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Degarelix

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Degarelix ist ein synthetisches Peptid, das zur Behandlung des fortgeschrittenen hormonabhängigen Prostatakarzinoms eingesetzt wird. Es ist ein sogenannter GnRH-Antagonist, der eine schnelle Senkung des Testosteronspiegels innerhalb weniger Tage herbeiführt und somit eine ähnliche Sofortwirkung wie eine Orchiektomie erzielt.<ref name=":0">Fachinformation zu Firmagon von Ferring, Stand der Information: September 2013.</ref> Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Androgen-Deprivations-Therapie (ADT). Die primäre Alternative zum GnRH-Antagonisten, die LHRH-Agonisten, benötigen zur gleichwertigen Senkung der Sexualhormonspiegel vier Wochen.<ref name="manski">Dirk Manski: Antiandrogene Hormontherapie: Degarelix und Abarelix (LHRH-Antagonisten), auf Urologielehrbuch.de.</ref>

Das Medikament ist seit Dezember 2008 in den USA zugelassen.<ref>PR Newswire: FDA approves Ferring Pharmaceuticals' Degarelix (generic name) for the treatment of advanced prostate cancer. PR Newswire, Europe Ltd 2008, abgerufen am 2. März 2009.</ref> Im Februar 2009 erteilte die Europäische Arzneimittel-Agentur dem Unternehmen Ferring Pharmaceuticals die Genehmigung für das Inverkehrbringen von Degarelix (Handelsname Firmagon®) in der gesamten Europäischen Union.

Wirkungsmechanismus

Degarelix ist dem körpereigenen Gonadotropin-Releasing-Hormone (GnRH) nachempfunden und wirkt als GnRH-Antagonist. Der Wirkstoff blockiert direkt die Rezeptoren im Vorderlappen der Hirnanhangdrüse und führt so innerhalb weniger Tage zu einer schnellen, deutlichen und langanhaltenden Senkung des Testosteronspiegels. Ein initialer Testosteronanstieg wie bei den LHRH-Agonisten bleibt hier aus.

Nach der Gabe von Degarelix wurde bei 99 % der Patienten der Testosteronspiegel innerhalb einer Woche unter Kastrationsniveau gesenkt.<ref>Klotz, L., Boccon-Gibod, L., Shore, N. D., Andreou, C., Persson, B.-E., Cantor, P., Jensen, J.-K., Olesen, T. K., Schröder, F. H.: The efficacy and safety of degarelix: a 12-month, comparative, randomized, open-label, parallel-group phase III study in patients with prostate cancer. In: BJU Int. 102 (2008), S. 1531–1538.</ref>

Studienergebnisse

Epidemiologische Daten haben gezeigt, dass es unter einer Androgen-Deprivations-Therapie zu einer Veränderung des Stoffwechsels (Herabsetzung der Glukosetoleranz oder zur Verschlechterung einer bestehenden Diabetes mellitus) kommt und dass ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bestehen kann.<ref>Fachinformation zu Trenantone von Takeda, Stand: August 2018.</ref> Studien konnten zeigen, dass ein GnRH-Antagonist im Vergleich zu LHRH-Agonisten das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse während der Androgen-Deprivations-Therapie um rund 50 % senken konnte.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Lehmann J et al. Influence of cardiovascular (CV) comorbidities on the selection of hormone deprivation therapy (HDT) in the treatment of metastatic prostate cancer (mPCa). Poster präsentiert auf dem Genitourinary Cancers Symposium, San Francisco, February 8-10, 2018.</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref> Da ca. 33 % aller Patienten mit hormonsensitivem Prostatakrebs bereits vor der Behandlung kardiovaskuläre Risiken und/oder Erkrankungen aufweisen ist die Behandlung mit einem GnRH-Antagonisten für diese Risikogruppe geeignet.<ref>Eisenhardt A et al. Cardiovascular comorbidities in German prostate cancer patients under androgen deprivation therapy. Resuslt from a retrospective analysis of patient data in urological outpatient centers. Poster präsentiert auf dem Genitourinary Cancers Symposium, San Francisco, February 8-10, 2018. </ref><ref name=":1">Vorlage:Literatur</ref>

Das Prostatakarzinom metastasiert vorrangig in die lokalen Lymphknoten oder in das Skelett (Knochenmetastasen). Testosteron fördert das Wachstum der Krebszellen und somit das Größenwachstum des Tumors und der Metastasen.

Ein schnelles und direktes Absenken des Testosteronspiegels kann sich dadurch positiv auf die mit Knochenmetastasen verbundenen Schmerzen auswirken. Studien haben gezeigt, dass eine 50 % höhere Wahrscheinlichkeit der Schmerzfreiheit unter Degarelix im Vergleich zu LHRH-Agonisten (Goserelin) besteht.<ref name=":1" />

Nebenwirkungen

Bei einer ADT mit Degarelix können Nebenwirkungen auftreten. Viele davon sind direkt mit der schnellen Absenkung des Testosteron-Spiegels verbunden und stellen typische Reaktionen des Körpers auf den Hormonentzug dar. Das Auftreten dieser Nebenwirkungen zeigt aber auch, dass die Therapie erfolgreich anschlägt.

Sehr häufig treten Hitzewallungen und Reaktionen an der Injektionsstelle auf.<ref name=":0" />

Weblinks

Einzelnachweise

<references/>

Vorlage:Gesundheitshinweis