Blei(II)-acetat
Blei(II)-acetat, ein farbloser kristalliner Feststoff, ist ein Acetat des Bleis, also ein Salz der Essigsäure. Neben der wasserfreien Form sind auch ein Trihydrat Pb(CH3COO)2 · 3 H2O, ein Hemihydrat Pb(CH3COO)2 · 1/2 H2O und ein instabiles Dekahydrat Pb(CH3COO)2 · 10 H2O bekannt. Historische Bedeutung hat es als Süßstoff, wofür es wegen seiner Giftigkeit heute nicht mehr verwendet wird. Heutzutage dient es insbesondere als Zwischenprodukt bei der Herstellung anderer Bleiverbindungen. Das andere wichtige Acetat des Bleis ist Blei(IV)-acetat, ein starkes Oxidationsmittel.
Geschichte
Bekannt ist Blei(II)-acetat als Bleizucker, da es süß schmeckt und gut in Wasser löslich ist. Trotz seiner Giftigkeit wurde Bleizucker bis zum 19. Jahrhundert als Zuckerersatz (Defrutum) verwendet – insbesondere wurde Wein damit gesüßt. Ludwig van Beethovens Tod durch verpanschte Weine wurde kontrovers diskutiert.<ref name="beethoven1">Brigitte M. Gensthaler: Beethoven und Blei – Tödliches Zusammenspiel. In: Pharmazeutische Zeitung, 30, 2001, abgerufen am 12. Mai 2018.</ref><ref>Beethovens Tod: Blei war nicht die Ursache n-tv.de, 29. Mai 2010.</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref> Laut neuesten Untersuchungen, bei denen drei seiner Haarlocken analysiert wurden, litt er tatsächlich an einer chronischen Bleivergiftung.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Eine Bleizuckerfabrik, die Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Gelände des Sacrower Schlossparks betrieben wurde, konnte archäologisch untersucht werden.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Daneben diente Blei(II)-acetat als Edukt in frühen Synthesen von Aceton. Dessen Herstellung durch Pyrolyse von Metallacetaten war schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts bekannt und Bleiacetat wurde am häufigsten eingesetzt.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Darstellung
Wasserfreies Blei(II)-acetat kann durch Reaktion von Blei(II)-oxid oder Blei(II)-carbonat mit Eisessig (reiner Essigsäure) gewonnen werden:<ref name=":0" />
- <math>\mathrm{PbO \ + \ 2 \ CH_3COOH \rightarrow Pb(CH_3COO)_2 \ + \ H_2O}</math>
Durch Reaktion von Blei(II)-oxid mit verdünnter Essigsäure wird Blei(II)-acetat-Trihydrat erhalten.<ref name=":0" /> Ein Hemihydrat wird bei der Lagerung des Anhydrates bei 40 % Luftfeuchte über fünf Tage gebildet.<ref name="Martinez">Martínez-Casado, F.J.; Ramos-Riesco, M.; Rodríguez-Cheda, J.A.; Cucinotta, F.; Matesanz, E.; Miletto, I.; Gianotti, E.; Marchese, L.; Matej, Z.: Unraveling the Decomposition Process of Lead(II) Acetate: Anhydrous Polymorphs, Hydrates, and Byproducts and Room Temperature Phosphorescence in Inorg. Chem. 55 (2016) 8576–8586, Vorlage:DOI.</ref>
Eigenschaften
Wasserfreies Blei(II)-acetat ist ein weißer kristalliner und hygroskopischer Feststoff.<ref name="Martinez"/> Die Verbindung ist sehr leicht wasserlöslich. Das Trihydrat ist ebenfalls ein farbloser kristalliner Feststoff und gut wasserlöslich, aber unlöslich in Ethanol.<ref name=":0" /> Blei(II)-acetat-Trihydrat kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Vorlage:Raumgruppe mit den Gitterparametern a = 15,85 Å; b = 7,30 Å, c = 9,10 Å und β = 109,8 ° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Weiterhin ist noch ein instabiles Dekahydrat beschrieben, welches schon ab 22 °C das Kristallwasser abgibt. Es kristallisiert in einem rhombischen Kristallsystem.<ref name = "Patniak">Pradyot Patnaik: Handbook of Inorganic Chemicals, 2003 McGraw-Hill, New York, ISBN 978-0070494398, S. 458–459.</ref>
Verwendung
Lösungen von Blei(II)-acetat dienen vor allem zur Gewinnung anderer Bleiverbindungen. Oft wird das Trihydrat zur Herstellung von Bleiverbindungen verwendet, beispielsweise Blei(II)-carbonat durch Reaktion mit Kohlenstoffdioxid, außerdem Bleichromat und Bleiseifen.<ref name=":0">Vorlage:Literatur</ref>
Blei(II)-acetat-Lösung dient auch zur Herstellung des Lindlar-Katalysators. Dabei handelt es sich um einen Palladium-auf-Calciumcarbonat-Katalysator, der zur selektiven Hydrierung von Alkinen zu cis-Alkenen verwendet wird. Für die selektive Reduktion wird der Katalysator einerseits mit Bleiacetat behandelt und andererseits in Gegenwart von Chinolin eingesetzt.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Blei(II)-acetat dient auch als Nachweisreagenz für Sulfide. Bleipapier, ein mit einer einprozentigen wässrigen Lösung von Bleiacetat getränktes und in schwefelwasserstofffreier Luft getrocknetes Filterpapier,<ref name="Wittenberger">Walter Wittenberger: Chemische Laboratoriumstechnik, Springer-Verlag, Wien, New York, 7. Auflage, 1973, S. 94, ISBN 3-211-81116-8.</ref> dient zur qualitativen Erkennung von Schwefelwasserstoff (H2S), es entsteht braungraues, metallisch glänzendes Bleisulfid.<ref name="roempp" /> Bei der Isolierung von Naturstoffen kann Blei(II)-acetat genutzt werden, um störende Gerbstoffe und Flavonoide auszufällen. Der Niederschlag kann im Anschluss per Filtration abgetrennt werden. Überschüssige Pb2+-Ionen können durch Zugabe von SO42−-Ionen als Blei(II)-sulfat gefällt werden.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Risikobewertung
Blei(II)-acetat wurde am 16. Dezember 2013 in der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen.<ref name="SVHC_100.005.551" />
Weblinks
Vorlage:Commonscat Vorlage:Wikisource
Einzelnachweise
<references />
- Seiten, in denen die maximale Größe eingebundener Vorlagen überschritten ist
- Seiten, die ignorierte Vorlagenparameter enthalten
- Seiten mit defekten Dateilinks
- Acetat
- Bleiverbindung
- Beschränkter Stoff nach REACH-Anhang XVII, Eintrag 30
- Beschränkter Stoff nach REACH-Anhang XVII, Eintrag 63
- Beschränkter Stoff nach REACH-Anhang XVII, Eintrag 72