Zum Inhalt springen

Dobutamin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Chemikalie

Dobutamin ist ein in den 1970er Jahren entwickeltes<ref>R. R. Tuttle, J. Mills: Dobutamine. Development of a new catecholamine to increase cardiac contractiliy. In: Circulat. Res. Band 36, 1975, S. 185–189.</ref> synthetisches Sympathikomimetikum aus der Gruppe der Katecholamine, das als Arzneistoff bei akuter Herzinsuffizienz oder kardiogenem Schock eingesetzt wird. Es kann nur intravenös verabreicht werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird das vor allem als Dobutrex bekanntgewordene Mittel von verschiedenen Herstellern als Generikum, in Österreich auch unter dem Namen Inotop vertrieben.<ref>Rote Liste online, Stand: 2017.</ref><ref>AM-Komp. d. Schweiz, Stand: September 2009.</ref><ref>AGES-PharmMed, Stand: September 2009.</ref>

Wirkungsweise

Dobutamin ist ein Katecholamin und hat keine stimulierende Wirkung auf Dopamin-Rezeptoren, sondern wirkt als Agonist an α1-, β1- und β2-Adrenozeptoren, wobei die β1-Stimulation am Herzen weit im Vordergrund steht, da sich die Alpha-1- und Beta-2-Wirkungen gegenseitig aufheben (= scheinbare Beta-1-Selektivität). Dobutamin ist ein Enantiomerengemisch (Racemat): Das (+)-Enantiomer aktiviert β1- und β2-Rezeptoren und das (–)-Enantiomer ist verantwortlich für die Wirkung auf den α1 Rezeptor. Hieraus resultieren die Hauptwirkungen von Dobutamin, nämlich eine Steigerung der Kontraktilität der Herzmuskelzellen (positive Inotropie) und eine in der Regel nur gering ausgeprägte Beschleunigung der Herzfrequenz (positive Chronotropie). Damit erfolgt eine Erhöhung von Schlagvolumen (SV) und Herzzeitvolumen (HZV) mit konsekutiver Verbesserung der Durchblutung lebenswichtiger Organe (Gehirn, Niere etc.).<ref>Tibayan FA et al.: Dobutamine increases alveolar liquid clearance in ventilated rats by beta-2 receptor stimulation. Am J Respir Crit Care Med. 1997 Aug;156(2 Pt 1):438-44 Vorlage:Webarchiv Volltext (PDF; 80 kB), PMID 9279221.</ref>

Anwendungsgebiete

Akute Herzinsuffizienz, kardiogener Schock, intraoperative Anwendung bei herzchirurgischen Eingriffen. Die Dosierung beträgt 1–10 µg/kg/min.<ref>Reinhard Larsen: Anästhesie und Intensivmedizin in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. (1. Auflage 1986) 5. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York u. a. 1999, ISBN 3-540-65024-5, S. 44–49 und 76.</ref>

Außerdem wird Dobutamin in der Belastungsechokardiografie sowie in der Kardio-Magnetresonanztomographie eingesetzt, um das Herz medikamentös zu belasten.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Aufgrund der agonistischen Wirkung auf β2-Rezeptoren und der damit verbundenen peripheren Vasodilatation kann es<ref>Vgl. dazu R. Knoll, M. Brandl: Dobutaminspiegelbestimmungen im menschlichen Plasma – Methodische und klinische Aspekte. In: Anästhesie Intensivtherapie Notfallmedizin. Band 21, Nr. 1, 1986, S. 34–37, hier: S. 34.</ref> bei Volumenmangel zu einer zusätzlichen Reduktion der kardialen Füllungsdrücke kommen, weshalb es bei Schockzuständen durch Volumenmangel kontraindiziert ist. Weitere Kontraindikationen sind die Perikardtamponade und die hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie.

Nebenwirkungen

Häufig auftretende unerwünschte Wirkungen resultieren aus der Beta-mimetischen Wirkung: Tachykardie, Tachyarrhythmien, Extrasystolen und pectanginöse Beschwerden. Nebenwirkungen wie Tachykardie beruhen wahrscheinlich auf relativ hohen Plasmaspiegeln<ref>R. Knoll, M. Brandl: Dobutaminspiegelbestimmungen im menschlichen Plasma – Methodische und klinische Aspekte. In: Anästhesie Intensivtherapie Notfallmedizin. Band 21, Nr. 1, 1986, S. 34–37.</ref> an freiem Dobutamin.

Chemie

Stereochemie

Dobutamin ist ein chirales synthetisches Katecholamin mit einem Stereozentrum. Die beiden Stereoisomere besitzen unterschiedliche pharmakologische Eigenschaften (siehe oben, Abschnitt Wirkungsweise). Therapeutisch wird das Racemat, die 1:1-Mischung des (S)- und des (R)-Isomeres, als Hydrochlorid eingesetzt.<ref name="EuropäischesArzneibuch">Europäisches Arzneibuch, Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart, 6. Ausgabe, 2008, S. 2369–2370, ISBN 978-3-7692-3962-1.</ref>

Handelsnamen

Monopräparate

Dobutrex, Inotop (A)

Literatur

  • F. Kersting, Hanjörg Just: H.-D. Bolte (Hrsg.): Therapeutischer Nutzen von Dobutamin im Vergleich zu anderen Katecholaminen. In: Katecholamine und Vasodilatantien bei Herzinsuffizienz. Springer, Berlin / Heidelberg / New York 1981.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Gesundheitshinweis