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Boryslaw

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Vorlage:Infobox Ort in der Ukraine Boryslaw (

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Diese Weiterleitung ist grundsätzlich kein Gegenstand von SLA.'; {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=ru|SCRIPTING=Cyrl|SERVICE=russisch}}, deutsch auch Borislau) ist eine ukrainische Stadt mit etwas mehr als 38.000 Einwohnern. Sie liegt in der Oblast Lwiw und befindet sich südlich der Oblasthauptstadt Lwiw. Die nächstgrößere Stadt ist Drohobytsch.

Geschichte

Datei:Henryk Poddębski - Pola naftowe w Borysławiu (131-E-68-1).jpg
Boryslaw in den 1920er-Jahren
Datei:Boryslav montage.png
Boryslaw, Impressionen 2025

Boryslaw gehörte im Kronland Galizien, einem Landesteil der Habsburger bzw. Österreich-Ungarischen Monarchie, bis 1918 zum Bezirk Drohobycz. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte der Ort weitreichende Bekanntheit als eines der damals weltweit bedeutendsten Zentren der Erdölförderung.

So weist das Karpatenvorland zahlreiche Stellen auf, an denen Erdölvorkommen bis nahe an die Erdoberfläche reichen. Die kommerzielle Ölgewinnung aus händisch gegrabenen Sickergruben ist seit dem 16. Jahrhundert überliefert. Das Naphtha bzw. Erdnaphtha gelangte als Schmiermittel und Arzneimittel in weite Teile Europas.

Diese Rohstoffbasis bewog den Apotheker Ignacy Łukasiewicz 1853 dazu, eine Petroleumlampe zu entwickeln. Auf der Suche nach Bezugsquellen für den dazu erforderlichen Brennstoff entstand 1854 das erste Ölbergwerk in Bóbrka südlich von Krosno. Damit wurde ein Ölboom an verschiedenen Stellen in der Karpatenregion ausgelöst, in dessen Folge beispielsweise allein zwischen 1860 und 1865 in und um Boryslaw herum rund 4000 händisch gegrabene Schächte zur Gewinnung von Erdöl und Erdwachs (Ozokerit)<ref>{{#if:|{{{Linktext}}}|{{#if:Petroleum|Petroleum|Boryslaw}}}}. In: Merck’s Warenlexikon. 3. Auflage. 1884 ff., S. 419 f.{{#if:| ({{{Anmerkung}}}).}}{{#invoke:TemplatePar|check |all= Seite= |opt= Stichwort= Linktext= Anmerkung= |cat= {{#ifeq: 0 | 0 | Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Mercks Warenlexikon}} |template= Vorlage:Mercks Warenlexikon |format= }}</ref> entstanden.

Das Erdöl konnte ab 1883 mit der Dniester-Bahn nach Lemberg und Wien transportiert werden.<ref>Siegmund Bergmann: Galizien, seine kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung. Buchdruckerei Industrie Wien, 1912, S. 93 f.</ref> Mit zunehmender Tiefe der erschlossenen Vorkommen löste etwa um 1865 die Tiefbohrtechnik den bisherigen Schachtbau ab. Schon bald wurden Bohrungen bis in Tiefen von 1500 m getrieben. Die Ölförderung in Galizien erreichte 1912 mit fast 3 Millionen Tonnen ihren Höhepunkt. Davon kam der Großteil aus der Region Boryslaw.

Im Ersten Weltkrieg zerstörten russische Truppen sämtliche Förderanlagen. Nach 1918 wurde der Ort, wie ganz Galizien, polnisch und der Woiwodschaft Lwów zugeordnet. Die Erdölförderung erfolgte ab 1920 überwiegend durch französische Unternehmen. Im sogenannten Zwischenkriegspolen ging die Ölgewinnung in Boryslaw stark zurück.

Nach der sowjetischen Besetzung Ostpolens am 17. September 1939 folgte die Eingliederung der Gemeinde in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik. Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion gelangte der Ort im Juni 1941 für rund drei Jahre zum Generalgouvernement.

Die erdölreichen polnischen Ostgebiete annektierte 1944 erneut die Sowjetunion und ordnete sie der Westukraine zu. Die polnische Bevölkerung wurde 1944–1946 vertrieben.

Jüdisches Leben in Boryslaw

Juden siedelten ab dem frühen 19. Jahrhundert in Boryslaw. Viele von ihnen arbeiteten bis 1914 in der Ölindustrie. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gab es zwei Synagogen und einen jüdischen Friedhof. 1890 betrug der jüdische Bevölkerungsanteil nahezu 80 % (7263 Personen). Bis 1921 ging der Anteil auf 45 % zurück; absolut war er auf 10.149 Personen gestiegen.<ref>[1] Zeit bis zum Holocaust. Abgerufen am 8. Februar 2026.</ref>

Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion gelangte der Ort im Juni 1941 für rund drei Jahre zum Generalgouvernement. Während des Holocausts 1942–1943 wurden Hunderte von Juden aus der Umgebung von deutschen Truppen und der Ukrainischen Hilfspolizei auf der Stelle erschossen, andere wurden ins KZ Janowska oder ins Vernichtungslager Belzec deportiert. Nur circa 400 Juden überlebten diese Zeit, viele davon wanderten danach aus.<ref>[2] Zeit des Holocausts. Abgerufen am 8. Februar 2026.</ref>

In Boryslaw gibt es keine Synagoge mehr. Statt eines eigenständigen jüdischen Friedhofs gibt es auf dem städtischen Friedhof einen eigenen Bereich für jüdische Begräbnisse.

Gegenwart

Bis heute besitzt die Region umfangreiche Erdgas- und Erdölreserven, von denen ein großer Teil bislang unerschlossen geblieben ist.<ref>Die Rohstoffe der Ukraine und ihre strategische Bedeutung – eine geopolitische Analyse De Gruyter Brill, abgerufen am 8. September 2025.</ref><ref>Schostal Oleksandr: Die größte Ölfeldbohrung in der Ukraine - wo sie sich befindet. 13. Juli 2025. Informationsagentur 112.ua, abgerufen am 8. September 2025.</ref> So waren im Jahr 2020 etwa ein Viertel der Bewohner von Boryslaw – etwa 8000 Personen – in der Erdölindustrie beschäftigt. Gefördert werden jährlich rund 100.000 Tonnen Erdöl aus einer Tiefe von 2500 Metern. Größere Vorräte befinden sich in Teufen von 3000 bis 5000 Metern. Der Aufschluss unterblieb jedoch bislang mangels fehlender Investoren.<ref>Michael Farrenkopf, Torsten Meyer: Authentizität und industriekulturelles Erbe. Zugänge und Beispiele. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2020, S. 265.</ref>

Eingemeindungen

Zur Gemeinde Boryslaw gehörte bis 2020 noch die südwestlich gelegene Siedlung städtischen Typs Schidnyzja. Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neu gegründeten Stadtgemeinde Boryslaw (Бориславська міська громада/Boryslawska miska hromada). Zu dieser zählen auch die sechs in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer;<ref>Розпорядження Кабінету Міністрів України від 12 червня 2020 року № 718-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Львівської області</ref> die Siedlung städtischen Typs Schidnyzja wurde ein Teil der eigenständigen Siedlungsgemeinde Schidnyzja.

Folgende Orte sind neben dem Hauptort Boryslaw Teil der Gemeinde:

Name
ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch polnisch
Jassenyzja-Silna Ясениця-Сільна Ясеница-Сольная (Jasseniza-Solnaja) Jasienica Solna
Mokrjany Мокряни Мокряны Mokrzany
Pidmonastyrok Підмонастирок Подмонастырёк (Podmonstyrjok) Podmanasterek
Popeli Попелі Попели Popiele
Urisch Уріж Урож (Urosch) Uroż
Wynnyky Винники Винники (Winniki) Winniki

1930 wurden die bis dahin selbstständigen Dörfer Bania Kotowska (ukrainisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}), Hubicze (ukrainisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}), Mraźnica (ukrainisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) und Tustanowice (ukrainisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) eingemeindet<ref>Vorlage:Dziennik Ustaw</ref>.

Persönlichkeiten

  • Emil Müller, Pseudonym auch: E. Sturmheim (1886–1952), Schriftsteller, Antifaschist, politischer Aktivist für Österreich
  • Alois Rothenberg (1889–1946), Mineralölhändler und Zionist
  • Mignon Langnas (1903–1949), Krankenschwester im jüdischen Kinderspital in Wien, Überlebende des Holocaust
  • Berthold Beitz (1913–2013), kaufmännischer Leiter von Fabriken in Boryslaw während der deutschen Besetzung der Ukraine von 1941 bis 1944. Er rettete hunderte ortsansässige Juden vor dem Holocaust
  • Wira Wowk (1926–2022), Schriftstellerin, Übersetzerin und Wissenschaftlerin
  • Sabina Wolanski (1927–2011), jüdische Überlebende des Holocaust
  • Józef Lipman (* 1931), emeritierter Professor für Petrochemie, jüdischer Überlebender des Holocaust
  • Schewach Weiss (1935–2023), polnisch-israelischer Politiker, Diplomat, Hochschullehrer und Autor
  • Vladyslav Negrebetsky (1923–1978), polnischer Film- und Theaterregisseur, Drehbuchautor, Comicautor, Cartoonist, Designer

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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