Alois Gaberle
Alois Gaberle (* 30. September 1907 in Oelz/Döberney; † 17. November 1982 in Hamburg) war ein sudetendeutscher Lagerarzt im KZ Sachsenhausen.
Biografie
Gaberle absolvierte ein Studium der Medizin und promovierte zum Dr. med.<ref>Friedrich-Ebert-Stiftung. Forschungsinstitut, Historische Kommission zu Berlin: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 31, Akademie Verlag, 1997, S. 195</ref> Er gehörte im Herbst 1938 den Sudetendeutschen Freikorps an und war ab 1939 als Assistenzarzt bei der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses in Iglau tätig.<ref name="Klee172">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt 2007, S. 172.</ref> Im August 1938 wurde er Mitglied der allgemeinen SS (SS-Nummer 363.185).<ref>Alois Gaberle auf www.dws-xip.pl</ref> Am 29. Dezember 1938 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. November desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.621.162).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/10141385</ref> Gaberle absolvierte nach seiner Einziehung zur Waffen-SS 1943<ref>Judith Hahn u. a. (Hrsg.): Medizin im Nationalsozialismus und das System der Konzentrationslager. Beiträge eines interdisziplinären Symposiums. Frankfurt 2005, ISBN 3935964749, S. 69</ref> einen Lehrgang an der SS-Ärztlichen Akademie in Graz. Anschließend war er vom 24. August 1943 bis zum Januar 1945 als Lagerarzt im KZ Sachsenhausen tätig.<ref name="Klee172"/> Gaberle war am 11. September 1944 bei Versuchen mit Giftmunition an sowjetischen KZ-Häftlingen in Sachsenhausen anwesend, bei dem fünf Häftlinge ermordet wurden. Er nahm auch an einem Menschenversuch teil, bei dem die Wirkung einer Zyankalikapsel an einem Häftling erprobt wurde. Nachdem der Häftling die Zyankalikapsel zerbissen hatte, starb dieser umgehend.<ref>Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer. Frankfurt 1997, S. 175f.</ref> Im Januar 1945 wurde Gaberle in das KZ Mittelbau-Dora versetzt, wo er ebenfalls als Lagerarzt tätig war.<ref name="Klee172"/>
Ab 1950 war er wieder zugelassener Kassenarzt und praktizierte als Allgemeinmediziner in Hamburg-Harburg.<ref name="Klee172"/> Gemeinsam mit den ehemaligen Lagerärzten des KZ Sachsenhausen Heinz Baumkötter und Otto Adam wurde Gaberle im Tatkomplex NS-Gewaltverbrechen in Haftstätten vor dem Landgericht Münster angeklagt. Verhandlungsgegenstand war u. a. die Teilnahme der Lagerärzte an Hinrichtungen, Selektionen und medizinischen Experimenten mit Todesfolge. Am 19. Februar 1962 wurde Gaberle wegen Beihilfe zum Mord zu drei Jahren und drei Monaten Haftstrafe und Baumkötter zu acht Jahren Haft verurteilt. Adam wurde freigesprochen. Am 29. März 1963 wurde das Urteil durch den Bundesgerichtshof bestätigt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Justiz und NS-Verbrechen Band XVIII ( vom 22. Juni 2014 auf WebCite)</ref>
Literatur
- LG Münster vom 19. Februar 1962, in: Justiz und NS-Verbrechen, Band 18, 1978, S. 215–331
Einzelnachweise
<references/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gaberle, Alois |
| KURZBESCHREIBUNG | sudetendeutscher KZ-Arzt |
| GEBURTSDATUM | 30. September 1907 |
| GEBURTSORT | Oelz/Döberney |
| STERBEDATUM | 17. November 1982 |
| STERBEORT | Hamburg |
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- Lagerarzt im KZ Sachsenhausen
- Lagerarzt im KZ Mittelbau-Dora
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- Gestorben 1982
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