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Positive Wissenschaft

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(Weitergeleitet von Deskriptive Wissenschaft)

Positive Wissenschaft, u. a. auch deskriptive Wissenschaft, ist eine von metaphysischen und religiösen Vorgaben unabhängige Wissenschaft. Sie bezieht sich auf das sinnlich positiv Gegebene und auf eine praktische Aufgabe. Im Gegensatz zur normativen Wissenschaft gilt sie als empirische Wissenschaft oder Erfahrungswissenschaft. Damit entspricht sie dem dritten Stadium der von Auguste Comte (1798–1857) aufgestellten Wissenschafts- und Sozialtheorie, nämlich der Vereinigung von Theorie und Praxis.<ref name="SchischkoffPWB" details="S. 102 zu Lemma „Comte, Auguste“." /> Sie beschreibt, was ist, und nicht, was sein soll gemäß dem Werturteilsfreiheit­spostulat von Max Weber (1868–1904).<ref name="SchischkoffPWB" details="S. 569 zu Lemma „Rationalismus“, Stw. „wertfreie Wissenschaft“." /><ref name="HillmannSWB" details="S. 931 zu Lemma „Werturteilsfreiheit“, Stw. „Max Weber“." />

Beispiele und Abgrenzung

Hauptbeispiel für die Zuordnung zu den positiven Wissenschaften sind die Naturwissenschaften. Max Weber vertrat die Auffassung, dass auch die Sozialwissenschaften zum Kreis der strengen, nicht wertenden Wissenschaften zu zählen sind und fasste sie als beschreibende (deskriptive) Wissenschaften auf. Er suchte die Erfahrungswissenschaften von wertender Beurteilung zu trennen.<ref name="SchischkoffPWB" details="S. 738 f. zu Lemma „Weber, Max“, Stw. „strenge Wissenschaftlichkeit, beschreibende Wissenschaft“." /> Wilhelm Dilthey (1833–1911) unterschied generell zwischen erklärenden, beschreibenden und verstehenden Methoden.<ref name="SchischkoffPWB" details="S. 130 zu Lemma „Dilthey, Wilhelm“, Stw. „erklärende Psychologie, beschreibende und verstehende Psycholoige“." /> In den Naturwissenschaften gehe es um ein Erklären, in den Geisteswissenschaften um ein Verstehen.<ref name="SchischkoffPWB" details="S. 166 zu Lemma „Erklärung“, Stw. „Erklären“ in den Naturwissenschaften - „Verstehen“ in den Geisteswissenschaften." /> Wilhelm Windelband (1848–1915) unterschied zwischen den Naturwissenschaften mit den auf „nomothtische“ Gesetzmäßigkeiten ausgerichteten Methoden der Erkenntnis und den Kulturwissenschaften. Sie seien auf Einzeltatsachen ausgerichtet. Daher nannte er sie „idiographisch“.<ref name="SchischkoffPWB" details="S. 753 zu Lemma „Windelband, Wilhelm“, Stw. „nomothtische und idiographische Wissenschaften“." /> Für die Mehrzahl der soziologischen Theoretiker steht fest, dass die Methoden der Forschung intersubjektiv überprüfbar sein müssen. Das persönliche Evidenzerlebnis des Forschers sei von der wissenschaftlichen Bestätigung zu unterscheiden. Deskription dient nur zum Zweck der Erklärung, nicht der Bewertung.<ref name="HillmannSWB" details="S. 931 zu Lemma „Werturteilsfreiheit“, Stw. „Methode, Deskription“." /> Im Positivismusstreit wurde die Frage der Methodik erneut diskutiert. Dabei kam es zu einer Kontroverse zwischen der Frankfurter Schule bzw. der von ihr vertretenen Kritischen Theorie und dem kritischen Rationalismus, der von Karl Popper (1902–1994) begründet wurde.<ref name="HillmannSWB" details="S. 738 f. zu Lemma „Positivismusstreit“, Stw. „Wertfreiheit, zweiter Methodenstreit innerhalb der dt. Soziologie“." />

Neuere Positionen

Karl-Heinz Hillmann (1938–2007) ist der Auffassung, dass sogar Werte als Erkenntnisobjekt vom sozialwissenschaftlichen Forschungsprozess nicht ausgeschlossen werden dürfen. Auch wenn bisher zwischen Werturteil und Seinsqualität unterschieden wurde, so nimmt er an, dass auch Werten eine Seinsqualität zugesprochen werden müsse. Nur so sei es möglich, dass soziale Tatsachen zum Zecke ihrer Erklärung beobachtet und behandelt werden können. Der Forscher müsse lediglich durch Reflexion „wertdogmatische Aussagen“ vermeiden.<ref name="HillmannSWB" details="S. 931 zu Lemma „Werturteilsfreiheit“, Stw. „Werturteil und Seinsqualität“." /> Damit wird die Frage der Unterscheidung der Positiven von den Normativen Wissenschaften aufgeworfen. Um eine nachprüfbare Objektivität zu gewährleitsen, wäre zu prüfen, ob mit Hilfe sprachphilosophischer oder psychologischer Methoden (Hermeneutik, Deskriptive Psychologie, Phänomenologie, Reflexionspsychologie) Fehler infolge von Spekulation zu vermeiden sind. Umgekehrt stellt sich die Frage nach der Möglichkeit des Empirismus in normativen Fragen.

Siehe auch

Einzelnachweise

<references> <ref name="SchischkoffPWB">Heinrich Schmidt: Philosophisches Wörterbuch (= Kröners Taschenausgabe. 13). 21. Auflage, neu bearbeitet von Georgi Schischkoff. Alfred Kröner, Stuttgart 1982, ISBN 3-520-01321-5</ref> <ref name="HillmannSWB">Karl-Heinz Hillmann: Wörterbuch der Soziologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 410). 4., überarbeitete und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-41004-4</ref> </references>