Ehrentitel im Budō
In den japanischen Kampfkünsten (Budō) existiert, neben dem gemeinhin bekannten modernen Dan-Graduierungssystem, noch eine weitere Form der Auszeichnung: die klassischen Ehrentitel im Budō
- Renshi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))
- Kyōshi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))
- Hanshi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))
- Meijin ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))
Diese Titel waren gedacht als einzelne Schritte auf dem Weg – Zeichen, dass ein gewisses Niveau an Können und Verständnis erreicht worden war. Sie werden nur demjenigen verliehen, der „einen spezifischen Rang innehat und außergewöhnlich in seiner Technik, in seinem Wissen und in seinem Charakter als Budōka ist“.<ref name="Budo">IMAF-Budo Passport: Explanations of Titles. Board of IMAF, S. 27.</ref>
Nur eine Kommission von japanischen Budō-Großmeistern, die alle den Hanshi-Titel besitzen müssen, darf über die Vergabe von Budō-Titeln entscheiden.
Geschichte
Der Dainippon Butokukai hatte als oberstes Kontrollorgan die Aufgabe, nach der Auflösung des Shōgunates durch die Meiji-Restauration die verschiedenen Kampfkünste unter einem Dach zu vereinen und sowohl zu standardisieren als auch zu kontrollieren.<ref name="Butokukai">Artikel „Butokukai“ in: W. Lind: Das Lexikon der Kampfkünste. ISBN 3-328-00838-1.</ref>
Im Jahre 1902 – das Dan-System war noch nicht entwickelt – führte der Butokukai die beiden Titel Kyōshi und Hanshi für die herausragendsten japanischen Meister ein. Diese Titel entstammen alten Samurai-Adelsgraden, die vor der Meiji-Restauration von den Daimyō vergeben worden waren. 1934, nachdem auch das okinawanische Karate als japanische Kampfkunst vom Butokukai aufgenommen worden war, kam der dritte Titel Renshi, unterhalb von Kyōshi und Hanshi, dazu.<ref name="Gordon">Web-Artikel: Titles and Degrees in Karate auf doshikai.org (PDF; 33 kB), Gordon</ref>
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die japanischen Kampfkünste von den Siegermächten verboten und der Butokukai aufgelöst. Erst nachdem die Kampfkünste in Japan wieder erlaubt worden waren, konnten auch wieder offizielle Budō-Titel vergeben werden. Dafür ermächtigte das japanische Kaiserhaus die 1952 gegründete Nachfolgeorganisation des Butokukai, die IMAF-Kokusai Budoin, als einzige Organisation außerhalb der japanischen Regierung dazu, die Ehrentitel Renshi, Kyōshi, Hanshi und jetzt auch Meijin in allen Budō-Disziplinen zu verleihen. Neben der IMAF bekamen nur noch die japanischen Kobudō-, Kendō-, Iaidō- und Kyūdō-Verbände die Erlaubnis, die Titel Renshi, Kyōshi und Hanshi in ihren Disziplinen zu vergeben. Die Verleihung des Meijin-Titels bleibt exklusiv der IMAF vorbehalten.<ref name="Karate">About the titles Renshi, Kyoshi and Hanshi. In: Gendo 2003 (IMAF-Kokusai Budoin Newsletter)</ref><ref name="Masters"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />How the Masters Got Their Ranks: Origins of the Karate Rank System ( vom 21. Februar 2007 im Internet Archive) auf judoinfo.com</ref>
Da nur in seltenen Ausnahmefällen auch Nichtjapaner Budō-Titel erhalten, haben viele Organisationen und Verbände weltweit inzwischen das System der Budō-Titel für sich übernommen und verleihen die Titel – nach mehr oder weniger hohen Anforderungen – selbst. Jedoch sind die Budō-Titel rein japanische Titel und eine japanische Auszeichnung, daher haben alle Titel, die nicht von einer der oben genannten (und explizit von der japanischen Regierung bzw. dem Kaiserhaus autorisierten) Organisationen verliehen worden sind, keinen offiziellen Charakter.<ref name="Sato"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Prof. Shizuya Sato: Grade und Titel im Budo ( vom 27. September 2007 im Internet Archive) auf imaf-germany.de</ref>
Im Folgenden werden die Mindestanforderungen der IMAF (bezüglich der Dan-Graduierung) beschrieben. Andere Verbände legen hier unter Umständen andere Maßstäbe an.
Renshi
Die Silbe Ren ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) bedeutet etwa „ausgefeilt, geschmiedet oder gehärtet“, „Shi“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) bedeutet „Person“ oder „Mensch“. Renshi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) bezeichnet also einen „ausgefeilten Menschen“ oder Experten. Ein Renshi muss seit mindestens zwei Jahren Träger des 4. Dan oder höher sein.<ref name="Budo"/>
Kyōshi
Nachdem ein Renshi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) den 6., 7. oder 8. Dan erreicht hat, kann er, wenn er außergewöhnliche Fähigkeiten (nach Definition der jeweiligen Organisation) nachgewiesen hat, den Kyoshi-Titel ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) erhalten.<ref name="Sato"/> Kyō ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) heißt in etwa „lehren“ und bedeutet „Lehrer“.
Hanshi
Die wenigen Kyōshi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), die die höchsten Grade des 8. Dan und darüber erreicht haben und mindestens 50 Jahre alt sind, können schließlich mit dem Hanshi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ausgezeichnet werden.<ref name="Budo"/><ref name="Sato"/> Han ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) bedeutet so viel wie „Modell“ oder „Beispiel“. Hanshi bezeichnet Beispiel und Vorbild für die anderen, also den Großmeister. (Vgl. auch Shihan, der sich sprachlich nicht nur durch die Vertauschung der Silben unterscheidet: während die Silbe „shi“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) in Hanshi „Krieger“ bedeutet, wird „shi“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) in Shihan ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) mit einem anderen Schriftzeichen, das „Lehrer“ bedeutet, geschrieben; das Schriftzeichen für „han“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ist in beiden Fällen dasselbe.<ref name="Shihan">Kanji No. 1092 in: Wolfgang Hadamitzky: Langenscheidts Handbuch und Lexikon der japanischen Schrift. ISBN 3-468-49388-6.</ref>)
Meijin
Das Wort Meijin ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) entstammt dem Konfuzianismus und bedeutet „vollendeter Mensch“.<ref>Artikel „Meijin“ in: W. Lind: Das Lexikon der Kampfkünste. ISBN 3-328-00838-1.</ref> In der Geschichte des Budō haben insgesamt nur sechzehn Budo-Großmeister und Pioniere den Meijin-Titel erhalten (stand 2025). Es ist die höchste Auszeichnung im Budō und kann nur von der IMAF-Kokusai Budoin vergeben werden. Die Auszeichnung kann vergeben werden an Träger des 10. Dan Hanshi, die zu den herausragenden Führungspersönlichkeiten in den japanischen Kampfkünsten gehören, die sich lebenslang für die Prinzipien des Budō eingesetzt haben und durch ihr persönliches vorbildliches Beispiel der höchsten technischen Perfektion und des tiefsten geistigen Verständnisses sowie durch immerwährende vielfältige Anstrengungen zur Entwicklung und Verbreitung des Budō-Gedanken in der ganzen Welt beigetragen haben.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hans-Dieter Rauscher: Meijin ( vom 27. September 2007 im Internet Archive) auf imaf-germany.de</ref>
Träger des Meijin-Titels
| Name<ref>List of founders and Meijin (Grand Master) Title holders. In: Kokusai Budoin • Kokusai Budorenmei, IMAF. 17. Juni 2024, abgerufen am 21. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> | Disziplin | Lebensdaten |
|---|---|---|
| Japan Ito Kazuo | Judo | 1898–1974 |
| Japan Itoh Takasue | Judo | 1897–1981 |
| Japan Mifune Kyūzō | Judo | 1883–1965 |
| Japan Nakayama Hakudō | Kendō | 1873–1958 |
| Japan Ōtsuka Hironori | Karatedō | 1892–1982 |
| Japan Ota Tsugiyoshi | Iaidō | 1892–1984 |
| Japan Shioda Gōzō | Aikidō | 1915–1994 |
| Japan Takano Hiromasa | Kendō | 1900–1987 |
| Japan Yamaguchi Katsuo | Iaidō | 1917–2006 |
| Japan Tose Keiji | Iaidō | 1924–2010 |
| Japan Shizuya Satō | Nihon Jujutsu | 1929–2011 |
| Japan Hirokazu Kanazawa<ref>Hirokazu Kanazawa Soke (May 1931 - Dec 2019) - Shotokan Karate-Do International Federation. Abgerufen am 16. August 2023.</ref> | Karatedō | 1931–2019 |
| Japan Kazuo Sakai | Karatedō | 1930–2016 |
| Japan Tadanori Nobetsu | Karatedō | 1935–2023 |
| Japan Terukata Kawabata | Kobudō | 1940– |
| Japan Ikuo Higuchi | Karatedō | 1941– |
Siehe auch
- Shihan, ist der klassische Ehrentitel für einen Meister im Budō. Shihan ist ein japanischer Begriff aus dem Budō. Er ist Ausbilder von Lehrern oder ein Professor; wird aber häufig auch einfach als „Meister“ übersetzt. Es ist eine Ehren-Bezeichnung für einen hohen Würdenträger, hohen Lehrer und Meister.
- Shidōin und Fuku Shidōin, Bezeichnung für einen weniger erfahrenen Lehrer. Den Titel gibt es auch im japanischen Go – Träger war bspw. Honinbō Shūsai; sowie im japanischen Schachspiel Shogi – Träger war hier bspw. Yoshiharu Habu.
- Sensei: Lehrer
Weblinks
- IMAF Deutschland auf imaf-germany.de
Einzelnachweise
<references/>