Dicofol
Dicofol ist ein Akarizid, das aus DDT hergestellt wird. Es wirkt als Kontaktgift gegen Spinnmilben und ihre Eier.
Geschichte
Die Firma Rohm & Haas brachte Dicofol 1955 erstmals auf den Markt.<ref name="Roempp">Vorlage:RömppOnline</ref> Das 2004 in Kraft getretene Stockholmer Übereinkommen beschränkte die Verwendung von DDT auf die Bekämpfung krankheitsübertragender Insekten und die Herstellung von Dicofol. Soweit die Herstellung außerhalb geschlossener Systeme erfolgt, sind dafür Genehmigungen notwendig, wie sie derzeit für Indien und China bestehen.<ref>Sekretariat des Stockholmer Übereinkommens: Register of Specific Exemptions, abgerufen am 13. September 2008.</ref> Das chinesische Umweltministerium hat im Juli 2008 auf eine Verlängerung dieser Genehmigung verzichtet.<ref>Chinesisches Ministerium für Umweltschutz: Schreiben an das Sekretariat des Stockholmer Übereinkommens (PDF; 226 kB), 10. Juli 2008.</ref>
Chemische Eigenschaften
Das technische Produkt hat einen Reinheitsgrad von 95 %. Davon entfallen 80–85 % auf p,p′-Dicofol und 15–20 % auf o,p′-Dicofol.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Der verbleibende Anteil des technischen Produkts enthält Reste von DDT und einer Reihe von DDT-Analoga.<ref>Pesticide Management Education Program (PMEP): dicofol (Kelthane) Chemical Fact Sheet 12/83.</ref>
In China hergestelltes Dicofol enthielt pro Kilogramm 114 g o,p′-DDT, 69 g p,p′-Cl-DDT, 44 g o,p′-DDE und 17 g p,p′-DDT. Aus der Verwendung von Dicofol in China wurde für den Zeitraum 1988 bis 2002 ein Eintrag von Gesamt-DDT von 8770 t hochgerechnet. DDT-Rückstände vom „Dicofol-Typ“ weisen ein hohes o,p′-DDT/p,p′-DDT-Verhältnis auf.<ref>Xinghua Qiu, Tong Zhu, Bo Yao, Jianxin Hu, Shaowen Hu: Contribution of Dicofol to the Current DDT Pollution in China. Environ. Sci. Technol., 39 (12), 4385–4390, 2005, Vorlage:DOI.</ref>
Verwendung
Dicofol wird als Akarizid im Obst- und Gemüsebau, bei Zierpflanzen und verschiedenen Feldfrüchten verwendet. Auf Insekten hat es nur geringe Wirkung.<ref>Pesticide Information Profile Dicofol bei Extoxnet, Stand September 1993.</ref>
In Deutschland wurde Dicofol vor allem beim Anbau von Wein, Hopfen und Zierpflanzen gegen Spinnmilben und Weichhautmilben eingesetzt. In den Handel kam es üblicherweise als Spritzpulver mit einem Wirkstoffgehalt von 21,2 % und als Emulsionsspritzmittel mit 42,5 %.<ref name="Perkow">Werner Perkow: Wirksubstanzen der Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, 2. Auflage, 3. Erg. Lfg. März 1992, Verlag Paul Parey.</ref>
Zulassung
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist heute kein Pflanzenschutzmittel mehr zugelassen, das diesen Wirkstoff enthält.<ref name="PSM">Vorlage:PSM-Verz</ref> Die EU-Kommission entschied sich 2008 gegen die Aufnahme von Dicofol in die Liste der zugelassenen Pflanzenschutzmittel, da es gesundheitsschädlich sei, die Belastung für Anwender regelmäßig über der annehmbaren Exposition liege und die Bewertung des Risikos für Verbraucher nicht möglich sei. Die Mitgliedsstaaten wurden verpflichtet, bestehende Zulassungen bis zum 30. März 2009 zu widerrufen.<ref>Entscheidung der Kommission vom 30. September 2008 Vorlage:EUR-Lex-Rechtsakt.</ref>
Das Europäische Arzneibuch legt als Grenzwert für Dicofol-Rückstände in pflanzlichen Drogen 0,5 mg·kg−1 fest.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Dicofol wurde 2013 von der Europäischen Union für die Aufnahme in das Stockholmer Übereinkommen nominiert<ref>Chemicals proposed for listing under the Convention.</ref><ref>UNEP/POPS/POPRC.9/3: Proposal to list dicofol in Annexes A, B and/or C to the Stockholm Convention on Persistent Organic Pollutants, 2013.</ref> und an der Vertragsstaatenkonferenz 2019 in die Anlage A aufgenommen.<ref>2019 Meetings of the Conferences of the Parties to the Basel, Rotterdam and Stockholm Conventions – Highlights for Monday, 29 April 2019, ENB report, 29. April 2019.</ref> Das Verbot der Herstellung und der Verwendung von Dicofol trat in den Vertragsstaaten per Dezember 2020 in Kraft. Indien, das einzige Land, in welchem Dicofol noch hergestellt worden war, kündigte im April 2019 allerdings an, die Herstellung bereits vorher zu beenden.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Dicofol ist als „prioritärer gefährlicher Stoff“ in Anhang X der europäischen Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) aufgeführt.<ref>Vorlage:EU-Richtlinie. Anhang X.</ref>
Biologische Bedeutung
Nach einem Unfall bei der Dicofol-Herstellung gelangten 1980 Dicofol, DDT, DDD, DDE und Schwefelsäure in den Lake Apopka in Florida. Innerhalb der folgenden vier Jahre ging dort der Bestand des Hechtalligators (Alligator mississippiensis) um 90 % zurück. Die Mortalität der erwachsenen Tiere war deutlich, die der Jungtiere drastisch höher als bei einer Kontrollpopulation. Das Geschlechterverhältnis war zu den Weibchen hin verschoben und man fand Veränderungen im Hormonspiegel und an den Geschlechtsorganen der Alligatoren. Im Labor konnte mit DDE an Eiern des Hechtalligators eine geschlechtliche Umwandlung oder Intersexualität ausgelöst werden.<ref>Beratergremium für Altstoffe der Gesellschaft Deutscher Chemiker: DDT und Derivate – Modellstoffe zur Beschreibung endokriner Wirkungen mit Relevanz für die Reproduktion. BUA-Stoffbericht 216, S. Hirzel Verlag, August 1998, ISBN 3-7776-0961-7.</ref>
Einzelnachweise
<references />
- Seiten, in denen die maximale Größe eingebundener Vorlagen überschritten ist
- Seiten, die ignorierte Vorlagenparameter enthalten
- Seiten mit defekten Dateilinks
- Chlorbenzol
- Trichlormethylverbindung
- Ethanol
- Diphenylmethan
- Pflanzenschutzmittel (Wirkstoff)
- Akarizid
- Persistenter organischer Schadstoff nach Stockholmer Übereinkommen