Anspielung
Eine Anspielung deutet einen Sachverhalt an, der nicht in eindeutiger Wortwahl ausgesagt werden soll oder kann. Sie ist neutral gehalten eine Andeutung, oder mit versteckter Kritik ein Seitenhieb, auch Stichelei oder Spitze (bzw. spitze Bemerkung oder ähnlich) genannt.
Im Alltag dienen Anspielungen oft der verschlüsselten Verständigung, etwa durch Hinweise oder Schlagworte, deren situative Zusammenhänge von anwesenden Dritten nicht verstanden werden.
Allgemeines
Anspielungen zeigen sich oft in der vielfältigen Verwendung von Begriffen oder Gesten, die Assoziationen zu deren ursprünglichen (engeren) Verwendungsbereichen wecken. So ist beispielsweise die Verwendung von Begriffen, die den Bereichen Sexualität oder Ausscheidung entstammen, sehr verbreitet.
Anspielungen sind eine Standardmethode der Dichtung, etwa um auf metaphorische Weise Sachverhalte zu umschreiben oder um unterschiedliche Vorgänge symbolisch zu vereinen und dadurch eine bestimmte Emotion oder Geisteshaltung zu verdeutlichen. Unter literarischer Zensur blühen die Anspielungen auf, werden aber in der Rezeption oft auch dort vermutet, wo sie nicht intendiert sind.
In der Wissenschaft ist sie gewagt, aber zulässig, und wurde früher mit der lateinischen Wendung sapienti sat („dem Wissenden genügt’s“) als Anspielung gekennzeichnet.
Diskurstheoretische Spezialbedeutung
„Linguistik der Anspielung“ bezeichnet ein diskurstheoretisches Konzept Franz Januscheks in der Sprachwissenschaft. Demnach ist für dieses Konzept wesentlich, dass sich die Bedeutung eines Diskurses erst erschließen lasse, wenn die Ebene der Anspielungen untersucht werde – jedoch nicht individuelle Assoziationsketten, sondern systematische Anspielungen. Um diese zu verstehen, wird die untersuchte Ausdrucksform innerhalb eines Diskurses mit allen anderen Ausdrucksformen darin verglichen.
Literatur
- Franz Januschek: Arbeit an Sprache. Konzept für eine Empirie einer politischen Sprachwissenschaft, Opladen 1986.
- Franz Januschek: Rechtspopulismus und NS-Anspielungen am Beispiel des österreichischen Politikers Jörg Haider, Duisburg 1991.
Siehe auch
Weblinks
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