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Caplutta Sogn Benedetg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:S. Benedetg.jpg
Caplutta Sogn Benedetg (2012)

Die katholische Caplutta Sogn Benedetg (Kapelle des Heiligen Benedikt) steht am nördlichen Rand des Weilers Sogn Benedetg oberhalb des Dorfes Sumvitg in der Surselva im schweizerischen Kanton Graubünden. Sie gehört zum Kloster Disentis und ersetzt seit 1989 die bei einem Lawinenunglück im Jahr 1984 zerstörte Kapelle des Heiligen Benedikt aus dem 13. Jahrhundert.<ref name=":0">Hans Batz: Die Kirchen und Kapellen des Kantons Graubünden. Desertina, Chur 2005, ISBN 978-3-85637-294-1, S. 136–137.</ref>

Geschichte

Alte Kapelle (13. Jahrhundert)

Datei:Sogn Benedetg 1920.jpg
Die 1984 zerstörte Kapelle (1920)
Datei:Fresko Judgement Day Caplutta Sogn Benedetg 2026.jpeg
Detail aus dem Fresko Das jüngste Gericht (Hölle), Kloster Disentis (2026)

Die alte Caplutta Sogn Benedetg wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zusammen mit einem kleinen Kloster für den Einsiedler Laurentius mit finanzieller Unterstützung der wohlhabenden Witwe Rigenza aus dem Val Sumvitg errichtet. Die Ruine steht auf einem Felssporn am Ausgang des Val Mulinaun bei Pt. 1274.

Kapelle und Kloster gehörten zu der im 12. Jahrhundert gegründeten Organisation der Beginen und erhielten das Patronizium des Heiligen Benedikt von Nursia.<ref name=":0" details="S. 136" /> Im 14. Jahrhundert ging die Anlage an das Kloster Disentis über, da der amtierende Abt Thüring von Attishausen 1346 zahlreiche Ablässe für den Beginenhof in Sumvitg erwirkte.

Die Kapelle besass eine Chorapsis und ein Schiff mit flacher Holzdecke. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts führte ein italienischer Wandermaler unter Abt Petrus von Pontaningen das in Teilen heute noch erhaltene Wandgemälde des Letzten Gerichts an der Rückwand der Kapelle aus. Abt Andreas de Falera liess den Chor im 16. Jahrhundert gotisch umbauen und fügte ein Rippengewölbe hinzu. 1957 erlebte die Kapelle unter Abt Beda Hophan eine vollständige Renovierung.<ref name=":0" details="S. 136" />

In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar 1984 wurde die alte Kapelle in einem schweren Lawinenereignis vollständig zerstört.<ref>Kapelle Sogn Benedetg, Sumvitg. In: surselva.info. Surselva Tourismus, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref> Freskenfragmente wurden gesichert und sind heute zum Teil im Kloster Disentis ausgestellt, darunter die Illustration des Jüngsten Gerichts.

Neue Kapelle (1989)

Datei:Sogn Benedetg2.jpg
Neubau von Peter Zumthor (2008)

Eine Stiftung, die Fundaziun Caplutta Sogn Benedetg, bestehend aus Klostervertretern, Vertretern der Kirchgemeinde und der politischen Gemeinde Sumvitg/Sogn, lobte einen Architekturwettbewerb zum Wiederaufbau der Wallfahrtskapelle aus.<ref name=":0" details="S. 136" />

Die Gewinner des Architekturwettbewerbes, ausgelobt unter fünf Architekten, waren als einzige Externe Peter Zumthor und Annalisa Zumthor-Cuorad aus Haldenstein, die 1985 bis 1989 die neue Kapelle auf einem anderen Standort im Dorf erbauten.<ref>Auszeichnung guter Bauten im Kanton Graubünden. In: e-periodica. Abgerufen am 7. Januar 2021 (deutsch).</ref> Der neue Standort, der nur wenige Meter von der noch bestehenden Ruine entfernt ist, soll durch umgebende Bewaldung lawinensicherer sein.<ref>Gili Merin: AD Classics: Saint Benedict Chapel / Peter Zumthor. In: archdaily.com. 25. August 2013, abgerufen am 22. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das moderne Modell im Stil eines Schiffsrumpfes war nicht unumstritten, es gab auch Befürworter eines Wiederaufbaus im klassischen Stil.<ref name=":0" details="S. 136" />

Jürg Buchli und Jürg Conzett waren die Ingenieure, als Bauherrschaft fungierte die Stiftung Fundaziun Caplutta Sogn Benedetg. Die Baukosten betrugen 600'000 CHF,<ref name="baukultur">Kapelle Sogn Benedetg. In: Graubünden – Baukultur – Bauwerke. Kantonsbibliothek Graubünden, abgerufen am 17. Februar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Quelle: Kunstführer durch die Schweiz. Band 2. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 2005).</ref> der Kostenvoranschlag hatte bei 450'000 CHF gelegen. Die Gelder kamen aus Versicherungsleistungen und Spenden. Die offizielle Weihe der neuen Kapelle fand am 25. September 1988 statt.<ref name=":0" details="S. 136" />

Beschreibung

Datei:S. Benedetg Turm1.jpg
Der Glockenträger

Die Caplutta ist aus Holz gebaut, als durchgängig verschindelter Baukörper mit einem gewölbten Blechdach. Durch das Sonnenlicht wird die geschindelte Aussenhaut dunkel, schwarz im Süden, silbergrau im Norden, wie die alten Bauernhäuser. Die tropfen- bzw. blattförmige Grundform kann als halbiertes Unendlichkeitszeichen gedeutet werden. Der sich über das Gelände erhebende Baukörper erinnert an ein Boot oder eine Arche auf einer Welle.

Im Innern erscheint die Einheit von Dach und 37 freistehenden Holzstützen als grosser Baldachin. Die Anordnung der Deckenbalken wirkt wie die Rippen des Blatts eines Baumes. Das unterhalb der Dachtraufe umlaufende Fensterband erhellt die silbrige Wand hinter den Stützen und vermittelt dem Raum eine spezielle Lichtstimmung.<ref name=baukultur/>

Daneben steht der turmähnliche Glockenträger für zwei kleine Glocken. Er hat keine Verbindung zum Kapellengebäude und ähnelt einer sich nach oben verjüngenden Leiter, ein möglicher Bezug zur biblischen Jakobsleiter.<ref>Kunstführer durch die Schweiz, hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. GSK, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 208 </ref>

Auszeichnungen und Preise

Literatur

  • P. Urban Affentranger: Die Kapelle St. Benedikt – das Opfer einer Lawine. In: Abt P. Daniel Schönbächler (Hrsg.): Die Lawinenkatastrophe in Disentis – 9. Februar 1984. Sonderdruck der Zeitschrift Disentis. 51. Jahrgang, Heft 2, 2. Auflage, S. 26–31.
  • Hans Batz: Die Kirchen und Kapellen des Kantons Graubünden. Desertina, Chur 2005, ISBN 978-3-85637-294-1, S. 136–137.
  • Toni Hildebrandt (im Gespräch mit Peter Zumthor): Architektur, Bild und Entwurf. In: Rheinsprung 11. Zeitschrift für Bildkritik. Nummer 1 (2011), S. 139–146. (PDF; 965 kB)
  • Dieter Matti: Alte Bilder – neu gedeutet, Kirchliche Kunst im Passland, Band 3; Desertina, Chur 2012, ISBN 978-3-85637-370-2, S. 47–50.
  • Andreas Nentwich, Christine Schnapp: Caplutta Sogn Benedetg, Sumvitg. In: Dies., Modern in alle Ewigkeit. Eine Reise zu den schönsten modernen Kirchenbauten der Schweiz. Zytglogge Verlag, Basel 2019, ISBN 978-3-7296-5019-0. S. 142–153.
  • Bündner Heimatschutz (Hrsg.): 52 Beste Bauten. Baukultur Graubünden 1950–2000. Edition Hochparterre, Chur 2020, ISBN 978-3-909928-61-3.

Weblinks

Commons: Caplutta Sogn Benedetg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 46° 44′ 5,4″ N, 8° 56′ 20,6″ O; CH1903: 714674 / 177057

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