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Andreas Georgiou (Statistiker)

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Datei:Andreas Georgiou March 2017.jpg
Andreas Georgiou

Andreas Georgiou ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), * 1960 in Patras) ist ein griechischer Wirtschaftswissenschaftler. Er wurde am 2. August 2010 Präsident der griechischen Statistikbehörde ELSTAT.<ref name="cv"/> Am 2. August 2015 legte er sein Amt überraschend mit sofortiger Wirkung nieder.<ref>sueddeutsche.de 3. August 2015: Athener Börse öffnet wieder - und stürzt ab</ref><ref>Kathimerini 2. August 2015: Αποχωρεί από την ΕΛΣΤΑΤ μετά τη λήξη της θητείας του ο Ανδρέας Γεωργίου</ref>

Im Juli 2016 entschied der Areopag (oberstes Gericht der Zivil- und Strafgerichtsbarkeit in Griechenland), Georgiou müsse sich wegen Verletzung des „nationalen Interesses“ verantworten.<ref>Aktenzeichen 1331/2016 (Supreme Court refers Andreas Georgiou with felony charges (2. August 2016))</ref> Im Juni 2018 wurde er vom Areopag zu zwei Jahren Haft, ausgesetzt auf Bewährung, verurteilt.<ref name="sz">sueddeutsche.de 11. Juni 2018 Griechischer Chefstatistiker verurteilt - wegen Ehrlichkeit</ref> Gegen das Urteil ist keine Berufung möglich; der Fall Georgiou könnte noch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) beschäftigten.<ref name="sz" />

Biografie

Georgiou absolvierte das Athens College und studierte am Amherst College in USA bis zum Bachelor-Abschluss. An der University of Michigan promovierte er in Wirtschaftswissenschaft mit dem Hauptfach Geldtheorie und Internationale Handels- und Finanzbeziehungen.

Von 1989 bis Juli 2010 war er beim Internationalen Währungsfonds (IWF) tätig. Er leitete Missionen für die Vorbereitung, Verhandlung und Überwachung von IWF-Programmen in zahlreichen Ländern. Von März 2004 bis Juli 2010 war er stellvertretender Leiter der Statistikabteilung des IWF. Er lehrte Wirtschaftswissenschaft an der University of Michigan und als Gastprofessor an der Wirtschaftsuniversität Bratislava (Bratislava, Slowakei).<ref name="cv">[Andreas Georgiou (Statistiker) www.statistics.gr] (undatiert)</ref>

Präsident der ELSTAT und Zeit danach

Am 29. Juni 2010 wurde Georgiou vom griechischen Parlament zum Präsidenten der neuen unabhängigen griechischen Statistikbehörde (ELSTAT) ernannt. Hintergrund der Auflösung des bisherigen Statistikamtes ESYE und der Neugründung der ELSTAT war, dass eine Analyse durch Eurostat das Bild einer regelrechten Fälscherwerkstatt ergeben hatte,<ref>Griechenland: Meister kreativer Buchführung. In: FAZ.net. 4. Februar 2010, abgerufen am 5. Mai 2010.</ref> die die Höhe des griechischen Staatsdefizits verschleiert und zahlreiche EU-Regeln ignoriert hatte. Die EU-Kommission urteilte in einem Bericht, das griechische Statistikamt ESYE liefere keine zuverlässigen Daten, da es am Gängelband der Politik sei. Solange diese Schwäche nicht behoben sei, bleibe die Zuverlässigkeit der Daten fragwürdig.<ref>Griechenland: Statistik-Sirtaki. In: Frankfurter Rundschau. 12. Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 2. Juli 2015; abgerufen am 23. März 2024.</ref> Georgiou korrigierte nach seinem Amtsantritt im August 2010 das Etatdefizit für 2009 auf 15,4 Prozent. Zuvor war dieses mit 3,9 Prozent angegeben worden.<ref name="sz" />

Georgiou, der für die Tätigkeit in seiner Heimat seinen gutbezahlten Posten beim IWF aufgegeben hatte und erworbene Pensionsansprüche verfallen ließ, arbeitete hart an der Reform der griechischen Statistikbehörde.<ref>Der Ehrliche ist der Dumme, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 13. Juni 2018, S. 5</ref> Er stieß bei dem Vorhaben, die Glaubwürdigkeit der griechischen Statistik durch realistische Daten wiederherzustellen, von Anfang an auf Widerstände in der ELSTAT. Das Leitungsgremium wurde nach heftigen Auseinandersetzungen weitgehend neu besetzt.<ref>Christiane Schlötzer: Griechenlands langer Kampf gegen Korruption Zahltage in Athen. In: Süddeutsche Zeitung. 27. Oktober 2011, abgerufen am 3. Juni 2015.</ref> Vorwürfe einer ausgeschiedenen Mitarbeiterin, Georgiou habe nach Vorgaben der EU und des IWF das griechische Staatsdefizit übermäßig hoch dargestellt, führten zu staatsanwaltlichen Ermittlungen<ref>Tobias Piller: Manipulationsvorwürfe: Streit um die Haushaltsdaten Griechenlands. In: FAZ. 1. Dezember 2011, abgerufen am 3. Juni 2015.</ref> und belebten in Griechenland kursierende Verschwörungstheorien, die EU – insbesondere die deutsche Regierung – und der IWF hätten die griechische Finanzkrise bewusst herbeigeführt, um das Land ihrem Austeritätsdiktat zu unterwerfen.<ref>Manipulationsvorwürfe: Griechischer Chef-Statistiker muss mit Anklage rechnen. In: Spiegel Online. 22. Januar 2013, abgerufen am 3. Juni 2015.</ref> Im Februar 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Georgiou wegen Untreue.<ref>Christiane Schlötzer: Gefährlich ehrlich. Andreas Georgiou räumte auf mit griechischen Statistiklügen – dafür wird er angeklagt. In: sueddeutsche.de. 13. Februar 2013, abgerufen am 3. Juni 2015.</ref>

Im März 2015 – die von 2012 bis Januar 2015 regierende ND-PASOK-Koalitionsregierung unter Andonis Samaras war inzwischen abgewählt und von der Regierung Tsipras abgelöst worden – wurde Georgiou erneut verhört.<ref>wsj.com 22. März 2015: Greeks Investigate Statistics Chief Over Deficit Figure</ref> Georgiou gab 2015 von der heftigen Kritik in Griechenland entnervt seinen Chefposten bei der Statistikbehörde auf und ging wieder in die USA, wo er eine kleine Gastprofessur hatte, ansonsten aber arbeitslos war.<ref>Der Ehrliche ist der Dumme, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 13. Juni 2018, S. 5</ref>

Weil Georgiou die damaligen Statistiken seiner Behörde öffentlich „betrügerisch“ genannt hatte, wurde er im März 2017 von einem Berufungsgericht zu 12 Monaten Haft verurteilt. Seine Aussage sei ehrabschneidend gewesen.<ref>FAZ 29. März 2017 / Tobias Piller: Haftstrafe für griechischen Chefstatistiker </ref>

Die Strafverfolgung von Georgiou wurde in den Medien teilweise kritisch kommentiert.<ref>heise.de 15. August 2017: Wird die griechische Justiz von der Regierung gesteuert?</ref>

Im November 2017 verurteilte ein Gericht in Athen Georgiou: er habe zwar nichts Unwahres gesagt, hätte aber die Aussagen nicht per Pressemitteilung verbreiten dürfen. Georgiou hatte 2014 in einer Pressemitteilung gefragt, warum er angeklagt werde für korrekte Statistiken, während gegen jene, die für falsche Daten über die griechischen Haushaltsdefizite bis 2009 verantwortlich sind, nicht ermittelt werde. Das Gericht meinte, ein früherer Abteilungsleiter des Statistikamtes habe dadurch „einfache üble Nachrede“ erlitten; es verurteilte Georgiou zu 10.000 Euro Schadenersatz.<ref>FAZ.net / Philip Plickert 12. November 2017: Strafe für ehemaligen Chefstatistiker Griechenlands</ref> Georgiou kündigte an, in die Berufung zu gehen.<ref>FAZ.net: Empörung über Strafe für griechischen Chefstatistiker</ref> Im Juni 2018 wurde er nach mehreren eingelegten Widersprüchen schließlich durch das oberste Gericht Griechenlands in letzter Instanz zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.<ref>sueddeutsche.de 11. Juni 2018 [1]</ref> Das International Statistical Institute bezeichnete das Urteil als „zerstörerisch“ für die Glaubwürdigkeit Griechenlands.<ref>Der Ehrliche ist der Dumme, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 13. Juni 2018, S. 5</ref>

Internationale Unterstützung für Georgiou

Die American Statistical Association hat im Jahr 2018 brieflich die Strafverfolgung verurteilt und die griechische Obrigkeit aufgerufen, die Strafverfolgung gegen Georgiou und andere Elstat-Funktionäre zu stoppen. Der Brief wurde auch von neun Wirtschaftsnobelpreisträgern und vierzig Statistikorganisationen unterzeichnet.<ref>FAZ.net 12. Januar 2018: Nobelpreisträger unterstützen griechischen Statistiker</ref> Es gab im Jahr 2018 ähnliche Aufrufe und Stellungnahmen der International Association for Official Statistics,<ref>International Association for Official Statistics: Statement in Support for Andreas Georgiou. 18. Juni 2018, abgerufen am 19. Januar 2023.</ref> des International Statistical Institute,<ref>International Statistical Institute: Commendation of Andreas Georgiou. 18. September 2018, abgerufen am 19. Januar 2023.</ref> der Royal Statistical Society<ref>Royal Statistical Society: Stats community honours Andreas Georgiou. 25. September 2018, abgerufen am 19. Januar 2023.</ref> und von 80 ehemaligen Leitern nationaler und internationaler Statistikbehörden.<ref>International Association for Official Statistics: 80 former chief statisticians condem prosecution of Andreas Georgiou. 18. Juni 2018, abgerufen am 19. Januar 2023.</ref>

In den Jahren 2019 bis 2021 gab es gemeinsame Aufrufe und Briefe des International Statistical Institute und der International Association for Official Statistics an griechische Behörden und Minister mit der Aufforderung, die Verfolgung von Georgiou einzustellen.<ref>International Statistical Institute: ISI statements and letters concerning statistical ethics. 23. Dezember 2022, abgerufen am 19. Januar 2023.</ref> Im Jahr 2021 erneuerte die American Statistical Association ihren Aufruf.<ref>American Statistical Association (ASA) Board of Directors: Advocacy Update: ASA Board Reissues Calls for Georgiou Persecution to End, Exoneration. August 2021, abgerufen am 19. Januar 2023.</ref><ref>Steve Pierson, Lynn Wilkinson: ASA, International Community Continue to Decry Georgiou Persecution. 1. Mai 2021, abgerufen am 19. Januar 2023.</ref>

Im Jahr 2022 veröffentlichte das International Statistical Institute eine Aufforderung, die weitere Verfolgung von Georgiou einzustellen.<ref>International Statistical Institute: Halt the persecution of Andreas Georgiou. 23. Dezember 2022, abgerufen am 19. Januar 2023.</ref>

Literatur

Weblinks

Fußnoten

<references />

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