Diadumenianus
Marcus Opellius Diadumenianus (kurz Diadumenian; * 14. September 208; † Sommer 218) war der Sohn des römischen Kaisers Macrinus. Nach der Erhebung seines Vaters zum Kaiser im April 217 erhielt er den Titel Caesar und den Namen Marcus Opellius Antoninus Diadumenianus. Im folgenden Jahr wurde Diadumenianus nominell Mitregent, doch bald darauf kam er beim Sturz seines Vaters ums Leben.
Leben
Der Vater des Diadumenianus, der Prätorianerpräfekt Macrinus, gehörte dem Ritterstand an. Anfang 217 wurde er von Kaiser Caracalla in den Senatorenstand erhoben und erhielt den Titel clarissimus vir („hochangesehener Mann“).<ref>Cassius Dio 79 (78),13,1; CIL XV 7505. Bei der Angabe mancher Bücher von Cassius Dios Werk sind unterschiedliche Zählungen gebräuchlich; eine abweichende Buchzählung ist hier und im Folgenden jeweils in Klammern angegeben.</ref> Zugleich wurde der damals noch nicht neunjährige Diadumenianus in den Senatorenstand aufgenommen; er ist inschriftlich als clarissimus puer („hochangesehener Knabe“) bezeugt.<ref>CIL XV 7505.</ref>
Macrinus organisierte das Mordkomplott, dem Kaiser Caracalla am 8. April 217 zum Opfer fiel, und wurde dann vom Heer zu dessen Nachfolger erhoben. Bald darauf ließ er seinen Sohn in der Stadt Zeugma am Euphrat zum Caesar und damit zu seinem künftigen Nachfolger proklamieren. Diadumenianus erhielt den sehr populären Kaisernamen Antoninus, der an Mark Aurel erinnerte und den auch Caracalla getragen hatte.<ref>Ronald Syme: The Son of the Emperor Macrinus. In: Phoenix 26, 1972, S. 275–291, hier: 277f.; Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 69f.</ref>
In Rom wurden am 14. September 217 anlässlich von Diadumenianus' Geburtstag Wagenrennen abgehalten. Dabei kam es zu einer Protestkundgebung gegen Macrinus wegen seiner andauernden Abwesenheit von der Hauptstadt.<ref>Cassius Dio 79 (78),20. Vgl. Julia Sünskes Thompson: Aufstände und Protestaktionen im Imperium Romanum, Bonn 1990, S. 36, 120–122.</ref>
Als im Mai 218 die Rebellion des Elagabal ausbrach, dessen Anhänger ihn als unehelichen Sohn Caracallas ausgaben, reagierte Macrinus, der sich weiterhin in Syrien aufhielt, in Apameia mit der Erhebung seines Sohnes zum Augustus, also zum nominell gleichrangigen Mitherrscher.<ref>Ronald Syme: The Son of the Emperor Macrinus. In: Phoenix 26, 1972, S. 275–291, hier: 277.</ref> Nach seiner Niederlage gegen Elagabal in der Entscheidungsschlacht bei Antiocheia am 8. Juni 218 versuchte Macrinus nach Rom zu fliehen, wurde aber gefasst und getötet. Er hatte Diadumenianus zum Partherkönig Artabanos IV. geschickt, um ihn so in Sicherheit zu bringen. Diadumenianus wurde aber auf der Flucht in Zeugma, wo man ihn von der Caesar-Proklamation her kannte, verhaftet und bald darauf getötet.<ref>Cassius Dio 79 (78),40,1; Herodian 5,4,12. Vgl. Ronald Syme: The Son of the Emperor Macrinus. In: Phoenix 26, 1972, S. 275–291, hier: 278.</ref> Es folgte, wie in solchen Fällen üblich, die damnatio memoriae (Auslöschung des Andenkens), was die Zerstörung der Bildnisse des Verfemten und Tilgung seines Namens auf Inschriften und Papyri zur Folge hatte.<ref>Zur Durchführung dieser Maßnahme im Fall von Diadumenianus siehe Eric R. Varner: Mutilation and Transformation. Damnatio Memoriae and Roman Imperial Portraiture, Leiden 2004, S. 185–188.</ref>
In der spätantiken Historia Augusta wurde Diadumenianus eine eigene Lebensbeschreibung gewidmet, die mit erfundenen Angaben ausgeschmückt ist und deren Quellenwert gering ist.
Ikonographie
Das Aussehen des Diadumenianus ist nur aus der Münz- und Medaillonprägung bekannt. Es ist unwahrscheinlich, dass eine der unterschiedlichen Rundplastiken, für die er in Betracht gezogen worden ist, tatsächlich ihn darstellt. Die Münzbildnisse folgen der frühseverischen Tradition; sie erinnern an die Münzporträts Caracallas aus dessen Zeit als Caesar.<ref>Florian Leitmeir: Brüche im Kaiserbildnis von Caracalla bis Severus Alexander. In: Stephan Faust, Florian Leitmeir (Hrsg.): Repräsentationsformen in severischer Zeit, Berlin 2011, S. 11–33, hier: 19f.; Max Wegner: Diadumenianus. In: Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1, Berlin 1971, S. 141–145.</ref>
Literatur
- Ronald Syme: The Son of the Emperor Macrinus. In: Phoenix Bd. 26, 1972, S. 275–291
- Klaus-Peter Johne: M. Opellius Diadumenianus. In: Leiva Petersen (Hrsg.): Prosopographia Imperii Romani, 2. Auflage, Teil 5, de Gruyter, Berlin 1970–1987, S. 442–445 (O 107)
Ikonographie
- Max Wegner: Diadumenianus. In: Heinz Bernhard Wiggers, Max Wegner: Caracalla, Geta, Plautilla. Macrinus bis Balbinus (= Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1). Gebrüder Mann, Berlin 1971, ISBN 3-7861-2147-8, S. 141–145
Weblinks
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- Donatien Grau: Fachwissenschaftliche Kurzbiografie (französisch) aus De Imperatoribus Romanis
- Biografie aus der Historia Augusta (englisch)
Anmerkungen
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