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Brunnenhaus (Kloster)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:KlosterMaulbronnBrunnenhausInnen.jpg
Rekonstruierte Brunnenschale im gotischen Brunnenhaus des Klosters Maulbronn<ref>Ein Maulbronner Wahrzeichen. Das Brunnenhaus. In: kloster-maulbronn.de. Abgerufen am 13. Januar 2024.</ref>

Das Brunnenhaus, auch Lavatorium (von lavare [lat.] = waschen) oder Brunnenkapelle, ist ein meist rundes oder polygonales Gebäude über einem Brunnen, besonders an Kreuzgängen in romanischen und gotischen Klöstern.<ref>Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 2. April 2026), S. 88: Brunnenhaus.</ref>

Funktion, Geschichte und Gestaltung

Das Brunnenhaus enthielt eine mit fließendem Wasser gespeiste Brunnenschale und war der in mittelalterlichen Klöstern meist als von der Ordensregel vorgeschriebene Waschraum. Es diente den Mönchen zum Händewaschen vor den Mahlzeiten und zum wöchentlichen Schneiden der Tonsur. Gelegentlich wird daher das Brunnenhaus auch als Tonsur<ref> Glossar Kloster: Brunnenhaus </ref> oder Tonsurkapelle<ref>Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 2. April 2026), S. 282.</ref> bezeichnet.

Ein Brunnenhaus liegt üblicherweise auf der Innenseite des Kreuzgangs und bei Zisterzienserklöstern dem Refektorium (Speisesaal) gegenüber; es ragt also in das Geviert des Kreuzgang-Innenhofs hinein.

Brunnenhäuser wurden teilweise als kapellenartige Kleinarchitekturen gestaltet, gewölbt sowie künstlerisch reich gestaltet und ausgestattet. Das älteste erhaltene Brunnenhaus in Deutschland entstand um 1150 im früheren Prämonstratenserkloster Unser Lieben Frauen zu Magdeburg.<ref>Alois Wagner: Brunnenhaus (in Klöstern). In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. II, 1947, Sp. 1310–1318. (Abschrift auf rdklabor.de, abgerufen am 2. April 2026)</ref>

Literatur

  • Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 2. April 2026), S. 88: Brunnenhaus.
  • Rolf Legler: Tempel des Wassers: Brunnen und Brunnenhäuser in den Klöstern Europas. Belser, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-7630-2267-0.
  • Heike Maria Simon: Zur Entwicklung und Bedeutung der Brunnenhäuser innerhalb der mittelalterlichen Sakralbaukunst deutscher und österreichischer Territorien. Lang, Berlin / Bern / New York / Paris / Wien 1997, ISBN 978-3-631-30767-0. (Dissertation Universität München 1996)
  • Alois Wagner: Brunnenhaus (in Klöstern). In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. II, 1947, Sp. 1310–1318. (Abschrift auf rdklabor.de, abgerufen am 2. April 2026)

Weblinks

Commons: Brunnenhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references/>