Asow
Vorlage:Hinweisbaustein Vorlage:Infobox Ort in Russland Asow (Vorlage:RuS) ist eine Stadt in der Oblast Rostow im Südwesten von Russland mit Vorlage:EWZ Einwohnern (Stand Vorlage:EWD).<ref name="einwohner_aktuell" /> Frühere Namen sind Tanais, Tana und Azak (Assac). Asow liegt am Don, 7 km vor dessen Mündung ins Asowsche Meer.
Geschichte
Antike
Vorlage:Hauptartikel Nördlich des heutigen Asow liegen die Reste der antiken griechischen Stadt Tanais, einst ein bedeutender Handelsplatz.
Mittelalter
Unter der Herrschaft der Kyptschaken wurde der Ort 1067 als azak (d. h. Tiefland) erwähnt, wovon sich der heutige Name ableitet. Während der Zeit der Goldenen Horde im 13. und 14. Jh. erblühte die Stadt.
Venezianische und genuesische Kaufleute gründeten einen Handelsplatz, den sie Tana nannten. Über die im 14. und 15. Jahrhundert venezianisch dominierte Handelskolonie wurden große Teile des Handels mit tatarischen und russischen Sklaven abgewickelt, obwohl die ständige Konkurrentin Kaffa auf der Krim, von Genua kontrolliert, diesen Handel in noch größerem Umfang betrieb. Daneben war Tana ein wichtiges Zentrum für den Handel zwischen nördlichem und südlichem Schwarzen Meer und ein Umschlagplatz für Handelsgüter aus dem fernen Osten, da die Stadt am Ende der sog. via mongolica (einem Arm der Seidenstraße) lag und während der Herrschaft der Goldenen Horde relativ sicher war.
1471 wurde Asow von den Türken erobert und in eine Festung umgewandelt (Vorlage:TrS).
Die Festung Asow
Ein erster Angriff von Kosaken unter Dmytro Wyschneweckyj auf Asow scheiterte 1559. Im Sommer 1637 eroberten die Don-Kosaken die Festung, die von 4000 osmanischen Soldaten mit 200 Geschützen verteidigt wurde. Im Juni 1641 widerstanden die Kosaken einer langen Belagerung durch die osmanische Armee. 1642, nach dem Rückzug der Türken, beschloss Zar Michael I., die Festung zu übergeben, um einen Konflikt mit dem Osmanischen Reich zu vermeiden. Bevor sie die Festung verließen, zerstörten die Kosaken sämtliche Verteidigungsanlagen.
Nachdem beim ersten Asowfeldzug eine Belagerung durch russische Truppen im Vorjahr noch erfolglos geblieben war, eroberte Peter I. in der ersten erfolgreichen Schlacht seiner Regierungszeit am 28. Juli 1696 die Festung Asow zurück. Nach der Niederlage in der Schlacht am Pruth im Jahr 1711 musste er sie jedoch den Osmanen wiederum zurückgeben. Im Frieden von Belgrad 1739 fiel die Stadt wieder an Russland, was während der Herrschaft von Katharina II. 1774 endgültig bestätigt wurde.
Sieben Jahre lang war Asow die Hauptstadt eines eigenen Gouvernements, aber mit dem Wachstum von Rostow am Don verlor die Stadt an Bedeutung.
1901 errichtete der Physiker Alexander Popow in der Nähe von Asow die erste zivile Radiostation Russlands.<ref name="Popow">Vorlage:Internetquelle </ref>
Im Zweiten Weltkrieg wurde Asow am 28. Juli 1942 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Am 7. Februar 1943 wurde die Stadt durch die Südfront der Roten Armee befreit.
Am 5. Mai 2017 erhielt Asow den Beinamen Stadt der militärischen Tapferkeit (russ. Город воинской доблести). Die entsprechende Gedenksäule wurde am 8. Mai 2018 auf dem Berjoska-Platz aufgestellt.
Archäologie
Die Gegend zwischen der späteren Stadt Taganrog und Rostow am Don wird vom DAI in Zusammenarbeit mit der russischen Archäologie untersucht (siehe Weblink).
Bereits 1823 wurden die damals noch sichtbaren archäologischen Überreste von I. A. Stempkowski mit dem antiken Tanais in Verbindung gebracht. P. M. Leontjew bestätigte dies wenige Jahrzehnte später durch Probegrabungen. Seit 1955 einsetzende und von D. B. Selow bis 1993 fortgeführte systematische größere Grabungen konnten weiteren Einblick in die Struktur der antiken Stadt erbringen. Das Hauptinteresse galt dabei im Wesentlichen der römischen Stadtgeschichte. Erst die Untersuchungen des DAI führte zu Erkenntnissen über die archaische Siedlung. Auch die Agora der hellenistischen Zeit wurde gefunden, dabei konnte der in der Art eines Propylons angelegte Torbau erschlossen werden, der zweihundert Jahre lang den Zugang zur Agora vom Hafen aus bildete. Auch die Umgestaltungen bis in römische Zeit konnten genauer untersucht werden. Die spätantike Bebauung entsprach einem durchdachten, städteplanerischen Schema.
Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1885 | 16.600 |
| 1913 | 26.500 |
| 1939 | 24.999 |
| 1959 | 39.931 |
| 1970 | 59.302 |
| 1979 | 75.124 |
| 1989 | 80.297 |
| 2002 | 82.090 |
| 2010 | 82.937 |
Anmerkung: ab 1939 Volkszählungsdaten
Ethnische Zusammensetzung
Am 1. Januar 2012 bestand die Asower Stadtbevölkerung zu 94 Prozent aus ethnischen Russen. Drei Prozent waren Ukrainer. In Asow lebt eine bedeutende und alteingesessene armenische Minderheit. Insgesamt leben in Asow über 20 verschiedene Ethnien, darunter auch einige Russlanddeutsche.
Politik
Bei der Präsidentschaftswahl in Russland 2018 stimmten 79,5 Prozent der Asower für Wladimir Putin, 11,6 Prozent für Pawel Grudinin, 4,35 Prozent für Wladimir Schirinowski, 1 Prozent für Xenija Sobtschak. 2,8 % stimmten für sonstige Kandidaten. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 80 Prozent.<ref name="Wahlen2018">Vorlage:Internetquelle </ref>
Bürgermeister von Asow
- 2005–2016: Sergei Leonidowitsch Besdolny (Einiges Russland)
- seit 2016: Wladimir Walerjewitsch Raschupkin (Einiges Russland)<ref>http://www.gorodazov.ru/glava/biografiya.html</ref>
Wirtschaft
Ab den 1950er Jahren gewann Asow wieder zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung und gehörte auf dem Gebiet des Bauwesens und der Industrie oblastweit zu den führenden Städten.<ref name="Bibliothek">Vorlage:Internetquelle </ref> Heute gehört Asow zur Rostower Agglomeration und gilt als sich dynamisch entwickelnder Wirtschaftsstandort mit gut ausgebauter Infrastruktur. Durch seine günstige Lage am Don soll Asow künftig verstärkt als logistische Drehscheibe fungieren, die den Süden Russlands mit nationalen und internationalen Märkten verbindet.
Die Hauptwirtschaftszweige der Stadt sind der Maschinenbau und die Lebensmittelindustrie. Im Jahr 2005 wurde eine Fabrik eröffnet, die Autofelgen herstellt und russlandweit vermarktet.<ref>https://azov-tek.ru/</ref> Daneben gibt es eine Nähfabrik sowie eine Fabrik zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln.
Auch die Landwirtschaft spielt eine bedeutende Rolle, so werden im Asower Gebiet vor allem Weizen, Mais und Sonnenblumen angebaut.
Bildung
Mit dem Asower Institut für Wirtschaft, Verwaltung und Recht verfügt die Stadt über eine eigenständige Hochschule. Daneben gibt es drei Hochschulfilialen.
Söhne und Töchter der Stadt
- Tamara Bykowa (* 1958), Hochspringerin und Olympiadritte
- Irina Korschanenko (* 1974), Kugelstoßerin
- Juri Kowtun (* 1970), Fußballspieler
- Matwei Platow (1753–1818), General und Hetman des Heeres der Donkosaken
- Rudolf Samoilowitsch (1881–1939), Polarforscher und Geologe
- Stanisław Syrewicz (* 1946), polnischer Komponist und Theaterregisseur
- Alfred Wiłkomirski (1873–1950), polnischer Geiger, Bratschist und Musikpädagoge
Klimatabelle
Literatur
- Francesca Pucci Donati (Hrsg.): Ai confini dell'Occidente. Regesti degli atti dei notai veneziani a Tana nel Trecento, 1359-1388, Udine 2019 (basiert auf Archivalien des Staatsarchivs Venedig).
- Ievgen Alexandrovitch Khvalkov: Tana, a Venetian and Genoese Black Sea Trading Station in the 1430s. A Social and Economic History, MA thesis, Budapest 2011.
- Evgeny Khvalkov: The Commercial Significance of the Venetian Tana in the 1430s, in: Eminak 4 (2019) 131–140. (online, PDF)
Weblinks
Vorlage:Commonscat Vorlage:Wiktionary
- Stadt Asow (russisch)
- Eintrag auf mojgorod.ru (russisch)
- Vorlage:Webarchiv
Einzelnachweise
<references/>
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- Ort in der Oblast Rostow
- Ort im asiatischen Russland
- Festung in Russland
- Festung in Asien
- Archäologischer Fundplatz in Russland
- Ort am Don (Asowsches Meer)
- Archäologischer Fundplatz in Asien
- Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland
- Ersterwähnung 1067
- Stadtrechtsverleihung 1708