Dingstock
Dingstock (abgeleitet von Thing) hat verschiedene Bedeutungen.
Gerichtsschranke, Gericht
Das Wort Dingstock (dänisch tingstok) ist ursprünglich eine alte, vor allem im niederdeutschen Sprachgebiet verbreitete Bezeichnung für eine Gerichtsschranke.<ref>Dingstock. In: Deutsches Rechtswörterbuch, Band 2, Heft 7 (Erscheinungsdatum zwischen 1933 und 1935), siehe Bedeutung I 1; siehe auch „die 4 ding-stöcke oder schrancken“ und weitere Zitate unter I 2.</ref>
Insbesondere die Wendung „die vier Dingstöcke“ wurde im übertragenen Sinn für das Gericht selbst verwendet.<ref>Dingstock. In: Deutsches Rechtswörterbuch, Band 2, Heft 7 (Erscheinungsdatum zwischen 1933 und 1935), siehe Bedeutung I 2.</ref> Vier Bäume oder Hölzer grenzten bei Verhandlungen unter freiem Himmel den Bereich ab, den nur die beteiligten Parteien und Zeugen betreten durften.<ref>Dingstock. In: Deutsches Rechtswörterbuch, Band 2, Heft 7 (Erscheinungsdatum zwischen 1933 und 1935), siehe Bedeutung I 1, zweites und drittes Zitat.</ref>
Der Thingplatz der Riesebyharde befand sich in Rieseby. Daran erinnern ein Gedenkstein mit der Beschriftung Dingstock – Thingstätte wie auch die dortigen Straßennamen Dingstock und Am Dingstock.
Stock zur Weitergabe von Einladungen und Nachrichten
Anfang des 17. Jahrhunderts kam im schleswig-holsteinischen Raum eine weitere Bedeutung des Begriffs Dingstock auf, nämlich „Dorfstock, mit dem zum Ding oder zur Fron geladen wird“ (Deutsches Rechtswörterbuch).<ref>Dingstock. In: Deutsches Rechtswörterbuch, Band 2, Heft 7 (Erscheinungsdatum zwischen 1933 und 1935), siehe Bedeutung II.</ref>
Form
Der Dingstock ist typischerweise ein etwa 30 Zentimeter langer, in der Grundform stabförmiger, manchmal kreuzförmiger Gegenstand, meist aus Eisen. Ansonsten variiert die Gestalt. Meist sind ein oder mehrere Ringe am Dingstock angebracht. Er kann eine Vorrichtung wie eine Klemme oder eine Tasche aufweisen, so dass schriftliche Bekanntmachungen hineingesteckt werden konnten.<ref>Siehe Beispiele in der Objektdatenbank des Museumsverbandes Schleswig-Holstein und Hamburg e. V. Bei Eingabe von Dingstock ins Suchfeld werden sechs Dingstöcke angezeigt. Nähere Angaben sind durch Klick abrufbar.</ref>
Verwendung
Der Dingstock diente meist dazu, im Rahmen bäuerlicher Selbstverwaltung zu Zusammenkünften oder Verhandlungen beim Bauernvogt einzuladen. Der Dingstock wurde dazu in festgelegter Reihenfolge von Hofstelle zu Hofstelle weitergereicht. Wurde die Weitergabe unterlassen oder verzögert, so wurde dieses Versäumnis bestraft und im Brücheregister vermerkt.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Dingstöcke waren in manchen Orten noch im 20. Jahrhundert in Gebrauch. In Vollstedt wurden Ende der 1960er Jahre noch zwei Dingstöcke verwendet; in einer Radiosendung gab der Bürgermeister Auskunft dazu (in plattdeutschem Dialekt).<ref>Dingstock statt Amtsaushang Radiobeitrag des NDR vom 22. Oktober 1958 in der ARD Mediathek (5 Min.).</ref>
In Norstedt wurden Nachrichten sogar noch im Jahr 2015 per Dingstock weitergegeben,<ref>Dingstock: Besser als eine Mail shz.de, 5. August 2015.</ref> jedoch nicht mit dem originalen Dingstock aus dem Jahr 1670. Dieser wurde bis 1977 verwendet und dann von Nachbauten abgelöst. Das historische Original wurde seitdem vom jeweiligen Bürgermeister aufbewahrt und im Jahr 2018 dem Nordfriisk Instituut in Bredstedt für seine Dauerausstellung überlassen.<ref>Amt Viöl aktuell (Nachrichtenblatt des Amtes Viöl), Ausgabe 4/2018, S. 16 f.</ref>
Darstellung in Wappen
Im Wappen von Borgstedt ist ein stabförmiger Dingstock mit mehreren Ringen zu sehen. Die Gemeinde Borgstedt erklärt zu ihrem Wappen: „Die Vergangenheit Borgstedts als Bauerndorf repräsentiert der Dingstock, mit dem die Dorfbewohner früher zu Versammlungen zusammengerufen wurden.“<ref>Beschreibung des Wappens gemeinde-borgstedt.de</ref>
Der Dingstock im Wappen von Högel ist ein einfacher Stab mit einem Ring. Die Gemeinde Högel nennt ihn „Thingstab“ und erläutert, er sei ein Symbol für den jahrhundertealten nordischen Brauch, „Nachrichten mit dem Thingstab innerhalb des Dorfes weiterzugeben“.<ref>Gemeindewappen hoegel-nf.de</ref>
Im Wappen von Rieseby ist ein kreuzförmiger Dingstock mit zwei Ringen und mit einer Klemme am Schaft zu sehen. Die Gemeinde Rieseby erklärt, der Dingstock in ihrem Wappen verweise „auf die mittelalterliche Versammlungsstätte (Thingstätte) im Raum Rieseby als damaliger Mittelpunkt der ‚Riesebyharde‘“.<ref>Die Geschichte Riesebys rieseby.de</ref> Dieses Wappen verwendet also einen Dingstock im jüngeren Sinn als Symbol für die Thingstätte („Dingstock“ im älteren Sinn).
Sonstiges
Die Dorfzeitung der Gemeinde Schafflund heißt Dingstock. Auf der Titelseite ist ein Dingstock dargestellt.<ref>Dingstock Archiv schafflund.de</ref>
Siehe auch
Einzelnachweise
<references />