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Bexaroten

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Bexaroten (Handelsname Vorlage:Person; Hersteller Vorlage:Person) ist der internationale Freiname für ein synthetisches Retinoid-Analogon, das zur Behandlung des kutanen T-Zell-Lymphoms zugelassen ist. Vertrieben wird es in Deutschland von Cephalon.<ref>Vorlage:Webarchiv, abgerufen am 11. Februar 2012.</ref><ref>EMA: EPAR-Product Information (PDF; 264 kB), abgerufen am 11. Februar 2012.</ref>

Klinische Anwendung

In den Vereinigten Staaten wurde Bexaroten im Jahr 1999 zur oralen Einnahme bei der Behandlung des kutanen T-Zell-Lymphoms bei Patienten zugelassen, die nicht mehr auf eine vorherige systemische Therapie ansprechen, das heißt refraktär sind. In Deutschland wurde es im Januar 2002 als Orphan-Arzneimittel für diese seltene bösartige Hauterkrankung zugelassen. Auch hier darf es erst dann zur Anwendung kommen, wenn mindestens eine vorausgegangene systemische Behandlung nicht wirksam war und zudem die Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium ist.<ref name="pz">Bexaroten Targretin® Weichkapseln (Elan Pharma). In: Pharmazeutische Zeitung. Abgerufen am 10. Februar 2012.</ref>

Der Wirkungsmechanismus von Bexaroten ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Es bindet als Retinoid spezifisch an den Retinoid-X-Rezeptor (RXR). Die Retinoid-X-Rezeptoren sind Transkriptionsfaktoren, die die Zellproliferation und -differenzierung, sowie Apoptose und Insulin-Sensibilisierung beeinflussen. Bei In-vitro-Versuchen konnte eine Proliferationshemmung bei blutbildenden Zellen festgestellt werden. Im Tierversuch bewirkte es eine Tumorregression, das heißt eine Rückentwicklung der bösartigen Geschwulst.<ref name="pz" />

Zulassungsüberschreitend (Off-Label-Use) wird Bexaroten auch zur Behandlung des Bronchialkarzinoms eingesetzt.<ref name="PMID21738614">H. Fritz, D. Kennedy u. a.: Vitamin A and retinoid derivatives for lung cancer: a systematic review and meta analysis. In: PloS one. Band 6, Nummer 6, 2011, S. e21107, doi:10.1371/journal.pone.0021107. PMID 21738614. Vorlage:PMC.</ref>

Nebenwirkungen

In den klinischen Studien zur Zulassung von Bexaroten zur Behandlung des kutanen T-Zell-Lymphoms wurden bei den Patienten vor allem folgende Nebenwirkungen festgestellt: Hyperlipoproteinämie (vor allem Triglyceride) 74 % der Patienten, Hypothyreose (29 %), Hypercholesterinämie (28 %), Kopfschmerzen (27 %), Leukopenie (20 %), Juckreiz (20 %), Asthenie (19 %), Exanthem (16 %), exfoliative Dermatitis (15 %) und Schmerzen (12 %).<ref>Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. (PDF; 264 kB) Europäische Arzneimittel-Agentur, abgerufen am 10. Februar 2012.</ref>

Präklinische Ergebnisse zur Alzheimer-Krankheit

Für Aufsehen sorgte ein am 9. Februar 2012 veröffentlichter Artikel in Science.<ref>P. E. Cramer, J. R. Cirrito u. a.: ApoE-Directed Therapeutics Rapidly Clear β-Amyloid and Reverse Deficits in AD Mouse Models. In: Science. doi:10.1126/science.1217697</ref> In dieser Publikation wird die potenzielle Wirkung von Bexaroten im Tiermodell Farbmaus bei der Alzheimer-Krankheit beschrieben. Dabei beseitigte die Verabreichung von Bexaroten bei den transgenen Mäusen nicht nur vorhandene und für die Alzheimer-Krankheit typische Protein-Plaques, die nach der Plaques-Theorie der Grund für die Alzheimer-Symptome sein sollen, sondern auch die Gedächtnisstörungen. Bexaroten kann als sehr unpolares und relativ kleines Molekül die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Dort beeinflusst es die Expression von Apolipoprotein E, das in größeren Mengen produziert wird und den Abbau der senilen Plaques, vor allem β-Amyloid, ermöglicht.<ref>Wirkstoff Bexaroten beseitigt Gedächtnisstörungen und Eiweiß-Plaques bei Mäusen. In: scinexx. Vom 10. Februar 2012.</ref>

Derzeit ist noch unklar, ob diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen werden können. Die Autoren des Science-Artikels wiesen darauf hin, dass es viele bekannte Methoden gibt, mit denen sich Alzheimer bei Mäusen heilen lässt, die aber alle nicht beim Menschen funktionierten.

Nachfolgende präklinische Versuche anderer Forschungsgruppen konnten die vielversprechenden Ergebnisse nicht bestätigen.<ref name="PMID26025659">E. O’Hare, R. Jeggo u. a.: Lack of support for bexarotene as a treatment for Alzheimer's disease. In: Neuropharmacology. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] Mai 2015, doi:10.1016/j.neuropharm.2015.04.020, PMID 26025659.</ref><ref name="PMID25777514">C. Balducci, A. Paladini u. a.: The Continuing Failure of Bexarotene in Alzheimer's Disease Mice. In: Journal of Alzheimer's disease : JAD. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] März 2015, doi:10.3233/JAD-150029, PMID 25777514.</ref><ref name="PMID25709453">B. Tousi: The emerging role of bexarotene in the treatment of Alzheimer's disease: current evidence. In: Neuropsychiatric disease and treatment. Band 11, 2015, S. 311–315, doi:10.2147/NDT.S61309, PMID 25709453, Vorlage:PMC (Review).</ref>

Für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit ist Bexaroten nicht zugelassen.

Synthese

Synthese von Bexaroten
Synthese von Bexaroten

<ref>Vorlage:Patent</ref>

Entwicklungsgeschichte

Entwickelt wurde Bexaroten von dem US-amerikanischen Unternehmen Ligand Pharmaceuticals, das Targretin und drei weitere potentielle Krebstherapeutika 2006 für 205 Millionen US$ an das japanische Unternehmen Eisai verkaufte. Das Stoffpatent (siehe Originalpräparat) lief 2016 aus.<ref>B. Glenn: CWRU researchers: Drug shows promise in reducing Alzheimer’s plaque in brain. In: medcitynews.com vom 9. Februar 2012.</ref>

Weiterführende Literatur

Einzelnachweise

<references />