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Antimon(III)-chlorid

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Kristallstruktur
Kristallstruktur von Antimon(III)-chlorid
Vorlage:Farbe Sb3+ 0 Vorlage:Farbe Cl
Allgemeines
Name Antimon(III)-chlorid
Andere Namen
  • Antimontrichlorid
  • Spießglanzbutter
  • Antimonbutter
Verhältnisformel SbCl3
Kurzbeschreibung

farblose, hygroskopische, weiche Masse mit stechendem Geruch<ref name="GESTIS" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 233-047-2
ECHA-InfoCard 100.030.031
PubChem 24814
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 228,11 g·mol−1
Aggregatzustand

fest<ref name="GESTIS" />

Dichte

3,14 g·cm−3<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

73 °C<ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

223 °C<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

16 Pa (20 °C)<ref name="bg" />

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.030.031">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 314​‐​411
P: 260​‐​273​‐​280​‐​301+330+331​‐​303+361+353​‐​305+351+338<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten

525–675 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="bg">Toxikologische Bewertung von Vorlage:Linktext-Check (PDF) bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI)Vorlage:Abrufdatum</ref>

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−382,2 kJ·mol−1<ref>A. F. Holleman, N. Wiberg: Anorganische Chemie. 103. Auflage. 1. Band: Grundlagen und Hauptgruppenelemente. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2016, ISBN 978-3-11-049585-0, S. 952 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Antimon(III)-chlorid (SbCl3) ist eine chemische Verbindung bestehend aus den Elementen Antimon und Chlor. Es gehört zur Stoffklasse der Chloride.

Geschichte

Antimon(III)-chlorid wurde zuerst von Johann Rudolph Glauber im 17. Jahrhundert dargestellt.<ref>Montserrat Filella: Antimony. De Gruyter, ISBN 978-3-11-066545-1 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Gewinnung und Darstellung

Antimon(III)-chlorid kann durch Reaktion von Antimon oder Antimon(III)-oxid mit konzentrierter Salzsäure gewonnen werden.<ref name="bg" />

Ebenfalls möglich ist die Darstellung aus den Elementen<ref name="brauer">Georg Brauer (Hrsg.), unter Mitarbeit von Marianne Baudler u. a.: Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie. 3., umgearbeitete Auflage. Band I, Ferdinand Enke, Stuttgart 1975, ISBN 3-432-02328-6, S. 588.</ref> oder die Reaktion von Antimon(III)-sulfid mit heißer konzentrierter Salzsäure.<ref name="Eckard Amelingmeier">Eckard Amelingmeier, Michael Berger, Uwe Bergsträßer, Alfred Blume, Henning Bockhorn: RÖMPP Lexikon Chemie, 10. Auflage, 1996-1999. Thieme, 2014, ISBN 978-3-13-199951-1, S. 226 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

<chem>2Sb + 3Cl2 -> 2SbCl3</chem>

Bei Paracelsus (16. Jahrhundert) finden sich Anweisungen zur Herstellung von Antimonbutter, etwa aus Antimontrisulfid und Quecksilberchlorid.<ref>Friedrich Dobler: Die chemische Fundierung der Heilkunde durch Theophrastus Paracelsus: Experimentelle Überprüfung seiner Antimonpräparate. In: Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie, Neue Folge, 10, 1957, S. 76–86, hier: S. 82 f.</ref>

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Antimon(III)-chlorid liegt in Form einer farblosen weichen Masse mit stechendem Geruch vor, welche an feuchter Luft raucht. Die Dämpfe von Antimon(III)-chlorid sind etwa achtmal so schwer wie Luft.<ref name="GESTIS" /> Die Verbindung kristallisiert in einer orthorhombischen Kristallstruktur mit der Raumgruppe Pbnm (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/62.3.<ref>Ingvar Lindqvist, Alfred Niggli: The crystal structure of antimony trichloride. In: Journal of Inorganic and Nuclear Chemistry. Band 2, Nr. 5, 1956, S. 345–347, doi:10.1016/0022-1902(56)80088-2.</ref><ref>A. Lipka: An X-ray structure redetermination of antimony trichloride. In: Acta Crystallographica Section B: Structural Crystallography and Crystal Chemistry. Band 35, Nr. 12, 1979, S. 3020–3022, doi:10.1107/S0567740879011201.</ref>

Chemische Eigenschaften

Antimon(III)-chlorid ist leicht löslich in Wasser, hydrolysiert jedoch heftig bei Zugabe größerer Mengen Wasser, wobei Antimon(III)-oxidchlorid<ref name="bg" /> und Chlorwasserstoff entstehen.<ref name="GESTIS" />

<chem>SbCl3 + H2O -> SbOCl + 2HCl</chem>

Verwendung

Antimon(III)-chlorid wird als Reagenz zum Nachweis von Vitamin A und anderen Carotinoiden beim Carr-Price-Test verwendet, wobei eine blaue Komplexverbindung entsteht, die durch Kolorimetrie gemessen werden kann.<ref name="W.L.F. Armarego">W.L.F. Armarego: Purification of Laboratory Chemicals. Elsevier Science, 2022, ISBN 978-0-323-95828-8, S. 10 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Es dient weiterhin als Katalysator für Polymerisations- und Chlorierungsreaktionen in der organischen Chemie, zum Beizen von Gewebe, Brünieren von Gewehrläufen,<ref name="Eckard Amelingmeier" /> bei der Herstellung von Flammschutzmitteln, Pigmenten und anderen Antimonverbindungen. Weiterhin wurde die Verbindung früher Absinth zugesetzt, um künstlich eine milchige Trübung des Getränks hervorzurufen<ref name="ARNOLD">ARNOLD: Vincent van Gogh. Birkhäuser Basel, 2013, ISBN 978-3-0348-6217-2, S. 131 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>.

Sicherheitshinweise

Die Befunde zur Gentoxizität den Antimon(III)-chlorid sind nicht einheitlich. Insgesamt scheint die Verbindung, zumindest in vivo, gentoxisch zu wirken.<ref name="bg" />

Antimon(III)-chlorid wurde 2018 von der EU gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) im Rahmen der Stoffbewertung in den fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft (CoRAP) aufgenommen. Hierbei werden die Auswirkungen des Stoffs auf die menschliche Gesundheit bzw. die Umwelt neu bewertet und ggf. Folgemaßnahmen eingeleitet. Ursächlich für die Aufnahme von Antimon(III)-chlorid waren die Besorgnisse bezüglich der möglichen Gefahren durch krebsauslösende und reproduktionstoxische Eigenschaften. Die Neubewertung fand ab 2018 statt und wurde von Deutschland durchgeführt. Anschließend wurde ein Abschlussbericht veröffentlicht.<ref>Europäische Chemikalienagentur (ECHA): Substance Evaluation Conclusion and Evaluation Report.</ref><ref>Community Rolling Action Plan (CoRAP) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA): Vorlage:Linktext-CheckVorlage:Abrufdatum </ref>

Trivia

In der TV-Serie Der Doktor und das liebe Vieh (Staffel 3, Folge 12) verenden mehrere Kälber durch eine rätselhafte Vergiftung, bis sich herausstellt, dass ihre Hornansätze kurz zuvor mit Antimontrichlorid weggeätzt worden waren. Die entstandenen antimonhaltigen Krusten fielen in das Futter und wurden mitgefressen.

Einzelnachweise

<references />