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Carbromal

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Carbromal ist ein Arzneistoff mit sedierender und schlafanstoßender Wirkung. Die Substanz wurde 1909 von Bayer patentiert und kam unter dem Namen Adalin als Beruhigungs- und Schlafmittel auf den Markt. Heutzutage gilt die Anwendung als obsolet.

Chemisch gesehen handelt es sich dabei um ein bromiertes Harnstoff-Derivat (Bromacylureid), das mit dem Bromisoval verwandt ist. Die Bromacylureide stehen strukturell der Barbitursäure nahe.<ref name="Roth/Fenner">H. J. Roth, H. Fenner: Arzneistoffe. Thieme, Stuttgart / New York 1988. S. 272.</ref>

Wirkung

Bromacylureide sind schwächer hypnotisch wirksam als die Barbiturate. Bei der Biotransformation dieser Wirkstoffe werden Bromid-Ionen frei, die eine Eliminationshalbwertszeit von zwölf Tagen aufweisen. Dies führt bei längerer Anwendung zu einer Kumulation.<ref name="Roth/Fenner" />

In einer Studie<ref>Hermann Druckrey, Eva Müller, Margarete Stuhlmann: Die Beeinflussung der sedativen Wirkung durch Antipyretika und Coffein. In: Naunyn-Schmiedebergs Archiv für Experimentelle Pathologie und Pharmakologie, 1937, 185, S. 221; doi:10.1007/BF01925281.</ref> konnte der hypnotische Effekt von 300 mg/kg Carbromal durch eine Dosis von 5 mg/kg Coffein vollständig aufgehoben werden. Eine weitere Studie<ref>Bioassay of carbromal for possible carcinogenicity. In: National Cancer Institute carcinogenesis technical report series, 1979, Band 173, S. 1–135; PMID 12799690.</ref> untersuchte die karzinogene Wirkung von Carbromal; es konnte eine Korrelation zwischen der wochenlang niedrig dosierten Gabe und dem Auftreten von adrenalem Phäochromozytom beobachtet werden, vor allem in der Gruppe mit höherer Carbromal-Dosierung.

Nebenwirkungen

Zu den Nebenwirkungen gehören u. a. Hautausschläge; von Wirkstoffen verursachte Hautreaktionen werden als Dermatitis Medicamentosa bezeichnet.<ref>P. Borrie: A purpuric drug eruption caused by carbromal. In: British medical journal, März 1955, Band 1, Nr. 4914, S. 645–646; PMID 13230580, Vorlage:PMC.</ref><ref>H. W. Buck, J. C. Mitchell: Dermatitis Medicamentosa Caused by Diethyl Bromacetyl Carbamide (Carbromal). In: Canadian Medical Association journal, August 1963, Band 89, Nr. 9, S. 419; PMID 20327677, Vorlage:PMC.</ref> In der Literatur wurden auch Fälle von Carbromal-Abhängigkeit beschrieben.<ref>M. Steel, J. M. Johnstone: Addiction to carbromal. In: British medical journal, August 1959, Band 2, Nummer 5143, S. 118; PMID 13671224, Vorlage:PMC.</ref>

Die Einnahme von größeren Dosen kann zu Nebenwirkungen führen, die für Bromismus typisch sind.<ref>D. Lugassy, L. Nelson: Case files of the medical toxicology fellowship at the New York City poison control: bromism: forgotten, but not gone. In: Journal of medical toxicology: official journal of the American College of Medical Toxicology, September 2009, Band 5, Nummer 3, S. 151–157; PMID 19655290, Vorlage:PMC.</ref>

Literatur

Einzelnachweise

<references />

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