Clorazepat
Clorazepat (Clorazepinsäure)<ref name="römpp" /> gehört chemisch zur Substanzklasse der Benzodiazepine und ist ein Arzneistoff (Tranquilizer) aus der Gruppe der Psychopharmaka. Die Säure bildet durch Addition von Wasser an die Carbonylgruppe (C-2) ein Hydrat (geminales Diol). Die Hydroxygruppen sind schwach sauer (pKs 12,5), so dass Clorazepinsäure ein Dikaliumsalz (Dikaliumclorazepat) bildet, das üblicherweise in Medikamenten eingesetzt wird.<ref name="römpp" /> Clorazepat und seine aktiven Metaboliten haben eine vergleichsmäßig lange Halbwertszeit.
Klinische Angaben
Clorazepat wird in erster Linie als Tranquilizer und Mittel gegen Angst- und Panikattacken verschrieben,<ref name="PMID 8099577">N. Sussman: Treating anxiety while minimizing abuse and dependence. In: The Journal of clinical psychiatry, Mai 1993, Band 54 Suppl, S. 44–51; PMID 8099577.</ref> aber auch als Schlafmittel, wenn die Benzodiazepinwirkung am Tag danach ebenfalls erwünscht ist. Auch im stationären Alkoholentzug ist eine Verwendung von Clorazepat möglich, da es gegen auftretende Krampfanfälle wirkt und allgemein den Entzug erleichtert.
Wie alle Benzodiazepine besitzt auch Clorazepat ein primäres Abhängigkeitspotential (siehe dazu auch: Missbrauch von Benzodiazepinen).<ref name="PMID 8099577" />
Pharmakologische Eigenschaften
Obwohl Clorazepat von seiner chemischen Struktur her ein Benzodiazepin ist, so ist die Substanz selbst wegen ihrer niedrigen Rezeptoraffinität kaum die Ursache für die Benzodiazepinwirkung: Das Clorazepat bindet gering an den Rezeptoren, erst sein Hauptmetabolit Nordazepam (Desmethyldiazepam) ist für die Wirkung verantwortlich.<ref name="Freissmuth">Michael Freissmuth, Stefan Offermanns, Stefan Böhm: Pharmakologie und Toxikologie: Von den molekularen Grundlagen zur Pharmakotherapie. Springer Science & Business Media, 2012, ISBN 978-3-642-12353-5, S. 267 ff.</ref> Die Umwandlung findet zum Teil schon kurz nach Einnahme im Magen statt. Damit ist Clorazepat ein Prodrug.<ref>Hans-Hasso Frey, Wolfgang Löscher, Felix R. Althaus: Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinärmedizin. 131 Tabellen, Enke Tiermedizin. Georg Thieme Verlag, 2010, ISBN 978-3-8304-1079-9, S. 146.</ref>
Ein weiterer wirksamer Metabolit des Clorazepats ist das Oxazepam, welches, wie das Nordazepam, ebenfalls als Arzneistoff erhältlich ist. Aufgrund der aktiven Metaboliten ist zu erwarten, dass das Wirkspektrum von Clorazepat in etwa dem des Diazepams entspricht, da dieses ebenfalls in Nordazepam und Oxazepam umgewandelt wird. Die Halbwertszeit von Nordazepam liegt bei 36 bis 200 Stunden. Durch seinen langsamen Abbau im Körper kumuliert es, wie andere Benzodiazepine mit langer Halbwertszeit auch. Clorazepat wird oral nur zu einem geringen Anteil aufgenommen.<ref name="Freissmuth" />
Die Plasmahalbwertszeit von Clorazepat liegt bei zwei Stunden, die der aktiven Metaboliten bei etwa 60 Stunden, woraus eine Wirkungsdauer von etwa 48 Stunden resultiert.<ref name="Freissmuth" /> N-Desmethyldiazepam erreicht seine Steady-State-Konzentration nach 6–11 Tagen.
Darreichungsformen, Dosierung
In Deutschland und der Schweiz ist Clorazepat als Dikalium-Salz (Dikaliumclorazepat) unter dem Handelsnamen Tranxilium in Dosierungen von 5 mg bis 50 mg per Kapsel bzw. Tablette erhältlich. Es existiert auch eine zur Injektion gedachte Flüssigform. Hersteller für Deutschland ist das Pharmaunternehmen Sanofi. Es sind in Deutschland keine Generika erhältlich.
Der internationale Handelsname lautet Tranxene (Tranxillium in Deutschland), Hersteller sind die Abbott Laboratories.
Rechtliches
Clorazepat (Säure und Dikaliumsalz) ist als verkehrsfähiger und verschreibungsfähiger Stoff im BtMG 1981 Anlage III (zu § 1 Abs. 1) gelistet.<ref name="römpp" /> Die sich im deutschen Handel befindlichen Fertigarzneimittel unterliegen aber nur einer gewöhnlichen Rezeptierungspflicht.
Einzelnachweise
<references />
- Wikipedia:Maximale Seitengröße durch Vorlageneinbindungen überschritten
- Wikipedia:Maximale Gesamtgröße der Vorlagenparameter überschritten
- 5-Phenyl-benzodiazepinon
- Carbonsäure
- Chlorbenzol
- Arzneistoff
- Anxiolytikum
- Betäubungsmittel (BtMG Anlage III)
- Psychotropes Benzodiazepin
- Psychotroper Wirkstoff
- Synthetische psychotrope Substanz