Collectio Dacheriana
Die Collectio Dacheriana ist eine systematische Kanones-Sammlung, die um 800 in Südfrankreich entstand und nach Luc d’Achery (1609–1685), dem Herausgeber der ersten und bislang einzigen Ausgabe benannt wurde.
Entstehung und Verbreitung
Der Autor der Dacheriana gehörte wahrscheinlich dem Führungskreis des karolingischen Reformklerus an.<ref>Vgl. Mordek, S. 12f. und Kéry, S. 87.</ref> Konkret wird Agobard, der spätere Erzbischof von Lyon als möglicher Kompilator genannt.<ref>Vgl. Mordek, S. 13 und 259–260</ref> Die Sammlung basiert weitgehend auf der vor 774 im Auftrag von Hadrian I. entstandenen chronologischen Dionysio-Hadriana und der wohl in Toledo entstandenen Hispana systematica. Letztere dürfte zur Entstehungszeit der Dacheriana im fränkische Reich nur in Lyon oder der Umgebung von Lyon bekannt gewesen sein.<ref>Vgl. Mordek, S. 259.</ref> Wie bereits das Vorwort zur Sammlung darlegt, orientierte sich diese eng an den überlieferten Autoritäten und ordnete sie in einer praktisch handhabbaren Form an. Allerdings ist nicht sichergestellt, ob das Vorwort selbst vom selben Autor stammt, da dieses auch unabhängig von der Sammlung verbreitet worden ist.<ref name="Mordek">Vgl. Mordek, S. 260.</ref>
Die Dacheriana erreichte eine recht hohe Verbreitung im 9. und 10. Jahrhundert. Insgesamt sind heute 51 Abschriften aus dieser Zeit erhalten, deren Ursprünge sich über das gesamte fränkische Reich verteilen.<ref>Kéry, S. 87–91 (Liste).</ref> Die handschriftliche Überlieferung ist sehr instabil und teilt sich in zahlreiche, nur teilweise erforschte Fassungen. Üblich ist eine grobe Einteilung danach, ob keine (= Redaktion A), wenig (= AB) oder umfangreiche (= B) Ergänzungen aus den pseudoisidorischen Fälschungen zu finden sind.<ref name="Mordek" />
Editionen
Im späteren Mittelalter geriet die Dacheriana in Vergessenheit. Erst durch die Forschungsaktivitäten des Mauriners Luc d’Achery wurde sie wiederentdeckt. Seine Edition beruht auf der Pariser Handschrift (Paris, BnF, lat. 4287) aus dem 10. Jahrhundert, bei der jedoch das Vorwort und einige Teile fehlen.<ref>Vgl. Kéry, S. 87 und 89.</ref> In der Forschung wird oft die postume Ausgabe von 1723 verwendet.
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1966 gab M. Murjanoff eine Edition der Sankt Petersburger Fragmente heraus, die auf der Handschrift Q.v.II.24 der russischen Nationalbibliothek beruht, die am Ende des 9. Jahrhunderts in Reims entstanden ist.<ref>Kéry, S. 87</ref>
Eine moderne Edition wurde von Gérard Haenni 1956 erwogen,<ref>Vgl. Mordek, S. 261 und Kéry, S. 92.</ref> ist bis heute (2022) aber weder erschienen noch in Arbeit.
Literatur
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- {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}} [Handschriftenliste deutlich über Mordek hinausgehend, reiche Bibliographie.]
Weblinks
- Digitalisat des 805 entstandenen Codex 122 der Dombibliothek zu Köln (Codices Electronici Ecclesiae Coloniensis)
- Digitalisat der Ausgabe von 1723 des Spicilegium sive collectio veterum aliquot scriptorum, herausgegeben von Luc d'Achery und Louis-François-Josef de La Barre (Codices Electronici Ecclesiae Coloniensis)
- Text der Ausgabe von 1723 und einiger weiterer Varianten (Carolingian Canon Law Project)
- Die MGH-Datenbank Clavis canonum erschließt den Inhalt der Sammlung nach Incipit, Explicit, Rubrik, Inskription und anderen Kriterien: Clavis Canonum – Selected Canon Law Collections before 1140.
Anmerkungen
<references />