Calvin S. Hall
Calvin Springer Hall (* 18. Januar 1909 in Seattle, Washington; † 4. April 1985 in Santa Cruz, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Tiefenpsychologe und Traumwissenschaftler.<ref>Adam Schneider; G. William Domhoff: Dr. Calvin Springer Hall Jr. auf lindsaygenealogy, abgerufen am 20. April 2026.</ref><ref>A Brief Biography of Calvin S. Hall auf dreamresearch.net, abgerufen am 21. April 2026.</ref>
Leben
Er wurde als Sohn von Calvin S. Hall, einem Richter am Obersten Gerichtshof des Bundesstaates Washington, und seiner Frau Dovre Johnson geboren. Calvin S. Hall absolvierte seine Studien in Psychologie zuerst in Washington beim bekannten Verhaltensforscher Edwin Ray Guthrie. Da er in Washington einen ROTC-Pflichtkurs verweigerte, wechselte er an die University of California, Berkeley nach Kalifornien, wo er bei dem Verhaltensforscher Edward Tolman 1930 seinen Bachelorabschluss machte. Nach weiteren drei Studienjahren bei Tolman und Robert Tryon promovierte er zum Ph.D.
Werk
Früh in seiner Karriere leistete er bedeutende Beiträge zur Temperaments- und Verhaltensgenetik, wobei er die Vererbung von Emotionalität bei Ratten durch Inzucht demonstrierte. Er untersuchte Tiere, die mittels des Open-Field-Tests entweder ungewöhnliche Ängstlichkeit oder Mut zeigten, wenn sie in die Mitte eines großen runden Tisches gesetzt wurden. Innerhalb weniger Generationen konnte er zwei sehr unterschiedliche Stämme hinsichtlich ihrer Reaktionen in dieser Situation züchten. Er entdeckte auch, dass ein einzelnes dominantes Gen bei einem Inzuchtstamm von Mäusen zu akustischen Traumata führt.
Sein maßgebliches Lebenswerk galt ab den 1940er Jahren der Traumdeutung, die er von der Klinik in eine normale, häusliche Atmosphäre brachte, da er erkannte, dass die Menschen zu Hause ganz andere Träume hatten als in der Klinik oder in einem Schlaflabor. Hall begann mit Träumen von Studentenkollegen und hatte am Ende seines Lebens über 50.000 Traumberichte zusammengestellt.
Halls empirische Studien zeigen auf, dass die Träume der verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf der Welt sich eher ähneln als unterscheiden, abgesehen von Variationen, die sich aus kulturellen Unterschieden ergeben. Gleichzeitig fand er bei der Häufigkeit der Traumelemente große individuelle Unterschiede. Diese Unterschiede hängen nach Hall mit Umständen des täglichen Lebens, mit der emotionalen Beschäftigung und Interessen zusammen. Hall schlug vor, diesen Faktor als „Bindeglied“ (engl. „continuity“) zwischen Trauminhalt und Gedanken im Wachzustand zu bezeichnen.
Seine Arbeit mit Traumtagebüchern, die er mehrere Jahre lang führte, oder die von ein paar anderen Personen sogar über Jahrzehnte geführt wurden, zeigte eine erstaunliche Beständigkeit, was die Trauminhalte betrifft, auch wenn unbestritten einige Wechsel im realen Leben der träumenden Personen stattfanden.
Halls theoretische, methodische und empirische Studien über Träume außerhalb der Kliniken waren weltweit maßgebend. Auf der Grundlage seiner empirischen Traumstudien entwickelte Hall eine Traumtheorie mit folgenden Hauptpunkten:
- Träume drücken „Konzeptionen“ des Selbst aus, über Familienmitglieder, über den Freundeskreis, und über die soziale Umgebung aus.
- Träume decken Zustände auf über Schwächen, Durchsetzungsfähigkeit, Nicht-geliebt-Sein, Dominanz, und Feindseligkeit.
- Hall entdeckte auch eine Theorie der gleichnishaften Traumsymbolik, die sowohl in der Durchschnittsgesellschaft wie in der Dichtung vorkommt.
Zusätzlich zu seinen vielen wissenschaftlichen Traumpublikationen schrieb Hall zwei Volksbücher, Traumdeutungen (englisch Meaning of Dreams, 1953) und Das Individuum und seine Träume (englisch The Individual and His Dreams, 1972). Beide wurden Bestseller.
Lehrtätigkeit an Universitäten und Weiterbildung
Den größten Teil seiner Lehrtätigkeit verbrachte Hall an der Case Western Reserve University (Cleveland, Ohio), daneben auch an der Syracuse University (1957–59), an der Universität von Miami (1959–60), und an der Katholischen Universität von Nijmegen (Niederlande) im Rahmen des Fulbright-Programmes (1960–1961).
Von 1961 bis 1965 studierte Hall am Traumforschungsinstitut in Miami die Träume aus Schlaflabors mit der Feststellung, dass sich die Träume in der Nacht inhaltsmäßig glichen. In dieser Zeit revolutionierten Hall und Robert Van de Castle die objektiven Studien über Trauminhalte mit ihrem umfassenden neuen Code-System.
1966 ließ sich Hall in Santa Cruz (Kalifornien) in einen Halbruhestand versetzen, führte gleichzeitig seine Traumforschung weiter und hielt von Zeit zu Zeit an der örtlichen Universität Seminare ab. Er war Co-Autor der Bücher über die Träume von Franz Kafka und eines Sexualstraftäter.
Ehrungen/Positionen
- Präsident der Ohio Psychological Association
- Leiter der Sigmund-Freud-Gesellschaft für Kleinkinder in Cleveland
- 1960–1961: Fulbright-Stipendiat an der Radboud-Universität Nijmegen
Privates
Er heiratete 1932 Irene Hannah Sanborn, die Tochter von Charles Sumner Sanborn und Mary Howard Lindsay. Seine Frau Irene leitet die naturwissenschaftliche Fakultät der Laurel School in Shaker Heights. Sie wurde am 18. August 1902 in Monmouth geboren und starb ein Jahr vor ihrem Gatten am 16. August 1984 in Cleveland. Das Ehepaar hatte die Tochter Dovre Hall Busch. Seit 1959 lebte er getrennt von seiner Frau. Er frönte seiner Leidenschaft für große Literatur, klassische Musik und Oper, unternahm täglich Spaziergänge und Radtouren am Meer und pflegte seinen Blumengarten. Er verstarb im Alter von 76 Jahren an Krebs.
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- The Meaning of Dreams: Their Symbolism and Their Sexual Implications. Iconoclassic Books, New Windsor 2012 (Erstveröffentlichung 1951), ISBN 978-0-9916935-3-5.
- Mit Vernon J. Nordby: A Primer of Jungian Psychology. Penguin Publishing Group, New York 1999 (Erstveröffentlichung 1973), ISBN 978-0-452-01186-1.
- Niederländische Ausgabe: De psychologie van Jung: een inleiding. Donker Verlag, Rotterdam 1990, ISBN 90-6100-216-8.
- A Primer of Freudian Psychology. Penguin Publishing Group, New York 1999 (Erstveröffentlichung 1954), ISBN 978-0-452-01183-0.
- Niederländische Ausgabe: De psychologie van Freud: een inleiding. Donker Verlag, Rotterdam 1991, ISBN 90-6100-192-7.
- Mit Gardner Lindzey; John B. Campbell: Theories of Personality (4Th ed.). Wiley, Hoboken 1997, ISBN 978-81-265-1092-4.
- Deutsche Ausgabe: Theorien der Persönlichkeit (Bd. 1). Beck Verlag: München 1978, ISBN 978-3-406-07075-4.
- Deutsche Ausgabe: Theorien der Persönlichkeit (Bd. 2). Beck Verlag: München 1979, ISBN 978-3-406-05704-5.
- Mit Vernon J. Nordby: The Individual and His Dreams. Signet, Exeter 1975, ISBN 978-0-451-06497-4.
- Mit Alan P. Bell: The personality of a child molester. An analysis of dreams. Aldine, Atherton, Chicago 1971, ISBN 978-0-202-26032-7.
- Mit Richard E. Lind: Dreams, Life, and Literature: A Study of Franz Kafka. University of North Carolina Press, Chapel Hill 1970, ISBN 978-0-8078-1129-0.
- Mit Robert L. Van de Castle: The Content Analysis of Dreams. Appleton-Century-Crofts, New York City 1966.
- Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
- Freud's concept of anxiety: It is one of the ironies of life that a virtuous person experiences more shame than an unvirtuous person does. In: Pastoral psychology, 1955, 6 (2), S. 43–48.
- What dreams tell us about man: The function of dreaming is to reveal, not to conceal. In: Pastoral psychology, 1953, 3 (10), S. 34–38.
- A Cognitive Theory of Dream Symbols. In: Journal of General Psychology, 1953, 48, S. 169–186.
- A Cognitive Theory of Dreams. In: Journal of General Psychology, 1953, 49, S. 273–282.
- What People Dream About. In: Scientific American, 1951, 184, S. 60–63.
- The Genetics of Behavior. In: Stanley Smith Stevens (Hrsg.): The Handbook of Experimental Psychology. John Wiley & Sons, Hoboken 1951.
- Mit Governor Witt: The Genetics of Audiogenetic Seizures in the House Mouse. In: Journal of Comparative and Physiological Psychology, 1949, 42, S. 58–63.
- Diagnosing Personality by the Analysis of Dreams. In: Journal of Abnormal and Social Psychology, 1947, 42, S. 68–79.
- Genetic Differences in Fatal Audiogenetic Seizures between Two Inbred Strains of House Mice. In: Journal of Heredity, 1947, 38, S. 2–6.
- The Inheritance of Emotionality. In: Sigma Xi Quarterly, 1938, 26, S. 17–27.
Literatur
- G. William Domhoff: Finding Meaning in Dreams: A Quantitative Approach. Springer, New York 1996, ISBN 978-1-4899-0300-6.
- Robert Van de Castle: Our Dreaming Mind. Ballantine, New York 1994, ISBN 978-0-9650380-8-9.
- Ann Faraday: Positive Kraft der Träume., 1996 (orig.: Dream Power. 1972)
Weblinks
- }} Literatur von und über {{#invoke:WLink|getArticleBase}} im Katalog der {{#ifeq: Calvin S. Hall | Deutsche Nationalbibliothek | DNB | Deutschen Nationalbibliothek}}{{#ifeq: 0 | 0
| {{#if:
| Vorlage:DNB-Portal – veraltete Parametrisierung 3=
}}
}}
- Calvin S. Hall. Kurzbiographie auf psych.ucsc.edu (englisch)
- Calvin S. Hall auf archive.org, abgerufen am 20. April 2026.
- G. Lindzey: Calvin Springer Hall (1909–1985). In: American Psychologist, 1987, 42 (2), S. 185.
Einzelnachweise
<references />
{{#ifeq: p | p | | {{#if: 172122627n500179248399508 | |
}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 172122627 | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 172122627 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: n50017924 | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: n50017924 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 8399508 | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 8399508 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung
{{#if: Hall, Calvin S. | {{#if: Hall, Calvin Springer (vollständiger Name) | {{#if: US-amerikanischer Tiefenpsychologe und Traumwissenschaftler | {{#if: 18. Januar 1909 | {{#if: Seattle, Washington | {{#if: 4. April 1985 | {{#if: Santa Cruz, Kalifornien || Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hall, Calvin S.
}} |
| ALTERNATIVNAMEN | Hall, Calvin Springer (vollständiger Name)
}} |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Tiefenpsychologe und Traumwissenschaftler
}} |
| GEBURTSDATUM | 18. Januar 1909
}} |
| GEBURTSORT | Seattle, Washington
}} |
| STERBEDATUM | 4. April 1985
}} |
| STERBEORT | Santa Cruz, Kalifornien
}} |
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:DNB-Portal/ohne GND
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:DNB-Portal
- Wikipedia:GND fehlt
- Wikipedia:Normdaten-TYP falsch oder fehlend
- Wikipedia:GND in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:GND in Wikipedia vorhanden, fehlt jedoch in Wikidata
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia vorhanden, fehlt jedoch in Wikidata
- Wikipedia:VIAF in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:VIAF in Wikipedia vorhanden, fehlt jedoch in Wikidata
- Hochschullehrer (University of Oregon)
- Hochschullehrer (Case Western Reserve University)
- Hochschullehrer (Syracuse University)
- Hochschullehrer (University of Miami)
- Hochschullehrer (University of California, Santa Cruz)
- Hochschullehrer (Radboud-Universität Nijmegen)
- Psychologe
- US-Amerikaner
- Geboren 1909
- Gestorben 1985
- Mann