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Daniel Tammet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Daniel Tammet Paris portrait.jpg
Daniel Tammet im Palais de la découverte, Paris (2018)

Daniel Paul Tammet (ursprünglich Daniel Paul Corney; * 31. Januar 1979 in London) ist ein britischer Schriftsteller und ein „Savant“ mit mehreren Inselbegabungen. Er ist ein Rechenkünstler, hat enorme Fähigkeiten im Bereich Gedächtnis und kann in sehr kurzer Zeit eine neue Sprache lernen. Er lernte zehn Fremdsprachen. Im Jahr 2005 wurde er durch einen Dokumentarfilm international als Savant bekannt. Im nächsten Jahr erschien seine Autobiografie, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurde. Danach veröffentlichte er weitere Sachbücher sowie einen Roman und Gedichte.

Leben

Kindheit und Schulzeit

Daniel Tammet wuchs in London als ältestes von neun Kindern in einer Arbeiterfamilie auf. Sein Vater arbeitete in einer Autofabrik, seine Mutter in einem Büro.<ref name="metro.co.uk 2012">Daniel Tammet: Having a big family was very stimulating for my autism metro.co.uk, 14. August 2012. (Aussagen von Tammet aus einem Interview mit der Zeitung Metro anlässlich des Erscheinens seines Buchs Thinking in Numbers.)</ref> Im Alter von vier Jahren erlitt er einen schweren epileptischen Anfall, den er nach eigenen Angaben nur überlebte, weil sein Vater ihn sofort ins Krankenhaus brachte. Er wurde mit Carbamazepin behandelt.<ref name="dieterwunderlich.de Buch" /> Er erlitt noch einige weniger schwere Anfälle,<ref>Tammet als Gast bei David Letterman, Ausstrahlung am 27. April 2005. Zu „weitere epileptische Anfälle“ siehe 2:37 bis 2:46.</ref> konnte aber nach drei Jahren die medikamentöse Behandlung absetzen.<ref name="dieterwunderlich.de Buch" />

In der Schule galt Tammet als Einzelgänger, er war schüchtern und introvertiert. Vor allem Zahlen faszinierten ihn.<ref name="dieterwunderlich.de Buch" /> Er konnte Stunden damit zubringen, Zahlen miteinander zu multiplizieren, oder er zählte die Haferflocken in seinem Porridge.<ref name="thetimes.com 2012" /> Kommunikation war für ihn schwierig, weil er nonverbale Signale nicht deuten konnte.<ref name="dieterwunderlich.de Buch" /> Er wollte verstehen, wie andere Menschen denken und sich verhalten. Dabei half ihm, dass er von zahlreichen Geschwistern umgeben war.<ref name="metro.co.uk 2012" />

Tammet las in seiner Kindheit sehr viele Bücher. Seit er lesen konnte, ließ er sich jeden Tag von seinen Eltern zur städtischen Bibliothek bringen, immer nach der Schule, aber auch in den Schulferien. Dort las er stundenlang, oft bis zum Ende der Öffnungszeit. Mit Vorliebe las er in Enzyklopädien, aus denen er Fakten abschrieb, die er sich merken wollte.<ref>Daniel Tammet: Born on a Blue Day. A Memoir of Asperger’s and an Extraordinary Mind. Hodder & Stoughton, London 2006, Kapitel 4: School Days, siehe Ende des Kapitels.</ref> Er las auch gern Autobiografien, um zu erfahren, wie andere Menschen leben und wie sein eigener Lebensweg aussehen könnte.<ref>Vortrag von Tammet beim IdeaFestival 2010, Video (12:38 Min.), siehe 0:47 bis 1:06.</ref> Tammet lieh sich außerdem Bücher aus mehreren Büchereien aus, um sie zuhause zu lesen.<ref name="Open University Ehrendoktor Tammet" /> Wie seine Geschwister las er geliehene Bücher, weil die Familie nicht genug Geld hatte, um Bücher für die Kinder zu kaufen.<ref name="metro.co.uk 2012" />

Im Jahr 1995, im Alter von 16 Jahren, legte Tammet die Prüfungen zum General Certificate of Secondary Education ab. In Geschichte bekam er die Höchstnote A*, in den Fächern Englisch, Englische Literatur, Französisch und Deutsch bekam er die sehr gute Note A. Trotz seiner Begeisterung für Zahlen gehörte Mathematik zu den Fächern, in denen er nur die Note B erhielt, weil ihm Algebra nicht lag. Er entschied sich daraufhin für Geschichte, Französisch und Deutsch als Wahlfächer in den beiden letzten Schuljahren (Advanced Level).<ref name="Autobio Kap. 5">Daniel Tammet: Born on a Blue Day. A Memoir of Asperger’s and an Extraordinary Mind. Hodder & Stoughton, London 2006, Kapitel 5: Odd One Out.</ref>

Nach der Schulzeit

Nach seinem Schulabschluss im Alter von 18 Jahren wollten Tammets Eltern, dass er nun studieren werde, aber er fühlte sich mit dieser Aussicht nicht wohl. Er konnte sich viel besser vorstellen, in einer Bibliothek zu arbeiten oder in einem Postamt Briefe zu sortieren. Als er Stellenangebote in der Zeitung durchsah, fiel ihm eine Anzeige der Hilfsorganisation Voluntary Services Overseas auf, in der junge Leute für freiwillige Einsätze in osteuropäischen Ländern gesucht wurden. Tammet war neugierig; zudem riet ihm ein Freund, ins Ausland zu gehen, um neue Erfahrungen zu sammeln. Seine Bewerbung war erfolgreich. So flog er nach Kaunas in Litauen und arbeitete dort knapp ein Jahr lang ehrenamtlich als Englischlehrer für die Hilfsorganisation.<ref>Daniel Tammet: Born on a Blue Day. A Memoir of Asperger’s and an Extraordinary Mind. Hodder & Stoughton, London 2006, Kapitel 7: Ticket to Kaunas.</ref>

In Litauen gelang es Tammet, Freundschaften zu schließen und am sozialen Leben teilzunehmen, so dass er mit gestärktem Selbstbewusstsein zurückkehrte.<ref>Vortrag von Tammet beim IdeaFestival 2010, Video (12:38 Min.). Zu Litauen siehe ab 2:34, zu der positiven Erfahrung siehe 3:28 bis 3:38.</ref> Nach seiner Rückkehr gab er Kindern Nachhilfe in Rechnen, Schreiben und Lesen und hatte damit erstmals ein eigenes Einkommen. Mit dem Geld konnte er sich einen Computer zulegen.<ref name="dieterwunderlich.de Bio" />

Im Jahr 1999 nahm Tammet, der damals noch Daniel Corney hieß, an der Gedächtnisweltmeisterschaft in London teil und belegte den 11. Platz. Im nächsten Jahr nahm er nochmals teil und wurde Vierter.<ref name="memocamp.com Corney">Ergebnisse der Gedächtnisweltmeisterschaften auf memocamp.com: World Memory Championships 1999 (Platz 11: Daniel Corney), World Memory Championships 2000 (Platz 4: Daniel Corney). Siehe auch Angaben zu Daniel Corney (Daniel Corney = Daniel Tammet).</ref>

Im Jahr 2001<ref name="Foer Kap. 10" /> ließ er seinen Namen ändern. Als Grund gab er später an, er habe das Gefühl gehabt, dass der Name Corney nicht zu ihm passe. Als er das estnische Wort tammed, das „Eichen“ bedeutet,<ref>tammed im Wiktionary.</ref> im Internet sah, gefiel es ihm, zum einen wegen der Bedeutung, zum anderen mochte er Estnisch wegen des Vokalreichtums dieser Sprache. Er entschied sich für den Nachnamen Tammet.<ref>A genius explains theguardian.com, 12. Februar 2005.</ref>

Im Jahr 2002 startete er, nun als Daniel Tammet, die Website Optimnem. Auf dieser bot er anfangs Sprachkurse für Französisch, Englisch und Deutsch sowie einen von ihm selbst entwickelten Kurs für Mathematik und Rechnen an. Das Angebot lautete, die jeweilige Fremdsprache beziehungsweise Mathematik anhand von online zugesendeten Materialien auf eine natürliche und intuitive Art zu lernen und schon nach 10 bis 12 Stunden ein gutes Niveau erreichen zu können.<ref>Ehemalige Website Optimnem von Daniel Tammet, Stand März 2004. Zur Beschreibung der Kurse siehe als Beispiel Optimnem French und Optimnem Maths.</ref> Ab 2006 bot Tammet die Zusendung von Lernmaterialien für Französisch und Spanisch an. Die Website war mit diesem Angebot bis 2021 online.<ref>Ehemalige Website Optimnem von Daniel Tammet, Stand August 2006, zum Angebot siehe Tutorials. Siehe auch Stand August 2021. Ende 2021 war die Website nicht mehr online.</ref>

Der Weg zur Bekanntheit

Ende 2003 schlug Tammet der National Society for Epilepsy (NSE) eine Veranstaltung am nächsten Pi-Tag (14. März) vor, bei der er so viele Nachkommastellen der Kreiszahl Pi wie möglich aus dem Gedächtnis aufsagen würde. Er wollte der Öffentlichkeit demonstrieren, dass die epileptischen Anfälle in seiner Kindheit ihn nicht daran gehindert hatten, außerordentliche geistige Fähigkeiten zu entwickeln. Zugleich könnten Einnahmen für die NSE generiert werden. Die NSE war begeistert und schlug Tammet vor, dass er versuchen sollte, den Europarekord im Pi-Sport zu brechen. Für diesen Rekord musste er mindestens 22.500 Nachkommastellen der Zahl Pi auswendig lernen.<ref>Daniel Tammet: Born on a Blue Day. A Memoir of Asperger’s and an Extraordinary Mind. Hodder & Stoughton, London 2006, Kapitel 10: A Very Large Slice of Pi.</ref>

Der Vorschlag wurde umgesetzt: Am Pi-Tag 2004 stellte Tammet einen neuen Europarekord auf, als er 22.514 Nachkommastellen der Zahl Pi aus dem Gedächtnis aufsagte – 15 Nachkommastellen mehr als beim bisherigen Europarekord aus dem Jahr 1998. Tammet trug Pi vor einem Publikum im Museum of the History of Science der Universität Oxford vor.<ref name="BBC News Pi">Big slice of pi sets new record BBC News, 15. März 2004.</ref> Er brauchte fünf Stunden und neun Minuten,<ref name="dieterwunderlich.de Buch" /> das heißt, er brauchte im Schnitt etwa 0,8 Sekunden pro Nachkommastelle. Tammets Pi-Rekord wurde im Jahr 2005 international bekannt, als der Dokumentarfilm über ihn erschien, in dem auch Szenen dieser Veranstaltung zu sehen waren.<ref>The Boy with the Incredible Brain auf YouTube (48 Min.), siehe 5:28 bis 8:03.</ref>

Im Jahr 2004 galt Tammet als einer von 25 Savants – nur so viele waren dem Experten Darold Treffert damals bekannt, obwohl das Phänomen seit dem Film Rain Man (1988) der Allgemeinheit bekannt war.<ref name="BBC News Pi" /> Nach seinem Pi-Rekord reiste Tammet in die USA, begleitet von einem Filmteam. In Salt Lake City traf er Kim Peek.<ref name="dieterwunderlich.de Bio" /> Er wurde einen Tag lang von V. S. Ramachandran an University of California, San Diego untersucht. In England führte Simon Baron-Cohen an der University of Cambridge Tests mit ihm durch.<ref name="Foer Kap. 10" /> Auch Wissenschaftler in Oxford beschäftigten sich mit ihm.<ref>Tammet als Gast bei David Letterman, Ausstrahlung am 27. April 2005. Zur Untersuchung durch Wissenschaftler siehe 7:20 bis 7:35.</ref> Simon Baron-Cohen diagnostizierte bei Tammet das Asperger-Syndrom, eine Variante des Autismus.<ref name="Foer Kap. 10" /> Die Wissenschaftler vermuteten nun, dass die Kombination von Epilepsie und Autismus der Auslöser für Tammets Fähigkeiten gewesen war.<ref>Tammet als Gast bei David Letterman, Ausstrahlung am 27. April 2005. Zur Asperger-Diagnose, die „vor kurzem“ gestellt wurde, siehe 1:30 bis 1:45.</ref>

Im Jahr 2005 wurde Tammet einer breiten Öffentlichkeit bekannt: Im Februar zeigte der US-Fernsehsender Science Channel den Film Brainman,<ref name="NYT Brainman" /> eine Dokumentation über Tammet. Begleitend wurde Tammet in TV-Sendungen wie 60 Minutes, Good Morning America und der Late Show with David Letterman vorgestellt.<ref name="Lownie Bio" /> Das Gespräch mit David Letterman wurde im April ausgestrahlt.<ref>Tammet als Gast bei David Letterman, Video auf YouTube (8:13 Min.).</ref> Vier Wochen später<ref name="dieterwunderlich.de Bio" /> wurde der Dokumentarfilm im britischen Fernsehen gezeigt, diesmal mit dem Titel The Boy with the Incredible Brain.<ref name="imdb.com 2005" /> Der Film wurde in mehr als 40 Ländern ausgestrahlt.<ref name="Lownie Bio">Daniel Tammet Biography Andrew Lownie Literary Agency.</ref>

Schriftsteller

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Tammet bei seinem TED-Vortrag (2011)
Datei:Bluemet Tammet.jpg
Tammet bei einem Literaturfestival in Montreal (2016)

Im Jahr 2006 erschien Tammets erstes Buch, eine Autobiografie mit dem Titel Born on a Blue Day. A Memoir of Asperger’s and an Extraordinary Mind. Das Buch wurde ein Bestseller, es wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt.<ref>Born on a Blue Day, Angaben zum Buch auf danieltammet.net.</ref><ref>Born on a Blue Day Andrew Lownie Literary Agency, Angaben zum Buch.</ref> Auch seine nächsten beiden Sachbücher verkauften sich gut und wurden in etliche Sprachen übersetzt.

In seinem zweiten Buch Embracing the Wide Sky (2009) behandelte Tammet das Savant-Syndrom und damit zusammenhängende Themen wie Erinnerungsvermögen, Denken, Intelligenz und Autismus. Er verband seine eigenen Erfahrungen mit weiteren Fällen und mit Erkenntnissen der Wissenschaft.<ref>Embracing the Wide Sky, Angaben zum Buch auf danieltammet.net.</ref> Die französische Ausgabe wurde in Frankreich ein Bestseller.<ref name="Open University Ehrendoktor Tammet" />

Im Jahr 2012 erschien Tammets drittes Buch Thinking in Numbers.<ref name="danieltammet.net Buch Numbers">Thinking in Numbers, Angaben zum Buch auf danieltammet.net.</ref> Bis dahin hatte er seit 2006 Beiträge in seinem Blog Thinking in Numbers geschrieben.<ref>Ehemaliger Blog Thinking in Numbers von Daniel Tammet, Stand Februar 2019. Die letzten Beiträge stammen aus dem Jahr 2012.</ref> Im selben Jahr startete Tammet seine neue Website.<ref>Website danieltammet.net: Stand Oktober 2012, aktueller Stand.</ref>

Obwohl sein neues Buch das „Denken in Zahlen“ behandelte, das seine Leidenschaft gewesen war, störte sich Tammet mittlerweile daran, dass man in ihm einen Rechenkünstler sah. Er hatte es auch satt, für seine Gedächtnisleistungen bekannt zu sein. Er hatte sogar das Angebot abgelehnt, als „Superhirn“ an einer Quizshow in den USA teilzunehmen, was ihm 100.000 US-Dollar pro Woche eingebracht hätte. Stattdessen wollte er als Autor ernst genommen werden. In einem Interview sagte er: „Ich will nach der Qualität meiner Texte beurteilt werden. Ich will keinen Preis als der beste autistische Schriftsteller gewinnen.“<ref name="thetimes.com 2012">Meet autistic writer Daniel Tammet thetimes.com, 11. August 2012.</ref>

Im Jahr 2016 erschien Tammets Roman Mishenka in französischer Sprache.<ref>Mishenka, Angaben zu dem Roman auf danieltammet.net.</ref> Zwei Jahre später veröffentlichte er einen zweisprachigen Gedichtband (englisch und französisch).<ref>Portraits, Angaben zu dem Gedichtband auf danieltammet.net.</ref> In seinem Buch Nine Minds (2024) beschreibt er neun Autisten mit herausragenden Fähigkeiten.<ref>Nine Minds, Angaben zum Buch auf danieltammet.net.</ref>

Während er seine ersten Bücher schrieb, absolvierte Tammet ein Fernstudium an der Open University, das er im Jahr 2016 als Bachelor of Arts in Humanities mit Bestnote (first-class degree) abschloss.<ref>Daniel Tammet: why autism is no bar to becoming a bestselling author, theguardian.com, 25. August 2017.</ref><ref name="Open University Ehrendoktoren" /> Im Jahr 2023 zeichnete ihn die Open University mit Verweis auf seine Buchpublikationen als Ehrendoktor aus.<ref name="Open University Ehrendoktor Tammet">Acclaimed writer Daniel Tammet awarded Honorary Doctorate Mitteilung der Open University (2023), ohne Datumsangabe.</ref><ref name="Open University Ehrendoktoren">Outstanding individuals receive honorary awards from the OU Mitteilung der Open University, 27. April 2023.</ref>

Tammet lebt mit seinem Ehepartner, dem französischen Fotografen Jérôme Tabet, in Paris.<ref>Facebook-Beitrag von Daniel Tammet, 5. Januar 2026. Tammet zitiert einen Beitrag von History Nerds HQ vom 3. Januar 2026. Darin wird angegeben: „Today, Daniel lives in Paris with his husband, Jérôme Tabet, a photographer he met while promoting his autobiography.“</ref> Er hatte ihn bei der Promotion-Tour für sein erstes Buch in New York kennengelernt.<ref name="dieterwunderlich.de Bio">Biografie von Daniel Tammet auf dieterwunderlich.de (Stand 2010). Als Hauptquelle ist die deutsche Ausgabe von Born on a Blue Day angegeben: Elf ist freundlich und Fünf ist laut (2007).</ref>

Vortragsredner

Seit 2006 tritt Tammet auch regelmäßig bei Lesungen oder als Vortragsredner in Erscheinung, meist in seiner britischen Heimat oder in Frankreich (er spricht dann französisch), aber auch beispielsweise in New York (2007), Mexiko-Stadt (2011), Montreal (2016), Barcelona (2017 und 2019), Abu Dhabi (2019) oder Budapest (2025).<ref>Readings and lectures danieltammet.net.</ref>

Ein großes Publikum erreichte er 2011 als Redner bei TED in Kalifornien.<ref>Different ways of knowing ted.com, Vortrag von Tammet, 2011 (Video, englisch, 10:36 Min.). Mehr als 2,6 Millionen Abrufe (Stand März 2026).</ref> Im nächsten Jahr trat er bei TEDx in Paris auf, wo er französisch sprach.<ref>L’avenir, la mort et les statistiques: Daniel Tammet at TEDxParis 2012 ted.com, Vortrag von Tammet bei TEDx in Paris, 2012 (Video, französisch, 11:51 Min.).</ref>

Fähigkeiten und Eigenschaften

Gedächtnis

Tammet stellte seine herausragenden Gedächtnisfähigkeiten bei den Gedächtnisweltmeisterschaften 1999 und 2000 unter Beweis (damals als Daniel Corney).<ref name="memocamp.com Corney" /> Ein weiterer eindrucksvoller Beleg war sein Europarekord im Pi-Sport im Jahr 2004. Er sagte damals, das Memorieren von 22.514 Nachkommastellen der Kreiszahl Pi sei für ihn kein Problem gewesen. Er habe nur einige Wochen gebraucht und kenne jetzt diese Nachkommastellen vorwärts und rückwärts.<ref name="BBC News Pi" />

Rechnen und Zahlen

Als Rechenkünstler kann Tammet schwierige Rechenaufgaben kopfrechnend lösen. In der TV-Dokumentation The Boy with the Incredible Brain (2005) wurde er auf die Probe gestellt. Er sollte zunächst die vierte Potenz von 37 berechnen (37 × 37 × 37 × 37 = 1.874.161). Tammet brauchte dafür etwa 27 Sekunden.<ref>The Boy with the Incredible Brain auf YouTube (48 Min.), siehe 1:21 bis 2:18.</ref> Dann sollte er 13 durch 97 dividieren. Als er „0,1340206“ gesagt hatte, brachen die Journalisten ab, weil ihr Taschenrechner nur so viele Nachkommastellen anzeigte. Auf die Frage, wie viele Nachkommastellen er denn berechnen könne, schätzte Tammet spontan: „Hundert. Fast hundert.“ Die Journalisten beschafften einen Computer, der 32 Nachkommastellen anzeigen konnte, und ließen Tammet noch einmal 13 durch 97 dividieren. Er gab die 32 Nachkommastellen korrekt an.<ref>The Boy with the Incredible Brain auf YouTube (48 Min.), siehe 2:26 bis 3:44.</ref> Bei einer anderen Prüfung forderten zwei Wissenschaftler Tammet auf, die siebte Potenz von 27 (= 10.460.353.203) und die sechste Potenz von 31 (= 887.503.681) zu berechnen. Auch dies gelang ihm (wegen des Filmschnitts ist nicht zu erkennen, wie lang er dafür brauchte).<ref> Ron Doerfler: Lightning Calculators. Publiziert auf www.myreckonings.com, 16. April 2008 (PDF; 1,4 MB), S. 30.</ref>

Seit seiner Kindheit hatte Tammet in einer Welt aus Zahlen gelebt. In seiner Autobiografie (2006) schrieb er: „Zahlen sind meine Hauptsprache, in der ich oft denke und fühle. Es ist manchmal schwierig für mich, Emotionen zu verstehen oder darauf zu reagieren, deshalb helfe ich mir oft mit Zahlen.“<ref name="dieterwunderlich.de Buch" /> Danach veränderte sich sein Verhältnis zu Zahlen. Im Jahr 2012 veröffentlichte er ein Buch über Mathematik und Zahlen (Thinking in Numbers<ref name="danieltammet.net Buch Numbers" />), aber er sagte damals, er beschäftige sich viel weniger mit Zahlen als früher. Er finde Zahlen zwar immer noch schön, aber sie waren in Zeiten, die für ihn sehr schwierig waren, seine ständigen Begleiter gewesen, und er wollte nicht mehr an seine damaligen Nöte erinnert werden. Er sei ein ganz anderer Mensch geworden als der Junge, der sich früher in die Zahlenwelt geflüchtet hatte.<ref name="thetimes.com 2012" />

Sprachen

In der TV-Dokumentation The Boy with the Incredible Brain (2005) wurde zuletzt gezeigt, dass Tammet nach Island reiste, dort eine Woche lang die für ihn bisher fremde Sprache Isländisch lernte und danach zur Verblüffung der Beteiligten ein Live-Interview im isländischen Fernsehen geben konnte. Seine Isländisch-Lehrerin sagte, er habe die Wörter „wie ein Staubsauger“ aufgesaugt.<ref>The Boy with the Incredible Brain auf YouTube (48 Min.), siehe 41:45 bis 46:02. Zu „Wörter wie ein Staubsauger aufgesaugt“ siehe 43:30.</ref>

In seinem ersten Buch (2006) gab er an, elf Sprachen zu sprechen: außer seiner Muttersprache Englisch auch Französisch, Finnisch, Estnisch, Spanisch, Deutsch, Litauisch, Esperanto, Rumänisch, Walisisch und Isländisch.<ref name="dieterwunderlich.de Buch">Daniel Tammet: Elf ist freundlich und Fünf ist laut dieterwunderlich.de. Inhaltsangabe von Dieter Wunderlich mit Zitaten aus dem Buch.</ref>

Tammet erfand auch eine neue Sprache und nannte sie Mänti. Dies berichtete er im Juli 2006 in seinem Blog. Er schrieb, dass er seit seiner Kindheit an dieser Kunstsprache gearbeitet habe. Er habe sie nach dem finnischen Wort mänty benannt, das „Kiefer“ bedeutet, denn er liebe Bäume und dass sie in Skandinavien so zahlreich wachsen. Er möge die skandinavischen Sprachen besonders. Viele Wörter der Sprache Mänti seien skandinavischen oder baltischen Wörtern ähnlich.<ref>Mänti, Beitrag Tammets in seinem Blog, 13. Juli 2006.</ref>

Synästhesie

Beim Umgang mit Zahlen und Wörtern spielt die Synästhesie für Tammet eine herausragende Rolle. Zahlen haben für ihn eine Gestalt, eine Farbe und eine ästhetische Qualität. Einige Zahlen seien schön, zum Beispiel 333, einige seien hässlich, zum Beispiel 289.<ref name="dieterwunderlich.de Buch" /> Bei der Multiplikation zweier Zahlen stellen sich ihm diese angeblich als zwei Gestalten dar – und im Raum zwischen ihnen bildet sich das Ergebnis als eine neue Gestalt.<ref name="dieterwunderlich.de Buch" /><ref>The Boy with the Incredible Brain auf YouTube (48 Min.), siehe 40:35 bis 41:10.</ref> Tammet schrieb, dass eine lange Ziffernfolge wie bei der Kreiszahl Pi in seinem Kopf eine „Fülle von Farben, Formen und Strukturen“ hervorruft, sie sich „spontan zu einer visuellen Landschaft verbinden“. Dies sei für ihn immer „ein sehr schönes Erlebnis“.<ref name="dieterwunderlich.de Buch" />

Auch Wörter nimmt Tammet als farbig wahr. In einem Interview mit dem Spiegel sagte er, Wörter, die mit G beginnen, seien für ihn grün, während das Wort Apfel auf ihn rot wirke.<ref>„Apfel - dieses Wort ist für mich rot“ spiegel.de, Interview mit Tammet, 2. März 2009.</ref>

Tammet machte sein Erleben von Synästhesie bei Zahlen und Wörtern zum Thema seines TED-Vortrags im Jahr 2011.<ref>Different ways of knowing ted.com, Vortrag von Tammet, 2011 (Video, englisch, 10:36 Min.).</ref>

Asperger-Syndrom und Defizite

Ungefähr die Hälfte der Savants sind Autisten. Bei Tammet wurde das Asperger-Syndrom diagnostiziert, eine hochfunktionale Form des Autismus. Anders als die meisten Autisten kann Tammet aufgrund seiner sehr guten sprachlichen Fähigkeiten genau berichten, was in seiner Vorstellung vorgeht, während er beispielsweise rechnet. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist er für die Wissenschaft besonders interessant.

Viele Savants tun sich schwer mit Alltagstätigkeiten. Für Tammet ist es beispielsweise nicht einfach, links und rechts zu unterscheiden.<ref name="dieterwunderlich.de Buch" /> Im Jahr 2004 gab er an, Tätigkeiten wie Schwimmen, Radfahren oder Autofahren seien für ihn „sehr schwierig“ zu lernen.<ref name="BBC News Pi" />

Tammet konnte die Defizite in der Kommunikation, die er in der Kindheit hatte, weitgehend überwinden. Ihm wurde oft den Eindruck mitgeteilt, dass man nichts Autistisches wahrnehmen könne, wenn man ihm begegnet oder wenn er beispielsweise einen Vortrag hält.<ref>Vortrag von Tammet beim IdeaFestival 2010, Video (12:38 Min.), siehe 0:09 bis 0:45.</ref> Auch David Letterman wunderte sich, als Tammet im Jahr 2005 zu seiner Asperger-Diagnose erklärte, das Asperger-Syndrom zeige sich unter anderem in der „Unfähigkeit, leicht mit anderen in Kontakt zu kommen“, und in einem Mangel an sozialer Interaktion. Letterman sagte dann sinngemäß, er mache aber gar nicht diesen Eindruck.<ref>Tammet als Gast bei David Letterman, Ausstrahlung am 27. April 2005. Siehe 1:53 bis 2:23.</ref>

Wie Joshua Foer berichtet, wollte Simon Baron-Cohen, der im Jahr 2004 die Diagnose „Asperger-Syndrom“ gestellt hatte, diese Diagnose eigentlich auf einen jüngeren Daniel Tammet beziehen und nicht, oder nur mit Einschränkung, auf den erwachsenen Daniel Tammet, dem er begegnete. Baron-Cohen sagte Foer, wenn man Tammet heute sehe, würde man nicht unbedingt denken, dass er ein Autist sei. Er habe dies auch Tammet gesagt, nämlich dass er wohl das Asperger-Syndrom gehabt habe, als er jünger war. Er habe Tammet dann gesagt: „Wenn man Sie heute ansieht, haben Sie sich so gut angepasst und funktionieren so gut, dass Sie nicht unbedingt eine Diagnose brauchen.“ Er habe es Tammet überlassen, ob er eine Diagnose haben wolle, und Tammet habe geantwortet, es sei ihm lieber, die Diagnose zu haben.<ref>Joshua Foer: Moonwalking with Einstein. The Art and Science of Remembering Everything. Penguin Books, New York 2011, ISBN 978-1-59420-229-2, Kapitel 10. Das Kapitel wird zitiert im Blog-Beitrag The Mystery of Brainman von Simon Singh, 7. April 2016. Der Absatz beginnt mit „Daniel’s Asperger’s diagnosis was made by Baron-Cohen […]“.</ref>

Kritik

Joshua Foer

Der amerikanische Wissenschaftsjournalist Joshua Foer, der im Jahr 2006 erfolgreich an Gedächtnismeisterschaften teilnahm,<ref>Ergebnisse von Joshua Foer bei Gedächtnismeisterschaften 2006 auf memocamp.com. Siehe untere Tabelle: Platz 7 in Cambridge, Platz 1 in den USA, Platz 13 bei der Weltmeisterschaft.</ref> bezweifelte in seinem Bestseller Moonwalking with Einstein<ref name="Foer Kap. 10">Joshua Foer: Moonwalking with Einstein. The Art and Science of Remembering Everything. Penguin Books, New York 2011, ISBN 978-1-59420-229-2, Kapitel 10.</ref>, dass Tammet ein Savant sei. Er glaubte, dass Tammets Gedächtnisleistungen anders als von ihm behauptet nichts mit Synästhesie zu tun haben, sondern auf den üblichen Techniken des Gedächtnistrainings beruhen, und führte dafür Indizien an. Ben Pridmore hatte Foer darauf hingewiesen, dass Tammet unter dem Namen Daniel Corney mehrmals und erfolgreich an der Gedächtnisweltmeisterschaft teilgenommen hatte. Foer fragte sich verwundert, warum Tammet das in seiner Autobiografie verschwiegen hatte. Der achtfache Gedächtnisweltmeister Dominic O’Brien meinte zu der Frage, warum Tammet sich nicht als Gedächtnissportler darstellte: „Er merkte einfach, dass er als Gedächtnissportler nie die Nummer 1 sein würde.“ Er sagte das auch in einem Interview für den Film Brainman, das dann aber im Film nicht gezeigt wurde.<ref name="Singh" />

Foer fand anhand einer archivierten Version von Tammets ehemaliger Website heraus, dass Tammet dazu früher ganz andere Angaben gemacht hatte als in seiner Autobiografie.<ref name="Singh" /> Im Jahr 2001 hatte Tammet noch angegeben, er habe sich seit dem Alter von 15 Jahren für Gedächtnissport interessiert, und die bewährten Gedächtnistechniken hätten ihm unter anderem geholfen, Französisch und Deutsch zu beherrschen. Vor allem nach der Weltmeisterschaft 1999 sei er vom Gedächtnissport „besessen“ gewesen und habe sich monatelang ein hartes Training auferlegt, um schließlich in die Top 5 der Gedächtnissportler aufzusteigen.<ref>danieltammet.com (Tammets frühere Website), Stand Mai 2001. Foer zitierte diese Passage: „My own interest in memory and conversely memory sport was sparked by my casual acquaintance with a children’s book on broad memory concepts for better exam performance at the age of 15. The following year I passed my GCSEs with some of the year’s best results and subsequently performed well at A-level, mastering French and German along the way with the help of these tried-and- tested techniques […] My obsession with the sport grew, and following months of strenuous training and hard work I climbed into the World’s Top-5 rated Memory sportsmen.“</ref>

Tammet hatte behauptet, er nehme jede ganze Zahl bis 10.000 als eine bestimmte farbige Gestalt mit weiteren synästhetischen Qualitäten wahr, und dies helfe ihm beim mühelosen Rechnen.<ref>Vorwort von Darold Treffert in Daniel Tammet: Born on a Blue Day. A Memoir of Asperger’s and an Extraordinary Mind. Hodder & Stoughton, London 2006. Zitat: “Daniel’s synaesthesia, which he describes so richly, is unique in that he ‘sees’ individual numbers – each one up to 10,000 – not just as a single colour, but also as a shape, a colour, a texture, a motion and sometimes even an emotional ‘tone’. When he does his massive calculations he literally ‘sees’ the answer in his head […]”</ref> Foer prüfte die Behauptung, indem er Tammet im Abstand von zwei Wochen jeweils fragte, wie denn die Zahl 9412 aussehe. Er erhielt zwei „völlig verschiedene Antworten“. Beim zweiten Mal sagte Tammet, je länger die Zahlen seien, desto schwerer sei es, ihr Aussehen in Worte zu fassen. Bei einer späteren Begegnung fragte ihn Foer ein drittes Mal nach dem Aussehen der Zahl 9412. Diesmal dachte Tammet zwei Minuten lang nach und sagte dann, er könne die Zahl sehen, aber ihr Aussehen nicht beschreiben.<ref name="Singh" />

Ferner wies Foer auf einen Widerspruch hin: Als Simon Baron-Cohen Tammets Fähigkeit der Gesichtserkennung prüfte, schnitt Tammet sehr schlecht ab. Bei der Gedächtnisweltmeisterschaft 2000 hatte er aber in der Disziplin „Namen und Gesichter“ sogar gewonnen.<ref>Ergebnisse der Gedächtnisweltmeisterschaft 2000 auf memocamp.com, siehe Daniel Corney (= Daniel Tammet) auf Platz 4. In der dritten Spalte (Disziplin: sich in 15 Minuten zu möglichst vielen Gesichtern den jeweiligen Namen merken) erzielte er von allen Teilnehmern die höchsten Punktzahlen.</ref><ref name="Singh" />

Der britische Wissenschaftsjournalist Simon Singh fühlte sich bestätigt, als er Foers Buch las, denn auch er hatte bezweifelt, dass Tammet ein Savant sei. Singh zitierte auf seiner Website ein Kapitel aus Foers Buch samt einer Stellungnahme von Tammet.<ref name="Singh" /> Tammet bestritt nicht die Nutzung üblicher Gedächtnistechniken. Er schrieb aber, bei ihm sei Synästhesie mit einem Test von David Eagleman festgestellt worden. Dieser Test diene zur Unterscheidung von Synästheten und „Nicht-Synästheten, die Gedächtnis oder freie Assoziation nutzen“. Seine unterschiedlichen Beschreibungen der Zahl 9412 führte er darauf zurück, dass ihm die Frage jeweils mündlich gestellt worden war. Die jeweilige Aussprache wirke sich aus; bei richtigen Tests auf Synästhesie werde deshalb der Reiz nur visuell präsentiert. Zur Gesichtserkennung erklärte er, dass für Baron-Cohens Test andere Detailfähigkeiten ausschlaggebend seien als bei der Gedächtnisweltmeisterschaft in der Disziplin „Namen und Gesichter“. Er wies darauf hin, dass Wissenschaftler ihn nicht allein wegen seiner Gedächtnisleistungen als außergewöhnlich einstufen, sondern wegen der Vielfalt seiner besonderen Fähigkeiten.<ref name="Singh">Simon Singh: The Mystery of Brainman, Blog-Beitrag auf simonsingh.net, 7. April 2016. Mit Kapitel 10 aus Foers Buch Moonwalking with Einstein und Stellungnahme von Tammet.</ref>

Übertreibungen bei der Darstellung von Tammets Leistungen

In deutschen Medien wurde Tammets Leistung beim Lernen der deutschen Sprache irreführend und übertreibend dargestellt. Im Jahr 2009 hieß es, Tammet werde „innerhalb einer Woche Deutsch lernen“ und dann in der Sendung Beckmann seine Deutschkenntnisse vorführen. Die Darstellung in der Süddeutschen Zeitung war irreführend, denn es wurde nicht erwähnt, dass Tammet zuvor schon jahrelang Deutsch gelernt hatte.<ref>Alex Rühle: Das dunkelblaue Leuchten am Feynman-Punkt. In: Süddeutsche Zeitung, 2. März 2009 (online).</ref> In einem Gespräch mit Tammet auf Spiegel Online sagte der Interviewer, Tammet habe in der vergangenen Woche „mit nur wenigen Vorkenntnissen“ fast perfektes Deutsch gelernt. Tammet wirkte anscheinend an der Irreführung mit, indem er die Aussage nicht richtigstellte.<ref name="spiegel.de Apfel rot">Apfel – dieses Wort ist für mich rot Interview mit Daniel Tammet auf Spiegel Online, 2. März 2009.</ref> Tatsächlich hatte er Deutsch in der Schule jahrelang gelernt; Deutsch war sogar eines seiner Hauptfächer in seinen letzten Schuljahren gewesen.<ref name="Autobio Kap. 5"/> Einleitend zu dem Gespräch auf Spiegel Online wurde verallgemeinernd behauptet, Tammet brauche nur eine Woche Übung, um „eine Fremdsprache zu beherrschen“.<ref name="spiegel.de Apfel rot" /> Ebenso hieß es in einer Rezension der Beckmann-Sendung auf Welt.de: „Eine Sprache lernt er in einer Woche“ (wieder fehlte der Hinweis, dass Tammet schon in der Schule Deutsch gelernt hatte).<ref name="Felgenhauer Beckmann" /> Unabhängig vom Verschweigen der langen Lernzeit in der Schule waren die Behauptungen auf Spiegel Online, Tammet spreche nun „fast perfekt“ Deutsch und er „beherrsche“ die gelernten Fremdsprachen (in diesem Fall Deutsch), zumindest übertrieben. Auf Welt.de hieß es realistischer, Tammets Deutsch sei „holprig“ gewesen.<ref name="Felgenhauer Beckmann">Uwe Felgenhauer: Ein Autist, ein Bankchef, ein Minister und die Krise. welt.de, 3. März 2009.</ref>

Bei einem Auftritt in der Sendung Markus Lanz (2014) sprach Tammet stockend und mit starkem Akzent Deutsch. Er rettete sich auch immer wieder ins Englische, so dass ein Übersetzer aushelfen musste.<ref>Daniel Tammet bei Markus Lanz, Sendung vom 16. Juli 2014 auf YouTube (19:53 Min.). Zum Ausweichen ins Englische siehe z. B. 4:43, 7:38, 10:29, 12:05, 12:52.</ref> Dennoch bekräftigte er in dieser Sendung den Mythos, dass er neue Sprachen „in einer Woche“ lernen könne, und zwar in seiner Antwort auf die Frage des Moderators Markus Lanz, ob dies tatsächlich stimme. Auch diesmal wies er nicht darauf hin, dass er schon in der Schule jahrelang Deutschunterricht gehabt hatte. Stattdessen sagte er: „In einer Woche kann alle Mensch [sic] eine Sprache lernen – if I’m the teacher“ (= „wenn ich der Lehrer bin“). Seine Antwort auf eine Rückfrage machte deutlich, dass er dies tatsächlich so meinte.<ref>Daniel Tammet bei Markus Lanz, Sendung vom 16. Juli 2014 auf YouTube (19:53 Min.), siehe 16:37 bis 17:49.</ref> Markus Lanz reichte dann die eher verhüllende als aufklärende Information nach, Deutsch zu lernen habe für Tammet „ein bisschen länger gedauert“ als eine Woche.<ref>Daniel Tammet bei Markus Lanz, Sendung vom 16. Juli 2014 auf YouTube (19:53 Min.), siehe 17:54 bis 18:02.</ref>

Anja Sattelmacher ließ in einer Rezension der deutschen Ausgabe von Tammets Buch über Zahlen (Die Poesie der Primzahlen, 2014) in der Zeitung Der Standard die Kritik anklingen, dass die Wahrnehmung Tammets als Genie eine Folge seiner Darstellung in den Medien sowie seiner Vermarktung sei: „Die Medien und die Verlage helfen dabei kräftig mit, dieses Image aufrechtzuerhalten.“ Sie fand auch das Lob des Buchs übertrieben: „Kaum eine Rezension auch seines neuen Buches, die nicht einer Lobeshymne gleicht. Manche lassen sich gar zu absurden Behauptungen hinreißen – etwa der, dass mit Menschen wie Tammet die Mathematik über die Geisteswissenschaft gesiegt habe.“ Sie wies auf einige Schwächen des Buchs hin, unter anderem die sprunghafte Aneinanderreihung von Themen, die nichts miteinander zu tun haben.<ref>Anja Sattelmacher: Ein Genie wider Willen. In: Der Standard, 12. März 2014.</ref>

Werke

Bücher

Referenz: Tammets Website<ref>Books danieltammet.net.</ref>

  • Born on a Blue Day. A Memoir of Asperger’s and an Extraordinary Mind. Hodder & Stoughton, London 2006, ISBN 0-340-89974-3 (englisch).
    • Deutsch: Elf ist freundlich und Fünf ist laut. Ein genialer Autist erklärt seine Welt. Patmos Verlag, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-491-42108-0.<ref name="dieterwunderlich.de Buch" />
  • Embracing the Wide Sky. A Tour Across the Horizons of the Human Mind. Hodder & Stoughton, London 2009, ISBN 0-340-96132-5 (englisch).
    • Deutsch: Wolkenspringer. Von einem genialen Autisten lernen. Patmos Verlag, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-491-42116-5.
  • Thinking in Numbers. How Maths Illuminates Our Lives. Hodder & Stoughton, London 2012, ISBN 1-4447-3740-6 (englisch).
    • Deutsch: Die Poesie der Primzahlen. Übersetzt von Dagmar Mallett. Hanser Verlag, München 2014, ISBN 978-3-446-43877-4.
  • Mishenka. Editions les Arènes, Paris 2016, ISBN 2-35204-497-9 (Roman, französisch).
  • Portraits. Blancs Volants, 2018. (Gedichte, zweisprachige Ausgabe, englisch und französisch. Mit Fotografien von Jérôme Tabet.)
  • How to Be ‘Normal’. Notes on the Eccentricities of Modern Life. Quercus, 2020 (englisch).
  • Fragments de paradis. Lettre à un ami non croyant. Les Arènes, 2020 (französisch).
  • Nine Minds. Inner Lives on the Spectrum. Profile Books/Wellcome Collection, 2024 (englisch).

Übersetzung

Beiträge

Tammet schreibt auch Artikel für Zeitungen und Zeitschriften<ref>Bibliography danieltammet.net, siehe Menüpunkt Articles, poems and essays in periodicals.</ref> sowie Beiträge zu Buchpublikationen.<ref>Bibliography danieltammet.net, siehe Menüpunkt Contributions to other works.</ref> Er schrieb beispielsweise das Vorwort zu einem Buch von Darold Treffert über Savants (Islands of Genius, 2010).<ref>Darold Treffert: Islands of Genius. The Bountiful Mind of the Autistic, Acquired and Sudden Savant. Jessica Kingsley Publishers, 2010 (Leseprobe mit dem Vorwort von Daniel Tammet).</ref>

TV-Dokumentation

Weblinks

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Einzelnachweise

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