Zum Inhalt springen

Bundestagswahl 1949

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

<templatestyles src="Wahldiagramm/styles.css" />

← 1938Wahl zum 1. Bundestag 1949<ref name="Wahl 1949">Bundeswahlleiter: Bundestagswahl 1949</ref>1953 →
(in %)
 %
40
30
20
10
0
31,0
29,2
11,9
5,7
4,2
4,0
3,1
2,9
1,8
6,2
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
j davon: SSW 0,3 %, Parteilose 4,8 %
Sitzverteilung im
1. Deutschen Bundestag
nach Fraktionen
           
Insgesamt 402 Sitze
Verhältnis Regierung-Opposition im
1. Deutschen Bundestag
208
194
208 194 
Insgesamt 402 Sitze

Die Bundestagswahl 1949 fand am 14. August 1949 statt. Sie war die erste Bundestagswahl überhaupt und – nach den Wahlen zu den Landtagen und den Kommunalwahlen in den Jahren seit 1946 – auf nationaler Ebene die erste komplett freie Wahl seit der Reichstagswahl vom 6. November 1932. Die nächste Bundestagswahl war die Bundestagswahl 1953 am 6. September 1953.

Die Wahl

Datei:Stimmzettel Bundestagswahl 1949.jpg
Stimmzettel
Datei:CDU Wahlkampfplakat - kaspl001.JPG
Wahlplakat der CDU
Datei:Wahlplakat SPD 1949 Schlesier.jpg
Wahlplakat der SPD

Die Wahl fand nur in der neu gegründeten Bundesrepublik statt, deren Grundgesetz im Auftrag der drei westlichen Besatzungsmächte vom Parlamentarischen Rat in Bonn erarbeitet, von ihnen genehmigt, mit Ausnahme des bayerischen von allen Landtagen in den drei Westzonen angenommen und sodann am 23. Mai 1949 verkündet worden war. Dieses Grundgesetz bestimmte lediglich, dass die Abgeordneten des Deutschen Bundestages in allgemeinen, unmittelbaren, freien, gleichen und geheimen Wahlen für vier Jahre gewählt werden. Das weitere regelte das Wahlgesetz zum ersten Bundestag und zur ersten Bundesversammlung der Bundesrepublik Deutschland, das der Parlamentarische Rat beschlossen und die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit den von den alliierten Militärgouverneuren vorgenommenen Änderungen ausgefertigt hatten.<ref>Bundesgesetzblatt BGBl. Online-Archiv 1949 - 2022 | Bundesanzeiger Verlag. Abgerufen am 21. März 2025.</ref>

Die Verteilung der Mandate erfolgte danach auf Länderebene. Die Fünf-Prozent-Hürde galt nur landesweit. Daher benötigte eine Partei, um in den Bundestag einzuziehen, fünf Prozent oder mehr der Stimmen eines Landes oder die Mehrheit der Stimmen eines Wahlkreises, was die Wirkung der Sperrklausel einschränkte. Allerdings erhielten Parteien keine Sitze in den Ländern, in denen sie weder 5 % noch ein Direktmandat errangen.

Im Gegensatz zu allen späteren Bundestagswahlen hatten die Wähler nur eine Stimme. So waren im ersten Bundestag elf Parteien vertreten, darunter die Südschleswigsche Wählervereinigung mit dem Abgeordneten Hermann Clausen. Bei den drei unabhängigen Abgeordneten handelte es sich um Eduard Edert aus dem Wahlkreis Flensburg, Richard Freudenberg aus dem Wahlkreis Mannheim-Land und Franz Ott aus dem Wahlkreis Esslingen. In Flensburg hatten CDU, FDP, DP, Zentrum sowie DKP/DRP zugunsten Ederts und in Mannheim-Land die FDP/DVP zugunsten Freudenbergs auf eigene Kandidaten verzichtet. Ott gehörte der Vertriebenenorganisation Notgemeinschaft Württemberg-Baden an, die von der Amerikanischen Militärregierung keine Parteilizenz erhalten hatte.

Die Zahl der Parteien war beschränkt, weil bis zum 17. März 1950 Parteien eine Lizenz der jeweiligen Besatzungsmacht benötigten.<ref>Gerhard A. Ritter/Merith Niehuss: Wahlen in Deutschland 1946–1991, S. 83/84</ref>

Dem ersten Bundestag gehörten zunächst 410 Abgeordnete an, darunter 402 Abgeordnete mit vollem und acht Berliner Abgeordnete mit eingeschränktem Stimmrecht. Die hohe Wahlbeteiligung von 78,5 % wurde politisch auch als Zustimmung des Wahlvolkes zum Grundgesetz gewertet, über das nur die Landtage abgestimmt hatten.

Am 1. Februar 1952 traten elf zusätzliche Berliner Abgeordnete in den Bundestag ein, womit die Gesamtzahl der Abgeordneten auf 421 stieg.

Endergebnis

Gesamtergebnis

Die folgende Tabelle zeigt das Ergebnis der Wahl.<ref name="Wahl 1949" /><ref name="Fischer">Claus A. Fischer (Hrsg.): Wahlhandbuch für die Bundesrepublik Deutschland. Daten zu Bundestags-, Landtags- und Europawahlen in der Bundesrepublik Deutschland, in den Ländern und in den Kreisen 1946–1989. 1. Halbband.</ref> Durch Übertritte und Nachwahlen änderten sich die Fraktionsstärken im Laufe der Legislaturperiode. Bereits am Tag der Kanzlerwahl, dem 15. September 1949, traten von den drei unabhängigen Abgeordneten einer der CDU/CSU- und einer der FDP-Fraktion bei. Der über die hessische FDP-Landesliste gewählte Abgeordnete Heinrich Leuchtgens wurde Mitglied der DRP-Fraktion.

Liste Stimmen % Direkt­mandate Sit­ze Ber­liner
Abg.
<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1
Über­hang­man­date
Kan­di­da­ten Man­da­te
Vorlage:Parteinamefarbe 6.934.975 29,2 242 96 131 5 1 (Bremen)
Vorlage:Parteinamefarbe 5.978.636 25,2 189 91 115 2 1 (Baden)
Vorlage:Parteinamefarbe 2.829.920 11,9 234 12 052 1
Vorlage:Parteinamefarbe 1.380.448 05,8 047 24 024
Vorlage:Parteinamefarbe 1.361.706 05,7 242 015
Vorlage:Parteinamefarbe 986.478 04,2 047 11 017
Vorlage:Parteinamefarbe 939.934 04,0 057 05 017
Vorlage:Parteinamefarbe 727.505 03,1 113 010
Vorlage:Parteinamefarbe 681.888 02,9 047 012
Vorlage:Parteinamefarbe 429.031 01,8 114 005
Vorlage:Parteinamefarbe 216.749 00,9 126
Vorlage:Parteinamefarbe 75.388 00,3 006 001
Vorlage:Parteinamefarbe 26.162 00,1 011
Vorlage:Parteinamefarbe 21.931 00,1 064
Vorlage:Parteinamefarbe 1.141.647 04,8 115 03 003
Gesamt 23.732.398 100 1654 242 402 8 2
Ungültige Stimmen 763.216 03,1
Wähler 24.495.614 78,5
Wahlberechtigte 31.207.620

<templatestyles src="FN/styles.css" />

1 
Zahl der am selben Tag von der Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählten, nicht voll stimmberechtigten Berliner Bundestagsabgeordneten. Am 1. Februar 1952 traten aus Berlin weitere vier SPD-, drei CDU- und vier FDP-Abgeordnete in den Bundestag ein.

Ergebnisse in den Bundesländern

Die Ergebnisse in den einzelnen Ländern und dem ab 1952 gebildeten Baden-Württemberg:<ref name="Wahl 1949" /><ref name="Fischer" />

Bundesland Wahl-
berechtigte
Wähler Wahl-
beteiligung
Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile Vorlage:Parteifarbezeile
Baden 0.813.924 0.570.239 70,1 Vorlage:Parteifarbezelle| 51,1 23,7 17,4 4,2 03,6
Bayern 5.984.175 4.851.576 81,1 Vorlage:Parteifarbezelle| 29,2 22,7 08,5 4,1 20,9 14,4 00,1
Bremen 0.379.839 0.310.980 81,9 16,9 Vorlage:Parteifarbezelle| 34,4 12,9 6,8 18,0 2,1 09,0
Hamburg 1.141.214 0.926.435 81,2 19,7 Vorlage:Parteifarbezelle| 39,6 15,8 8,5 13,1 1,2 1,5 00,5
Hessen 2.906.239 2.247.390 77,3 21,4 Vorlage:Parteifarbezelle| 32,1 28,1 6,7 11,8
Niedersachsen 4.425.610 3.439.964 77,7 17,6 Vorlage:Parteifarbezelle| 33,4 07,5 3,1 17,8 3,4 8,1 1,0 08,1
Nordrhein-Westfalen 8.681.794 6.909.719 79,6 Vorlage:Parteifarbezelle| 36,9 31,4 08,6 7,6 8,9 1,8 2,1 02,6
Rheinland-Pfalz 1.900.797 1.513.756 79,6 Vorlage:Parteifarbezelle| 49,0 28,6 15,8 6,2 00,3
Schleswig-Holstein 1.731.022 1.431.020 82,7 Vorlage:Parteifarbezelle| 30,7 29,6 07,4 3,1 12,1 0,9 1,9 1,3 5,4 07,6
Württemberg-Baden 2.517.274 1.825.339 72,5 Vorlage:Parteifarbezelle| 31,0 25,2 18,2 7,4 0,1 18,0
Württemberg-Hohenzollern 0.725.732 0.469.196 64,7 Vorlage:Parteifarbezelle| 59,1 18,9 15,3 5,3
Baden-Württemberg 4.056.930 2.864.774 70,6 Vorlage:Parteifarbezelle| 39,6 23,9 17,6 6,4 0,1 12,5

Wahlkreisergebnisse

Datei:Bundestagswahl 1949 - Ergebnisse Wahlkreise.png
Erststimmenmehrheiten in den Wahlkreisen:
  • SPD
  • CDU/CSU
  • FDP
  • BP
  • DP
  • Unabh.
  • Die Wahl war von ausgeprägten regionalen Hochburgen der Parteien geprägt, daher konnten insgesamt sechs Parteien Wahlkreise gewinnen, außer den Unionsparteien und der SPD in Niedersachsen die DP, in Bayern die Bayernpartei, in anderen meist ländlich-protestantischen Gebieten die FDP, die anderswo auch von Wahlabsprachen profitierte. Zudem gewannen drei unabhängige Kandidaten einen Wahlkreis, teilweise ebenfalls durch Wahlabsprachen mit Parteien.

    Folgen

    In Betracht gezogene Koalitionen Sitze
    Sitze gesamt 402
    Zweidrittelmehrheit (ab 268 Sitzen)
                Union, SPD 270
    Absolute Mehrheit (ab 202 Sitzen)
                Union, FDP, DP 208

    Der Bundestag konstituierte sich am 7. September 1949.<ref>Erste Bundestagssitzung am 7. September 1949 Plenarprotokoll</ref>

    Obwohl große Teile der CDU eine Koalition mit der SPD befürworteten, konnte Konrad Adenauer eine Koalition mit der FDP durchsetzen, in die zur Erreichung der absoluten Mehrheit auch die DP aufgenommen wurde. Adenauer kam dabei zugute, dass der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher seine Partei gegen innerparteiliche Widerstände auf eine Oppositionsrolle festlegte. Teil des Koalitionsabkommens war Theodor HeussWahl zum Bundespräsidenten am 12. September. Am 15. September wurde Adenauer mit 202 Stimmen bei 142 Nein-Stimmen und 44 Enthaltungen zum Bundeskanzler gewählt, er erhielt exakt die zur Erreichung der absoluten Mehrheit erforderliche Stimmenzahl.<ref>Dritte Bundestagssitzung am 15. September 1949 Plenarprotokoll; Hans-Peter Schwarz: Adenauer - Der Aufstieg: 1876–1952, S. 619–630</ref>

    Die Koalitionsregierung aus CDU/CSU, FDP und DP blieb die volle Wahlperiode bis 1953 im Amt.

    Nachwahlen während der Wahlperiode

    Bis 1952 fand beim Ausscheiden eines im Wahlkreis direkt gewählten Abgeordneten eine Nachwahl im Wahlkreis statt.<ref> § 15 Wahlgesetz zum ersten Bundestag und zur ersten Bundesversammlung der Bundesrepublik Deutschland vom 15. Juni 1949 (BGBl. S. 21)</ref> Es gab insgesamt 14 Nachwahlen. In drei Fällen gewann dabei der Kandidat einer anderen Partei. Zweimal verlor die SPD und einmal die FDP einen Sitz.

    Durch Gesetz vom 8. Januar 1953 wurden Nachwahlen abgeschafft in den Fällen, in denen der Abgeordnete für eine Partei gewählt worden war, rückwirkend „auch für Nachwahlen, deren Voraussetzungen in der Zeit vom 1. Oktober 1952 bis zum Inkrafttreten eingetreten sind“.<ref>Wahlrechtslexikon. Nachwahlen zum 1. Deutschen Bundestag bis 1952. In: wahlrecht.de. von Martin Fehndrich, abgerufen am 25. September 2021.</ref> Fortan wurde auch der Sitz eines ausscheidenden Wahlkreisabgeordneten über die Landesliste seiner Partei neu besetzt.<ref>Gesetz vom 8. Januar 1953 (BGBl. I S. 2)</ref>

    Nachwahl Wahlkreis bisher gewähltes MdB Grund der Nachwahl neu gewähltes MdB
    14.05.1950 29 Kulmbach Vorlage:Parteifarbezelle | Friedrich Schönauer (SPD) Tod des MdB am 2. April 1950 Vorlage:Parteifarbezelle | Johannes Semler (CSU)
    19.11.1950 63 Arnsberg – Soest Vorlage:Parteifarbezelle | Heinrich Lübke (CDU) Landesminister, am 29. September 1950 ausgeschieden Vorlage:Parteifarbezelle | Ernst Majonica (CDU)
    11.03.1951 2 Kassel Vorlage:Parteifarbezelle | Georg-August Zinn (SPD) Ministerpräsident, am 21. Januar 1951 ausgeschieden Vorlage:Parteifarbezelle | Ludwig Preller (SPD)
    15.04.1951 1 Hofgeismar – Waldeck – Wolfhagen Vorlage:Parteifarbezelle | Karl Rüdiger (FDP) Tod des MdB am 20. Februar 1951 Vorlage:Parteifarbezelle | Hans Merten (SPD)
    06.05.1951 18 Hannover-Nord Vorlage:Parteifarbezelle | Bruno Leddin (SPD) Tod des MdB am 25. März 1951 Vorlage:Parteifarbezelle | Egon Franke (SPD)
    27.05.1951 44 Donauwörth Vorlage:Parteifarbezelle | Martin Loibl (CSU) Tod des MdB am 16. April 1951 Vorlage:Parteifarbezelle | Wilhelm Niklas (CSU)
    23.09.1951 12 Neustadt an der Weinstraße Vorlage:Parteifarbezelle | Ernst Roth (SPD) Tod des MdB am 14. Mai 1951 Vorlage:Parteifarbezelle | Willy Odenthal (SPD)
    02.12.1951 33 Nürnberg – Fürth Vorlage:Parteifarbezelle | Wilhelm Fischer (SPD) Tod des MdB am 21. Oktober 1951 Vorlage:Parteifarbezelle | Johann Segitz (SPD)
    16.03.1952 31 Harz Vorlage:Parteifarbezelle | Hermann Stopperich (SPD) Tod des MdB am 6. Januar 1952 Vorlage:Parteifarbezelle | Hans-Joachim Fricke (DP)
    30.03.1952 4 Heilbronn Vorlage:Parteifarbezelle | Georg Kohl (FDP) Tod des MdB am 31. Januar 1952 Vorlage:Parteifarbezelle | Adolf Mauk (FDP)
    04.05.1952 11 Friedberg – Büdingen Vorlage:Parteifarbezelle | Wilhelm Knothe (SPD) Tod des MdB am 20. Februar 1952 Vorlage:Parteifarbezelle | Kurt Moosdorf (SPD)
    04.05.1952 10 Segeberg – Neumünster Vorlage:Parteifarbezelle | Carl Schröter (CDU) Tod des MdB am 25. Februar 1952 Vorlage:Parteifarbezelle | Walter Bartram (CDU)
    18.05.1952 3 Bremerhaven – Bremen-Nord Vorlage:Parteifarbezelle | Bernhard Lohmüller (SPD) Tod des MdB am 2. März 1952 Vorlage:Parteifarbezelle | Philipp Wehr (SPD)
    09.11.1952 19 Hannover-Süd Vorlage:Parteifarbezelle | Kurt Schumacher (SPD) Tod des MdB am 20. August 1952 Vorlage:Parteifarbezelle | Ernst Winter (SPD)

    ! Parteiwechsel durch Nachwahl

    Siehe auch

    Weblinks

    Commons: Bundestagswahl 1949 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise

    <references />

    Vorlage:Klappleiste/Anfang

    1949 | 1953 | 1957 | 1961 | 1965 | 1969 | 1972 | 1976 | 1980 | 1983 | 1987 | 1990 | 1994 | 1998 | 2002 | 2005 | 2009 | 2013 | 2017 | 2021 | 2025 | nächste

    Vorlage:Klappleiste/Ende