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Altvaterturm (Wetzstein)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Hinweisbaustein

Altvaterturm
Turmart: Aussichtsturm
Staat: Deutschland
Land: Thüringen
Landkreis: Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Ortschaft: Brennersgrün (nahe)
Standort: im Frankenwald,
auf dem Wetzstein
Geo-Koordinaten: 50° 27′ 0,5″ N, 11° 27′ 20,8″ OKoordinaten: 50° 27′ 0,5″ N, 11° 27′ 20,8″ O
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Standorthöhe: ca. 788 m ü. NHN
Turmhöhe: ca. 35,8 m<ref name="Flyer2011" />
Grundfläche: 11,2 × 14,5 m<ref name="Flyer2011" />
Aussichtsplattform: 824 m ü. NN<ref name="Flyer2011" />
Baumaterial: Sandstein
Bauzeit: ab 1999<ref name="Flyer2011" />
Grundsteinlegung: 11. Mai 2000<ref name="Flyer2011" />
Einweihung: 28. August 2004<ref name="Flyer2011" />
Datei:Altvaterturm Sommer 2005 2-2.jpg
Altvaterturm (2005)

Der Altvaterturm ist ein 35,8 m<ref name="Flyer2011" /> hoher Aussichtsturm auf dem Wetzstein (792,7 m ü. NHN),<ref name="DE_BFN-Karten">Karten und Daten des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)</ref> einem Berg im Frankenwald bei Brennersgrün im thüringischen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Einige Turmräume werden als Museum genutzt.

Geographische Lage

Der Altvaterturm steht im Nordnordwesten des Frankenwaldes auf der Gipfelregion des Wetzsteins im Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale. Er befindet sich 1,6 km nordwestlich von Brennersgrün, einem südsüdöstlichen Ortsteil der Stadt Lehesten, und etwa 350 m nordnordöstlich vom ehemaligen Standort des 1979 gesprengten Bismarckturms Lehesten.

Geschichte

Nach der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei in den Jahren 1945/46 gründeten Heimatfreunde 1976 den Altvaterturmverein Langgöns. Der eingetragene Verein errichtete ab 1999<ref name="Flyer2011" /> den am 2. Mai 1959 zusammengefallenen und nicht wieder aufgebauten Altvaterturm originalgetreu auf dem Wetzstein – als Mahnmal der Vertreibung. Er ist eine Nachbildung der 1912 auf dem im nahen Altvatergebirge befindlichen Berg Altvater errichteten Habsburgwarte, die zuletzt Altvaterturm hieß.

Zur Turmgeschichte des alten Turms siehe auch: Abschnitt Geschichte des Altvaterturmes des Bergartikels Praděd

Der Turmstandort für den heutigen Altvaterturm wurde gewählt, weil er den natürlichen Gegebenheiten des Altvatergebirges nahekommt. Nachdem es 1995 erste Kontakte zur Stadt Lehesten gegeben hatte, erteilte im Oktober 1998 das Thüringer Landesverwaltungsamt die Baugenehmigung. Am 11. April 1999 war der erste Spatenstich, am 21. Mai 2000 die Grundsteinlegung und am 1. November 2000 Baubeginn. Das Richtfest wurde am 11. Mai 2002 gefeiert und der Turm am 28. August 2004 eingeweiht.<ref name="Flyer2011" />

Technische Daten

Einige Daten des Altvaterturms:<ref name="Flyer2011" />

  • Höhe: 35,8 m
  • Grundfläche: 11,2 × 14,5 m
  • Umbauter Raum: ca. 3.000 m³
  • Sichthöhe auf offener Aussichtsplattform: (824 m ü. NN)

Ausgestaltung

Im Kellergeschoss befindet sich die St.-Elisabeth-Kapelle mit Ortsgedenktafeln für Städte und Gemeinden, aus denen Sudetendeutsche aufgrund der Beneš-Dekrete vertrieben wurden. Sie geben Auskunft über die Zahl der Einwohner um 1939, die Zahl der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen und der durch Vertreibung umgekommenen Menschen. Im Erdgeschoss befindet sich eine Gaststätte, deren Wände mit Holzwappen der Heimatgemeinschaften geschmückt sind. Gedenktafeln in den Nischen der Außenfassade zeigen Ereignisse der Vertreibungsjahre. Die 16 Skulpturen auf den Zinnen symbolisieren 16 Millionen vertriebene und 16.000 getötete Menschen nach Ende des Krieges. Im Treppenhaus stellen Doppelwappen die Orte der Vertreibung und die neuen Wohnorte dar. In den Obergeschossen werden einzelne Räume für Ausstellungen zu den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten genutzt. Der Raum für Ostpreußen wird vom Kulturzentrum Ostpreußen betreut. Im obersten Geschoss befindet sich die Ehrenhalle, die an den Wänden mit Votivkacheln geschmückt ist, und darüber eine Aussichtsplattform. Vor dem Turm befindet sich eine Freilichtbühne.

Auf verschiedenen Etagen des Bauwerks befinden sich in den Tunrmräumen folgende Heimatstuben und Einrichtungen:<ref name="Heimatstuben" />

  • Zimmer: Mineralien des Altvatergebirges
  • Heimatstube Zuckmantel
  • Dokumentation zur Vertreibung
  • Zimmer Lehesten und Umgebung
  • Zimmer Mährisch Schönberg mit einem Modell der Teßtalbahn und Flugzeugmodellen
  • Ostpreußenzimmer der Landsmannschaft Ostpreußen Hamburg

Aussichtsmöglichkeiten

Vom Altvaterturm fällt der Blick unter anderem nach Nordwesten zum Thüringer Wald mit dem Bleßberg (866,9 m) und Großen Beerberg (982,9 m), nach Osten zum Erzgebirge mit dem Auersberg (1018,2 m), über den Frankenwald hinweg nach Südosten zum Fichtelgebirge mit dem Großen Kornberg (827 m) und Schneeberg (1051 m) und nach Südwesten zur Fränkischen Alb mit dem Staffelberg (539 m).

Rezeption und wissenschaftliche Einordnung

Die am Altvaterturm angebrachten Gedenk- und Informationstafeln thematisieren überwiegend die Flucht und Vertreibung der Deutschen und Sudetendeutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach 1945 und stellen dabei insbesondere deutsche Opfererfahrungen in den Vordergrund.<ref name="Komotau" /><ref name="Sudeten-Bayreuth" />

In der historischen Forschung wird Flucht und Vertreibung jedoch in den Kontext des Zweiten Weltkriegs, der nationalsozialistischen Expansions- und Besatzungspolitik sowie deren Folgen eingeordnet. Sie gelten als direkte Folge des von Deutschland begonnenen Krieges und werden in der Regel nicht isoliert betrachtet.<ref name="bpb1" />

In der geschichtswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur wird zudem untersucht, wie öffentliche Darstellungen von Flucht und Vertreibung gestaltet werden. Dabei wird kritisch diskutiert, wenn Darstellungen eine starke Fokussierung auf deutsche Opferperspektiven aufweisen und der historische Kontext nationalsozialistischer Herrschaft sowie der Kriegsursachen nur unzureichend berücksichtigt wird.<ref name="bpb2" />

Bilder

Weblinks

Commons: Altvaterturm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Flyer2011">Flyer Der neue Altvaterturm, Ausgabe: September 2011, abgerufen am 10. September 2016, auf sockenqualmer.de (PDF; 1,39 MB)</ref>

<ref name="Heimatstuben">Heimatstuben im neuen Altvaterturm (Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa), abgerufen am 10. September 2016, auf bkge.de</ref>

<ref name="Komotau">Der Altvaterturm am Wetzstein (Förderverein Mittleres Erzgebirge Komotauer – Land), abgerufen am 25. April 2026, auf komotau.de</ref>

<ref name="Sudeten-Bayreuth">Der Altvaterturm am Wetzstein/ Frankenwald (Sudetendeutsche Landsmannschaft), abgerufen am 25. April 2026, auf sudeten-bayreuth.de</ref>

<ref name="bpb1">Krieg, Flucht und Vertreibung (Bundeszentrale für politische Bildung), abgerufen am 25. April 2026, auf bpb.de</ref>

<ref name="bpb2">Vertreibungsdiskurs und Erinnerungskultur (Bundeszentrale für politische Bildung), abgerufen am 25. April 2026, auf bpb.de</ref> </references>