Charaton
Charaton war ein Herrscher der europäischen Hunnen im frühen 5. Jahrhundert.
Nur sehr wenig ist über die Person Charatons bekannt. In den Quellen wird eine Gesandtschaft des oströmischen Kaisers erwähnt, an der auch der spätantike Geschichtsschreibers Olympiodoros von Theben teilnahm,<ref>Vgl. Warren Treadgold: The Diplomatic Career and Historical Work of Olympiodorus of Thebes. In: The International History Review 26, 2004, S. 709–733, hier S. 713 f.</ref> dessen Bericht aber nur fragmentarisch erhalten ist. Demnach war Charaton über die Ermordung des Donatus erzürnt, wurde aber von den Römern durch Geschenke besänftigt.<ref>Olympiodoros, Fragment 18 = Fragmenta historicorum Graecorum, Band 4, S. 61.</ref> Unbekannt ist, ob der mit dem Schiff angereiste Olympiodoros ihn über die Adria in der ungarischen Tiefebene oder über das Schwarze Meer in der südrussischen Steppe aufgesucht hat. So ist auch unklar, ob Charaton Einfluss auf die Hunnen an der unteren Donau ausübte und wie groß sein Herrschaftsbereich war, worauf die Angabe, er sei (nur) „der erste unter den Königen der Hunnen“, schließen lässt.<ref>Bodo Anke: Zur Hunnischen Geschichte nach 375. In: Historisches Museum Speyer (Hrsg.): Attila und die Hunnen. Stuttgart 2007, hier S. 42.</ref> Er mag 412/13 eventuell als Nachfolger Uldins als eine Art Oberherrscher über die Hunnen im heutigen Ungarn fungiert haben. Allerdings macht die hier geschilderte Episode wohl eher deutlich, dass es zu dieser Zeit keine einheitliche Führung bei den Hunnen gab.
Etymologie
Der erste Namensbestandteil ist das den altaischen Sprachen gemeinsame Wort xar(a), kara („schwarz“); der zweite ist möglicherweise das alttürkische bzw. hunnische, aus der sakischen Sprache übernommene Lehnwort *taun > ton („Bekleidung“), don im Dialekt von Bursa. Allerdings ist in der Forschung umstritten, welche Sprache (und ob überhaupt nur eine) die Hunnen benutzten, da nur wenige Sprachüberreste überliefert sind.<ref>Vgl. zu diesen unterschiedlichen (bzw. nicht genau definierenden) Möglichkeiten unter anderem Gerhard Doerfer: Zur Sprache der Hunnen. In: Central Asiatic Journal. Bd. 17, Nr. 1, 1973, S. 1–50; Peter B. Golden: Some Thoughts on the Origins of the Turks and the Shaping of the Turkic Peoples. In: Victor H. Mair (Hrsg.): Contact and Exchange in the Ancient World. Honolulu 2006, S. 136–157, hier S. 136; Otto Maenchen-Helfen: Die Welt der Hunnen. Wiesbaden 1997 (ND), S. 255 ff.; Timo Stickler: Die Hunnen. München 2007, S. 23.</ref>
Der zusammengesetzte Begriff xara-ton diente in der älteren türkischen Literatur auch als Bezeichnung für die schwarze Fellfarbe der Pferde, wie sie im Osmanischen Reich bei Beerdigungen hochrangiger Würdenträger eingesetzt wurden. Wenn Charaton Nachfolger des Donatus gewesen sein sollte (was sich allerdings aus den spärlichen Informationen bei Olympiodoros nicht ergibt), nimmt sein Name vielleicht symbolisch Bezug auf seinen ermordeten Vorgänger („Pferd“); allerdings ist dies reine Spekulation. Das Pferd könnte ein totemistisches Stammessymbol sein. Als Personen- und Ortsname wird Xaratum bei den Tschuwaschen verwendet und bezeichnet auch die Vorfahren.<ref>Omeljan Pritsak: The Hunnic Language of the Attila Clan. In: Harvard Ukrainian Studies, Vol. 4, 1982, S. 437 f.</ref> Otto Mänchen-Helfen verweist in diesem Zusammenhang auf den kirgisischen Stammesnamen Bozton („Graumantel“).<ref>Otto Maenchen-Helfen: Die Welt der Hunnen. Wiesbaden 1997 (ND), S. 282.</ref>
Literatur
- {{#switch: 2|1 = Arnold Hugh Martin Jones, John Robert Martindale, John Morris|2 = John Robert Martindale|3A = John Robert Martindale|3B = John Robert Martindale}}: {{ #if:|{{{4}}}|Charaton }}. In: The Prosopography of the Later Roman Empire (PLRE). Band 2, Cambridge University Press, Cambridge {{#switch: 2|1 = 1971|2 = 1980|3A = 1992|3B = 1992}}, ISBN {{#switch: 2|1 = 0-521-07233-6|2 = 0-521-20159-4|3A = 0-521-20160-8|3B = 0-521-20160-8}}, S. 283{{#if:|–{{{3}}}|}}{{#if:|, |}}{{#if: | ({{{5}}})}}.{{#invoke:TemplatePar|match
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- Mischa Meier: Die Hunnen. Geschichte der geheimnisvollen Reiterkrieger. Beck, München 2025, S. 113 f.
- Klaus Rosen: Attila. Der Schrecken der Welt. C. H. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-69030-3, S. 90f.
Anmerkungen
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