Zum Inhalt springen

Certaldo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien

Certaldo ist eine italienische Gemeinde mit Vorlage:EWZ Einwohnern (Stand Vorlage:EWD) im Zentrum des Elsatals in der Metropolitanstadt Florenz.

Geografie

Certaldo liegt rund 40 km südwestlich von Florenz. Das Stadtgebiet wird vom Fluss Elsa durchquert. Das historische Zentrum der Stadt, die Oberstadt (Certaldo Alto) liegt auf einem Hügel, die Unterstadt (Certaldo Basso) unten am Fluss und direkt an der Via Francigena entstand ab dem 17. Jahrhundert. Von der Unterstadt führt eine Standseilbahn in die Oberstadt.

Zu den Ortsteilen zählen Fiano, Sciano, Bagnano und Marcialla.

Die Nachbargemeinden sind Barberino Tavarnelle, Castelfiorentino, Gambassi Terme, Montespertoli und San Gimignano (SI).

Geschichte

Die Ursprünge des Ortes reichen bis in die Zeit der Etrusker zurück, der Ort selbst wurde jedoch erst 1164 erstmals genannt, als Friedrich Barbarossa die Orte Certaldo, Pogni und Semifonte (heute Barberino Val d’Elsa) den Grafen Alberti aus Prato schenkte. In Dantes 16. Gesang des Inferno wird Certaldo ebenfalls erwähnt. Vor allem ist der Ort jedoch bekannt als möglicher Geburtsort<ref>Certaldo kann als Geburtsort nicht als gesichert gelten; auch Florenz wird als Geburtsort angenommen.</ref> und als Sterbeort von Giovanni Boccaccio, der hier auch beerdigt wurde. Der Palazzo Pretorio war Burg der kaisertreuen Grafen Alberti<ref>Vorlage:Webarchiv, abgerufen am 16. Mai 2019 (italienisch)</ref>, die ihren Besitz behielten, als sie sich 1184 dem guelfischen Florenz unterwarfen. 1292 übernahm Florenz die unmittelbare Herrschaft in Certaldo, der Palazzo Pretorio wurde Sitz des Gouverneurs, 1415 dann der Sitz des Vikariats des Elsatals und des Pesatals (Val di Pesa). Die heute noch sichtbaren Wappen an der Außenfassade sowie in der Eingangshalle sind Familienwappen verschiedener Vikare.<ref>Vorlage:Webarchiv, abgerufen am 16. Mai 2019 (italienisch)</ref> Durch die unterhalb des historischen Stadtkerns verlaufende Via Francigena und ihren Handelsströmen vergrößerte sich der Ort im 17. Jahrhundert, der tiefer gelegene Ortsteil erhielt den Namen Certaldo Basso. 1784 verlor der Ort das Vikariat, der Palazzo dei Vicari (Palazzo Pretorio) wurde danach bis 1866 als Rathaus benutzt, als das Rathaus nach Certaldo Basso an die Piazza Boccaccio verlegt wurde. Die 1849 errichtete Bahnstrecke EmpoliSiena mit Haltepunkt in Certaldo Basso brachte weiteren wirtschaftlichen Aufschwung, der durch den Tabak- und Weizenanbau seit dem 19. Jahrhundert verstärkt wurde. Seit den 1980er-Jahren ist der Tourismus ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig.<ref>Vorlage:Webarchiv, abgerufen am 16. Mai 2019 (italienisch)</ref>

Bevölkerungsentwicklung

Jahr 1861 1901 1911 1921 1931 1936 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2016
Einwohner 6.585 9.129 10.439 10.692 11.879 12.094 12.104 13.408 15.614 15.913 15.942 15.670 16.159

Sehenswürdigkeiten in Certaldo Alto

Datei:CertaldoTommasoProspero1.jpg
Die ehemalige Kirche Chiesa dei Santi Tommaso e Prospero in Certaldo Alto
Datei:CertaldoPalazzoStiozziRidolfi.JPG
Palazzo Stiozzi Ridolfi in Certaldo Alto
  • Das Haus des Giovanni Boccaccio in der Via Boccaccio, der Hauptstraße Certaldo Altos, wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombardierung beschädigt, aber nach dem Krieg rasch wieder aufgebaut. Im Inneren befinden sich Fresken von Pietro Benvenuti aus dem Jahr 1826.
  • Der Palazzo Pretorio am oberen Ende der Via Boccaccio stammt in seinen Ursprüngen aus dem 12. Jahrhundert und wurde im 15. und 16. Jahrhundert erweitert.
  • In der ehemaligen Kirche SS Jacopo e Filippo (ca. 12. Jahrhundert) befinden sich die Gräber Boccaccios und der Heiligen Julia von Certaldo; angegliedert ist ein romanischer Kreuzgang und Konvent des Augustinerordens aus dem 14. Jahrhundert, in dem sich seit 2001 das Museo di Arte Sacra (Museum der sakralen Kunst) befindet<ref>Vorlage:Webarchiv, abgerufen am 16. Mai 2019 (italienisch)</ref>.
  • Die ehemalige Kirche Chiesa dei Santi Tommaso e Prospero vom Anfang des 13. Jahrhunderts neben dem Palazzo Pretorio enthält einen Tabernakel von Benozzo Gozzoli aus dem 15. Jahrhundert.
  • Der an der Via Boccaccio gelegene Palazzo Stiozzi Ridolfi stammt aus dem 14. Jahrhundert.
  • Chiesa di Santa Maria, Kirche aus dem 14./15. Jahrhundert im Ortsteil Bagnano, enthielt das Werk Trittico della Madonna con Bambino, San Pietro e San Romolo (um 1315/1320 entstanden, befindet sich heute im Museo di Arte Sacra in Certaldo) von Ugolino di Nerio.
Datei:Certaldo-PalazzoPretorio-Pavek.jpg
Palazzo Pretorio in Certaldo Alto

Stadttore von Certaldo

Von der Stadtbefestigung sind alle drei Stadttore, Porta al Sole, Porta al Rivellino und Porto Alberti, erhalten geblieben und stammen wie die Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Die Porta al Sole war das mittelalterliche Haupttor und ist mit den Wappen der Medici, zur Zeit des Befestigungsbaus Stadtherren, versehen. Der Name Tor zur Sonne entstammt seiner Lage Richtung Süden. Es ist ebenso wie die Porta Rivellino über die südwestlich gelegene Straße Costa Vecchia mit der Via Francigena verbunden, später wurde parallel dazu die modernere Via del Castello erbaut. Das Stadttor Porta Alberti war der südöstliche Zugang zur Francigena und wurde von ihr über die Straße Costa Alberti erreicht. An der Porta Alberti befindet sich heute die Seilbahnstation, die nach Certaldo Basso führt.

Weitere Sehenswürdigkeiten im Gemeindegebiet

  • San Tommaso, Kirche, die 1885 geweiht wurde und neben dem Rathaus in Certaldo Basso an der Piazza Boccaccio entstand.
  • Sant’Andrea del Borgo, Kirche in Certaldo Basso
  • San Donato a Lucardo, Kirche aus dem 10. Jahrhundert.<ref>Chiesa di san Donato a Lucardo bei Beweb (Beni ecclesiastici in web, Ufficio Nazionale per i beni culturali ecclesiastici e l’edilizia di culto), abgerufen am 7. März 2026 (italienisch)</ref>
  • San Francesco d’Assisi, Kapelle in Luia, die 1589 geweiht wurde.
  • San Lazzaro a Lucardo, Kirche aus dem 10. Jahrhundert.<ref>Pieve di San Lazzaro a Lucardo bei Beweb (Beni ecclesiastici in web, Ufficio Nazionale per i beni culturali ecclesiastici e l’edilizia di culto), abgerufen am 7. März 2026 (italienisch)</ref>
  • Santa Margherita, romanische Kirche in Sciano, 998 erstmals dokumentiert.<ref>Chiesa di Santa Margherita a Sciano bei Beweb (Beni ecclesiastici in web, Ufficio Nazionale per i beni culturali ecclesiastici e l’edilizia di culto), abgerufen am 7. März 2026 (italienisch)</ref>
  • Santa Maria, Kirche aus dem 14./15. Jahrhundert im Ortsteil Bagnano, enthielt das Werk Trittico della Madonna con Bambino, San Pietro e San Romolo (um 1315/1320 entstanden, befindet sich heute im Museo di Arte Sacra in Certaldo) von Ugolino di Nerio.

Auszeichnungen

Städtepartnerschaften

Städtepartnerschaften hat Certaldo geschlossen mit den Städten Neuruppin in Brandenburg (Deutschland) im Jahr 1968 und Kanramachi in Japan. Mit Canterbury in der Grafschaft Kent (England) besteht ein Abkommen über freundschaftliche Beziehungen seit 1997, das 2005 erneuert wurde.

Datei:CertaldoMunicipio3.jpg
Rathaus von Certaldo an der Piazza Boccaccio in Certaldo Basso
Datei:CertaldoSantAndreaDelBorgoGaribaldi2.jpg
Sant’Andrea del Borgo, Certaldo Basso

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Ehrenbürger

Literatur

  • Allegri, Francesca/Tosi, Massimo: Certaldo, Federighi Editori, Certaldo 2004, ISBN 88-89159-01-4

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Gemeinden Metropolitanstadt Florenz

Vorlage:Normdaten