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Albert Döderlein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Albert Döderlein

Albert Sigmund Gustav Döderlein (* 5. Juli 1860 in Augsburg; † 10. Dezember 1941 in München) war ein deutscher Gynäkologe (Frauenarzt).

Nach ihm wurden die von ihm 1892 in Das Scheidensekret und seine Bedeutung für das Puerperalfieber<ref>In: Zentralblatt für Bakteriologie. Band 11, 1892, S. 699.</ref> erstmals im Sekret der Vagina beschriebenen Milchsäurebakterien Döderlein-Bakterien benannt. Er war auch derjenige, der aus aseptischen Gründen Gummihandschuhe bei der Geburtshilfe und gynäkologischen Behandlungen einführte.<ref name="Klee114">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 114.</ref> Er gilt zudem als Pionier der Strahlentherapie bei Gebärmutterhals-Krebs.

Werdegang

Albert Döderlein wuchs als Sohn eines Regimentsarztes auf und studierte von 1879 bis 1884<ref>Wolfgang G. Locher: Döderlein, Albert. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 317 f.</ref> Medizin in Erlangen, wo er im Wintersemester 1879/80 Mitglied der Burschenschaft Germania Erlangen wurde.<ref>Ernst Elsheimer (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Burschenschafter nach dem Stande vom Wintersemester 1927/28. Frankfurt am Main 1928, S. 89.</ref><ref>Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 88.</ref> 1884 wurde er promoviert. Er lehrte ab 1888 in Leipzig, wurde 1897 als ordentlicher Professor nach Groningen berufen, ging aber noch im gleichen Jahr als Professor nach Tübingen und übernahm schließlich 1907 an der Universität München den Lehrstuhl des emeritierten Franz von Winckel. 1892 legte er grundlegende bakteriologische Arbeiten über das Scheidensekret in seiner Bedeutung für die Entstehung des Kindbettfiebers vor.<ref>Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 51.</ref> Im Jahr 1901 hatte er die mediane Spaltung als neues Verfahren der vaginalen Hysterektomie beschrieben. Döderlein gehörte zu den ersten Frauenärzten, welche die Strahlentherapie als ein der chirurgischen Behandlung gleichwertiges Verfahren bei der Behandlung gynäkologischer Krebsleiden ansahen, und war 1911, als er auf dem Gynäkologenkongress in Halle berichtete, dass Karzinome durch die Radiumwirkung „wie der Schnee in der Märzsonne“ schmölzen, ein Pionier der Strahlenbehandlung des Kollumkarzinoms mit Radium.<ref>Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 60 und 67.</ref>

Seit 1918 engagierte er sich in der Münchner Kommission zur Beratung von Fragen der Erhaltung und Vermehrung der Volkskraft.<ref name="Klee114" />

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Titelblatt von: Arthur Gütt / Ernst Rüdin / Falk Ruttke: Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933. München 1934; mit der Angabe des Beitrags von Döderlein: Die Eingriffe zur Unfruchtbarmachung der Frau.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Verabschiedung des Sterilisationsgesetzes schrieb er einen Beitrag zum offiziellen Gesetzeskommentar: Die Eingriffe zur Unfruchtbarmachung der Frau<ref>Albert Döderlein: Die Eingriffe zur Unfruchtbarmachung der Frau. In: Arthur Gütt, Ernst Rüdin, Falk Ruttke (Hrsg.): Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. München 1934.</ref> und beschrieb darin ein von ihm seit 1926 angewandtes kontrazeptives Verfahren.<ref>Albert Lehner: Eierstock und Eileiter: Anatomiestudien in der Antike und Neuzeit. Therapiekonzepte im 19. und 20. Jahrhundert. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 9, 1991, S. 17–35; hier: S. 27–28 .</ref> Nach seiner Emeritierung 1934 wurde er Mitherausgeber der Münchner Medizinischen Wochenschrift, deren „Fragekasten“ er anregte<ref>Vgl. Georg B. Gruber: Hundert Jahre Münchener Medizinische Wochenschrift. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 1–10, hier: S. 5 und 9.</ref><ref name="Klee114" />

Der Gynäkologe Gustav Döderlein, Ordinarius an der Universitätsfrauenklinik Jena, war sein Sohn.

Ehrungen

Im Jahr 1926 wurde er als Mitglied in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen und 1940 erhielt er die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft.

Trivia

Der russische Schriftsteller und Arzt Michail Bulgakow zitierte 1925 in seinen Aufzeichnungen eines jungen Arztes die Gefahren der Wendung aus dem „Döderlein“.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • mit Ernst Bach: Gynäkologische Indikationen zur Schwangerschaftsunterbrechung und Unfruchtbarmachung. In: Reichsärztekammer (Hrsg.): Richtlinien für Schwangerschaftsunterbrechung und Unfruchtbarmachung aus gesundheitlichen Gründen. Bearbeitet von Hans Stadler. J. F. Lehmanns Verlag, München 1936, S. 114–124

Literatur

  • A. Mayer: Originalien. Albert Döderlein zum 70. Geburtstag. In: Münchener Medizinische Wochenschrift, Jg. 77 (1930), Nr. 27, 4. Juli 1930, S. 1129–1132.
  • Hans Albrecht: Albert Döderlein und die Münchener gynäkologische Gesellschaft. In: Münchener Medizinische Wochenschrift, Jg. 77 (1930), Nr. 27, 4. Juli 1930, S. 1136.
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Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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