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Dakota (Volk)

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Ehemalige Stammesgebiete der Sioux-Gruppen (grün): der Dakota, der benachbarten Nakota (Yanktonai und Yankton) sowie Lakota-Stämme und heutige Reservationen (orange)

Die Dakota oder Dakhóta („Freunde, Verbündete“) sind die östliche Dialekt- und Stammesgruppe der Sioux aus der Sioux-Sprachfamilie. Ursprünglich lebten die Sioux-Stämme im Gebiet westlich der Großen Seen, jedoch wurden später große Gruppen der Sioux von den Anishinabe (Chippewa oder Ojibwe) nach Süden und Westen verdrängt. Auf der Wanderung in ihre neuen Jagdgründe teilten sich die Sioux in drei große regionale Stammesgruppen, die sich im Dialekt und teilweise auch in ihrer Lebensweise und Kultur unterschieden – den westwärts auf die Great Plains gezogenen Lakota (die seitdem auch als Teton oder Thítȟuŋwaŋ – „Bewohner der Prairie, d. h. der Ebenen“ bekannt sind), den Westlichen Dakota (seltener: „Mittlere Dakota“, da sie zwischen den Dakota im Osten und den Lakota im Westen lebten) sowie den im Osten zurückgebliebenen Dakota, die nun zur Unterscheidung oftmals als Östliche Dakhóta bezeichnet werden.

Die Sprecher der einzelnen Dialekte hatten keine Schwierigkeiten, einander zu verstehen. Während Dakhótiyapi (Santee-Sisseton) und Lakȟótiyapi heute noch von vielen Sioux gesprochen wird, ist die Dialektvariante des Dakȟótiyapi (Yankton-Yanktonai) nahezu ausgestorben.

In der Literatur sowie Fachliteratur wurden (werden) die „Östliche Dakhóta“ oftmals auch als Santee-Sisseton oder einfach als Santee-Dakota bzw. Santee-Sioux bezeichnet. Die „Östliche Dakhóta“ sind hierbei jedoch von dem östlichen Sioux-Stamm der Santee (auch: Zantee, Seretee, Seratee, Sattee), die einst entlang des Mittellaufs des gleichnamigen Santee Rivers in South Carolina lebten, zu unterscheiden.<ref>Santee Indians – Native Americans in South Carolina</ref><ref>Southern Santee Tribe</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />SC Commission for Minority Affairs – Federal and State Recognized Native American Entities (Memento vom 14. August 2016 im Internet Archive)</ref>

Očhéthi Šakówiŋ oder die Sieben Ratsfeuer der Sioux

Die Sioux bildeten eine lose Allianz von drei regionalen Dialekt- und Stammesgruppen, die sie Oceti Sakowin oder Očhéthi Šakówiŋ („Das Feuer der sieben Stämme“, „Die sieben Ratsfeuer“)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />History of the Council Fires. (Memento vom 25. Februar 2010 im Internet Archive)</ref> nannten, da sie aus sieben Otonwepi (bluts- sowie sprachverwandte Untergruppen; Singular: Otonwe bzw. Tȟuŋwaŋ) bestanden.<ref>Beginning Dakota – Lesson One: The Dakota People</ref> Zu den Očhéthi Šakówiŋ gehörten (von Ost nach West) die vier Otonwepi der Östlichen Dakota (Mdewakanton, Wahpekute, Sisseton und Wahpeton), die zwei Otonwepi der Westlichen Dakota (Yankton und Yanktonai) sowie als größte Otonwe/Tȟuŋwaŋ die Lakota/Teton selbst:

1. Östliche Dakota oder Dakhóta (auch: Santee-Sisseton oder Santee)

  • Santee (Isáŋyathi – ‘Knife Makers’) oder „Upper Council of the Dakota“, „Upper Sioux“
    • Mdewakanton oder Mdewakaŋtoŋwaŋ / Bdéwákhathuŋwaŋ (‘Dwellers of the Spirit Lake/Sacred Lake’ – „Bewohner/Volk des/am Bdé Waḳaŋ / Mde Waḳaŋ, d. h. Mille Lacs Lake“)
    • Wahpekute oder Waȟpékhute (‘Shooters Among the Trees’ – „Schützen im Laubwald“, nomadisierende Gruppe, daher fehlt der Namenszusatz Tȟuŋwaŋ bzw. Othúwahe – „Dorf“ oder „Siedler“)
  • Sisseton oder „Lower Council of the Dakota“, „Lower Sioux“
    • Sisseton oder Sisíthuŋwaŋ (‘Dwellers in the Swamps’, ‘Fish Ground Dwellers’, ‘Marsh Dwellers’, ‘People of the Marsh’)
    • Wahpeton oder Waȟpéthuŋwaŋ (‘Dwellers Among the Leaves’)

2. Westliche Dakota oder Dakȟóta (auch: Yankton-Yanktonai), früher fälschlich als Nakota bezeichnet (dem Autonym der feindlichen Stoney und Assiniboine)<ref>da nur unter den Assiniboine und Stoney das Autonym Nakota (Nakoda) üblich ist und die Yankton/Yanktonai sowie die Santee-Dakota sich beide als Dakota bezeichnen, werden die Yankton/Yanktonai zur Abgrenzung von den Dakota (Östliche Dakota) als Westliche Dakota bezeichnet, daher ist es heute umstritten, den Begriff „Nakota“ als Bezeichnung für die Yankton/Yanktonai zu gebrauchen</ref><ref>Jan Ullrich: New Lakota Dictionary. (Incorporating the Dakota Dialects of Yankton-Yanktonai and Santee-Sisseton), Lakota Language Consortium 2008, ISBN 978-0-9761082-9-0, S. 2.</ref>

  • Yankton oder Iháŋktȟuŋwaŋ (‚People of the End [of the Village]‘, ‚Village at the End‘)
  • Yanktonai oder Iháŋktȟuŋwaŋna (‚People of the End [of the Little Village]‘, ‚Little Dwellers at the End‘, ‚Little Village at the End‘)

3. Lakota oder Thítȟuŋwaŋ / Teton („Bewohner der Prairie, d. h. der Ebenen“)

Die Mdewakanton waren bis zum Aufstand der Östlichen Dakota 1862 in Minnesota die führende Otonwe / Tȟuŋwaŋ der Očhéthi Šakówiŋ, mussten aber als Folge der Niederlage, bei der sie große Verluste an Menschen und Kampfkraft erlitten, ihre Stellung innerhalb der Allianz an die größte Óšpaye/Oyate (Stamm) der Lakota, den Oglala, abtreten.

Ursprünglich zählten die Assiniboine (und deren enge Verwandte die Stoney) ebenfalls zu den Sioux-Völkern, hatten sich jedoch bereits Mitte des 17. Jahrhunderts mit den zahlreicheren Woodland und Plains Cree verbündet und eine starke Handels- und Militärallianz gegründet, die bald als Cree-Assiniboine bzw. Cree-Konföderation oder Iron Confederacy („Eiserne Konföderation“) bezeichnet wurde, die verbündeten Stämme bezeichneten diese Allianz nach den zwei dominierenden Völkern einfach als Nehiyaw-Pwat (in Cree: Nehiyaw – „Cree“ und Pwat oder Pwat-sak – „Sioux (Feinde)“). Bereits im 17. Jahrhundert berichteten die europäischen Händler und Reisenden, dass die Assiniboine als Zweitsprache das Cree nutzen – viele Cree Bands sprachen ebenfalls Assiniboine. Als mächtige Zwischenhändler im Pelzhandel gelangten diese daher auch an europäische Waffen und diese bessere Waffenausrüstung gestattete der Cree-Assiniboine-Konföderation die Expansion nach Westen, Süden und Norden, wobei sie militärisch gegen die Chipewyan im Norden und die Dakota im Süden (1670–1700) vorgingen. Spätestens als Anfang des 18. Jahrhunderts sich west- und südwestwärts gezogenen Bands der Manitoba Saulteaux/Westliche Saulteaux (Plains Ojibwe) (Erzfeinde der Sioux-Völker) der Cree-Assiniboine-Konföderation anschlossen und nun gemeinsam gegen benachbarte Stämme vorgingen, betrachteten die Sioux (Östliche Dakota, Westliche Dakota und Lakota) die Assiniboine und Stoney nicht mehr zu den Očhéthi Šakówiŋ / Oceti Sakowin zugehörig – da diese nun zu ihren Feinden zählten, wurden sie einfach als Hohe („Rebellen“) bezeichnet.

Stämme und Bands der Östlichen Dakhóta (Santee-Sisseton)

Die Östlichen Dakhóta umfassten vier Otonwepi (bluts- sowie sprachverwandte Untergruppen; Singular: Otonwe bzw. Tȟuŋwaŋ) – die Mdewakanton und Wahpekute (oft gemeinsam als Santee bezeichnet) sowie die Sisseton und Wahpeton (oft gemeinsam als Sisseton bezeichnet), die wiederum in zahlreiche separate Thiyóšpaye (Bands) aufgeteilt waren:

  • Santee (Isáŋyathi – ‘Knife Makers’) oder „Upper Council of the Dakota“, „Upper Sioux“
    • Mdewakanton oder Mdewakaŋtoŋwaŋ / Bdéwákhathuŋwaŋ (‘Dwellers of the Spirit Lake/Sacred Lake’ – „Bewohner/Volk des/am Bdé Waḳaŋ / Mde Waḳaŋ, d. h. Mille Lacs Lake“)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mdewakanton divisions (Memento vom 17. Januar 2013 im Internet Archive)</ref>
    • Wahpekute oder Waȟpékhute (‘Shooters Among the Trees’ – „Schützen im Laubwald“, nomadisierende Gruppe, daher fehlt der Namenszusatz Tȟuŋwaŋ bzw. Othúwahe – „Dorf“ oder „Siedler“)<ref>Jessica Dawn Palmer: The Dakota Peoples: A History of the Dakota, Lakota and Nakota Through 1863,Kap. 4</ref>
  • Sisseton oder „Lower Council of the Dakota“, „Lower Sioux“
    • Sisseton oder Sisíthuŋwaŋ (‘Dwellers in the Swamps’, ‘Fish Ground Dwellers’, ‘Marsh Dwellers’, ‘People of the Marsh’ – „Volk der Sümpfe“)
    • Wahpeton oder Waȟpéthuŋwaŋ (‘Dwellers Among the Leaves’ – „Bewohner unter den Blättern/Volk, das unter den Blättern wohnt, d. h. im Laubwald“, Hinweis auf ihre gegenüber den anderen Östlichen Dakota größere Sesshaftigkeit)

Manchmal werden jedoch die hier als Otonwepi bezeichneten vier Gruppen der Östlichen Dakhóta innerhalb der Očhéthi Šakówiŋ („Sieben Ratsfeuer der Sioux“ – bestehend aus sieben Otonwepi) nicht als Otonwepi (Untergruppen), sondern als Óšpayepi/Oyate betrachtet (im Sinne von Bands begriffen; im Unterschied zum Otonwepi-Konzept, das unter dieser Bezeichnung Stämme versteht), die nach dieser Auffassung mehrere Thiyóšpaye (Großfamilien; im Unterschied zum Otonwepi-Konzept, das unter dieser Bezeichnung Bands versteht) umfassten, die sich wiederum aus zahlreichen Thiwáhe/Tiwahe (Kernfamilien) zusammensetzten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Sota Iya Ye Yapi On-Line – Dakota History and Culture – Brief Historical Overview of the Sisseton-Wahpeton Oyate Of the Lake Traverse Reservation South/North Dakota (IDENTITY OF BANDS) (Memento vom 5. März 2015 im Internet Archive)</ref> Im Otonwepi-Konzept ist die Thiyóšpaye hingegen eine Band, die sich wiederum in mehrere Wicoti (Lokalgruppen – bestehend aus einer bzw. mehrerer Großfamilien) unterteilt, wobei die kleinste soziale Einheit die Thiwáhe/Tiwahe (Kernfamilie) bildet.

Man vermutet, dass die Mdewakanton / Mdewakaŋtoŋwaŋ / Bdéwákhathuŋwaŋ die Ursprungsgruppe bildeten, von der sich die anderen drei Östlichen Dakhóta-Gruppen (Otonwepi), die Sisseton / Sisíthuŋwaŋ, die Wahpeton / Waȟpéthuŋwaŋ sowie die Wahpekute / Waȟpékhute, irgendwann getrennt haben. Einst wurden nur die Mdewakanton und später die eng verwandten und verbündeten Wahpekute als „Santee“ bezeichnet, später übertrug man diese Bezeichnung auf alle Otonwepi (Gruppen) der Östlichen Dakhóta, so dass man heute unter „Santee“ meist die ganze Stammesgruppe versteht. Dies verdeutlicht nochmals ihre große Bedeutung innerhalb der Östlichen Dakhóta; zudem waren wie bereits erwähnt die Mdewakanton innerhalb der Očhéthi Šakówiŋ („Sieben Ratsfeuer der Sioux“) die führende Otonwe / Tȟuŋwaŋ.

Kultur und Lebensweise

Die Dakota ähnelten kulturell den Algonkin und gehörten somit eher zum Kulturareal des nordöstlichen Waldlandes als zur Plainskultur. Ihre Jagdbeute waren Hirsche, Rehe und Niederwild, aber auch Bisons, sie betrieben Fischfang mit Speeren und großen Netzen und bauten neben Bohnen, Kürbissen und Tabak auch Mais an. Sie gewannen Zucker aus Ahornsirup und ernteten Wildreis. Ahornsirup wurde durch Anzapfen der Bäume gewonnen und den aufgefangenen Saft kochte man so lange, bis eine dicke, stark süße, braune Flüssigkeit entstand, die zum Süßen der Nahrung diente. Wildreis wuchs vorwiegend im Gebiet der Großen Seen. Die im Spätsommer reifen, länglichen dunklen Körner wurden von Booten aus geerntet. Die Halme wurden ins Boot gebeugt und die Reiskörner mit Stöcken aus den Ähren gedroschen. Dabei fielen auch genügend Körner ins Wasser, um somit die Saat für das nächste Jahr zu bilden. Im Frühjahr und Sommer lebten sie in festen Siedlungen, die aus rechteckigen Rindenhäusern mit Giebeldächern bestanden. Auf der Jagd wurde das Tipi bevorzugt, aber auch der Wigwam der Algonkinstämme.

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Dakota-Krieger Wahk-tä-ge-li, Bild von Karl Bodmer

Geschichte

Die ersten Weißen, die mit den Dakota in Berührung kamen, waren die französischen Entdecker Pierre-Esprit Radisson und Médard des Groseilliers im Jahr 1659. Der Pelzhandel mit den Franzosen führte zu einer Konföderation mit den Anishinabe, die von 1679 bis 1736 bestand. Danach wurden die Dakota vom Oberen See von ihren ehemaligen Bundesgenossen aus den nördlichen Gebieten nach Süden und Westen vertrieben und fanden bis 1780 eine neue Heimat im heutigen südlichen Minnesota. Bis zum Ende des Britisch-Amerikanischen Krieges von 1812 waren sie mit den Briten verbündet.

1851 verkauften die Dakota einen Großteil ihres Stammesgebietes in Minnesota an die Vereinigten Staaten. Sie erhielten dafür im Gegenzug eine Reservation am Minnesota River, eine Einmalzahlung von 1.665.000 Dollar und das Versprechen auf jährliche Warenlieferungen zur Versorgung. In der Folge gab es Versuche, die Dakota zu sesshaften Farmern zu machen, die besonders unter den Mdewakanton einigen Erfolg hatten. Einer der Vorreiter war dabei der einflussreiche Häuptling Little Crow oder Taoyateduta, zugleich auch einer der Unterzeichner des Vertrags von 1851.

Die Reservation der Dakota wurde 1858 weiter verkleinert, als Minnesota als Bundesstaat die Aufnahme in die Vereinigten Staaten erlangte. Ihr Gebiet bot den Indianern nicht mehr genug Raum, um für sich selbst zu sorgen, so dass sie vollends von den Lieferungen der Regierung und von korrupten weißen Händlern abhingen. 1861 verschlechterte sich die Lage der Dakota noch weiter. Eine Missernte zwang sie, Nahrungsmittel auf Kredit bei den Händlern zu kaufen und sich zu verschulden. 1862 verzögerten sich außerdem die Zahlungen der US-Regierung aufgrund des Sezessionskrieges. Die folgende Hungersnot in der Reservation führte zum Sioux-Aufstand von 1862 in Minnesota. Besonders betroffen von dem Dakota-Aufstand war die Stadt New Ulm und ihre Umgebung<ref>Jürgen Gerner: Dakota-Aufstand und deutsche Auswanderer, Minnesota im Jahre 1862. 2021, abgerufen am 12. November 2021.</ref>. Am 23. September kam es am Wood Lake zur entscheidenden Schlacht. Ein Versuch Little Crows, die Soldaten unter Colonel Henry Hastings Sibley in einen Hinterhalt zu locken, scheiterte und die Amerikaner entschieden das zweistündige Gefecht für sich. Der größte Teil der Dakota gab den Kampf auf und ließ seine Gefangenen frei. Der Aufstand war damit praktisch beendet, er hatte etwa 500–800 Weiße das Leben gekostet. Die Zahl der Opfer auf der Seite der Dakota ist unbekannt.

Datei:Execution of 38 Sioux Indians at Mankato Minnesota 1862 (cleaned).jpg
Exekution der 38 Dakota

Sechs Wochen nach dem Ende des Aufstandes wurden 392 Dakota vor Militärtribunale gestellt. In Prozessen, die teilweise nur fünf Minuten dauerten, wurden 303 von ihnen wegen Vergewaltigung und Mord zum Tode verurteilt. Dagegen regte sich jedoch öffentlicher Protest, so unter anderem auch vom Bischof der Episkopalkirche von Minnesota, Henry B. Whipple. Whipple reiste sogar eigens nach Washington, um Präsident Abraham Lincoln um Gnade zu bitten. Lincoln ließ den größten Teil der Todesurteile in Haftstrafen umwandeln.

Der Präsident bestätigte nur die Todesurteile derer, denen man Vergewaltigung und Mord von Zivilisten nachweisen konnte. Am 26. Dezember 1862 wurden daraufhin 38 Dakota bei der größten Massenexekution der amerikanischen Geschichte in Mankato in Minnesota öffentlich gehängt.<ref>479: Little War on the Prairie. In: This American Life. 23. November 2012, abgerufen am 4. Februar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Häuptling Little Crow war mit einigen Getreuen zu anderen Sioux in die Prärie geflohen, kehrte später zurück und wurde am 3. Juli 1863 beim Beerensammeln von einem Farmer erschossen. Viele Santee, vor allem Sisseton und Wahpeton, flohen nach Kanada.<ref>Peggy R. Larson: A New Look At The Elusive Inkpaduta. In: Minnesota Historical Society Press. Band 1, 1982, S. 34.</ref> Der Aufstand der Dakota war die erste kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Sioux und den Vereinigten Staaten. Es folgten viele weitere blutige Konflikte in den nächsten beiden Jahrzehnten, bis der Krieg im amerikanischen Westen schließlich 1890 mit dem Massaker von Wounded Knee sein Ende fand.

Heutige Stämme und First Nations der Dakota

Stämme in den USA

Die verschiedenen Stämme und Gruppen der Dakota wurden nach der Niederschlagung des Aufstands von 1862 in Reservate in Minnesota, Montana, Nebraska, North Dakota und South Dakota<ref>die Dakota waren namensgebend für die beiden heutigen US-Bundesstaaten North und South Dakota</ref> umgesiedelt und sind heute, meist zusammen mit Angehörigen der Nakota- und Lakota-Stammesgruppen der Sioux sowie Anishinabe und Assiniboine, in folgenden elf auf Bundesebene anerkannten Stämmen (federally recognized tribes) organisiert und eingeschrieben; einzig die Mendota Mdewakanton Dakota Community ist auf Bundesebene nicht als Stamm anerkannt, auch verweigert Minnesota ihnen die state recognition als Stamm:

Vereinigte StaatenNorth Dakota

  • Spirit Lake Tribe (Mni Wakan Oyate)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Homepage des Spirit Lake Tribe (Mni Wakan Oyate) (Memento vom 17. Juli 2012 im Internet Archive)</ref> (die Spirit Lake Reservation (vormals: Devil's Lake Reservation), umfasst ca. 1.049 km², das größte Gewässer ist der Devils Lake, mit ca. 900 km² der größte Natursee des Staates, der sich über 320 km erstreckt, bedeutendster Fluss ist der Sheyenne River, der das Reservat auf ca. 80 km durchfließt und im Süden begrenzt. Verwaltungssitz: Fort Totten, North Dakota, Stammesgruppen: Dakota, Nakota, Stämme: Dakota: Sisseton (Sisituwan), Wahpeton und andere Gruppen. Yanktonai: Cutheads (Pabaksa, Paksa oder Natakaksa) der Upper Yanktonai (Ihanktonwana), Stammesmitglieder gesamt (Weiße und Indianer): 6.748, hiervon leben 4.238, darunter 3.587 Sioux, im Reservat)

Vereinigte StaatenSouth Dakota

Vereinigte StaatenMinnesota

Vereinigte StaatenNebraska

  • Santee Sioux Nation<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Homepage der Santee Sioux Nation (Memento vom 21. Januar 2013 im Internet Archive)</ref> (auch Santee Sioux Tribe of Nebraska,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Santee Sioux Tribe of Nebraska (Memento vom 17. Oktober 2019 im Internet Archive)</ref> die Santee Sioux Reservation umfasst ca. 447,84 km² im Knox County, im Norden durch den Missouri River begrenzt erstreckt sie sich südwärts über ca. 27 km, sowie von Ost nach West über ca. 21 km. Die Mehrheit der Bevölkerung wohnt im Dorf Santee entlang des Missouri River im Nordwesten der Reservation, Verwaltungssitz ist Niobrara, Nebraska, Stammesgruppe: Dakota, Stämme: Mdewakanton, Wahpekute, ca. 878 Stammesmitglieder lebten 2000 auf der Reservation, hiervon waren 64,10 % Indianer (meist Sioux) und 33,70 % Weiße)

Vereinigte StaatenMontana

First Nations in Kanada

Die Nachkommen der nach dem Aufstand von 1862 nordwärts nach Kanada flüchtenden Dakota sind heute Stammesmitglieder, manchmal zusammen mit Westlichen Saulteaux, Cree und Assiniboine (Nakota) sowie einigen Yanktonai, in neun First Nations (manchmal auch Bands genannt) in den Prärieprovinzen Manitoba und Saskatchewan in Kanada:

KanadaManitoba

Dakota Ojibway Tribal Council

  • Birdtail Sioux First Nation (der Verwaltungssitz Beulah befindet sich auf dem bevölkerungsreichsten und größten Reservat Birdtail Creek #57, ca. 96 km nordwestlich von Brandon, das direkt am Assiniboine River im Südwesten von Manitoba liegt, Stammesgruppe: Dakota, Stämme: Mdewakanton, Wahpekute sowie einige Yanktonai, Reservate: Birdtail Creek #57, Birdtail Hay Lands #57A, Fishing Station #62A,<ref>das Reservat wird von drei Dakota First Nations geteilt: Birdtail Sioux First Nation, Canupawakpa Dakota First Nation und Sioux Valley First Nation</ref> ca. 28,85 km², von den 805 Stammesmitgliedern leben 410 auf der Reservation)

Independent First Nations

  • Canupawakpa First Nation<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> (auch Canupawakpa Dakota Nation, die First Nation lebt ca. 72 km südwestlich von Brandon, ca. 27 km südlich von Virden, Manitoba sowie 6 km nördlich von Pipestone, Manitoba, dem Verwaltungssitz. Die Stammesmitglieder haben ihre Sprache beibehalten und ihre Kultur bewahrt. Stammesgruppen: Dakota, Nakota, Stämme: Wahpekute, Wahpeton, Yanktonai, Reservate: Canupawakpa Dakota First Nation, Fishing Station #62A, Oak Lake #59A, ca. 11,53 km², von den 661 Stammesmitgliedern leben 298 auf den Reservationen)
  • Dakota Plains First Nation (auch Dakota Plains Wahpeton First Nation, Verwaltungssitz ist Portage la Prairie, ca. 70 km westlich von Winnipeg am Assiniboine River nahe dem Lake Manitoba, das größte Reservat #6A befindet sich ca. 30 km südwestlich von Portage la Prairie und 104 km südwestlich von Winnipeg, 1972 teilte sich die Siedlung Sioux Village nahe Portage La Prairie in zwei First Nations – die Dakota Tipi First Nation, nahe Portage La Prairie und Dakota Plains First Nation, welche an die Long Plain First Nation grenzt, Stammesgruppe: Dakota, Stämme: Wahpeton, Sisseton, Reservat: Dakota Plains #6A, ca. 5,30 km², von den 260 Stammesmitgliedern leben 163 auf der Reservation)
  • Dakota Tipi First Nation<ref>Homepage der Dakota Tipi First Nation</ref> (1972 teilte sich die Siedlung Sioux Village nahe Portage La Prairie in zwei First Nations – die Dakota Tipi First Nation, nahe Portage La Prairie, ca. 80 km westlich von Winnipeg, und Dakota Plains First Nation, welche an die Long Plain First Nation grenzt, die Stammesmitglieder sprechen Dakota, jedoch die meisten bevorzugen Canadian English, Stammesgruppe: Dakota, Stamm: Wahpeton, Reservat: Dakota Tipi #1, ca. 0,59 km²)
  • Sioux Valley Dakota First Nation<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Homepage der Sioux Valley Dakota First Nation (Memento vom 3. Januar 2013 im Internet Archive)</ref> (vormals: Oak River Sioux Band, für die heutige First Nation wurde 1873 unter der Führung von Wambdiska (Dolmetscher), Tahampagda (Rattling Moccasins) und dem Häuptling Taninyanhdinazin (Came into sight) 43 km nordwestlich von Brandon, Manitoba, das Oak River Reserve (‘Wipazoka Wakpa’, später Sioux Valley Dakota Nation genannt) errichtet, Verwaltungssitz ist Griswold, Manitoba, Stammesgruppe: Dakota, Stämme: Sisseton, Wahpeton, sowie einige Mdewakanton und Wahpekute, Reservate: Fishing Station #62A, Sioux Valley Dakota Nation, ca. 42,01 km², von den 2.434 Stammesmitgliedern leben 1.368 auf der Reservation)

KanadaSaskatchewan

File Hills Qu'Appelle Tribal Council<ref>Homepage des File Hills Qu'Appelle Tribal Council</ref>

  • Standing Buffalo Dakota First Nation<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> (benannt nach Häuptling Tatankanaje (Standing Buffalo), der zusammen mit Häuptling Wapahska (Whitecap), nach dem Sioux-Aufstand von 1862 in Minnesota nach Norden in die Plains von Kanada floh, liegt das Reservat der First Nation ca. 8 km nordwestlich von Fort Qu'Appelle im Süden von Saskatchewan, Verwaltungssitz ist Fort Qu'Appelle, Stammesgruppe: Dakota, Stämme: Sisseton, Wahpeton, einige Wahpekute, Reservat: Standing Buffalo #78, ca. 22,46 km², von den 1.212 Stammesmitgliedern leben 444 auf der Reservation)

Saskatoon Tribal Council<ref>Homepage des Saskatoon Tribal Council</ref>

  • Whitecap Dakota First Nation #94<ref>Homepage der Whitecap Dakota First Nation #94</ref> (vormals: Moose Woods Sioux Band, Häuptling Wapahska (Whitecap) floh zusammen mit Häuptling Tatankanaje (Standing Buffalo) nach dem Sioux-Aufstand von 1862 nach Norden in die Plains von Kanada, Ende der 1860er jagte diese Stammesgruppe vom heutigen Saskatoon am South Saskatchewan River nordwestlich bis zum North Saskatchewan River sowie westwärts bis zu den Cypress Hills in Alberta, traditionellen Stammesgebieten ihrer vormaligen Feinde – der Plains Assiniboine und Plains Cree, das heutige Reservat Whitecap #94 liegt 29 km südlich von Saskatoon entlang des Chief Whitecap Trail (Hwy 219), im Westen wird es durch den South Saskatchewan River und im Osten durch die Dundurn Militärbasis (CFAD Dundurn) begrenzt, Verwaltungssitz ist Whitecap, Saskatchewan, Stammesgruppe: Dakota, Stämme: Wahpeton, Sisseton, Reservat: Whitecap #94, ca. 18,95 km², von den 600 Stammesmitgliedern leben 283 auf der Reservation)

Prince Albert Grand Council (PAGC)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Homepage des Prince Albert Grand Council (PAGC) (Memento vom 7. Februar 2012 im Internet Archive)</ref>

  • Wahpeton Dakota First Nation (vormals: Round Plain Sioux Band, die Vorfahren der heutigen First Nation jagten im kanadisch-amerikanischen Grenzgebiet, bevor sie unter Häuptling Hupa-yaktao 1878 ins Gebiet rund ums heutige Prince Albert am North Saskatchewan River zogen, die beiden Reservate liegen ca. 15 km nordwestlich von Prince Albert, Saskatchewan, Stammesgruppen: Dakota, Westliche Saulteaux, Stämme: Wahpeton, Saulteaux (eine Gruppe der Anishinabe), Reservate: Wahpaton #94A, #94B, ca. 15,47 km², von den 489 Stammesmitgliedern leben 294 auf den Reservationen)

Southeast Treaty #4 Tribal Council (SET4)

  • White Bear First Nations<ref>Homepage der White Bear First Nations</ref> (Häuptling Wahpemakwa unterzeichnete 1875 den Treaty No. 4 für seine aus 24 Familien und 82 Mitglieder zählende Gruppe, das Hauptreservat White Bear #70 der First Nations liegt 13 km nördlich von Carlyle in Saskatchewan entlang des Highway 9, Stammesgruppen: Cree, Westliche Saulteaux, Assiniboine (Nakota) und Dakota, heute werden noch Cree, Saulteaux (Nakawēmowin)<ref>auch Westliches Ojibwa, Plains Ojibway, Ojibway oder Ojibwe genannt</ref> und Assiniboine (Nakota)<ref>auch Hohe, Nakoda, Nakona oder A' M̆oqazh genannt</ref> gesprochen, Reservate: Pheasant Rump #68 (10 km nördlich von Kisbey), Treaty 4 Reserve Grounds #77 (westlich angrenzend zu Fort Qu'Appelle), White Bear #70 (30 km nördlich von Carlyle), ca. 172,30 km², von den 2.493 Stammesmitgliedern leben 826 auf den Reservationen)

Bekannte Dakota

  • Einer der namhaftesten Dakota ist der Schauspieler und Sänger Floyd Westerman. Bekannt wurde er vor allem durch seine Rolle als Häuptling "Zehn Bären" in Kevin Costners Filmepos Der mit dem Wolf tanzt.
  • Die indianische Schriftstellerin, Musikerin und Aktivistin Zitkala-Ša, eine Yankton-Dakota, wurde durch ihre Schriften und ihr politisches Wirken für die Verbesserung der Lebensumstände der nordamerikanischen Indianer bekannt.
  • Angelique EagleWoman ist eine Rechtswissenschafterin, die sich für indigene Völker einsetzt.

Siehe auch

Liste indigener Völker Nordamerikas, Sioux-Aufstand

Literatur

  • Raymond J. DeMallie (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Band 13: Plains. Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 2001, ISBN 0-16-050400-7.
  • Peggy R. Larson: A New Look At The Elusive Inkpaduta. In: Minnesota Historical Society Press. 1/1982, S. 24–35.
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834. 2 Bände, mit Illustrationen von Karl Bodmer. Koblenz 1840–41. (Reprint: L. Borowsky, München, 1979)
  • Benjamin Capps: Die Indianer. (= Der Wilde Westen). Time-Life Books (Netherland) B.V., 1980.
  • Jürgen Gerner: Dakota-Aufstand und deutsche Auswanderer – Minnesota im Jahre 1862, 2021, ISBN 979-8576610549
  • Simons, Berthold: Grammatik des Dakota. Grundzüge des Santee-Sisseton Dialekts. Studies in Native American Linguistics 89. LINCOM Verlag München. 2024.

Weblinks

Commons: Dakota – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Karl Bodmer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />