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Berumer Vergleich

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Der Berumer Vergleich ist ein am 28. Januar 1600 zwischen dem Grafen Enno III. und dem Hause Rietberg auf Burg Berum abgeschlossener Vertrag, welcher die Vereinigung des Harlingerlandes mit Ostfriesland regelte.<ref name=":0"> Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Nr. 113. 1963. Seite 283-376</ref>

Hintergrund

Mit dem Tode Balthasars erlosch das im Harlingerland regierende Häuptlingsgeschlecht der Attena und das Harlingerland fiel an das Grafenhaus Rietberg, welches mit den Attena familiär verbunden war. Johann von Rietberg, der Sohn von Balthasars Schwester, übernahm die Herrschaft. Seiner zweiten Tochter Walburg wurde das Harlingerland als Erbe gegeben. Sie heiratete 1581 Graf Enno III. von Ostfriesland. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor, welche durch den Berumer Vergleich zugunsten seines Sohnes aus erster Ehe auf das Harlingerland verzichteten.<ref name=":0" />

Inhalt

Sabina Catharina und ihre Schwester Agnes traten ihrem Vater im Berumer Vergleich die Herrlichkeiten Esens, Stedesdorf und Wittmund und damit das gesamte Harlingerland ab. Dafür wurde zunächst eine Abfindung in Höhe von 200.000 Talern vereinbart, die später auf 300.000 Reichstaler erhöht wurde.<ref name=":0" /> Die ältere Schwester Sabina erhielt darüber hinaus die Grafschaft Rietberg zugesprochen. Am 19. September 1600 wurde der Vertrag von Kaiser Rudolf II., wenig später auch vom Harlinger Lehnsherren Erzherzog Albrecht als Herzog von Geldern bestätigt.<ref>Heinrich Friedrich Wilhelm Perizonius:Geschichte Ostfrieslands, nach den besten Quellen bearbeitet. 4 Bände. Schuster, Leer 1974, ISBN 3-7963-0068-5 (unveränd. Nachdruck der Ausg. Weener 1868–1869). S. 262</ref> Der Berumer Vergleich beendete damit die über vierhundertjährige selbstständige Geschichte des Harlingerlandes.

Nachwirkungen

Im Jahr 1622 raubten die Mansfelder die 300.000 in Fässer abgepackten Reichstaler, die laut Berumer Vergleich für Agnes bzw. ihren Mann, den Fürst von Liechtenstein bestimmt waren.<ref name="Enno">Walter Deeters: Enno III. (PDF) In: Biographisches Lexikon für Ostfriesland; abgerufen am 14. August 2017.</ref> Die Schulden konnten also nicht bezahlt werden. Im Jahre 1663 wurden die Forderungen erneuert. Da Ostfriesland unter Fürst Georg Christian nicht zahlen konnte, wurde der Fürstbischof von Münster zum Schuldeneintreiber bestimmt und fiel in Ostfriesland ein. Nur mit Hilfe der Generalstaaten und des Herzogs Eberhard von Württemberg konnten die münsterschen Truppen vertrieben, ein Kompromiss vermittelt und die noch einmal um 200.000 Taler erhöhte Summe aufgetrieben werden.<ref name="obio">Sabine Heißler: Georg Christian (PDF; 70 kB). In: Martin Tielke (Hrsg.): Biographisches Lexikon für Ostfriesland. 4 Bände. Ostfriesische Landschaftliche Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Aurich 1993–1997, Bd. 1. Aurich 1993, ISBN 3-925365-75-3, S. 159–160.</ref>

Einzelnachweise

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