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Carl Muth

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Carl Muth

Carl Borromäus Johann Baptist Muth (* 31. Januar 1867 in Worms; † 15. November 1944 in Bad Reichenhall) war ein deutscher Publizist. Er zählt zu Vertretern des katholischen Existentialismus.

Leben

Carl Muth stammte aus einer Handwerkerfamilie.<ref>Gabriele Bell-Muth: Aus den Erinnerungen von Carl Muth, in: Thomas Pittrof (Hrsg.), Carl Muth und das 'Hochland' (1903–1941). Freiburg i. Br. u. a. 2018. S. 15–32, hier 16.</ref> Als er 13 Jahre alt war, starb seine Mutter an Tuberkulose.<ref>Gabriele Bell-Muth: Aus den Erinnerungen von Carl Muth, in: Thomas Pittrof (Hrsg.), Carl Muth und das 'Hochland' (1903–1941). Freiburg i. Br. u. a. 2018. S. 15–32, hier 17.</ref> 1881 fand er Aufnahme im Missionshaus Steyl in Holland. Nach drei Jahren führte ihn sein Weg nach Algier, wo er Kardinal Charles Martial Lavigerie, den Gründer der Weißen Väter, kennenlernte. Zeitlebens fühlte sich Muth dieser weltoffenen, französischen Geistigkeit verbunden. In Gießen holte er sein deutsches Abitur nach.<ref>Gabriele Bell-Muth: Aus den Erinnerungen von Carl Muth, in: Thomas Pittrof (Hrsg.), Carl Muth und das 'Hochland' (1903–1941). Freiburg i. Br. u. a. 2018. S. 15–32, hier 21.</ref> Er studierte in Gießen Staatswissenschaften, später hörte er an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin Vorlesungen über Volkswirtschaft und Germanistik.

Während eines Aufenthalts in Paris 1892/1893 und in Rom 1893 betrieb er kunstgeschichtliche Studien, dabei befasste er sich auch mit aktuellen sozialen Fragen. Durch Vermittlung von Alphonse Kannengieser wurde er Redakteur der Straßburger Tageszeitung Der Elsässer.<ref>Gabriele Bell-Muth: Aus den Erinnerungen von Carl Muth, in: Thomas Pittrof (Hrsg.), Carl Muth und das 'Hochland' (1903–1941). Freiburg i. Br. u. a. 2018. S. 15–32, hier 24.</ref> Von 1895 bis 1902 wirkte Carl Muth als Chefredakteur der im Schweizer Verlag Benzinger erscheinenden Monatsschrift „Alte und Neue Welt, Illustriertes Katholisches Familienblatt“. Als Beitrag zur Debatte über die Inferiorität der deutschen Katholiken verfasste er seine kritische Schrift „Steht die katholische Belletristik auf der Höhe der Zeit?“ (Mainz 1898). Er rief dazu auf, eine katholische Unterhaltungsliteratur zu schaffen und die moralisierende „Engherzigkeit“ zu überwinden.

Im Oktober 1903 gründete Carl Muth die Monatsschrift Hochland, die zum Dialogforum zwischen katholischen Akademikern und kirchenkritischen Intellektuellen wurde. Auf diese Weise versuchte er die katholische Literatur aus kirchlicher und bürgerlicher Verengung herauszuführen.<ref>Otto Weiß: Der Modernismus in Deutschland. Ein Beitrag zur Theologiegeschichte. Pustet, Regensburg 1995, ISBN 3-7917-1478-3; darin Kapitel 16: Der Literarische Modernismus. Carl Muth und das „Hochland“, S. 458–473.</ref> Muth pflegte Kontakte mit einem politisch breiten Spektrum. Er war sowohl mit dem nationalkonservativen Historiker Martin Spahn eng verbunden<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> als auch mit dem Biophysiker und Herzensrepublikaner Friedrich Dessauer befreundet, tendierte politisch Anfang der 1920er Jahre aber noch zu Spahn.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> 1920 wechselte Dessauers Privatsekretär Friedrich Fuchs zu Muth nach München und wurde sein engster Mitarbeiter beim Hochland.

Im Jahre 1927 erschien für den 60-jährigen Carl Muth die Festschrift „Wiederbegegnung von Kirche und Kultur in Deutschland“, die einen anschaulichen Einblick in die damalige geistige Lage vermittelt. Die literarische Lebensarbeit Muths war der „Wiedergeburt der Dichtung aus dem religiösen Erlebnis“ gewidmet. 1933 übergab Muth die Schriftleitung des Hochlands an seinen langjährigen Mitarbeiter und designierten Nachfolger Friedrich Fuchs, überwarf sich aber kurz darauf mit ihm, verdrängte ihn 1935 aus der Redaktion und übernahm die Schriftleitung wieder selbst.<ref>Otto Weiss: Carl Muth und seine Redakteure, in: Freundeskreis Mooshausen, Tagung Carl Muth und das Hochland 2014, S. 6.</ref>

Im Dezember 1933 trat Muth als Zeuge der Verteidigung in dem gegen den langjährigen Reichstagsabgeordneten Friedrich Dessauer und den Geschäftsführer der Rhein-Mainischen Volkszeitung Josef Knecht geführten, politisch motivierten „Kleinen Volksvereinsprozess“ auf und bescheinigte Dessauer unbedingte Vertrauenswürdigkeit.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Als der Widerstandskämpfer Hans Scholl, Gründer der Widerstandsgruppe Weiße Rose, durch Vermittlung seines Freundes Otl Aicher (1922–1991) den Gelehrten Carl Muth im August 1941 kennenlernte, gab es das Hochland nicht mehr, denn diese Monatsschrift war im Juni 1941 von der Reichspressekammer verboten worden. Ab Dezember 1933 stand die Zeitschrift unter Zensur, und seit dieser Zeit bis zum Verbot im Juni 1941 wurde im Hochland der Name „Adolf Hitler“ nicht mehr erwähnt.

Als Carl Muth sah, wie belesen sein junger Freund war, bat er ihn, seine umfangreiche Privatbibliothek zu ordnen. In diesem geistig anregenden Umfeld ergaben sich Gespräche über die Verflechtung von christlichem Glauben und politischem Handeln. Die Bedeutung von Muth für Scholl liegt auch darin, dass er durch ihn Menschen kennenlernte, die sein politisches Denken und religiöses Empfinden anregten und auch prägten.

Nachdem Hans und Sophie Scholl am 18. Februar in München sowie Christoph Probst am 19. Februar 1943 in Innsbruck verhaftet worden waren, führte die Gestapo auch bei Muth eine Hausdurchsuchung durch. Nach dem 22. Februar 1943 sprach Carl Muth von seinen ermordeten Freunden mit der Trauer eines seiner Kinder beraubten Vaters. Ein Jahr später starb Muth nach schwerer Krankheit.

Wirkung und Würdigung

„Die bewahrende Kraft in ihm war aufs engste mit der Offenheit für alles Neue, alles die Zeit Bewegende verbunden.“ (Werner Bergengruen) Seine bleibenden Verdienste sind sein Kampf um die Öffnung des katholischen Milieus sowie seine väterliche Freundschaft zu Hans und Sophie Scholl. Winfried Becker würdigt Muth im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon als einen „reichen, kritischen und offenen, wohl mehr rezeptiven als schöpferischen Geist“. Muth war Anreger und seine Zeitschrift Hochland war Vorbild für den Verleger Karl Borromäus Glock.<ref>Karl Borromäus Glock: Das Wagnis. Rechtfertigung eines Einzelgängers. Erlebnisse und Maximen eines Verlegers. Hohenloher Druck- und Verlagshaus, Gerabronn 1975, ISBN 3-87354-050-9, S. 55 f.</ref>

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Grab von Carl Muth auf dem Friedhof München-Solln

Carl-Muth-Straßen gibt es in seinem Geburtsort Worms und in Köln-Neubrück. In seinem Wohnort München-Solln ist seit 1949 die Muthstraße nach ihm benannt.<ref>Hans Dollinger: Die Münchner Straßennamen. 5. Auflage. Ludwig Verlag, München 2004, ISBN 3-7787-5174-3, S. 208.</ref> Auf dem Friedhof Solln befindet sich auch Muths Grabstätte.

Veröffentlichungen (Auswahl)

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Literatur

|1=Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1 |2=Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8 |3=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2 |4=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7 |5=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3 |6=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1 |7=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4 |8=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0 |9=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1 |10=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X |11=Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6 |12=Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9 |13=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7 |14=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5 |15=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8 |16=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4 |17=Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8 |18=Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7 |19=Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1 |20=Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3 |21=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3 |22=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2 |23=Nordhausen 2004, ISBN 3-88309-155-3 |24=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9 |25=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-332-7 |26=Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8 |27=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2 |28=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7 |29=Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6 |30=Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6 |31=Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8 |32=Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5 |33=Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-690-2 |34=Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-766-4 |35=Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-882-1 |36=Nordhausen 2015, ISBN 978-3-88309-920-0 |37=Nordhausen 2016, ISBN 978-3-95948-142-7 |38=Nordhausen 2017, ISBN 978-3-95948-259-2 |39=Nordhausen 2018, ISBN 978-3-95948-350-6 |40=Nordhausen 2019, ISBN 978-3-95948-426-8 |41=Nordhausen 2020, ISBN 978-3-95948-474-9 |42=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-505-0 |43=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-536-4 |44=Nordhausen 2022, ISBN 978-3-95948-556-2 |45=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-584-5 |46=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-590-6 |47=Nordhausen 2024, ISBN 978-3-689-11006-2 |48=Nordhausen 2025, ISBN 978-3-689-11017-8 }}{{#if:|, Sp. }}{{#if:396-402|, Sp. {{#iferror:{{#expr:396-402}}|396-402|{{#expr:1*396-402*0}}–{{#expr:-(0*396-402*1)}}}}}}}}{{#if:|}}{{#if:https://web.archive.org/web/20070629200141/http://www.bautz.de/bbkl/m/muth_c_b_j_b.shtml%7C}}.{{#if: 6 | |{{#ifeq:||}}}}

  • Walter Ferber: Karl Muth (1867–1944). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern, Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 1, Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG, Münster 2022, ISBN 978-3-402-06112-1, S. 94–102. (Digitalisat)
  • Dorle Gribl: Solln in den Jahren 1933–1945. Spurensuche im Münchner Süden. München 2006, ISBN 978-3-937200-08-8, S. 59‒66.
  • Wulfried C. Muth: Carl Muth und das Mittelalterbild des „Hochland“. Stadtarchiv, München 1974, ISBN 3-87913-043-4
  • Thomas Pittrof: Carl Muth und das Hochland (1903–1941). In: Thomas Pittrof (Hrsg.): Catholica. Quellen und Studien zur Literatur- und Kulturgeschichte des modernen Katholizismus, Bd. 4.1. Rombach, Freiburg/Breisgau 2018, ISBN 978-3-7930-9898-0
  • Franz Rappmannsberger: Karl Muth und seine Zeitschrift Hochland als Vorkämpfer für die innere Erneuerung Deutschlands. München 1952.
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  • Carl Villinger: Professor Carl Muth. In: Carl Villinger (Red.): Wormser Profile. Lebensbilder zehn Wormser Persönlichkeiten. Altertumsverein Worms, Worms 1966, S. 69–76.

Weblinks

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Einzelnachweise

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