Eleasar ben Juda ben Kalonymos
Eleasar ben Juda ben Kalonymos auch Eleazar ben Jehudah aus Worms<ref>Eleazar ben Jehudah aus Worms. Geb. ca. 1165 in Mainz; gest. ca. 1230. Metzler Lexikon jüdischer Philosophen, 2003 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag, Stuttgart, auf spektrum.de [1]</ref> ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}, auch als Akronym: Rokeach „der Salbenmischer, Apotheker, Parfümeur“) (geboren um 1165 in Speyer<ref name="Reuter">Reuter: Warmaisa. 1000 Jahre. S. 52.</ref> oder Mainz;<ref name="Elbogen">Elbogen: Germania Judaica. S. 453.</ref> gestorben 1238 in Worms<ref name="Reuter" />) war Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Worms.
Leben
Sein Vater war Rabbiner in Mainz.<ref name="Elbogen" /> Eleasar erhielt seine theologische Ausbildung bei seinem Vater, in Metz bei Elieser ben Samuel und in Regensburg bei Juda ben Samuel. Er heiratete Dolza, Tochter des Mainzer Kantors Elieser ben Jakob. Sie hatten zwei Töchter, Bellet (geboren um 1183,<ref>Carmi, S. 387.</ref> ermordet 1196) und Hanna (geboren um 1190<ref>Carmi, S. 388.</ref> ermordet 1196), und einen Sohn, Jakob. Eleasar scheint in Mainz keine Stelle gehabt zu haben, vielmehr sorgte seine Frau für den Unterhalt der Familie.<ref name="Elbogen" />
Im Vorfeld des Dritten Kreuzzuges kam es im Februar 1188 auch in Mainz zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. Er floh zusammen mit dem Großteil der Gemeinde auf die Burg Münzenberg in der Wetterau,<ref name="Elbogen" /> damals im Besitz der Ministerialenfamilie von Hagen-Münzenberg. Eleasar hinterließ über die Ereignisse einen Bericht.<ref>Bericht des Elasar bar Juda. In: A[dolf] Neubauer und M[oritz] Stern: Hebräische Berichte über die Judenverfolgung während der Kreuzzüge. (= Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland. 2). Berlin 1892, S. 77, 216.</ref> Eleasar ben Juda ging von Münzenberg nach Erfurt, wo er Kantor war.
Um 1190 erhielt Eleasar ben Juda die Stelle eines Rabbiners der Jüdischen Gemeinde in Worms. Hier gründete er auch eine eigene Jeschiwa und war Mitglied des dreiköpfigen rabbinischen Gerichts.<ref>Ephraim Kanarfogel: The Intellectual History and Rabbinic Culture of Medieval Ashkenaz. Wayne State University Press, Detroit 2013. ISBN 978 0 8143 3024 1, S. 40, 50.</ref> Bei dem Pogrom von 15. November 1196 wurden seine beiden Töchter, Bellet, 13 Jahre alt,<ref>Carmi, S. 387f.</ref> und Hanna, sechs Jahre alt<ref>Carmi, S. 388.</ref> von zwei Männern ermordet, die in sein Haus eindrangen. Seine Frau, Dolza, die noch fliehen konnte, wurde von den Tätern eingeholt und ebenfalls ermordet. Er selbst, sein Sohn Jakob und einige seiner Schüler wurden verletzt. Einer der Täter wurde gestellt und bestraft.<ref>Elbogen, S. 441f.</ref> Von dem Ereignis berichtet auch der Chronist der Jüdischen Gemeinde in Worms des 17. Jahrhunderts, Juspa Schammes, in seiner Geschichtensammlung Ma'asseh nissim.<ref> Juspa Schammes: Eleasar ben Jehuda, genannt Rokeach. In: Fritz Reuter und Ulrike Schäfer: Wundergeschichten aus Warmaisa. Juspa Schammes, seine Ma'asseh nissim und das jüdische Worms im 17. Jahrhundert. Warmaisa, Worms 2007. ISBN 3-00-017077-4, S. 9f; ebd.: Dolzas Ermordung, S. 11. </ref> Eine Spolie aus der Synagoge in Worms trägt eine Inschrift, die eine „Bellette“ nennt. Er wird auf die Tochter des Eleasar ben Juda bezogen.<ref>Michael Brocke: Bellette und ihr Pfeiler in der Wormser Frauensynagoge. „Unsere Töchter, Säulen gleich, Bildhauerwerk, des Tempels Zier“. In: Der Wormsgau. 33 (2017). {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0084-2613|0}}{{#ifeq:1|0|[!] }}{{#ifeq:0|1
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}}. ISBN 978-3-88462-380-0, S. 29–36 und Irene Spille: Anhang – Versuch einer Zuordnung des Bellette-Pfeilers. In: ebd., S. 37f.</ref><ref>Nissa Mindel: Rabbi Elasar ben Jehuda aus Worms (Circa 4920–4998; 1160–1238). Jüdische Persönlichkeiten. Die Rischonim. Jüdische.Info, Chabad-Lubawitsch Media Center, auf de.chabad.org [2]</ref>
Auf den Versammlungen der Gemeinden der SchUM-Städte 1220 in Mainz und 1223 (Taqqanot SchUM (תקנות שו״ם)) vertrat Eleasar die Gemeinde von Worms und trat als Mitunterzeichnender der Beschlüsse der Versammlung auf.<ref name="Elbogen" />
Eleasar wurde auf dem Heiligen Sand, dem jüdischen Friedhof von Worms, bestattet.<ref name="Elbogen" /> Die Grabstätte ist nicht erhalten.
Werk
Theologisch lag sein Schwerpunkt im Bereich der Mystik, insbesondere der Chasside Aschkenas. Sein wichtigstes Werk ist der Rokeach (Salbenmischer), worin er Festtagsvorschriften und Speisegesetze behandelt. Der vorangestellte Abschnitt über Gottesfurcht, Demut und Ethik war grundlegend für die Verbindung von Ethik und Halacha. Das Werk Sefer Chassidim seines Lehrers Juda ben Samuel hat er überarbeitet und ergänzt.<ref>Elbogen: Germania Judaica. S. 454.</ref> Ein Kommentar zur Haggada, teilweise erhalten in der Londoner Haggada<ref group="Anm.">British Library, Signatur: Add. MS 14762.</ref>, wird ihm zugeschrieben.<ref>David Goldstein: Die Londoner Haggada aus der British Library. Ein hebräisches Manuskript aus der Mitte des 15. Jahrhunderts geschrieben und illustriert von Joel ben Simeon Feibusch Aschkenasi mit einem Kommentar zugeschrieben Eleazar ben Juda aus Worms. Herder, Freiburg 1985. ISBN 3-451-20188-7, S. 14.</ref> Auch war er Dichter von Texten, die in der Synagoge vorgetragen wurden. 58 Schriften von ihm sind erhalten, überwiegend aber nicht gedruckt.<ref>Vollständige Listung bei: Ḳamelhar: Rabenu. S. 67 ff.</ref> Wissenschaftliche Kontakte bestanden zu Elieser ben Joël ha-Levi, Eleasar ben Samuel aus Verona, Baruch ben Samuel aus Mainz, David ben Kalonymos aus Münzenberg und Jehuda ben Kalonymos aus Speyer. Zu seinen Schülern zählen Isaak ben Mose Or Sarua, später in Wien, Samuel ben Kalonymos und Abraham ben Alexander aus Köln.
Auf seine ermordete Frau, Dolza, der Tochter des Kantors Elieser ben Jakob, dichtete er ein Loblied.<ref> Fritz Reuter und Ulrike Schäfer: Wundergeschichten aus Warmaisa. Juspa Schammes, seine Ma'asseh nissim und das jüdische Worms im 17. Jahrhundert. Warmaisa, Worms 2007. ISBN 3-00-017077-4, S. 12–15. </ref>
Werke
- {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}, Halachisch-ethisches Handbuch für den Alltag; 497 Paragraphen zu jüdischem Recht, Moral und Frömmigkeit, in klarer Sprache für Laien.
- {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr}}, mystisch-ethische Abhandlung über Gottesverehrung und religiöse Innerlichkeit; nur handschriftlich überliefert.
- {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr}}, Anleitung zu Buße, Reue und Sündenbekenntnis; weit verbreitet unter verschiedenen Titeln in Liturgie und Responsen.
- {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr}}, Lehrschrift über die Einheit Gottes, die Seele und die drei Entwicklungsstufen des menschlichen Lebens.
- {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr}}, theologischer Traktat über Gottes Einheit und Unkörperlichkeit; Abwehr anthropomorpher Aggada-Deutungen.
- {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr}}, ethisch-mystisches Werk aus dem Schülerkreis Eleasars von Worms; Betonung von Demut, Gottesfurcht und geistiger Läuterung.<ref>Eleazar ben Jehudah aus Worms. Geb. ca. 1165 in Mainz; gest. ca. 1230. Metzler Lexikon jüdischer Philosophen, 2003 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag, Stuttgart, auf spektrum.de [3]</ref>
Literatur
Werkausgaben
- Isaac Meiseles: Shirat Ha-Roke'ah. The Poems of Rabbi Eleazar ben Yehudah of Worms. Jerusalem 1993. [In hebräischer Sprache mit einer englischsprachigen Einleitung].
Sekundärliteratur
- Dana Eichhorst: Kabbalah from Medieval Ashkenaz and Renaissance Theology: Eleazar of Worms (c. 1165-c. 1238) and Egidio da Viterbo (c. 1469-1532). Brepols, Turnhout 2025. ISBN 978-2-503-61844-9.
- T. Carmi (Hrsg.): The Penguin Book of Hebrew Verse. Penguin Books, New York 1981, ISBN 0-14-042197-1.
- Ismar Elbogen u. a. (Hrsg.): Germania Judaica 1: Von den ältesten Zeiten bis 1238. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1963.
- Yiśraʼel Ḳamelhar: Rabenu ʾElʿazar mi-Germeza ha-"Roḳeaḥ" : Ḳorot ḥayaṿ u-meʾoraʿotaṿ, peʿulotaṿ ṿe-shiṭato, rabotaṿ, talmidaṿ u-sefaraṿ, ṿe-gam seder yuḥaso. (= Rabbi Eleasar aus Worms: Sein Leben, Wirken und Lehrsystem), Rzeszów 1930. ND Hotsaʾat Aṭeret, 1970.
- Ephraim Kanarfogel: The Intellectual History and Rabbinic Culture of Medieval Ashkenaz. Wayne State University Press, Detroit 2013. ISBN 978 0 8143 3024 1, S. 361–373.
- Hanna Liss: Copyright im Mittelalter? Die esoterischen Schriften von R. El'asar von Worms zwischen Traditions- und Autorenliteratur. In: FJB. 21, 1994, S. 81–108.
- Hanna Liss: El'azar Ben Yehuda von Worms: Hilkhot ha-Kavod. Die Lehrsätze von der Herrlichkeit Gottes. Mohr Siebeck, 1997, ISBN 3-16-146778-7.
- NN: Eleasar ben Juda aus Worms. In: Jüdisches Lexikon. Band 2, Berlin 1927. S. 340. Lexikoneintrag in Online-Ausgabe.
- Fritz Reuter: Warmaisa: 1000 Jahre Juden in Worms. 3. Auflage. Eigenverlag, Worms 2009, ISBN 978-3-8391-0201-5.
- Saverio Campanini: Sefer ha-Chokma. Das zahlenmystische Vermächtnis des El‘azar von Worms. In Laura V. Schimmelpfennig, Reinhard Gregor Kratz: Zahlen- und Buchstabensysteme im Dienste religiöser Bildung. (= Band 5, Studies in Education and Religion in Ancient and Pre-Modern History in the Mediterranean and Its Environs) Mohr Siebeck, Tübingen 2019, S. 213–224.
Weblinks
- Eleazar ben Juda im Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“{{#if:| (nebst weiteren Datensätzen)}}
- {{#if: | {{{Autor}}}: |{{#if: | {{{3}}}: }}}}{{#if: Jeeleaza ben Judah ben Kalonymos of Worms | Jeeleaza ben Judah ben Kalonymos of Worms. In: Isidore Singer (Hrsg.):| Eintrag] in der}} Jewish Encyclopedia. {{#if: | Band {{{Band}}}, Funk and Wagnalls, New York|}} {{#if:|{{#switch: {{{Band}}}.
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Anmerkungen
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Einzelnachweise
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