der nach Adolf Lüderitz benannten Lüderitzstraße

Kontroversen gab es um einige Namensgebungen im Viertel. Insbesondere die nach Akteuren des Kolonialismus benannten Straßen, wie die nach Adolf Lüderitz benannte Lüderitzstraße, die nach Carl Peters benannte Petersallee <ref>Petersallee. In: eineweltstadt.berlin. Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER), abgerufen am 5. Januar 2025.</ref> und der nach Gustav Nachtigal benannte Nachtigalplatz waren immer wieder Ziel von Initiativen zur Umbenennung. Sie wurden von Kritikern als Relikte aus der Zeit des Imperialismus und Kolonialismus als diskriminierend gegenüber Afrikanern und daher als problematisch angesehen.<ref>Benannt nach Kolonialverbrechern: Petersallee, Nachtigalplatz - wenn Straßennamen zum Problem werden. In: Tagesspiegel Online. 23. August 2020, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 24. Juli 2024]).</ref>

Namensänderungen

Die oben genannte Lüderitzstraße, die Petersallee und der Nachtigalplatz wurden laut einem Beschluss des zuständigen Bezirks Mitte umbenannt. Dazu wurde im Jahr 2016 eine Jury unter Leitung des Grünen-Politikers Bertrand Njoume gebildet, die die Einwohner um Namensvorschläge gebeten hatte. Von allen eingereichten Personennamen kamen im Mai 2017 sechs in die engere Wahl: Nzinga von Matamba, Yaa Asantewaa, Martin Dibobe, die Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai, Rudolf Manga Bell und Miriam Makeba.<ref>Gerhard Lehrke: Koloniales Erbe. In: Berliner Zeitung, 1. Juni 2017, S. 9.</ref> Nachdem der Vorschlag der Benennung nach Nzinga von Matamba wegen ihrer Verbindung zum Sklavenhandel und mangelnder Verbindung zur deutschen Geschichte in die Kritik geraten war, wurden die ersten Vorschläge verworfen.

Im April 2018 gab die Bezirksverordnetenversammlung die endgültige Auswahl bekannt: Die Lüderitzstraße wurde nach Cornelius Fredericks benannt, einem der Anführer im Aufstand der Nama gegen die deutsche Kolonialbesatzung. Der Nachtigalplatz wurde nach Emily und Rudolf Duala Manga Bell in Manga-Bell-Platz benannt, die eine zentrale Rolle im Widerstand der Duala gegen die deutsche Kolonialherrschaft spielten. Die Petersallee wurde am ehemaligen Nachtigalplatz geteilt. Der nordöstliche Abschnitt in Richtung Müllerstraße wurde nach Anna Mungunda benannt, einer namibischen Unabhängigkeitsaktivistin. Der südwestliche Abschnitt in Richtung Windhuker Straße wurde zur Maji-Maji-Allee und erinnert damit an den Maji-Maji-Aufstand.<ref>Laura Hofmann: Neue Straßennamen fürs Afrikanische Viertel gefunden. In: Der Tagesspiegel. 11. April 2018, abgerufen am 12. April 2018.</ref>

Die tatsächlichen Umbenennungen fanden im Spätherbst des Jahres 2022 mit dem öffentlichen Schilderwechsel und der Anwesenheit hochrangiger Persönlichkeiten statt. Am Rande der Aktionen gab es harte Widerstände der Umbenennungsgegner.<ref>Berliner Bezirksamt vor Straßenumbenennung attackiert , www.rbb24, Bericht vom 3. Dezember 2022.</ref>

Architektur

Im Gegensatz zu weiten Teilen des Weddings wird das Viertel durch Siedlungsbauten der 1920er und 1930er Jahre geprägt. Zu nennen sind hier vor allem die Friedrich-Ebert-Siedlung sowie die von Ludwig Mies van der Rohe errichteten vier Gebäude zwischen Sambesi- und Seestraße an der Afrikanischen Straße.<ref>Wohnanlage an der Afrikanischen Straße. In: Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank, Objekt-Nr. 09030281, auf: berlin.de. Abgerufen am 13. Mai 2020.</ref>

Literatur

  • Berlin-Wedding. 2. Auflage. Verlag Karl Baedeker, Freiburg 1983, S. 34/35
  • Ulrich van der Heyden: Auf Afrikas Spuren in Berlin. Die Mohrenstraße und andere koloniale Erblasten. Berlin 2008
  • Ulrich van der Heyden: Das afrikanische Viertel. In: Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hrsg.): Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche. Berlin Edition, Berlin 2002, S. 261–263

Weblinks

Commons: Afrikanisches Viertel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 52° 33′ 15″ N, 13° 20′ 19″ O

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