Differenzkern
Ein Differenzkern, auch Egalisator oder nach der englischsprachigen Bezeichnung Equalizer genannt, ist eine Verallgemeinerung des mathematischen Begriffes Kern auf beliebige Kategorien.
Definition
In einer Kategorie seien zwei Morphismen <math>f,g\colon X\rightarrow Y</math> gegeben. Ein Differenzkern von <math>f</math> und <math>g</math> ist ein Morphismus <math>i\colon Z\rightarrow X</math> mit folgenden Eigenschaften:
- <math> f \circ i = g \circ i </math> und
- zu jedem Morphismus <math>i' \colon Z' \to X</math>, für den <math>f \circ i' = g \circ i'</math> gilt, gibt es genau einen Morphismus <math> c \colon Z' \to Z</math>, so dass <math>i' = i \circ c</math>.<ref>B. Pareigis: Kategorien und Funktoren, B. G. Teubner (1969), Kapitel 1.9: Differenzkerne und -kokerne</ref><ref>Horst Herrlich, George E. Strecker: Category Theory, Allyn and Bacon Inc. 1973, Definition 16.2</ref>
<math> \begin{array}{ccccc} Z' & & & & \\
\downarrow^{c} & \searrow^{i'} & & & \\
Z & \xrightarrow[i]{} & X & \underset{f}{\overset{g}{\rightrightarrows}} & Y \\ \end{array} </math>
Beispiele
- In den Kategorien Set der Mengen, Top der topologischen Räume, <math>R</math>-Mod der Linksmoduln über einem Ring <math>R</math> ist in der Situation obiger Definition die Inklusionsabbildung
- <math>i\colon \{x\in X \mid f(x) = g(x)\} \hookrightarrow X</math>
- ein Differenzkern. Insbesondere in der zuletzt genannten Kategorie ist
- <math>\{x\in X \mid f(x) = g(x)\} = \{x\in X \mid (f-g)(x)=0\}</math>
- automatisch ein Untermodul, der mit dem Kern der Differenz <math>f-g</math> zusammenfällt, was die Bezeichnung Differenzkern erklärt.
- In den Kategorien der Gruppen, abelschen Gruppen, Vektorräume oder Ringe ist der Differenzkern zweier Morphismen durch den Differenzkern der zugrundeliegenden Mengenabbildungen gegeben.
- Hat die betrachtete Kategorie Nullobjekte und ist in der Situation obiger Definition <math>g=0_{XY}</math> der Nullmorphismus <math>X\rightarrow Y</math>, so ist ein Differenzkern von <math>f</math> und <math>0_{XY}</math> nichts anderes als ein Kern von <math>f</math>. Damit ist jeder Kern ein Beispiel für einen Differenzkern.
Bemerkungen
- Differenzkerne sind nicht eindeutig bestimmt. Sind aber in der Situation obiger Definition <math>i\colon Z\rightarrow X</math> und <math>\tilde{i}\colon\tilde{Z}\rightarrow X</math> zwei Differenzkerne von <math>f</math> und <math>g</math>, so folgt aus der Eindeutigkeiteigenschaft, dass es einen eindeutig bestimmten Isomorphismus <math>c\colon\tilde{Z}\rightarrow Z</math> mit <math>\tilde{i} = i\circ c</math> gibt. Differenzkerne sind also bis auf (eindeutige) Isomorphie bestimmt, weshalb man oft von dem Differenzkern spricht und ihn mit <math>\mathrm{ker}(f,g)</math> bezeichnet.
- In einer weiteren sprachlichen Ungenauigkeit nennt man das Objekt <math>Z</math> den Differenzkern. Der eigentlich gemeinte Morphismus ist dann immer eine naheliegende Inklusionsabbildung, die unerwähnt bleiben kann.
- Man sagt, eine Kategorie habe Differenzkerne, wenn es zu je zwei Morphismen <math>f,g\colon X\rightarrow Y</math> einen Differenzkern gibt. Die in den obigen Beispielen genannten Kategorien Set, Top und <math>R</math>-Mod haben offenbar Differenzkerne. Die Unterkategorie Set2 der mindestens zweielementigen Mengen von Set hat keine Differenzkerne.<ref>Horst Herrlich, George E. Strecker: Category Theory, Allyn and Bacon Inc. 1973, Beispiele 16.9</ref>
- Differenzkerne sind Monomorphismen.<ref>Horst Herrlich, George E. Strecker: Category Theory, Allyn and Bacon Inc. 1973, Satz 16.4</ref> Die Umkehrung gilt im Allgemeinen nicht. Diejenigen Monomorphismen, die als Differenzkern auftreten, nennt man regulär.
- Differenzkerne sind spezielle Limites, nämlich die von Funktoren <math>\mathcal{I}\rightarrow\mathcal{C}</math> (auch <math>\mathcal{I}</math>-förmige Diagramme genannt), in welchen die Kategorie <math>\mathcal{I}</math> aus zwei Objekten mit jeweiligen Identitäten und zwei parallelen Morphismen zwischen ihnen besteht.
Äquivalente Beschreibung
Ein Differenzkern zweier Morphismen <math>f, g \colon X \to Y</math> in einer beliebigen Kategorie kann auch als das durch die folgenden äquivalenten Eigenschaften charakterisierte Unterobjekt <math> i \colon \ker( f , g) \to X</math> von <math>X</math> beschrieben werden:
- <math>\operatorname{Hom}(T,\ker(f,g)) \cong \ker(\operatorname{Hom}(T,f),\operatorname{Hom}(T,g))</math>
wobei
- <math>\operatorname{Hom}(T,f)\colon \operatorname{Hom}(T,X) \to \operatorname{Hom}(T,Y)</math>
- <math>\operatorname{Hom}(T,f)(t) := f t</math>
und der Differenzkern auf der rechten Seite der oben beschriebene Differenzkern in der Kategorie der Mengen ist, nicht der in der betrachteten Kategorie.
Des Weiteren soll der Isomorphismus in Punkt 2 natürlich in <math>T</math> sein, das heißt: Nennen wir die Familie von Isomorphismen
- <math>\varphi_T\colon \operatorname{Hom}(T,\ker(f,g)) \to \ker(\operatorname{Hom}(T,f),\operatorname{Hom}(T,g))</math>
dann gilt für alle <math> a \colon T_0 \to T </math> und alle <math>t</math> für die der folgende Ausdruck definiert ist, dass
- <math> \varphi_{T_0}(t a) = \varphi_T( t ) a </math>
Siehe auch
Einzelnachweise
<references />