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Binder (Baddeckenstedt)

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Binder
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(200)&title=Binder 52° 6′ N, 10° 12′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(200) 52° 5′ 36″ N, 10° 11′ 42″ O
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Höhe: 105 m ü. NN
Einwohner: ca. 200 (2021)<ref>Binder auf der Website der Samtgemeinde</ref>
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 38271
Vorwahl: 05062
Datei:Binder (Baddeckenstedt).png
Karte
Lage von Binder in der Gemeinde Baddeckenstedt
Datei:Dorfkirche Binder.jpg
Kirche von Binder auf dem Thieberg (Nordseite)

Binder ist ein Dorf im Landkreis Wolfenbüttel, das zur Gemeinde Baddeckenstedt gehört. 2010 zählte es rund 200 Einwohner. Es ist damit der kleinste Ort in der Samtgemeinde Baddeckenstedt.

Datei:Ortschaft Binder bei Baddeckenstedt - Westseite.jpg
Westansicht des Dorfes Binder

Geographie

Das Dorf liegt westlich von Baddeckenstedt und südlich der Innerste am Fuße des Dehne-Berges (160 m üNN). Verkehrlich ist der Ort von der B 6, der A 7 und der A 39 umgeben, auch die Gleise der Bahnstrecke Hildesheim–Goslar sind nahe.

Geschichte

Erstmals erwähnt wird der Ort in einem Lehensregister, das zwischen 1153 und 1178 aufgestellt wurde. Anhand von Flurnamen und des Ortsnamens wird jedoch von einer Gründung vor dem Jahr 300 n. Chr. ausgegangen. Im 12. Jahrhundert war Binder ein Lehen vom Stift Gandersheim. Damals wurde bereits eine Wassermühle erwähnt, die bis heute als Bindermühle bekannt ist, inzwischen aber zum Nachbarort Wartjenstedt gehört.

Binder war Teil des Ambergaus und unterstand der Grafschaft Wohldenberg, die die frühere Grafschaft Holle abgelöst hatte. Sitz der Grafschaft war die um 1150 errichtete Burg Wohldenberg. Im Jahr 1275 weitete das Bistum Hildesheim seine Besitztümer aus und erwarb die Grafschaft und Burg Wohldenberg. Ab diesem Zeitpunkt war Binder Teil des weltlichen Bistumsgebietes. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde musste das Bistum große Teile seines Gebietes – darunter auch das Amt Wohldenberg mit Binder – an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel abtreten. Während viele Orte der Umgebung durch die Kämpfe der Stiftsfehde zerstört wurden, blieb Binder verschont. Erst 1643 fielen die Gebiete endgültig wieder zurück an das Bistum.

In der ersten amtlichen Urkunde 1312 wird ein größeres Gut erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Geschlecht Linde Herr über das Rittergut. Die Marienkapelle auf dem Thieberg gehörte bis 1346 zur Kirche Holle. Von da an wurde sie zur Pfarrkirche erhoben und stand unter dem Patronat der Ritter von Linde. In der Schlacht bei Sievershausen starb das Geschlecht Linde aus. Daraufhin übertrug Heinrich II. das Gut an das Geschlecht Stopler, da Stopler sein Kanzler war. Dadurch kam auch das Patronat über die Kirche Binder an das Geschlecht Stopler, das auch bei Dannhausen Zehntrechte hatte.

Mit dem Rittergut verfügte Binder über ein Patrimonialgericht, das bis 1580 die „Hohe Gerichtsbarkeit“ besaß. Im Rahmen des so genannten Blutgerichts durften auch Todesurteile vollstreckt werden. Darauf deutet auch der etwa 500 m westlich des Rittergutes gelegene Galgenberg hin.

Die Familie von Stopler betätigte sich auch baulich in Binder. Im Jahr 1615 wurde anstelle der baufälligen Marienkapelle die heutige Kirche errichtet. Nachdem 1656 das Pfarrhaus abgebrannt war, wurde Binder von Nachbarpfarren betreut, besaß aber weiterhin eine Opferei, die bis 1962 als Schule diente.

Das Geschlecht Stopler erlosch 1816, so dass die Rechte zunächst an die Klosterkammer Hannover kamen. Durch Tausch wurde 1818 Ernst Friedrich Herbert zu Münster Gutsherr. Durch Verkäufe kam das Gut schließlich an das Geschlecht Alten und weiter an die nächste Generation.

Nach dem Wiener Kongress wurde Binder Teil des Königreiches Hannover, bei dem es bis 1866 blieb. Von da an wurde das Amt Wohldenberg aufgelöst, und Binder bildete eine eigenständige Gemeinde. In einer Steuerliste von 1884/1885 wurden 308 steuerpflichtige Personen aufgeführt. Ab 1885 gehörte Binder dem neu gegründeten Landkreis Hildesheim-Marienburg an. Im Jahr 1941 erfolgte der Wechsel zum Landkreis Wolfenbüttel. Durch den Zuzug von Flüchtlingen stieg die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise auf mehr als 400 an.

Binder verlor seine Eigenständigkeit 1965 und wurde zunächst Teil der Samtgemeinde Innerstetal. Am 1. März 1974 wurde Binder in die Gemeinde Baddeckenstedt eingegliedert.<ref>Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 273.</ref>

Religion

Die Kirche Binder gehört heute zu einem Pfarrverband zusammen mit Westerlinde bei Burgdorf, Osterlinde und Wartjenstedt bei Baddeckenstedt. Dieser Pfarrverband gehört zur Probstei Salzgitter-Lebenstedt in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig; bis 1942 gehörte Binder zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.<ref name="Denkmalatlas">Kirche Binder. In: denkmalatlas.niedersachsen.de. Abgerufen am 1. August 2023.</ref> Katholische Bewohner gehören zur Pfarrgemeinde St. Hubertus Wohldenberg, Dekanat Alfeld-Detfurth.

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Sehenswert sind das große, zeitweise zu Derneburg gehörende Rittergut Binder mit seinen großen Scheunen des 19. Jahrhunderts und einem Herrenhaus aus der Renaissancezeit<ref>Rittergut Binder (Herrenhaus). In: denkmalatlas.niedersachsen.de. Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 1. August 2023.</ref><ref>Gutshaus Binder. In: alleburgen.de. Abgerufen am 1. August 2023.</ref> sowie die 1615 errichtete, evangelisch-lutherische Dorfkirche.<ref>Binder. In: kirchengemeindelexikon.de. Abgerufen am 1. August 2023.</ref><ref name="Denkmalatlas" />

Der Sportverein Binder hat sich mit Wartjenstedt und Rhene bei Baddeckenstedt zusammengeschlossen. Vor Ort ist noch ein Tischtennisverein – der TTC Binder – vorhanden, der das Dorfgemeinschaftshaus als Spielstätte nutzt.

Die Freiwillige Feuerwehr Binder wurde 1902 gegründet und erhielt 1968 ein eigenes Feuerwehrhaus. Im Jahr 2022 feierte die Feuerwehr ein großes Jubiläumsfest auf dem Gutshof.

Literatur

  • J. D. Gerstenberg: Beitraege zur hildesheimischen Geschichte. Gerstenbergsche Buchdruckerei, 1829, S. 182, 183 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden., Volltext)
  • Wilfried Bartels: Chronik der Gemeinde Binder. In: Festschrift zum Jubiläumsfest der Freiwilligen Feuerwehr Binder, 1977, S. 14–17.
  • Wilfried Bartels: Chronik von Baddeckenstedt, 1984, S. 13–14 und 22–35.
  • Wilfried Bartels: 375 Jahre Kirche in Binder (Gemeinde Baddeckenstedt). In: Heimatbuch für den Landkreis Wolfenbüttel. 37. Jahrgang, 1991, S. 151–152.
  • Armgard von Reden-Drohna: Die Rittersitze des vormaligen Fürstentums Hildesheim, 1996, S. 266–270.
  • Kirsten Casemir: Die Ortsnamen des Landkreises Wolfenbüttel und der Stadt Salzgitter, 2003, S. 96–97 und 467–470.
  • Elke Grenz: Binder. In: 50 Jahre – Festzeitschrift der Samtgemeinde Baddeckenstedt, 2024, S. 18–19.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Vorlage:Klappleiste/Ende