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Elaste

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Elaste

Datei:Schriftzug des Magazins Elaste.jpeg
Beschreibung Kult- und Zeitgeistmagazin
Fachgebiet Musik, Popkultur, New Wave
Hauptsitz Hannover, München
Erstausgabe 1980
Einstellung 1986
Erscheinungsweise halbjährlich
Weblink elastemgzn.com

Elaste war ein westdeutsches Pop- und Zeitgeistmagazin, das 1980 in Hannover von Michael Reinboth, Thomas Elsner und Christian Wegner gegründet wurde.<ref name="taz-2025-12-17">Popjournalismus der 1980er: An der Oberfläche kratzen. In: taz.de. 17. Dezember 2025, abgerufen am 18. Dezember 2025.</ref> Es positionierte sich zwischen DIY-Attitüde und glanzvoller Oberfläche und deckte Musik, Mode, Kunst und Gesellschaftsthemen ab.<ref name="dcv-2025">ELASTE – 1980–1986. In: dcv-books.com. Abgerufen am 18. Dezember 2025.</ref> Ab 1982 verlagerte die Redaktion ihren Schwerpunkt nach München.<ref name="jazzthing-2025-10-10">Buch: Elaste 1980–1986. In: Jazz thing & Blue Rhythm. 10. Oktober 2025, abgerufen am 18. Dezember 2025.</ref> Im Jahr 2025 erschien im Berliner Verlag DCV der zweisprachige, 560-seitige Best-of-Band Elaste. 1980–1986.<ref name="dcv-2025" />

Gründung und Konzept

Elaste entstand aus dem Umfeld des hannoverschen Nachtlebens um Reinboth, Elsner und Wegner, die zunächst zu dritt und ohne Verlag, mit selbst akquirierten Anzeigengeldern und viel Eigenarbeit ein Magazin aufsetzten, das Popkultur als Haltung und Oberfläche verstand.<ref name="taz-2025-12-17" /> Das Ergebnis war ein glamourös wirkendes, dennoch DIY-geprägtes Heft, das New-Wave-Zeitgeist, Mode, Kunst und Gesellschaft miteinander montierte.<ref name="taz-2025-12-17" /> Den Titel leiteten die Macher von einem auf der Transitstrecke nach Berlin gesehenen Transparent ab – „elastisch, immer anders“ wurde zum Programm.<ref name="taz-2025-12-17" />

Früh prägten Begegnungen mit Stars den Mythos des Hefts:<ref name="taz-2025-12-17" />

Pingpong-Spiel mit den Rolling Stones im Hannoveraner Niedersachsenstadion

So konnten sie während der Rolling Stones-Tour zum Album Tattoo You 1981 unter anderem bis in die Hotelzimmer der Band vordringen<ref name="taz-2025-12-17" /> und dort ein exklusives Interview mit dem Rolling-Stones-Bassisten Bill Wyman machen. Danach folgten Reinboth, Elsner und Wegner einer persönlichen Einladung Wymans ins Hannoveraner Niedersachsenstadion (Heinz-von-Heiden-Arena). Dort kam es backstage vor dem Konzert zu einem Tischtennisspiel zwischen Bill Wyman, Keith Richards, Ronnie Wood und Michael Reinboth.<ref name="dcv-2025" /><ref>admin: Ping Pong mit den Rolling Stones - E L A S T E. 2. Juli 2020, abgerufen am 6. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Treffen mit Andy Warhol

Ende Oktober 1981 besuchte Andy Warhol anlässlich seiner Retrospektive Andy Warhol, Bilder 1961 bis 1981 Q1<ref>Ausstellung "Andy Warhol: Bilder 1961 bis 1981". Abgerufen am 6. Februar 2026.</ref> auf Einladung der Kestner Gesellschaft die Stadt Hannover. Der Ansturm auf die Ausstellung war so groß, dass sich unzählige Besucher vor verschlossenen Türen drängten. Am Tag von Warhols Ankunft gelang es Reinboth, Elsner und Wegner, ihn am Flughafen Hannover-Langenhagen (Flughafen Hannover) abzupassen und ihm die erste Ausgabe des Elaste-Magazins zu übergeben.<ref>Linus Freymark: München: Michael Reinboth und Thomas Elsner lesen aus „Elaste 1980 – 1986“ im Fat Cat. 23. Dezember 2025, abgerufen am 6. Februar 2026.</ref> Thomas Elsner machte ein Foto von Warhol, das den Künstler dabei zeigt, wie er die Zeitschrift im Foyer seines Wagens liest<ref>So erlebte Michael Reinboth als Gründer von ELASTE, „Germany's first glossy Indie Mag", die 80er in München. In: MUCBOOK. 24. November 2025, abgerufen am 6. Februar 2026.</ref>, dem die Elaste-Gründer daraufhin bis in die Innenstadt folgen sollten.

Im Hotel kam es im Lauf des Tages zu weiteren Versuchen, Warhol auf seinem Zimmer zu erreichen, wobei dieser am Telefon den Satz äußerte: „I like your Magazine, really.“ Unter anderem konnte Elaste dem Künstler eines der Fotos vom Morgen zuschleusen, die von Thomas Elsner inzwischen in der Dunkelkammer der Elaste-Redaktion aufwendig und mit Referenz auf Warhols Kunst koloriert worden waren. Spätnachmittags erhielten sie telefonisch endlich die ersehnte Zusage: „Hallo, this is Andy Warhol, I would like to meet you.“

Das Treffen und das Interview fanden dann im Hotel und auf dem Dinner der Kestner Gesellschaft statt, bei dem Politiker, namhafte Künstler und Galeristen anwesend waren. Andy Warhol bat die Elaste-Crew und ihren Begleiter Andreas Bolle, mit ihm an seinem Tisch zu sitzen.<ref>Redaktion: Elaste: Hochglanz für Rebellen. In: séduction Magazin Germany. 13. Dezember 2025, abgerufen am 6. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> „Vorher kannte uns keiner, danach wollten alle wissen wer wir sind“, erinnert sich Reinboth. Das Interview mit Warhol und eine dem Heft gewidmete Zeichnung wurden in der Elaste-Ausgabe Nr. 3 abgedruckt.<ref name="dcv-2025" /><ref>admin: Dinner With Andy - E L A S T E. 21. Juni 2020, abgerufen am 6. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Redaktion und Entwicklung

Elaste veröffentlichte zwischen 1980 und 1986 exklusive Interviews unter anderem mit Andy Warhol, Kraftwerk, Pedro Almodóvar, Dieter Meier von Yello, Mick Jagger, Marcel Reich-Ranicki, Charles Wilp, Bob Wilson, Boy George, Bill Wyman, John Lydon von den Sex Pistols, Duran Duran und DAF sowie exklusive Fotos von David Bowie, Depeche Mode, Die Toten Hosen, The Human League, Blixa Bargeld, David Byrne, Klaus Nomi, Lounge Lizards, Dead Kennedys, Echo & The Bunnyman, Keith Haring, Robert Smith von The Cure, OMD, Sparks, Paul Weller.<ref name="dcv-2025" />

Im Jahr 1982 zog die Redaktion nach München; die Produktion wurde größer, der Kreis der Beteiligten wuchs, und zeitweise fungierten Ian Moorse und Christopher Roth als Chefredakteure.<ref name="taz-2025-12-17" /> Zum Autoren- und Fotografenteam zählten Giovanni di Lorenzo, Maxim Biller, Thomas Meinecke, Kid P., Steffen Seibert und Diedrich Diederichsen sowie eine frühe Fotostrecke von Ellen von Unwerth.<ref name="taz-2025-12-17" /> Reinboth etablierte später in München das Label Compost Records, während die Magazinmacher ein Übernahmeangebot von Gruner + Jahr ausschlugen.<ref name="taz-2025-12-17" /> Thomas Elsner arbeitete später als Creative Director und Grafiker unter anderem für Vogue, Miss Vogue, Männer Vogue und die deutsche Ausgabe von Harper's Bazaar und gestaltete Kampagnen für Modeunternehmen wie Strenesse Q1.

Seit 2022 treten Reinboth und Elsner zusammen unter dem Namen Elaste DJ Set in Diskotheken auf.<ref>Tassilo Dicke: ELASTE 1980-1986 – “I like your magazine, really.” In: FAZEmag. 9. Dezember 2025, abgerufen am 10. Februar 2026.</ref>

Inhalte und Stil

Elaste agierte an der Schnittstelle von Pop-Avantgarde, Subversion und Stilbewusstsein und mischte Ranglisten, Gossip, Interviews und opulente Bildstrecken mit einer klaren Zeitgeist-Attitüde.<ref name="fazemag-2025-12-11">ELASTE 1980-1986 – „I like your magazine, really.“ In: fazemag.de. 11. Dezember 2025, abgerufen am 18. Dezember 2025.</ref> Inhaltlich standen New Wave, Post-Punk, Mode und die entstehende Club-Kultur im Fokus, welche das Heft mit einem urbanen, internationalen Blickwinkel rahmte.<ref name="jazzthing-2025-10-10" /> Formal verband das Magazin großformatige, glänzende Gestaltung mit DIY-Produktion und einem betont visuellen Zugriff auf Popkultur.<ref name="dcv-2025" />

Publikationsgeschichte und Nachwirkung

Die Zeitschrift erschien von 1980 bis 1986; die letzte Ausgabe kam 1986 heraus, nachdem sich Termine wiederholt verzögert hatten und das Projekt finanziell prekär blieb.<ref name="taz-2025-12-17" /> Im Jahr 2025 wurde Elaste. 1980–1986 als opulente Rückschau vorgelegt; der Band ist zweisprachig (Deutsch/Englisch), umfasst 560 Seiten und rund 900 Abbildungen.<ref name="dcv-2025" /> Begleitende Berichte ordnen Elaste als prägendes deutsches Zeitgeist-Magazin der frühen 1980er-Jahre ein.<ref name="jazzthing-2025-10-10" /> Das Magazin ist zudem Thema in Erika Thomallas Oral-History-Studie Gegenwart machen. Eine Oral History des Popjournalismus, welche den Popjournalismus der 1980er- und 1990er-Jahre historisiert.<ref name="taz-2025-12-17" /> Das zugehörige Buch erschien bei Schöffling & Co.<ref name="schoeffling-2025">Gegenwart machen – Erika Thomalla. In: schoeffling.de. Abgerufen am 18. Dezember 2025.</ref>

Die drei Gründer von Elaste zählen inzwischen zu den Erfindern und Protagonisten der 1980er-Jahre-Popkultur in Deutschland, eines neuen deutschen Journalismus und einer innovativen Form der Magazingestaltung.<ref>Capriccio: Popjournalismus, Dürer und die Farbe des Jahres - hier anschauen. Abgerufen am 6. Februar 2026.</ref><ref name="schoeffling-2025" />

Literatur / Edition

Elaste. 1980–1986 (Hrsg. Thomas Elsner, Michael Reinboth), DCV, Berlin 2025, 560 S., zweisprachig (DE/EN).<ref name="dcv-2025" /> Weitere Angaben und eine Übersicht über Motive und Inhalte der 16 Heftnummern findet die Selbstdarstellung des Projekts.<ref name="elastemgzn-2025">Home – ELASTE: Last Exit, First Return / Elaste 1980–1986 — The Book. In: elastemgzn.com. Abgerufen am 18. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Einzelnachweise

<references />