Ceolwulf (Northumbria)
Ceolwulf (auch Ceolwulfus, Ceolulf, Ceoluulf, Ceolf, Ciolwulf; * um 700<ref name="bbkl" />; † 15. Januar 764 in Lindisfarne) war in den Jahren 729 bis 737 König des angelsächsischen Königreiches Northumbria.<ref name="enc502">Simon Keynes: Kings of Northumbria. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 502–505.</ref> Er gilt als Heiliger, sein Gedenktag ist der 15. Januar.<ref name="bbkl">Ekkart Sauser: Ceolwulf. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 17, Bautz, Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8, Sp. 233–234.</ref>
Leben
Ceolwulf war der Sohn des Cuthwine. Er führte seine Herkunft auf Ocga, einen Sohn des Dynastiegründers Ida (547–559/560), zurück und gehörte damit einer Nebenlinie des northumbrischen Herrscherhauses an.<ref name="odnb-osred1">Vorlage:OxfordDNB/core</ref> Die Angelsächsische Chronik bezeichnet Ceolwulf als Sohn eines Cutha und Enkel Cuthwines.<ref>Angelsächsische Chronik zum Jahr 729</ref>
Herrschaft
Bis 716 hatten die Nachfahren Æthelrics (568–572) in Northumbria geherrscht. Nach dem Tod Osreds I. (706–716) ging das Königtum an Ceolwulfs älteren Bruder Cenred (716–718) aus dem Haus Ocga über. Nach dessen Tod folgte Osric (718–729) auf den Thron, der wahrscheinlich ein jüngerer Bruder<ref>D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, London / New York 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 123.</ref> Osreds I. war.<ref name="odnb-ceolwulf" /> Während Osrics Regierungszeit lebte Ceolwulf möglicherweise im Exil.<ref>Nicholas J. Higham: (Re-)reading Bede: the ecclesiastical history in context. Routledge, 2006, ISBN 0-415-35368-8, S. 203.</ref> Osric bestimmte kurz vor seinem gewaltsamen Tod<ref>Angelsächsische Chronik zum Jahr 729</ref> am 9. Mai 729 Ceolwulf, den Bruder seines Vorgängers Cenred aus dem Haus Occa (Ocga), das damit endgültig die bisherige Dynastie beerbte, zu seinem Nachfolger.<ref name="odnb-ceolwulf">Vorlage:OxfordDNB/core</ref> Die wechselhaften innerdynastischen Machtverhältnisse deuten auf politische Instabilität während Ceolwulfs Herrschaft hin. Beda Venerabilis erwähnte, dass Ceolwulfs Amtsantritt und der frühe Verlauf seiner Regierung von schwerwiegenden Widrigkeiten und Rückschlägen geprägt waren, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen.<ref name="he5-23">Beda: HE 5, 23</ref> Diese Probleme waren innenpolitischer Natur, da mit den Pikten ein offenbar stabiler Frieden geschlossen worden war, die Iren ruhig blieben und die Briten stark geschwächt waren.<ref name="odnb-ceolwulf" /> Beda widmete ihm 731 seine Geschichte der englischen Kirche, die Historia ecclesiastica gentis Anglorum.<ref name="babs88">Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London / New York 2002, ISBN 0-415-16639-X, S. 88.</ref>
Um 731 wurde Ceolwulf von seinen Gegnern in Klosterhaft genommen, ohne dass die Hintergründe deutlich werden. Wenig später kam er frei und gelangte wieder an die Macht. Da kurz darauf die Bischöfe Acca von Hexham<ref name="hecont">Beda: HE Continuatio</ref> und Wilfrid II. von York ihr Amt niederlegten oder von Ceolwulf abgesetzt wurden, ist anzunehmen, dass diese in die Verschwörung gegen den König involviert waren. In York wurde 732 Ceolwulfs Vetter Ecgberht als neuer Bischof eingesetzt und 735 zum Erzbischof erhoben.<ref name="enc157">Michael Lapidge: Ecgberht. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 157.</ref> Vermutlich hatten Ecgberht und sein Bruder Eadberht, der Ceolwulfs Nachfolger werden sollte, großen Anteil an der erneuten Machtübernahme Ceolwulfs.<ref>Nicholas J. Higham: (Re-)reading Bede: the ecclesiastical history in context. Routledge, 2006, ISBN 0-415-35368-8, S. 200.</ref> Ceolwulf wird oft als ein großer Förderer von Kirchen, Klöstern und Bildung bezeichnet.<ref name="bbkl" /> Ob er selbst lesen und schreiben konnte, ist jedoch fraglich. Die ihm nachgesagte Gelehrsamkeit kann zeitgenössischen Quellen nicht sicher entnommen werden und wird erst in Schriften des 11./12. Jahrhunderts postuliert.<ref>Nicholas J. Higham: (Re-)reading Bede: the ecclesiastical history in context. Routledge, 2006, ISBN 0-415-35368-8, S. 42.</ref>
Kloster
Im Jahr 737 entschloss sich Ceolwulf, seiner Königsherrschaft zu entsagen. Zu seinem Nachfolger als König setzte er seinen Vetter Eadberht ein. Er trat in das Kloster Lindisfarne ein und übertrug dem Kloster Ländereien bei Warkworth (Northumberland). Chronisten des 11. und 12. Jahrhunderts überlieferten, dass er den Mönchen erlaubt haben soll, Wein und Bier zu trinken. Er selbst verbrachte die letzten 27 Jahre seines Lebens in Lindisfarne, wo er wohl am 15. Januar 764 starb und beigesetzt wurde.<ref name="odnb-ceolwulf" />
Verehrung
Am Grab Ceolwulfs sollen sich mehrere Wunder ereignet haben.<ref>Symeon von Durham: Historia regum Anglorum et Dacorum zum Jahr 854</ref> Die Verehrung Ceolwulfs blieb regional begrenzt. Er bildete keinen eigenständigen Kult aus, sondern war an die Verehrung des Heiligen Cuthbert gebunden.<ref>Robert B. Patterson: The Haskins Society Journal. Studies in Medieval History. Band 6. Boydell & Brewer, 1994, ISBN 0-85115-604-5, S. 18–27.</ref> Bischof Ecgred (830–845) verlegte den Bischofssitz zumindest zeitweilig nach Norham-upon-Tweed und überführte den Körper Ceolwulfs dorthin. Bischof Ealdhun (990–1018) verlegte den Bischofssitz im Jahr 995 endgültig von Lindisfarne nach Durham und überführte Ceolwulfs Kopf in die dortige Kirche.<ref name="odnb-ceolwulf" />
Literatur
- Vorlage:OxfordDNB/core
- Nicholas J. Higham: (Re-)reading Bede: the ecclesiastical history in context. Routledge, 2006, ISBN 0-415-35368-8.
- Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London / New York 2002, ISBN 0-415-16639-X.
- Ekkart Sauser: Ceolwulf. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 17, Bautz, Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8, Sp. 233–234.
- D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, London / New York 2000, ISBN 0-415-24211-8.
- N. J. Higham: The Kingdom of Northumbria AD 350–1100. Sutton, Stroud 1993, ISBN 0-86299-730-5.
- David W. Rollason: Northumbria, 500–1100: Creation and Destruction of a Kingdom. Cambridge University Press, 2003, ISBN 0-521-81335-2.
Quellen
- Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum. Online im Medieval Sourcebook (englisch).
- Æthelweard: Chronica.
Weblinks
- Ceolwulf. Foundation for Medieval Genealogy.
- Ceolwulf. In: Catholic Encyclopedia.
- St. Ceolwulf of Northumbria. catholic.org
- Anglian collection. kmatthews.org.uk
Einzelnachweise
<references />
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Osric | König von Northumbria 729–737 | Eadberht |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ceolwulf |
| ALTERNATIVNAMEN | Ceolwulfus; Ceolulf; Ceoluulf; Ceolf; Ciolwulf |
| KURZBESCHREIBUNG | Heiliger, König von Northumbria |
| GEBURTSDATUM | um 700 |
| STERBEDATUM | 15. Januar 764 |
| STERBEORT | Lindisfarne |
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Person (Angeln in Britannien)
- Familienmitglied der Idingas
- König (Northumbria)
- Herrscher (8. Jahrhundert)
- Heiliger (8. Jahrhundert)
- Geboren im 7. oder 8. Jahrhundert
- Gestorben 764
- Mann