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Der Stimmenimitator

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Stimmenimitator ist eine Kurzprosasammlung von Thomas Bernhard aus dem Jahr 1978.

Inhalt und Form

Der Stimmenimitator berichtet in 104 kurzen Prosastücken von sehr verschiedenen Menschen- und Berufsgruppen, von Höhlenforschern, Philosophen, Schriftstellern, Schauspielern, Dompteuren, Bankangestellten, Bürgermeistern, Professoren, Direktoren und Präsidenten.<ref>Thomas Bernhard: Der Stimmenimitator. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1978.</ref> Im Mittelpunkt stehen in den meist eine Seite langen Geschichten eindringliche Ereignisse, die auf ein unausweichliches Ende zustreben<ref>{{#switch:

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Die Wahl der Figuren und Orte ist keinesfalls willkürlich, obwohl dieser Eindruck zu Beginn entstehen kann.<ref>Wendelin Schmidt-Dengler: Verschleierte Authentizität. Zu Thomas Bernhards Der Stimmenimitator. In: In Sachen Thomas Bernhard. Hg. v. Kurt Bartsch, Dietmar Goltschnigg, Gerhard Melzer. Königstein/Ts.: Athenäum Verlag, 1983. S. 129.</ref> Die Menge der Geschichten gehorcht in Wahrheit bestimmbaren Strukturgesetzen.<ref name="Eybl">Franz M. Eybl: Thomas Bernhards »Der Stimmenimitator« als Resonanz eigener und fremder Rede. In: Kontinent Bernhard. Zur Thomas-Bernhard-Rezeption in Europa. Hg. v. Wolfram Bayer. Wien: Böhlau Verlag, 1995. S. 33.</ref> Die ersten Texte streben nach größtmöglicher Varietät, wie zum Beispiel Der Stimmenimitator (S. 9f.), Pisa und Venedig (S. 17) und Höhlenforscher (S. 23f.).<ref name="Eybl" /> Ab der Mitte finden sich mehr und mehr geschlossene Serien, die auf bekannten Bernhard-Schauplätzen im oberösterreichischen Alpenvorland oder im Salzburgischen angesiedelt sind, wie Papierarbeiter (S. 98), Grenzstein (S. 99) und Zwei Zettel (S. 110).<ref name="Eybl" /> Das letzte Drittel der Sammlung setzt jeweils zwei bis drei Texte in Verbindung zueinander: Einige Geschichten sind den Figuren der Theaterschriftsteller (S. 115f., 117f., 119f.), der Maler (S. 150–152, 153f.) und der Staatspräsidenten (S. 155f., 157, 158f.) gewidmet.
Die Zuordnung zur Gattung der Anekdote lässt sich mit der Absicht des Autors begründen, eine Gegen-Authentizität zum offiziell Gesagten und Behaupteten zu errichten, um alles, das öffentlich geschönt wird, zu enthüllen.<ref>Manfred Mittermayer: Thomas Bernhard. Stuttgart: Verlag J. B. Metzler, 1995. S. 99.</ref>

Stil

Die Sprache in Der Stimmenimitator gleicht der aus Zeitungsmeldungen, amtlichen Verlautbarungen und Polizeiprotokollen.<ref>Wendelin Schmidt-Dengler: Verschleierte Authentizität. Zu Thomas Bernhards Der Stimmenimitator. In: In Sachen Thomas Bernhard. Hg. v. Kurt Bartsch, Dietmar Goltschnigg, Gerhard Melzer. Königstein/Ts.: Athenäum Verlag, 1983. S. 127.</ref> Auf den ersten Blick wirkt der Stil sehr atypisch für den Autor. Die Knappheit der Sprache, der Telegrammstil<ref>Wendelin Schmidt-Dengler: Verschleierte Authentizität. Zu Thomas Bernhards Der Stimmenimitator. In: In Sachen Thomas Bernhard. Hg. v. Kurt Bartsch, Dietmar Goltschnigg, Gerhard Melzer. Königstein/Ts.: Athenäum Verlag, 1983. S. 125.</ref> erscheinen zunächst ungewohnt. Bei genauerem Hinsehen finden sich schnell Bernhards typisch sprachliche Merkmale wieder, lange und verschachtelte Relativsätze mit Hyperboliken und Superlativen. Jeder Text weist mindestens einmal ein naturgemäß auf, was besonders einschlägig für den Autor ist.

Biografisch-literarischer Bezug

Der Text setzt sich auch mit Ingeborg Bachmanns plötzlichem Tod 1973 auseinander. Thomas Bernhard und Ingeborg Bachmann hatten sich 1969 kennengelernt, waren befreundet und Geistesverwandte.<ref name="LiterarischeRezeption">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Bernhard bezeichnete Bachmann in Der Stimmenimitator als „die intelligenteste und bedeutendste Dichterin, die unser Land in diesem Jahrhundert hervorgebracht hat“ und betonte, er hätte mit ihr das Erschrecken über den Gang der Geschichte geteilt.<ref name="LiterarischeRezeption" />

Hörbuch

"Der Stimmenimitator", gelesen von Marianne Hoppe (MC), Der Hörverlag 2007.

Literatur

  • Thomas Bernhard: Der Stimmenimitator. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978, ISBN 978-3-518-37973-8.
  • Franz M. Eybl: Thomas Bernhards »Stimmenimitator« als Resonanz eigener und fremder Rede. In: Wolfram Bayer (Hrsg.): Kontinent Bernhard. Zur Thomas-Bernhard-Rezeption in Europa. Böhlau Verlag, Wien 1995, S. 31–43.
  • Manfred Mittermayer: Thomas Bernhard. Metzler, Stuttgart/Weimar 1995, ISBN 3-476-10291-2.
  • Wendelin Schmidt-Dengler: Verschleierte Authentizität. Zu Thomas Bernhards „Der Stimmenimitator“. In: Kurt Bartsch, Dietmar Goltschnigg, Gerhard Melzer: In Sachen Thomas Bernhard. Athenäum Verlag, Königstein/Ts., 1983, S. 124–147.
  • Besprechung bei literaturzeitschrift.de
  • Besprechung bei literatur-blog.at

Einzelnachweise

<references />