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Aufruhr in den Augen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Aufruhr in den Augen
Studioalbum von Pankow

Veröffent-
lichung

1988

Aufnahme

1988

Label(s)

Amiga

Format(e)

LP, MC, CD

Genre(s)

Rock

Titel (Anzahl)

11

Länge

40:12

Besetzung

  • Bass: Ingo Griese<ref name="pc">Plattencover</ref><ref name="rocklex">Götz Hintze: Rocklexikon der DDR. 2. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2000, ISBN 3-89602-303-9, S. 228</ref>
  • Slide-Gitarre: Heiner Witte
  • 2. Gitarre: Heiner Witte

Produktion

Rainer Kirchmann
Jürgen Ehle
Klaus Peter Albrecht

Studio(s)

Studio von Sieghart Schubert in Quadenschönfeld<ref>: „Das hat viel Energie freigesetzt“ Interview mit der Band Pankow auf taz.de, abgerufen am 23. August 2020</ref>

Chronologie
Keine Stars
(1986)
Aufruhr in den Augen Paule Panke (live 1982)
(1989)

Aufruhr in den Augen ist ein Album der Band Pankow, das 1988 auf Amiga veröffentlicht wurde. Es ist das letzte in der DDR produzierte Album der Band, wenn man von der nachträglichen Veröffentlichung des 1982er Mitschnitts von Paule Panke 1989 absieht.

Rezeption und Musikstil

Schon immer war Pankow durch die subversiven und provokanten Texte vielen Kulturfunktionären der DDR ein Dorn im Auge. Mit dem Einsetzen von Perestroika und Glasnost in der Sowjetunion unter Führung von Michail Gorbatschow ab Mitte der 1980er Jahre waren die Funktionäre der SED bemüht, ihr Land vor ähnlichen Entwicklungen abzuschirmen. Bekannt geworden ist dazu vor allem die Äußerung von Kurt Hager, dem damals Verantwortlichen für Wissenschaft, Volksbildung und Kultur im ZK der SED:

„Würden Sie, nebenbei gesagt, wenn Ihr Nachbar seine Wohnung neu tapeziert, sich verpflichtet fühlen, Ihre Wohnung ebenfalls neu zu tapezieren?“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Kurt Hager<ref>Interview mit Kurt Hager. In: Neues Deutschland, 10. April 1987, S. 3</ref>

die bei der sowjetischen Führung und in weiten Kreisen der DDR-Bevölkerung auf Ablehnung und Widerstand stieß.<ref>Walter Süß: Staatssicherheit am Ende: Warum es den Mächtigen nicht gelang, 1989 eine Revolution zu verhindern. 2. Auflage. Ch. Links, Berlin 1999, ISBN 3-86153-181-X, S. 79 f.</ref>

Das in dieser zeitgeschichtlichen Phase erschienene Album Aufruhr in den Augen mit Texten solcher Songs wie Langeweile oder Gib mir’n Zeichen sowie der provozierende Auftritt von Pankow in westdeutschen Medien zogen Kreise bis in das ZK der SED.<ref name="RauhutSchalmei">Michael Rauhut: Schalmei und Lederjacke. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1996, ISBN 3-89602-065-X, S. 257 ff.</ref>

Zeilen wie diese:

„Dasselbe Land zu lange gesehn’ / Dieselbe Sprache zu lange gehört.
Zu lange gewartet, zu lange gehofft / Zu lange die alten Männer verehrt.
Ich bin rum gerannt, / Zu viel rum gerannt. / Zu viel rum gerannt. / Und ist doch nichts passiert“

Textauszug Langeweile<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Text von Langeweile (Memento vom 14. Mai 2010 im Internet Archive)</ref>

„Komm ich hol dich raus, raus, raus / Dann geh’n wir hier weg.
Gib mir ’n Zeichen, / Die andern brauchen es nicht zu sehn. / Gib mir ’n Zeichen.“

Textauszug Gib mir’n Zeichen<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Text von Gib mir’n Zeichen (Memento vom 14. Mai 2010 im Internet Archive)</ref>

führten zu einer heftigen Replik in den Medien, vorgetragen durch Hans Albrecht, erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Suhl:

„Auf die provokatorischen Verleumdungen gegen unser Land, die Partei, führende Funktionäre und bewährte Kommunisten reagieren Kommunisten und Bürger mit tiefer Empörung, aber z.B. auch darauf, dass am 18. November eine Gruppe Pankow in einer Sendung des Fernsehregionalprogramms der BRD Hessen III auftrat und behauptete, in der DDR könne sie nur singen, wenn das Kultusministerium es gestatte, und sich mit einem Song gegen die Männer unserer Partei produzieren konnte. Es wird dazu gefragt, weshalb in Durchführung des Kulturaustausches solche Gruppen die Möglichkeit für einen Fernsehauftritt in der BRD haben.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Hans Albrecht<ref>Hans Albrecht. In: Neues Deutschland, 3./4. Dezember 1988, S. 7</ref>

Die Kritik der DDR-Oberen konnte Produktion und Vertrieb des Albums sowie die Aufführung im Rundfunk und bei Konzerten der Band nicht verhindern. Bezeichnend für die sich bereits ändernden Zeiten war die 1989 folgende Tournee mit der Big Band des Stabes der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland durch die DDR, auf der trotz aller Widerstände die Titel des Albums einem breiten Publikum zu Gehör gebracht wurden.<ref>Jedenfalls Langeweile herrscht hier nicht mehr. In: Berliner Zeitung. 7. November 1989, abgerufen am 20. Januar 2023. (Interview mit André Herzberg)</ref><ref name="RauhutSchalmei" />

Musikalisch sind die Titel auf Aufruhr in den Augen charakterisiert durch komplexe Arrangements unter Einsatz einer Bläsergruppe (Fun Horns), Hintergrundgesang sowie die Unterstützung von Heiner Witte (Engerling), einer der bekanntesten Slide-Gitarristen der damaligen DDR.

Am 12. November 2016 begann im Berliner Frannz-Club die Aufruhr in den Augen reloaded – Tour. Dabei spielen Pankow die Songs des gleichnamigen Albums von 1988 in einer unplugged Version.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Termine 2016-17.] electrocadero.de, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 21. November 2016.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Titelliste

A-Seite

  1. Aufruhr in den Augen – 3:50 ** / ****
    (K:Pankow/T:Herzberg)
  2. Einsam – 3:04 *
    (K:Kirchmann/T:Herzberg)
  3. Langeweile – 4:16 *
    (K:Kirchmann/T:Herzberg)
  4. Straßenlärm – 3:12 ***
    (K&T:Ehle)
  5. Marilyn – 3:14 * / ****
    (K:Kirchmann,Griese<ref name="pc" />/T:Herzberg)
  6. Gib mir’n Zeichen – 3:50 * / ****
    (K:Ehle/T:Herzberg)

B-Seite

  1. Ich bin ich – 4:22 *
    (K:Ehle/T:Eckhard Mieder)
  2. Der Ausreißer – 3:57 ***
    (K:Ehle/T:Eckhard Mieder)
  3. Du kriegst mich nicht – 2:45
    (K:Ehle/T:Janus Kopf)
  4. Ich bin bei dir – 3:06
    (K:Kirchmann/T:Herzberg)
  5. Wieder auf der Straße – 4:36 * / ****
    (K:Kirchmann,Ehle/T:Herzberg)

(*) Bläser: Fun Horns<ref name="FH" />
(**) Slide-Gitarre: Heiner Witte
(***) 2. Gitarre: Heiner Witte
(****) Chor: Ines Paulke, Anke Schenker

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Erweiterte Navigationsleiste/Lua