Bignasco
Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz
Bignasco ist eine Ortschaft in der Gemeinde Cevio im Maggiatal (Kanton Tessin). Bis 2006 bildete sie eine eigene Gemeinde.
Geographie
Das Territorium von Bignasco bestand aus zwei getrennten Teilen: einerseits dem Dorf (443 m ü. M.) am Zusammenfluss der Maggia und der Bavona, 28 km nordwestlich von Locarno, andererseits dem oberen Val Bavona mit dem Weiler San Carlo (960 m ü. M.).<ref>Bignasco-La Prèsa in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)</ref> Vom gesamten ehemaligen Areal der Gemeinde von 8143 ha sind 63 % unproduktive Fläche (Gebirge und Gewässer) und 29 % von Wald und Gehölz bedeckt. Nur 7 % des Gebiets können landwirtschaftlich genutzt werden. Die restlichen 0,4 % sind Siedlungsfläche.
Geschichte
1230 wurde Bignasco erstmals als Bugnascho erwähnt. Unter dem heutigen Namen erscheint es in einem Dokument von 1364. Im Mittelalter gehörte die Gemeinde zum Gebiet Roana superior. Vom frühen 16. Jahrhundert bis 1798 war Bignasco Teil der Ennetbirgischen Vogteien, danach bis 1803 des Kantons Lugano. Seither gehört es zum Bezirk Vallemaggia des Kantons Tessin.<ref>{{#ifeq: Daniela Pauli Falconi|Redaktion||Daniela Pauli Falconi: }}{{#if:Bignasco|Vorlage:Str replace|Bignasco}}. In: Historisches Lexikon der Schweiz{{#if: 2022-09-16|. {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|2022-09-16}}}}{{#if: |, abgerufen am {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|}}}}.{{#invoke:TemplatePar|valid|1|N>0 |cat= Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:HLS |errNS= 0 |template= Vorlage:HLS |format= |preview= 1 }}{{#invoke:TemplatePar|check |all= 1= Autor= |opt= 2= Datum= Zugriff= Abruf= |cat= {{#ifeq:0 | 0 |Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:HLS}} |errNS= 0 |template= Vorlage:HLS |format= |preview= 1 }}</ref>
Am 22. Oktober 2006 wurde Bignasco mit Cavergno und Cevio zur Gemeinde Cevio fusioniert. Der per 23. Januar 2005 geplante Zusammenschluss musste zurückgestellt werden, da noch eine Beschwerde der Gemeinde Bignasco gegen die Zwangsfusion vor Bundesgericht hängig war. Diese wurde jedoch im April 2006 abgewiesen. Bignasco bildet aber nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.<ref>Patriziato Bignasco auf bignasco.ch/</ref><ref>Patriziato di Bignasco auf ti.ch/di/sel/patriziati/elenco-patriziati/.</ref>
Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung
Im Gegensatz zu anderen Gemeinden des Maggiatals konnte Bignasco seine Bevölkerungszahl von etwa 220 Personen bis 1870 halten. Dann folgte bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs eine Auswanderungswelle nach Holland (temporär) und nach Kalifornien (dauernd). Dennoch verlor die Gemeinde vergleichsweise wenig Bewohner (1870–1910: −21 %). Die 1910er-Jahre waren das einzige Jahrzehnt mit Massenauswanderung (1910–1920: −23 %) auf einen historischen Bevölkerungstiefstand von 143 Personen. Diese Zahl veränderte sich in der Zwischenkriegszeit kaum. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs die Bevölkerung bis ins Jahr 2000: (seit 1941: +107 %). Grund waren die besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten innerhalb der Gemeinde. Seit dem Jahr 2000 stagniert die Einwohnerzahl bei etwa 300 Personen.
Sprachen
Die Bevölkerung spricht einen eigenen italienischen, genauer lombardischen Dialekt. Durch die grössere Anzahl Arbeitsplätze fand eine starke Zuwanderung statt, die sich im Sprachverhalten bemerkbar macht. Während 1970 noch 98 % der Bewohner Italienisch als ihre Hauptsprache angaben, waren es im Jahr 2000 nur noch 80 %. Nebst dem Wachstum der deutschen Sprachgruppe von (1970) 0,5 auf (2000) 9 % haben vor allem Portugiesisch und Serbokroatisch zugelegt.
Religionen – Konfessionen
Im Jahr 2000 gehörten 85 % der Einwohner der römisch-katholischen Kirche an, 3 % waren evangelisch-reformierte und 2 % orthodoxe Christen. Daneben gab es 3 % Konfessionslose und 1 % Muslime (meist Bosniaken). 5 % der Bevölkerung gaben keine Auskunft über ihr Glaubensbekenntnis.
Herkunft – Nationalität
Von den 306 Einwohnern Ende 2004 waren 236 (= 77 %) Schweizer Bürger. Bei der letzten Volkszählung (2000) waren nur 73 % Schweizer Staatsangehörige.
Wirtschaft und Tourismus
Nachdem sich die Wirtschaft jahrhundertelang auf Ackerbau, Viehzucht und Käserei konzentrierte, brachte die in den 1960er-Jahren beginnende Wasserkraftnutzung Infrastruktur und Arbeitsplätze. Dennoch hat eine starke Pendlertätigkeit eingesetzt. Während 1970 noch mehr als 77 % der Einheimischen in Bignasco arbeiteten, waren es 1990 nur noch 48 % und im Jahr 2000 nur noch 41 %. Die Mehrheit der Wegpendler arbeitet in anderen Gemeinden des Maggiatals, 18 in Locarno und vier in Losone. Die Zahl der Zupendler hat sich zwischen 1990 und 2000 stark verringert – von 92 auf 46 Personen. So besetzen die Einheimischen erstmals seit langer Zeit wieder die Mehrheit der Arbeitsplätze in Bignasco (55 %). Bereits über 50 % aller Erwerbstätigen aus Bignasco verdienen ihren Lohn in Dienstleistungsberufen. Früher boten Industrie (Steinabbau, Wasserkraftwerke) und Gewerbe der Mehrheit ein Auskommen (heute immerhin noch über 40 %).
Zwischen 1890 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs kamen zahlreiche Fremde nach Bignasco. Gefördert wurde der Tourismus durch den Bau des Hotel du Glâcier und den Anschluss an das Eisenbahnnetz.
Verkehr
Ab 1907 war Bignasco Endstation der 1965 stillgelegten Locarno-Ponte Brolla-Bignasco-Bahn.<ref>Società della Ferrovia Locarno-Ponte Brolla-Bignasco in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)</ref>
Heute ist es durch die Linie 10 der FART Locarno-Cavergno an das Netz des Öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Von Bignasco aus verkehren zwei Postautolinien: eine in das Val Lavizzara (Bignasco–Fusio) und eine in das Val Bavona (Bignasco–San Carlo).
Sehenswürdigkeiten
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- Die Pfarrkirche San Michele wurde erstmals 1401, dann 1606 wieder eingeweiht und 1838, 1853 und 1904 restauriert. Die malerische Dekoration von Luigi Faini und Carlo Morgari stammt aus dem Jahr 1929.<ref name="Martinoli">Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 258–259.</ref><ref>Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. S. 323, 325, 329,398.</ref>
- Steinbrücke Ponte romano<ref name="Martinoli" />
- Steinbrücke Ponte della Merla<ref name="Martinoli" />
- Steinbrücke über die Calnègia<ref name="Martinoli" />
- Wasserfall Cascata di Bignasco<ref>Cascata di Bignasco auf ETHorama</ref>
- Beim Ortsteil San Carlo das seit Jahrhunderten verlassene Dorf Prèsa di San Carlo<ref name="Martinoli" />
- Schalenstein im Ortsteil Corona delle Croci<ref>Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò Editore, Locarno 2013, ISBN 978-88-8281-353-6, S. 24.</ref>
-
Bignasco, Ortskern
-
Pfarrkirche San Michele bei Nacht
-
Steinbrücke über die Maggia
-
Brückenkapelle San Rocco von 1597
-
Via Lavizzara, Casa patriziale (rechts)
-
Paese vecchio mit Roggenspeicher
-
Roggenspeicher (Torba) von 1438
-
Grotto vor Kastanienwald
-
Cascata di Bignasco im Winter
-
Maggiaschlucht oberhalb von Bignasco
-
Santa Maria del Monte
-
Oratorium in Prèsa di San Carlo (Val Bavona)
Persönlichkeiten
- Familie del Ponte
- Zane (Giovanni) Del Ponte (* um 1480 in Bignasco; † nach 1514 ebenda), Säckelmeister des Maggiatals<ref>{{#ifeq: Marina Bernasconi Reusser|Redaktion||Marina Bernasconi Reusser: }}{{#if:Zane Del Ponte|Vorlage:Str replace|Bignasco}}. In: Historisches Lexikon der Schweiz{{#if: 2003-04-03|. {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|2003-04-03}}}}{{#if: 2020-02-24|, abgerufen am {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|2020-02-24}}}}.{{#invoke:TemplatePar|valid|1|N>0
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- Flavio Del Ponte (* 1944), Kriegschirurg, Gründer der Accademia del Master Europeo di Medicina di Catastrofe in Genf<ref>Flavio Del Ponte (mit Foto) (italienisch) auf oltreconfiniti</ref>
- Carla Del Ponte (* 9. Februar 1947 in Bignasco), Juristin, 1994–1998 schweizerische Bundesanwältin, 1999–2007 Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, 2008–2011 Botschafterin der Schweiz in Argentinien<ref>Carla Del Ponte (mit Foto) (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 29. September 2016)</ref>
- Ajla Del Ponte (* 15. Juli 1996), Leichtathletin
- Familie Lotti
- Giacomo Francesco Lotti (* 1759 in Bignasco; † 26. April 1814 in Bellinzona), Richter und Politiker<ref>{{#ifeq: Fabrizio Mena|Redaktion||Fabrizio Mena: }}{{#if:Giacomo Francesco Lotti|Vorlage:Str replace|Bignasco}}. In: Historisches Lexikon der Schweiz{{#if: 2008-02-26|. {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|2008-02-26}}}}{{#if: |, abgerufen am {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|}}}}.{{#invoke:TemplatePar|valid|1|N>0
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- Giacomo Angelo Lotti (1784–1850), Anwalt, Politiker (CP), Tessiner Gross- und Staatsrat
- Giacomo Lotti (* Mai 1827 in Bignasco; † 30. April 1819 ebenda), Anwalt und Notar, Untersuchungsrichter<ref>Celestino Trezzini: Giacomo Lotti. In Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 8, Supplement, S. 104 (PDF Digitalisat), abgerufen am 9. Oktober 2017</ref>
- Daniele Lotti (* 24. März 1957 in Bellinzona), Ökonom, Doktor der Universität St. Gallen, Politiker, Tessiner Grossrat,<ref>Daniele Lotti (italienisch) auf ti.ch/poteri/gc</ref> Präsident der Società Elettrica Sopracenerina (SES)<ref>Daniele Lotti Präsident SES (mit Foto) (italienisch) auf ses.ch</ref>
- Franco Zorzi (1923–1964), Tessiner Staatsrat, auf dem Basòdino verunfallt.<ref>Franco Zorzi in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)</ref>
Literatur
- Giovanni Bianconi: Vallemaggia. Edizioni L.E.M.A., Agno 1969.
- Flavio Maggi: Patriziati e patrizi ticinesi. Pramo Edizioni, Viganello 1997.
- {{#ifeq: Daniela Pauli Falconi|Redaktion||Daniela Pauli Falconi: }}{{#if:Bignasco|Vorlage:Str replace|Bignasco}}. In: Historisches Lexikon der Schweiz{{#if: 2022-09-16|. {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|2022-09-16}}}}{{#if: |, abgerufen am {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|}}}}.{{#invoke:TemplatePar|valid|1|N>0
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- Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972, S. 8, 30, 46, 56, 62, 87, 112, 184, 281–282, 300–301, 413–414, 431.
- Celestino Trezzini: Bignasco. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Basel – Egnach. Attinger, Neuenburg 1924, S. 243 (Digitalisat; [PDF; 27,4 MB]; abgerufen am 26. Juni 2017).
- Kunstgeschichte
- Piero Bianconi: Bignasco. In: Arte in Vallemaggia. Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1937, S. 29, 45; derselbe: San Carlo. In: Ibidem. S. 46.
- Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 237, 248, 258, 259, 260.
- Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 67–68.
Weblinks
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- Offizielle Website der Gemeinde Cevio
- Vorlage:ISOS
- Amt für Statistik des Kantons Tessin: Cevio (italienisch)
- Cevio-Bignasco: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin
Einzelnachweise
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- Cevio
- Ort im Kanton Tessin
- Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz
- Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Tessin
- Ortsteil in der Schweiz
- Ersterwähnung 1230
- Gemeindeauflösung 2006