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Aminophenazon

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Aminophenazon ist der Trivialname und Freiname (INN) einer chemischen Verbindung aus der Gruppe der Stickstoffheterocyclen, die eine Weiterentwicklung des Phenazons darstellt. Beides sind synthetische Pyrazolon-Derivate, die wegen ihrer fiebersenkenden (antipyretischen) und schmerzdämpfenden (analgetischen) Wirkung bereits im 19. Jahrhundert in Arzneimitteln der Farbwerke Hoechst (unter den Handelsnamen Pyramidon bzw. Antipyrin) erfolgreich vermarktet wurden.

Im Unterschied zum Phenazon trägt Aminophenazon in 4-Position des Pyrazolon-Heterocyclus eine Dimethylamino-Gruppe (tertiäres Amin), weshalb es treffender auch Dimethylaminophenazon genannt wird.

Geschichte

Friedrich Stolz und Ludwig Knorr gelten als Erfinder des Wirkstoffs Aminophenazon, der 1897 in dem Medikament Pyramidon durch die Farbwerke vorm. Meister, Lucius & Brüning AG in Höchst am Main auf den Markt gebracht wurde.

Gewinnung und Darstellung

Datei:Aminophenazon substance photo.jpg
Kristallines Aminophenazon

Aminophenazon kann aus Phenazon durch Nitrosierung, anschließende Reduktion des 4-Nitrosophenazons und Eschweiler-Clarke-Methylierung gewonnen werden.<ref>Beyer-Walter, Lehrbuch der Organischen Chemie, 21. Aufl. Hirzel, Stuttgart 1988, S. 739.</ref><ref>Pharmazeutische Chemie - Teil 6 - Nichtopioide Analgetika (PDF; 529 kB).</ref>

Verwendung

Aminophenazon ist ein Pyrazolon (Pyrazolin-3-on) mit fiebersenkenden, entzündungshemmenden und analgetischen Eigenschaften. Es ist als Nichtopioid-Analgetikum eine Weiterentwicklung von Phenazon und dreimal stärker wirksam als dieses, jedoch mit dem Risiko einer Agranulozytose. Aminophenazon darf aufgrund des kanzerogenen Metaboliten Dimethylnitrosamin nur noch veterinär verwendet werden (in frühen Stadien des septischen Schockes bei Hund und Katze und in Kombination mit Phenylbutazon)<ref>Vorlage:Vetpharm</ref> und wird in Kombinationspräparaten seit 1977 durch Propyphenazon ersetzt.<ref>J. Gasteiger, A. Schunk, Universität Erlangen: Heterocyclen als Arzneimittel.</ref>

Ein Atemtest mit 13C-markiertem Aminopyrin wurde zur nicht-invasiven Messung der Cytochrom P-450 Aktivität in der Leber verwendet.<ref>A. Rocco, G. de Nucci, G. Valente, D. Compare, A. D’Arienzo, L. Cimino, F. Perri, G. Nardone: 13C-aminopyrine breath test accurately predicts long-term outcome of chronic hepatitis C. In: Journal of hepatology. Band 56, Nummer 4, April 2012, S. 782–787, doi:10.1016/j.jhep.2011.10.015. PMID 22173159.</ref>

Pharmakokinetik

Datei:4-Acetylamino-3-Methyl-1-Phenylpyrazolone.svg
4-Acetylamino-3-methyl-1-phenylpyrazolon: Ein im Urin nachgewiesener Metabolit<ref name="DOI10.1002/jps.2600620954">D. E. Hathway: Foreign compound metabolism in mammals, volume 2. The Chemical Society, Burlington House, London, WIV OBN, England, 1972. xv + 513 pp. 14.5 In: Journal of Pharmaceutical Sciences. 62, 1973, S. 186, doi:10.1002/jps.2600620954.</ref>
Datei:Aminophenazone-3D-balls.png
Aminophenazon enthält Stickstoff (N, blau) und Sauerstoff (O, rot)

Nach peroraler Gabe wird Aminophenazon rasch resorbiert.<ref name="TOXNET1">Jones, L.M., et al. Veterinary Pharmacology & Therapeutics. 4th ed. Ames: Iowa State University Press, 1977., S. 363.</ref> Es liegt eine geringe Plasmaproteinbindung vor.<ref name="TOXNET2">Goodman, L.S., and A. Gilman. (eds.) The Pharmacological Basis of Therapeutics. 5th ed. New York: Macmillan Publishing Co., Inc., 1975., S. 347.</ref> Bei Ratten konnte 30 Minuten nach der Gabe eine erhöhte Konzentration in der Nasenschleimhaut und in der Leber nachgewiesen werden.<ref name="TOXNET3">Vorlage:Literatur</ref>

Im Urin wurde 4-Acetylamino-3-methyl-1-phenylpyrazolon nachgewiesen. Das lässt auf eine oxidative N-Dealkylierung durch das MFO-System<ref name="TOXNET5">Sullivan, J.B. Jr., G.R. Krieger (eds.). Hazardous Materials Toxicology-Clinical Principles of Environmental Health. Baltimore, MD: Williams and Wilkins, 1992., S. 119.</ref> (Cytochrom P450-haltige Monooxygenasen oder mischfunktionelle Oxygenasen) in der Leber und anschließender Acetylierung der freien, primären Aminogruppe schließen.<ref name="DOI10.1002/jps.2600620954" /> Ein analoger Mechanismus wird beim Metabolismus des strukturell sehr ähnlichen Metamizol-Metaboliten 4-Methylaminophenazon nach dessen Resorption beobachtet.<ref name="Mutschler">Mutschler Arzneimittelwirkungen, 9. Auflage, Wissenschaftl. Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, S. 251 f., ISBN 978-3-8047-1952-1.</ref> Die Metabolisierungsgeschwindigkeit durch das Cytochrom P450-System ist bei Ratten tageszeitenabhängig.<ref name="TOXNET6">Doull, J., C.D. Klaassen, and M. D. Amdur (eds.). Casarett and Doull's Toxicology. 2nd ed. New York: Macmillan Publishing Co., 1980., S. 67.</ref> Renal kann Aminophenazon unverändert, glucuronidiert oder sulfatiert ausgeschieden werden;<ref name="TOXNET1" /> nach hohen Dosen kann Rubazonsäure im Harn auftreten,<ref name="TOXNET4">H. Oelschläger: Drug Metabolism: Chemical and Biochemical Aspects von B. Testa und P. Jenner, 700 S., Marcel Dekker, Inc., New York 1976. In: Archiv der Pharmazie. 311, 1978, S. 165, doi:10.1002/ardp.19783110215.</ref> und dessen Rotfärbung bewirken.<ref name="Mutschler" /> Vorlage:Absatz

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Gesundheitshinweis