Bosnier
Bosnier (Vorlage:HbsS-Latn, bosnisch: Bosanac, Pl.: {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) kann einen Staatsangehörigen des Gesamtstaates Bosnien und Herzegowinas oder den Einwohner des Landesteils Bosnien bezeichnen. Die Bezeichnung wird dabei unabhängig von Religion oder Ethnie verwendet.
Im Ausland wird der Begriff fälschlicherweise auch häufig synonym mit Bosniaken, im Sinne einer vermeintlichen Titularnation, verwendet. Der Begriff Bosniaken bezeichnet jedoch nur die bosnischen Muslime (im ethnischen Sinn) unter Nichtbeachtung der bosnischen Serben und Kroaten.
Ethnien
Die meisten Bosnier gehören einer oder mehrerer der drei großen ethnischen Gruppen des Landes – Bosniaken, Kroaten und Serben – an, die sich entlang konfessioneller Grenzen herausgebildet haben, jedoch dieselbe Sprache sprechen.
Religionen
Laut dem Zensus von 2013 bekennt sich in Bosnien-Herzegowina eine Mehrheit von ca. 50,7 % zum Islam (zumeist Bosniaken), gefolgt vom orthodoxen Christentum mit ca. 30,7 % (zumeist serbische Bosnier) und der römisch-katholischen Kirche mit ca. 15,2 % (zumeist kroatische Bosnier). 0,3 % sind Agnostiker und 0,8 % Atheisten. 2,3 % gehören anderen Religionen an oder gaben keine Antwort.
Sprache
Die überwiegende Mehrheit der Bosnier spricht die bosnische Sprache. Das Bosnische hat im Laufe seiner geschichtlichen Entwicklung neben lateinischer und kyrillischer Schrift auch verschiedene andere Alphabete verwendet: Bosančica (eine spezielle kyrillische Schrift, die vor allem in Bosnien-Herzegowina, aber auch in Dalmatien verwendet wurde; auch Begovica genannt), Arebica (eine erweiterte arabische Schrift angepasst an das bosnische Alphabet) und in einigen Gebieten auch die Glagoliza. Die in Bosnien gesprochenen Dialekte sind zwar linguistisch homogener als die in Kroatien oder Serbien, jedoch wurde es während des 19. Jahrhunderts aus geschichtlichen Gründen versäumt, eine Standardisierung der Sprache durchzuführen. Das erste bosnische Wörterbuch war ein bosnisch-türkisches Wörterbuch von Muhamed Hevaji Uskufi aus dem Jahr 1631.
Während die Arbeit Uskufis ein Einzelstück blieb, wurden beispielsweise kroatische Wörterbücher regelmäßig erweitert und neu aufgelegt. Dies hatte vor allem folgende Ursachen:
Die bosniakische Elite und viele Schriftsteller bevorzugten Arabisch, Türkisch oder Persisch als Literatursprache. Die bosniakische nationale Identität wurde im Vergleich zur kroatischen oder serbischen relativ spät entwickelt und versuchte dann auch nicht, sich über die Sprache zu differenzieren. Ursache für den letzteren Punkt dürfte die Tatsache sein, dass Bosnien und Herzegowina lange Zeit abwechselnd mal zum Okzident, mal zum Orient gehörten. Das erklärt auch die Herkunft der arabischen Wörter, die in einer slawischen Sprache sonst eher selten anzutreffen sind. Da der Orient im Mittelalter kulturell und intellektuell weiter vorangeschritten war als der Okzident, verwundert es nicht, dass die Elite orientalische Sprachen bevorzugte – stammte sie doch größtenteils aus eben jenem Raum.
Die Kodifizierungen der bosnischen Sprache während des 19. und 20. Jahrhunderts wurden meist außerhalb Bosnien-Herzegowinas entwickelt. Zum Jahrhundertwechsel kam es zur sogenannten „Bosnischen Renaissance“, auf der die bosnische Sprache bis heute aufbaut: Es wurden vor allem Begriffe normiert, die eher der kroatischen als der serbischen Form ähnelten, das heißt, es wurde die westlich-štokavisch-ijekavische Form mit lateinischer Schrift als Regel festgelegt, wobei aber auch viele spezifisch bosnische Begriffe eingebaut wurden. Die wichtigsten bosnischen Autoren dieser Zeit, die zur Normierung der Sprache beigetragen haben, waren Safvet-beg Bašagić, Musa Ćazim Ćatić und Edhem Mulabdić.
Während der Periode des sozialistischen Jugoslawiens wurde nur der Begriff Serbokroatisch verwendet. Innerhalb des Serbokroatischen überwog jedoch das Serbische, wobei die lateinische Schrift beibehalten wurde. Seit dem Zerfall Jugoslawiens in verschiedene Nationalstaaten werden die vorher als Varianten bezeichneten Formen als verschiedene Sprachen anerkannt. Im Bosnischen wurden großteils die Regeln aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg („Bosnische Renaissance“) wiederhergestellt.
Das Bosnische zeichnet sich gegenüber dem Serbischen und Kroatischen vor allem durch eine etwas höhere Anzahl von Fremd- und Lehnwörtern aus dem Türkischen, Arabischen und Persischen (Turzismen) aus. Außerdem ist die Betonung des Buchstabens 'h' stärker ausgeprägt als in den anderen beiden südslawischen Sprachen.
Bosnische Diaspora
In der Diaspora leben Bosnier vor allem in Nordamerika und Westeuropa. Zumeist kamen sie dorthin als Arbeitsmigranten („Gastarbeiter“) oder nach Beginn des Bosnienkrieges 1992 als Kriegsflüchtlinge. In Deutschland lebten im Jahr 2013 rund 240.000 Bosnier.<ref>Belma Fazlagic-Sestic: Bosnier in Deutschland: Eine zweite Heimat, dw.com 12. Januar 2013 (abgerufen am 3. September 2022).</ref>
Siehe auch
Quellen
<references />