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Diiodmethan

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Diiodmethan (CH2I2), in der Literatur ist häufiger die Bezeichnung Methyleniodid bzw. die veraltete Version Methylenjodid anzutreffen, ist ein zweifach iodiertes Derivat des Methans und somit ein halogenierter Kohlenwasserstoff. In der Natur ist diese Verbindung bspw. in Seewasser in Konzentrationen von einigen pmol/mol zu finden.<ref>Vogt, Rainer et al.: Iodine chemistry and its role in halogen activation and ozone loss in the marine boundary layer: A model study. In: Journal of Atmospheric Chemistry 32.3, 1999, S. 375–395.</ref>

Gewinnung und Darstellung

Diiodmethan kann ähnlich wie Dibrommethan durch Reaktion von Iodoform mit Natriumarsenit und Natriumhydroxid gewonnen werden.<ref>Vorlage:OrgSynth</ref>

<chem>CHI3 + Na3AsO3 + NaOH -> CH2I2 + Na3AsO4 + NaI</chem>

Es kann auch durch Reaktion von Kaliumiodid mit Dichlormethan hergestellt werden sowie in sehr guter Ausbeute durch Oxidation von Iodessigsäure mit Kaliumperoxodisulfat.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Ebenfalls möglich ist die Synthese durch Reaktion von Dichlormethan mit Natriumiodid in Aceton gemäß der Finkelstein-Reaktion:<ref name="François Cardarelli" />

<chem>CH2Cl2 + 2NaI -> CH2I2 + 2NaCl</chem>

Eigenschaften

In frischem Zustand ist Diiodmethan eine farblose Flüssigkeit, die sich im Laufe der Zeit durch Zersetzungsreaktionen am Tageslicht bräunlich verfärben kann. Sowohl die Dichte als auch der Brechungsindex von Diiodmethan sind mit 3,325 g·cm−3<ref name="CRC"/> bzw. 1,7425 (20 °C und 589,3 nm)<ref name="CRC"/> außergewöhnlich hoch. Die Oberflächenspannung beträgt 0,0508 N·m−1.<ref name="KRÜSS">Krüss: Vorlage:Webarchiv</ref>

Verwendung

In der organischen Synthese kann CH2I2 zur Darstellung von Carbenen verwendet werden, zum Beispiel in der Simmons-Smith-Reaktion.<ref>H. E. Simmons, T. L. Cairns, S. A. Vladuchick, C. M. Hoiness: Review of its use in the cyclopropanation of olefins. In: Org. React., 20, 1973, S. 1–131.</ref> Außerdem findet es als Iodquelle bei sandmeyerartigen Reaktionen Verwendung, zum Beispiel wenn in Systemen gearbeitet wird, in denen anorganische Iodide nicht löslich sind.<ref>V. Nair, S. Richardson: Modification of Nucleic Acid Bases via Radical Intermediates: Synthesis of Dihalogenated Purine Nucleosides. In: Synthesis, 1982, S. 670–672; Vorlage:DOI.</ref>

In der Mineralogie wird die Schwerflüssigkeit mithilfe der Immersionsmethode häufig zur Bestimmung des Brechungsindex von Mineralien, sowie zur Abtrennung und Dichtebestimmung unbekannter Schwermineralien verwendet.<ref name="Eckard Amelingmeier, Michael Berger, Uwe Bergsträßer, Henning Bockhorn, Peter Botschwina">Vorlage:Literatur</ref><ref name="Will Kleber, Hans-Joachim Bautsch, Joachim Bohm, Detlef Klimm">Vorlage:Literatur</ref><ref name="François Cardarelli" /> Wegen seiner unbestimmten Toxizität sollte Diiodmethan hierfür nicht mehr verwendet werden, zumal es in vielen Fällen sehr einfach durch ungefährlichere Schwerflüssigkeiten ersetzt werden kann.<ref name="François Cardarelli" />

Bei der Kontaktwinkelmessung wird Diiodmethan als Referenzflüssigkeit zur Bestimmung der Oberflächenenergie von Festkörpern verwendet<ref>Vorlage:Literatur</ref>, da es für eine rein bzw. vorwiegend unpolare Flüssigkeit eine relativ hohe Oberflächenspannung aufweist und daher gut messbare Kontaktwinkel ausbildet.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Dihalogenmethane