Eos (Mythologie)
Eos ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), Ēṓs) ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Morgenröte. Ihre römische Entsprechung ist die Aurora, nach der auch das rot-grünliche Polarlicht benannt wird.
Mythos
Abstammung
Eos wird gewöhnlich als Titanin angesehen. Sie ist die Tochter des Titanenpaares Hyperion und Theia. Ihre Geschwister sind der Sonnengott Helios und die Mondgöttin Selene<ref>Hesiod, Theogonie 371–374</ref>. Nach anderer Überlieferung<ref>Homerischer Hymnos 31 (An Helios), 1–7</ref> ist sie dagegen, wie Helios und Selene, die Tochter des Hyperion und seiner Schwester Euryphaessa, „der weithin Leuchtenden“. Römische Dichter nennen sie dagegen Pallantis, also Tochter des Pallas.<ref>Ovid, Fasti 4,373; Valerius Flaccus, Argonautica 2,72</ref>
Bedeutung
Eos’ Thron steht an der Quelle des Okeanos. Sie taucht allmorgendlich mit ihrem Gespann aus dem Okeanos auf, daher trug sie den Beinamen Erigeneia, „die Früherwachende“<ref>Z. B. Homer, Ilias 1,477; Hesiod, Theogonie 378–382</ref>. Sie fährt ihrem Bruder Helios bei dessen Reise über den Himmel im eigenen Wagen voraus. Ihre Pferde heißen Phaethon („Schimmer“ oder „der Glänzende“) und Lampos („Glanz“ oder „der Helle“).<ref>Homer, Odyssee 23,246</ref>
Homer beschreibt Eos als anmutige,<ref>Homer, Ilias 9,707</ref> schön gelockte,<ref>Homer, Odyssee 5,390</ref> rosenfingerige Gottheit ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))<ref>Homer, z. B. Ilias 1,477 und 6,175</ref> in einem safran-farbigen Kleid.<ref>Homer, Ilias 8,1; 19,1 und 24,695</ref>
Partner
Mit ihrem ersten Gatten, dem Titan Astraios, hatte Eos viele Kinder, neben dem Eosphoros (Morgenstern – römisch Lucifer) auch die vier Winde Zephyr, Notos, Boreas und Euros.
Eos und Ares
Aus einem Gedichtfragment der Dichterin Sappho<ref>Sappho, Fragment 140</ref> geht hervor, dass Eos’ Liebschaft mit dem Kriegsgott Ares Aphrodite, die Göttin der Liebe, erboste, die Eos aus Rache mit unstillbarer Begierde nach jungen sterblichen Männern erfüllte. Seither musste Eos sich, wenn sie morgens über den Horizont zog, überall nach jungen Männern oder Knaben umsehen. Dies trieb ihr die Schamröte ins Gesicht, und der Himmel errötete mit ihr. Eos’ Verhältnisse mit Sterblichen sind jedoch nicht ungewöhnlich. Hesiod führt ihre Verbindung mit Kephalos in einer langen Liste von Beziehungen zwischen Göttinnen und Sterblichen an, aus denen Kinder entspringen.<ref>Hesiod, Theogonie 967–968</ref> Das Akroterion von Caere im Staatlichen Museum zu Berlin zeigt Eos mit einem Knaben, der seiner Größe nach dem Kindesalter noch nicht entwachsen ist.<ref>Marilyn Y. Goldberg: The „Eos and Kephalos“ from Caere: Its Subject and Date. In: American Journal of Archaeology. Band 91, Nr. 4, 1987, S. 605–614, Abb. 1.</ref>
Eos und Tithonos
Den Tithonos, einen Prinzen aus dem Geblüt des Ilos, entführte und heiratete sie und erbat von Zeus für diesen die Unsterblichkeit. Allerdings vergaß sie – anders als Selene für ihren Geliebten Endymion – auch um die ewige Jugend zu bitten. So alterte Tithonos, unfähig zu sterben, er schrumpfte ganz ein, und seine Stimme wurde immer schriller, so dass ihn Zeus schließlich aus Mitleid in eine Zikade verwandelte, die seither Eos begleitete. Beide hatten zwei Söhne, Emathion (der von Herakles getötet wurde) und Memnon,<ref>Hesiod, Theogonie 984 ff. und Vergil, Aeneis 1,489</ref> König der Aithiopier, den Achilleus im Kampf um Troja erschlug, wie Arktinos von Milet in seinem verlorenen Werk Aethiopis beschrieb. Eos entführte den Leichnam des Memnon und brachte ihn nach Aithiopien zurück. Dessen Tod beweint sie noch immer, und ihre Tränen fallen jeden Morgen als Tau vom Himmel. Memnons Grab in der Nähe von Theben wurde mit den Memnonkolossen bezeichnet, die jeden Morgen einen Laut von sich gaben, der wie eine Harfe klang<ref>Sherman E. Lee: An Etruscan Mirror with Eos and Memnon. In: Bulletin of the Cleveland Museum of Art. Band 40, Nr. 2, 1953, S. 32–35, hier: S. 33.</ref>.
Weitere Liebschaften
Liebesverhältnisse hatte Eos unter anderen mit den Sterblichen Kleitos<ref>Homer, Odyssee 15,572–575</ref> und Orion<ref>Homer, Odyssee 5,118–128</ref>. Ihre Affäre mit dem Athener Kephalos führte dazu, dass dessen Frau Prokris starb. Beider Sohn war Phaethon (nach anderen Quellen ein Sohn des Helios). Auch mit dem Knaben Ganymed, den Eos oder Zeus auf den Olymp entführt hatten, soll sie eine Liebschaft gehabt haben.<ref>Scholien zu Apollonios Rhodios 3,115</ref>
Darstellung in der Antike
In der griechischen Kunst wird Eos etwa seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. geflügelt dargestellt. Eine bekannte Darstellung findet sich auf dem Pergamonaltar. Ein etruskischer Spiegel zeigt eine Eos mit vier Flügeln, die den toten Memnon nach Aithiopien bringt<ref>Sherman E. Lee: An Etruscan Mirror with Eos and Memnon. In: Bulletin of the Cleveland Museum of Art. Band 40, Nr. 2, 1953, S. 32–35, hier: S. 33.</ref>.
Unter dem Wagen der Eos werden oft Delfine und Seepferde dargestellt<ref>Marilyn Y. Goldberg: The „Eos and Kephalos“ from Caere: Its Subject and Date. In: American Journal of Archaeology. Band 91, Nr. 4, 1987, S. 608.</ref>, um den Okeanos anzudeuten.
Darstellungen von Eos, die sterblichen Knaben und Männern nachstellt oder sie wegträgt, waren auf attischen Vasen sehr beliebt, der Katalog von Kaempf-Dimitriadou<ref>Sophia Kaempf-Dimitriadou: Die Liebe der Götter in der attischen Kunst des 5. Jahrhunderts v. Chr. Bern 1969, S. 76–109.</ref> nennt 147 Beispiele.
- Eos ergreift Tithonos, Kylix des Telephos-Malers (Boston 95.28). Museum of Fine Arts, Boston.
- Eos und Kephalos, Amphore des Niobiden-Malers, Rijksmuseum van Oudheden, Leiden (PC 78: ARV2 605, no. 58; LIMC III, 1986, S. 761 Nr. 77, Taf. 77)
- Eos und Kephalos, Pelike des Niobiden-Malers, Königsberg (LIMC III, 1986, S. 761 Nr. 76, Taf. 76)
Kultstätten
Ihr Kult ist selten, lediglich in Athen scheint sie verehrt worden zu sein, wohl wegen ihrer Verbindung mit Kephalos. So waren Eos und Kephalos auf dem Tempel der Athener in Delos dargestellt<ref>Martin Robertson: A History of Greek Art. Cambridge University Press, Cambridge 1975, S. 356.</ref>.
Deutungen
Nach Robert Graves entwickelte Eos sich aus der vedischen Muttergöttin Ushas. Er deutet Eos’ Liebesaffären mit jungen Sterblichen als Allegorien: Die Morgendämmerung lässt die nächtlichen Leidenschaften der Liebenden wieder aufflammen.<ref>Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2007.</ref>
Stammbaum der Titanen (vereinfacht)
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| Uranos | ←— | Gaia | ←— | Chaos | |||||||||||||||||||||||||||
| Göttergeschlecht | der Titanen | ||||||||||||||||||||||||||||||
| Hyperion | Theia | ||||||||||||||||||||||||||||||
| Selene | Eos | Helios | |||||||||||||||||||||||||||||
Trivia
- Der Name der Göttin diente auch als Namensgeber für das von 2006 bis 2015 produzierte Coupe-Cabriolet Volkswagen Eos.
Literatur
- Jakob Escher-Bürkli: Eos. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band V,2, Stuttgart 1905, Sp. 2657–2669.
- Mary R. Lefkowitz: “Predatory” Goddesses. In: Hesperia. Band 71, Heft 4, 2002, S. 325–344.
- Tobias Leuker: Eos. In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 5). Metzler, Stuttgart/Weimar 2008, ISBN 978-3-476-02032-1, S. 258–261.
- Adolf Rapp: Eos. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 1,1, Leipzig 1886, Sp. 1252–1278 (Digitalisat).
Weblinks
- Vorlage:Mythoskop
- Eos in Meyers Konversationslexikon
- Eos im Theoi Project (englisch)
Anmerkungen
<references />