Conrad Cohn
Conrad Cohn (* 25. November 1901 in Breslau; † 15. August 1942 im KZ Mauthausen) war ein deutscher Jurist und jüdischer Verbandsfunktionär, der Opfer des Holocaust wurde.
Leben
Cohn, Sohn eines Sanitätsrates, beendete seine Schullaufbahn am Breslauer Johannes-Gymnasium und absolvierte danach ein Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Freiburg im Breisgau und Breslau.<ref name="Lowenthal36f">Ernst G. Lowenthal: Bewährung im Untergang, Deutsche Verlags-Anstalt, 1966, S. 36f.</ref> Er promovierte 1924 in Breslau mit der Dissertation Die rechtliche Natur der Girozahlung zum Dr. jur.
Danach war Cohn bis 1933 als Rechtsanwalt am Oberlandesgericht Breslau tätig. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde ihm 1933 ein Berufsverbot erteilt.<ref name="Maierhof193">Gudrun Maierhof: Selbstbehauptung im Chaos: Frauen in der jüdischen Selbsthilfe 1933–1943; Campus Verlag, 2002, S. 193</ref> Anschließend betätigte er sich führend bei der jüdischen Synagogengemeinde Breslau, zuletzt als Verwaltungsdirektor. Ab 1937 war er in Berlin als Dezernatsleiter bei der Reichsvertretung der Deutschen Juden eingesetzt, wohin er berufen wurde.<ref name="Lowenthal36f"/>
Bei der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland leitete er ab Juli 1939 die Abteilung Fürsorge, obwohl er für diese Tätigkeit nicht qualifiziert war bzw. über entsprechende Erfahrung verfügte. In dieser Funktion war er Vorgesetzter von Hannah Karminski (Bereich Allgemeine Fürsorge) und Walter Lustig (Gesundheitsfürsorge).<ref >Gudrun Maierhof: Selbstbehauptung im Chaos: Frauen in der jüdischen Selbsthilfe 1933–1943; Campus Verlag, 2002, S. 193–195</ref> Des Weiteren oblag ihm in Personalunion in der Abteilung Auswanderungsvorbereitung die Berufsausbildung und Berufsumschichtung.<ref>Gudrun Maierhof: Selbstbehauptung im Chaos: Frauen in der jüdischen Selbsthilfe 1933–1943; Campus Verlag, 2002, S. 358</ref> Seine Frau Leonore Henriette war bei der Reichsvereinigung als Stenotypistin beschäftigt. Das Paar hatte eine Tochter (Marianne * 31. März 1931 in Breslau).<ref name="Meyer/Simon/Schütz223">Beate Meyer, Hermann Simon, Chana C. Schütz, Stiftung Neue Synagoge Berlin-Centrum Judaicum: Juden in Berlin 1938-1945, Berlin 2000, S. 223</ref> Die Familie lebte mit Cohns Eltern in der Lietzenburger Straße 8, wo Inge Deutschkron als Haustochter bis April 1940 angestellt war.<ref>Inge Deutschkron: Wir entkamen. Berliner Juden im Untergrund, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Beiträge zum Widerstand 1933 – 1945, Berlin 2007, S. 28f.</ref>
Nach einer Ergänzungswahl rückte Cohn mit Billigung der NS-Aufsichtsbehörde im Februar 1940 in den Vorstand der Reichsvereinigung nach.<ref>Wolf Gruner: Öffentliche Wohlfahrt und Judenverfolgung. Wechselwirkung lokaler und zentraler Politik im NS-Staat (1933–1942), München 2002, S. 222</ref> Im Frühjahr 1942 wurde Cohn inhaftiert und in ein Konzentrationslager deportiert, „weil in einem Kinderheim Vorkriegsseife nicht ordnungsgemäß abgeliefert und verbucht wurde“.<ref name="Meyer/Simon/Schütz297">Beate Meyer, Hermann Simon, Chana C. Schütz, Stiftung Neue Synagoge Berlin-Centrum Judaicum: Juden in Berlin 1938-1945, Berlin 2000, S. 297</ref>
Nach Meyer/Simon/Schütz verstarb Cohn im KZ Sachsenhausen.<ref name="Meyer/Simon/Schütz297"/> Mehrheitlich wird als Sterbeort jedoch das KZ Mauthausen angegeben.<ref>vgl. z. B. bei Wolf Gruner: Öffentliche Wohlfahrt und Judenverfolgung. Wechselwirkung lokaler und zentraler Politik im NS-Staat (1933–1942), München 2002, S. 325</ref> Laut Berthold Simonsohn beging Cohn im KZ Mauthausen Suizid.<ref >Gudrun Maierhof: Selbstbehauptung im Chaos: Frauen in der jüdischen Selbsthilfe 1933–1943; Campus Verlag, 2002, S. 213</ref> Seine Frau und Tochter wurden am 26. Juni 1942 mit dem 16. Osttransport deportiert und ebenfalls Opfer des Holocaust.<ref name="Meyer/Simon/Schütz223"/>
Literatur
- Conrad Cohn, in: E. G. Lowenthal (Hrsg.): Bewährung im Untergang. Ein Gedenkbuch. Stuttgart : Deutsche Verlags-Anstalt, 1965, S. 36f.
- Horst Göppinger: Juristen jüdischer Abstammung im „Dritten Reich“ 2., völlig neubearbeitete Auflage. Beck München 1990, ISBN 3-406-33902-6, S. 240.
Weblinks
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Einzelnachweise
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